Das Shooting

Abenteuer zu erleben, zumal, wenn man wie ich ein Ich hat, das das für einen erledigt, ist nicht schwer. Es braucht ein Schweizer Taschenmesser, den unerschütterlichen Glauben daran, dass die Bluterei einmal aufhört, und natürlich ein Handtuch. Nun, das Handtuch ist nicht ganz so wichtig, aber es hilft.

Es war nie meine Absicht, Abenteuer zu bestreiten, die Sterne zu bereisen oder den Wald der Buchin zu besuchen. Aber Dinge geschehen. Immerzu und, wie man in der Innerschweiz sagt, allport!

Da ihr vielleicht, nur vielleicht, den Wunsch hegt, von diesen Abenteuern zu hören, dann sei hierrauf verwiesen: «Die wirklichwirklichwahren Abenteuer des SMY in der Anderswelt»

Wer nichts von alledem wissen will, dem sei hier das Ende des Internets wärmstens empfohlen: LINK

Alle anderen kommen mit mir!

Der 29. September morgens. Ich wollte wieder einmal Fotos machen, denn, wie einige wissen, ist das mein Beruf. Ich packte Stiefelhosen und Kamera ein und machte mich auf den Weg in den Wald der Buchin. Da ich den Wald seit einigen Jahren und seit einem ganz besonderen Vorkommnis stets bei mir trage, war der Weg nicht weit.

Was mir vorschwebte, waren Aufnahmen von Nixen, Nymphen, Blubberern oder gar einem Gurgler, und das hiess, dass ich mich ins Wasser wagen müsste. Der kleine Bach, der sich von Nordwesten her durch den Wald der Buchin bis hinunter zum sumpfigen Birkenhain zieht, ist der richtige Ort für ein solches Vorhaben. Ach was habe ich da Nixen gesehen!

Als ich an jenem mit riesigen Moosen und Farnen bewachsenen Teil ankam, bei dem der Bach nicht mehr gurgelnd und singend über die Steine springt, sondern still und gemächlich und gar nicht tief über den moorigen Boden kriecht, zog ich mir die Stiefelhosen über und trat hinaus  ins kühle Wasser, um auf mein erstes Sujet zu warten.

Übrigens, damit es keine Missverständnisse gibt, es gab, gibt und wird niemals Fotos von Nixen, Gurglern oder Blubberern geben. In meiner Kamera war selbstverständlich kein Chip und auch zu Hause habe ich keine Fotos. Nixen können nicht fotografiert werden. Geht nicht. Ausgeschlossen. Wer was anderes erzählt, ist ein stümperhafter Lügner.

Ich liebe nur das Fotografieren der Wesen im Wald der Buchin. Ich brauche keine Fotos von ihnen. He, jeder braucht ein Hobby, kümmert ihr euch um das eure!

Nach einiger Zeit tauchte tatsächlich eine Nixe auf. Sie kannte mich schon lange und ich und ihre Freunde haben oft Zeit am Bach verbracht. Hnnn, so war ihr Name, was ehrlich gesagt genau dem Geräusch entspricht, das mir jedes Mal, wenn ich sie sehe, entwischt, lugte aus dem Wasser. «Fotoshooting?», fragte sie. «Wenn du magst», antwortete ich, und schon war sie untergetaucht und weg.

Ich wartete sicher zehn Minuten im kalten Nass, als plötzlich das Wasser aufschäumte und ein echter Gurgler sein nasses Haupt über die aufgeschäumten Fluten hob. Er war wirklich happy, dass man ihn einmal fotografieren wollte, und auch wenn wir beide wussten, dass es nicht ein einziges Foto geben würden, hatten wir ein tolles Shooting!

Manchmal kann man etwas machen, ohne das gleich was Bleibendes dabei rausspringt. Man macht es einfach so. Der Drang des Menschen, sich immer überall und für alle Zeiten zu verewigen, ist dumm. Wen interessiert es, ob ein Film in der Kamera steckt, wenn man gerne fotografiert? Und wen, ob es Publikum gibt, wenn man gerne musiziert? Ich kenne einen Mann, der seit vierzig Jahren politische Reden hält und das nur dann, wenn er alleine ist. «Ach weisst du», sagte er mir einmal, «ich habe Angst vor Menschenmengen, aber ich halte einfach so gerne politische Reden!»

Und die Moral von der Geschicht? Moral? Kann man hier nicht einfach mal ne Geschichte erzählen? Moral! Pah!

Und nicht vergessen: Am 31. Oktober 2019 im Gartensaal der Kustorei: «Die wirklichwirklichwahren Abenteuer des SMY in der Anderswelt» Alle Infos auf der Veranstalter-Seite: www.kulturfläck.ch

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