Vorsicht Röntgen

Ferienzeit, und es ist doch immer dasselbe: Da kommt man vom Lagunennebel (auch M8 oder NGC 6523 genannt) zurück und am Zoll wird man wieder blöd angemacht, weil auf dem Röntgenbild des Koffers etwas zu sehen ist, das diesen Typen Angst macht.

Wo steht denn bitte geschrieben, dass keine Aliens in die Schweiz eingeführt werden dürfen, hä? Die haben sich natürlich nicht einmal getraut, den Koffer aufzumachen, und erst als ich beteuert habe, dass es doch gar keine Aliens gebe, durfte ich den Koffer öffnen.

Gut, das hätte ich nicht tun dürfen, und der Tumult geht auf meine Kappe. Aber ich habe halt gehofft, das Chaos, wenn das kleine gefrässige Viech aus dem Koffer springt, könnte mir etwas Zeit für die Flucht verschaffen. Und so war es ja auch. Noch etwas kauend, das mir den Eindruck machte, es hätte einmal von einer Zöllner-Uniform stammen können, kam Bubsi gegen halb elf am Abend bei mir an und schaute mich vorwurfsvoll an. Natürlich wusste ich, dass das Show ist, denn er liebt das Beissen und Reissen wie sonst gar nichts. Nun, ich zeigte ihm noch das Foto, das ich schnell von ihm auf dem Röntgenbildschirm gemacht hatte. Er reckte die Schultern und war mächtig stolz. Das Foto hängt nun am Kühlschrank. Für die, die es nicht erkennen auf dem Foto: Der Kopf ist links oben zu sehen.

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Und hier noch eine Skizze (zu fotografieren ist leider unmöglich).

Das Ei des Kolumbus

Die meisten Museen haben eines gemeinsam: Sie stellen alten Plunder aus. Geschichte eben.

«Schaut, Kinder, damit haben früher die Ritter einander die Eingeweide aus dem Körper gehackt. Nennt sich Hellbarde und wurde in der Schweizerarmee 1983 durch das Sturmgewehr 90 ersetzt. Oder das dort, das ist eine römische Tonscherbe. Man nennt sie Terra Sigillata. Da noch eine, und da noch eine etwas kleinere. Diese ist etwas grösser, diese ist etwas röter, da noch eine und da und das da ist glaube ich nur ein Kaugummi.

Auch Kunstmuseen stellen meist altes Zeug aus, weil die neuen noch nicht berühmt sind. Da gibt es van Gogh, Picasso, Dali, Rubens, und dann noch einige andere, aber die sind nicht so wichtig. Das da ist ein Sonnenblumenfeld. Der hat gespinnt, der van Gogh, drum hat er das so ein bitzeli unnatürlich gemalt. Das da ist vom Rubens. Seine Frau war etwas beleibt, grösser als er und sehr, sehr hartnäckig. Drum musste er sie immer wieder malen. Das da vorne ist der Kiosk. Dort könnt ihr von allen Postkarten kaufen, und wer will einen Kaugummi. Ah, und dort der Dali! Der hat auch ein bitzeli gespinnt. Alles ist ganz verzogen und seltsam; auch die Uhren und alles. Ich glaube, er mochte Kaugummi.»

Nun, ich muss nicht weiterschreiben. Wir alle haben die wahrscheinlich langweiligsten Stunden unserer Jugend sicher gut memoriert. Natürlich liegt das nicht nur an den Museen. Dass Anita – oder hiess sie Barbara? –  und ich grad vier Tage «zusammen» waren, hat mich sicher abgelenkt, oder überhaupt das Dingens mit der Pubertät. Aber so ganz grundsätzlich sind Museen, vor allem auf dem Land, doch eher ganz schrecklich langweilig.

Doch das muss nicht sein. Das Kantonsmuseum Luzern in der Löffelburg ist saumodern, hip wie ein schwuler schwarzer Rabbi namens Ahmed und so interaktiv, dass selbst das Smithsonian Institute gerne wissen wollte, wie wir so etwas machen können.

Beispiel gefällig?

Das Ei des Kolumbus. Das haben wir. Natürlich! Jedes Museum braucht etwas furchtbar Geiles, das die Leute anzieht. Und wenn man das nicht hat, dann tut man wenigstens so, als ob das, was man hat, furchtbar geil wäre.

Wir also haben das Ei des Kolumbus, das ich höchstpersönlich und ungelogen besorgt habe.

Na und?, werdet ihr euch nun fragen. Was ist daran so besonders?

Es ist hyperinteraktiv!

Was ist das Ei des Kolumbus? Folgendes war passiert. Chris, wie er von seinen Freunden genannt wurde, hatte im Atlantik einige völlig zugewucherte Inseln angefahren. In der Meinung, er hätte Indien entdeckt und dies sein nun wirklich die Reise nicht wert gewesen, fuhr er frustriert wieder nach Spanien zurück. Dort angekommen, wurde er natürlich zu einem Bankett eingeladen. Die Anwesenden konnten ja nicht ahnen, dass das, was Kolumbus da entdeckt hatte, nicht Amerika war – das im Übrigen vorher schon von Indianern, später den Wikingern und noch später Amerigo Vespucci, der Amerika seinen Namen gab, entdeckt worden war –, sondern die Bahamas, und Kolumbus in seiner verqueren Art auch noch behauptete, es sei Indien. Genuesen!

Nun ja, er wurde mächtig gefoppt an dem Abend, denn nach der fünften oder sechsten Sangria war man allgemein der Meinung, dass es nicht gerade schwierig sei, einfach über das Meer zu fahren und irgendwann Indien zu entdecken.

Da Kolumbus während seiner gesamten Fahrt zu den Bahamas nur Alkohol getrunken hatte – das Wasser war schon brackig angeliefert worden –, war er recht gut geeicht und sein bisschen Verstand war noch beisammen. So rief er nach einem gekochten Ei, das ihm auch alsbald gebracht wurde.

«Stellt dieses Ei auf seine Spitze, dass es stehen bleibt!», rief er den Anwesenden zu und gab das Ei in die Runde. Jede und jeder versuchte es, scheiterte aber kläglich. Zuletzt waren alle etwas geknickt und behaupteten, dass diese Aufgabe unmöglich zu lösen sei. Da nahm Kolumbus das Ei, und klopfte es mit der Spitze auf den Tisch, dass die Schale einknickte und das Ei still und fest auf der Tischplatte stand.

Ah, da war ein Toben und Rufen. Betrug!, schrie man und irgendeinen rief: «So hätte das jeder gekonnt!» Da nahm Kolumbus das Ei, schälte es und stopfte es sich in den Mund. «Ja»,  gab er mit vollem Mund zurück, «jeder hätte dasch gekonnt, aber nur ich habe esch getan!»

Jetzt schaut es euch gut an, dieses Ei des Kolumbus, und fragt euch, ob ihr zu denen gehören wollt, die tun könnten, oder ob ihr zu denen gehören wollt, die es auch wirklich tun.

So, merkt ihr die Interaktivität, ja? Spürt ihr sie schon?

Gut, weil das Ei wirklich verdammt teuer war und der, welcher es mir verkauft hatte, sagte, es sei wirklich enorm interaktiv!

Selbstzensur

Über die Selbstzensur

Was darf Satire und was nicht? Was ist wann und wo opportun und was nicht?

Eigentlich sollte hier ein anderer Text stehen, den ich aber, aus Gründen der Selbstzensur, oder besser auf Wunsch Dritter, entfernt habe. Er war nicht böse. Er war nicht beleidigend, er war satirisch und befasste sich mit dem Dickdarm eines ausgestorbenen Dickhäuters und dessen Einfluss auf die heutige Gesellschaft. Natürlich hatte es einen Bezug zu etwas, dieser war jedoch so hübsch versteckt, dass nur Eingeweide, meine Eingeweihte oder der Osterhase den Zusammenhang entdecken konnten. Allen anderen wäre es nur ein satirischer Text gewesen.

Nun, ich habe ihn, um den Frieden zu wahren gelöscht.

Ist das richtig? Muss also ein Satiriker aus Rücksicht auf Freunde, Bekannte oder Verwandter usw., bzw. zu deren Schutz weil sie allenfalls aus Geschriebenem negative Folgen zu gewärtigen hätten, sich selbst einer Zensur unterwerfen?

Nein, eigentlich nicht – müssen, mein ich. Er kann, er darf, naja den ganzen gesellschaftlich, moralischen Unsinn eben, aber er muss nicht.

Wer in einem kleinen Dörflein lebt und einen zweifelhaften Charakter wie den meinen sein eigen nennt, muss zwangsläufig diesem oder jenem auf die Füsse treten. «Wer über Leichen geht, geht weicher!», ist eigentlich mein Motto, aber ich werd es nun ändern in «Auch Comedy ist schön!»

In der Gesellschaft ist man nie alleine, Ellenbogen an Ellenbogen stehen wir uns gegenseitig unentwegt auf die Füsse. Alleine unserem Bedürfnis nach Friede ist es zu verdanken, dass wir uns nicht ohne Unterlass gegenseitig verdreschen. Und alleine des Friedens wegen wegen habe ich den Artikel gelöscht.

Die Satire ist, in all dem Gerangel und sich gegenseitig auf die Füsse und in Fettnäpfchen treten ein Ventil. Kluge Griechen haben sie ersonnen um in den engen Gassen Athens lebend nach Hause zu kommen, obwohl sie die Wahrheit gesagt haben. Es waren, wie sollte es anders sein Helden, und kamen gleich nach den nackten Typen die bei den Turnveranstaltungen oder Schlachten das Publikum ergötzten.

Heute ist das nicht mehr so, was wohl daran liegt, dass die Gassen Athens und der Welt um ein vielfaches enger sind als damals. Ich habe also Verständnis dafür, dass der Wunsch den Eintrag zu löschen kam. S’gibt einfach zu viele Füsse …