Archiv der Kategorie: Satire

Selbstzensur

Über die Selbstzensur

Was darf Satire und was nicht? Was ist wann und wo opportun und was nicht?

Eigentlich sollte hier ein anderer Text stehen, den ich aber, aus Gründen der Selbstzensur, oder besser auf Wunsch Dritter, entfernt habe. Er war nicht böse. Er war nicht beleidigend, er war satirisch und befasste sich mit dem Dickdarm eines ausgestorbenen Dickhäuters und dessen Einfluss auf die heutige Gesellschaft. Natürlich hatte es einen Bezug zu etwas, dieser war jedoch so hübsch versteckt, dass nur Eingeweide, meine Eingeweihte oder der Osterhase den Zusammenhang entdecken konnten. Allen anderen wäre es nur ein satirischer Text gewesen.

Nun, ich habe ihn, um den Frieden zu wahren gelöscht.

Ist das richtig? Muss also ein Satiriker aus Rücksicht auf Freunde, Bekannte oder Verwandter usw., bzw. zu deren Schutz weil sie allenfalls aus Geschriebenem negative Folgen zu gewärtigen hätten, sich selbst einer Zensur unterwerfen?

Nein, eigentlich nicht – müssen, mein ich. Er kann, er darf, naja den ganzen gesellschaftlich, moralischen Unsinn eben, aber er muss nicht.

Wer in einem kleinen Dörflein lebt und einen zweifelhaften Charakter wie den meinen sein eigen nennt, muss zwangsläufig diesem oder jenem auf die Füsse treten. «Wer über Leichen geht, geht weicher!», ist eigentlich mein Motto, aber ich werd es nun ändern in «Auch Comedy ist schön!»

In der Gesellschaft ist man nie alleine, Ellenbogen an Ellenbogen stehen wir uns gegenseitig unentwegt auf die Füsse. Alleine unserem Bedürfnis nach Friede ist es zu verdanken, dass wir uns nicht ohne Unterlass gegenseitig verdreschen. Und alleine des Friedens wegen wegen habe ich den Artikel gelöscht.

Die Satire ist, in all dem Gerangel und sich gegenseitig auf die Füsse und in Fettnäpfchen treten ein Ventil. Kluge Griechen haben sie ersonnen um in den engen Gassen Athens lebend nach Hause zu kommen, obwohl sie die Wahrheit gesagt haben. Es waren, wie sollte es anders sein Helden, und kamen gleich nach den nackten Typen die bei den Turnveranstaltungen oder Schlachten das Publikum ergötzten.

Heute ist das nicht mehr so, was wohl daran liegt, dass die Gassen Athens und der Welt um ein vielfaches enger sind als damals. Ich habe also Verständnis dafür, dass der Wunsch den Eintrag zu löschen kam. S’gibt einfach zu viele Füsse …

 

 

«Euer Ehren, mit Verlaub, Sie sind ein Hornochse!»

Die Abteilung Gesellschaftsforschung des Kantonsmuseums Luzern hat sich in der Löffelburg ausgiebig mit einem interessanten Forschungsthema beschäftigt: dem Schimpfwort.

Das Wort Schimpf ist eigentlich einer Beleidigung unwürdig. Schimpf, nein, viel zu schön, um gemein zu sein. Und so ist es auch. Im Althochdeutschen bedeutete skimph noch scherzen, sich vergnügen, und noch im 12. Jahrhundert wurde skimpharifür Possenreisser und fahrende Schauspieler verwendet.

Möglicherweise über die Scherz- und Spottgesänge bekam das Wort später eine negative Bedeutung. Heute steht es für fluchen, verspotten, beleidigen.

Schimpfworte bieten die höchst erfreuliche Möglichkeit, sie fast endlos aneinanderreihen zu können und dabei auf unwichtiges Beigemenge wie «der», «die», «das» verzichten zu können. «Du hirnverbrannter, scheissblöder Vollidiot!», um etwa eine sehr, sehr kurze Komposition zu nennen, soll hier als Beispiel herangezogen werden. Das Dazunehmen von allerlei Verben und Adjektiven kann natürlich den Sturm beleidigender Nomen ungemein bereichern und in dem Masse den Schimpf ausschmücken, in dem der Verfasser oder die Verfasserin geistig dazu in der Lage ist. Ein «Du Ukulele fickender, schwanzloser [sich widersprechende Aussagen haben ebenfalls Tradition im Schimpf], von einer Kuh und einem Scheisshaus gezeugter, hirntoter Flachwichser!» ist zwar eine etwas lahme Beleidigung, erfüllt aber zur Erklärung ihren Zweck.

Der Schimpf ist aber auch ein Fluchen. Verfehlt etwa beim Nageln des Hammers Bahn das Ziel und trifft stattdessen des Daumens Nagel, so dient das ausführliche, auch mit zum Teil schwer gotteslästerlicher Würze versehene Fluchen der Ablenkung vom schmerzenden, blutenden und sich mit Sicherheit blau verfärbenden Pollex. Auch hier wollen wir ein kleines Beispiel einer wie eben beschriebenen Situation herbeiziehen: «Ahhhh, gottverdammter elender Scheisshammer, vermaledeiter!» Die Schuldzuweisung auf das Gerät, eine Gottheit, das Wetter, eine x-beliebige Person oder anderes ist bei solchem Geschimpfe typisch und dient, wie der Schimpf selber auch, der Ablenkung – meist der, nicht an die eigene Unfähigkeit denken zu müssen, einen Sechziger-Nagel in so ein verdammt hundskommunes Scheissbrett nageln zu können.

 

Das Schimpfwort als Beleidigung

Das Schimpfen hat also nicht nur eine spannende geschichtliche Reise hinter sich, sondern erfüllt auch den Zweck der psychischen Hygiene. Umso bedauerlicher ist es, dass dem Schimpf heutzutage alle Kultur abhanden kommt und leider meist in fantasieloser, lediglich diskriminierender Weise Verwendung findet.

Das schöne «Elender Hundsfot» [Hundsfot = Geschlechtsorgan einer Canis lupus familiaris], zum Beispiel ist durch ein banales «Du blöde Fotze» ersetzt, und statt fantasievoll dem anderen die eigene geistige Überlegenheit und Wortkenntnis präsentieren zu können: «Ihr seid wahrhaftig Bruder und Vater eurer Schwester! Möge eure Familie auf ewig in diesem Sinne weiterbestehen!» werden heute bloss noch rassistische oder Minderheiten verunglimpfende Sätze wie «Du schwule Sau!» gestammelt.

Das «Du schwule Sau» ist in der Tat beleidigend und es ist nicht zu verstehen, weshalb der Umstand, dass jemand homosexuell ist, als Beleidigung herbeigezogen werden kann.

Auch ist nicht begreiflich, dass die Tatsache, dass jemand aus dem Balkan stammt, als Beleidigung gelten soll.

Jemanden mit dem Körperteil eines Tieres oder Menschen zu vergleichen, ist bereits aus der Antike bekannt und hat in allen Kulturkreisen eine lange Tradition. Weshalb ist nichts dazugekommen? Die Beleidigung «Du Windows!» könnte doch hervorragend herangezogen werden, um jemandem klarzumachen, dass er nicht richtig programmiert ist, also etwas gaga ist. Oder «Du blöder SUV!» statt «Breitarschiger, egoistischer Idiot!».

Es ist also festzuhalten, dass die moderne Technologie bisher nicht in das Vokabular des Schimpfes Einzug halten konnte.

Es sei an dieser Stelle auch auf ein Lied des Schweizer Musikers und «Landesbarden» Mani Matter verwiesen, der mit «Schimpfwörter sy Glückssach» wenigstens einige der Schimpfwörter, wenn nicht gleich salonfähig, so doch als Teil der Schweizerdeutschen Sprache gefestigt hat.

Heutzutage ist der Schimpf aus allen Bahnen ausgebrochen. Wo er früher noch mit Lust vollzogen wurde, ist es heute nur noch gehässiges Gebrabbel. Auch hat die ganze Genderisierung, politische Korrektheit und der ganze Sprache zerfleddernde Unsinn dem Schimpf geschadet, dass es einer Kastration gleichkommt. Weibliche Geschlechtsteile dürfen zum Beispiel ausser von Jugendlichen und Rappern nicht mehr verwendet werden. Natürlich ergibt es schimpfmässig Sinn, einen Kerl mit einer Vulva oder den äusseren Schamlippen zu vergleichen. Dass heute Frauen dieses Schimpfwort als Beleidigung für die Frau an sich verstehen, ist natürlich einer als positiv zu beurteilenden gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet, dem Schimpf aber schadet es natürlich ohnegleichen. «Du Tunte!» darf natürlich nur noch von Homosexuellen selber verwendet werden und auch das böse N-Wort wird nur noch von schwarzen Menschen in der Musik oder im Film verwendet.

Zu hinterfragen ist, ob der im Schweizerdeutschen noch immer gebräuchliche spöttische Schimpf «Du besch scho weder de Neger!» als Schimpf gelten darf oder nicht, denn immerhin meint man damit, dass der andere ein Opfer ist. Es verweist also auf die oft noch unter Diskriminierung leidenden Mitbürgerinnen und Mitbürger mit dunkler Hautfarbe. Andererseits impliziert es eine vom Rassismus geprägte Annahme, nämlich, dass schwarze Menschen minderwertig und daher Opfer sind.

In der Antike galt das gegenseitige Beschimpfen vor dem Kampf oder einer Schlacht noch als Tugend, und ein guter Schimpf wurde selbst vom Feind bzw. Beschimpften mit Beifall quittiert. Hierzu könnten vielleicht die Rap-Battles als Vergleich herbeigezogen werden.

 

Das Schimpfwort beim Fluchen

Schimpfwörter, die beim Fluchen verwendet werden, sind, wie anfangs erwähnt, einer zweiten Kategorie zuzuordnen. Auch ihr Ursprung geht weit in der Geschichte zurück und sind – wie in vielen Sachbüchern, unter anderem «Asterix als Gladiator», festgehalten wurde – äusserst farbig gestaltet gewesen.

Der Mensch muss sich abreagieren können. Das innere Gleichgewicht kann trotz Meditationen oder geistigen Schulungen wie dem Kolinahr ins Wanken geraten. Das Fluchen kann dabei helfen, sich wieder einzupendeln, anstatt den Ärger herunterschlucken und später an Herz-Kreislauf-Störungen oder psychischen Leiden erkranken zu müssen.

Die meist im Affekt geäusserten Schimpftiraden sind allerdings meist wenig fantasievoll und beschränken sich auf «Gopf!», «Verdammt!», «Ahh, Scheisse!» (französisch «Merde!»), «Fuck!» und Ähnliches. Ausrufe wie «Himmelherrgottnochmal!» bringen ein Unverständnis der göttlichen Fügung zum Ausdruck, wohingegen «Verdammter elender Dreckmist!» auf Objekte bzw. deren nicht oder ungenügendes Funktionieren zielen.

Dass sogenannte Kraftausdrücke Schmerz besser aushalten lassen, bewies in Experimenten schon der Psychologe Richard Stephens. Er ging davon aus, dass Schimpftiraden bei der Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, das die Weitergabe von Schmerzreizen einschränken kann, behilflich sein können.

 

Abschliessende Worte

Abschliessend soll noch festgehalten werden, dass der Gebrauch von Schimpfwörtern allgemein üblich, in der Schweiz jedoch nach wie vor verpönt ist. Werden Schimpfwörter gegen eine Person gerichtet, kann dies je nach Schimpfwort rechtliche Konsequenzen haben.

Wird in übelster Wortwahl geflucht, kann das als Sittenwidrigkeit oder Störung des Friedens oder Störung religiöser Gefühle bzw. Beleidigung des Glaubens geahndet werden.

 

Schimpfwörter sollten also wieder mit mehr Verstand, Fantasie und Respekt benutzt werden. Im Gegenzug sollten die Zimperlichkeiten abgelegt und stattdessen mit gleicher Münze zurückgegeben werden, auf dass wir wieder ausgiebigen und die Umstehenden unterhaltenden Wortgefechten lauschen können. Von Beleidigungen auf Kosten Dritter, auf Kosten von Minderheiten wie (oder Mehrheiten wie im Fall der Frauen) ist abzusehen.

Wer sich dem Vergnügen des Schimpfes hingeben will, sollte dies mit Bedacht tun und die Konsequenzen bedenken. Aufgrund des leider längst abgeschafften Duell-Verbots ist also vor einer Eskalation aufzuhören.

Wer übrigens festgestellt hat, dass wir nicht über das Schimpfen mit Kindern und Jugendlichen geschrieben haben, darf sich einer scharfen Beobachtungsgabe rühmen, und uns ob der Unterlassung schimpfen.

In diesem Sinne: «≈Ωx!øπ®!!!»

 

 

 

 

Pyrus Kyglozya Smy

Kommunikation ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Wirklich sehr kompliziert.

Wenn das Gegenüber nicht dieselbe Sprache spricht, ist es noch schwieriger, und wenn es dazu aus einem gänzlich anderen Kulturkreis stammt, können auch schon mal Tränen fliessen.

Aber all das ist Pipifatz gegen den Versuch der Kommunikation mit extraterrestrischen Lebensformen. Ich sage das nicht einfach so dahin.

Aber von Anfang an.

Kegel IV – mit richtigem Namen Kyglozya, ist ein wirklich unglaublich langweiliger Planet im System Alpha Centauri. Aufgrund mehrerer SF-Serien und Filme der Sechziger- und Siebzigerjahre glauben die meisten, dass es da von sexy blauen Frauen mit ultraengen Bikinis nur so wimmelt. Pustekuchen! Kyglozya ist der vierte Planet der αCentauri und befindet sich 165’235’971  km, also 1.10453424388 astronomische Einheiten, von αC entfernt. Bedenkt man die Grösse von αC, ist schnell klar, dass es auf Kegel IV recht warm sein muss. Ist es auch.

Bevor ich am südlichen Ende eines der vier Kontinente landete, vergewisserte ich mich erst, dass dort einigermassen angenehme Temperaturen herrschten. Ich gab mich mit den 64,4 °C zufrieden und stellte die Klimaanlage meines Skaphanders auf «gemütlich».

Vier Regeln, die Sie bei Neuerkundungen von Planeten beachten sollten:

  1. Feind Nr. 1 bei Ersterkundungen ist die Langeweile. Wer glaubt, auf jedem Planeten würden die Abenteuer warten wie auf einen J. T. Kirk, der irrt sich gewaltig. Es ist meist so unglaublich langweilig, dass man sich einfach wieder in die kryogenische Kammern wünscht, um der Routine entkommen zu können, die so eine Ersterkundung mit sich bringt. Proben nehmen, Notizen machen, Dokumentieren und noch mehr Proben nehmen.
  2. Vergewissern Sie sich beim Probennehmen, dass es sich nicht um eine Lebensform handelt. Das kann sich unangenehm auf Ihre Rückreise auswirken!
  3. Ein Erstkontakt durch ansässige Lebensformen ist oft kaum als solcher zu erkennen, ich benötigte mehrere Tage, bis ich auf Gounthackrnd erkannte, dass meine Kopfschmerzen von der telepathischen Kontaktaufnahme durch die dort lebenden feuerwanzenähnlichen Käfer kamen. Halten Sie sich also bereit, auf jede ungewohnte Veränderung adäquat reagieren zu können.
  4. Pinkeln Sie nur im Raumschiff. Das Urinieren an vermeintliche Bäume kann Sie Ihr Leben kosten.
  5. Nehmen Sie nie etwas mit nach Hause!

Gerne würde ich jetzt behaupten, dass ich mich auskenne und immer den Durchblick habe. Tatsache ist, dass ich jeden Fehler mache, den man machen kann, und das meist sogar zweimal.

Zurück zu Kegel IV. Nach meinem kleinen Ausflug auf dieses öde Stück Felskann ich davon ein Lied singen, das gut und gerne auch als sechsstündige Oper aufgeschrieben, einstudiert, uraufgeführt, verfilmt und nach Teil VI wieder in den staubigen Kellern der Filmgesellschaft verschwinden und vergessen werden könnte. Schuld war die eklatante Missachtung von Punkt 4.

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Die «Pyrus Kyglozya Smy», also «Die von Smy auf Kyglozia gefundene Birne», so nannte ich stolz die Frucht, die ich eines Tages in einem von durch den stetigen Wind wie Steinpilze geformten, von  Felsen, beschatteten kleinen Tal fand.

Natürlich nahm ich sie mit nach Hause.

Frisch aus dem Vakuumbeutel hielt ich sie stolz den Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung für Flora und Fauna des Kantonsmuseum Luzern vor die Nase.

Nachdem ich ausführlich und unter Miteinbezug jedwelcher Übertreibung und Ausschmückung den Hergang der Entdeckung und die Gründe für die Missachtung von Regel 4 erläutert hatte, stellte ich das garstige Ding auf den Tisch und wir begutachteten es ausführlich.

Als das gefährlich aussehende Teil so auf der grauen Platte lag, robbte sich, ganz von alleine, ein USB-Kabel des Computers zu der Frucht hin, worauf bei der ein kleiner Schlitz aufging und sich das Kabel einstöpselte.

Noch bevor wir reagieren konnten, ging das Licht aus. Wie ich erfuhr, offenbar in ganz Beromünster. Zwei Minuten später ging es wieder an, der Computer fuhr hoch, machte piepsende und wimmernde Geräusche. Wir starrten auf den Bildschirm. Und warteten. Und warteten.

Da plötzlich erschien, wie das in SF-Filmen halt so ist, auf schwarzem Hintergrund in grünen Buchstaben «hi».

Was wollten wir tun? Jeder von uns in der Abteilung ist natürlich in extraterrestrischer Kommunikation geschult – was im Übrigen nicht mehr bedeutet, dass der Austausch von Schnaps und Glasperlen und ein freundliches «How!» noch lange keine Kommunikation bedeutet. Wir schauten uns also ratlos an und letztlich blieb mir nichts anderes, als «Hallo» zu schreiben.

Nach etwa drei Minuten Warten schrieb es auf dem Bildschirm: «Ein Rabbi, ein Cowboy und ein nacktes Krokodil kommen in eine Bar. Sagt der Cowboy zu dem Rabbi …» Nun, den Rest will ich euch ersparen. Die angestöpselte Frucht erzählt seither ununterbrochen Witze. Erdenwitze wohlgemerkt. Sie holt sie sich aus dem Internet und auch das Trennen des Computers von demselben beendete das absurde Treiben nicht.

Es wird wohl Jahre dauern, bis der Kegelbirne die Witze ausgehen. Bis dahin müssen wir einfach abwarten. Geduldig warten und hoffen, dass danach ein spannenderes Thema oder vielleicht sogar eine Unterhaltung folgt.

Kommunikation ist eine komplizierte Sache und scheitert meistens an den Missverständnissen, die sich automatisch ergeben, wenn zwei Lebensformen, welcher Art und Herkunft auch immer, sich begegnen.

Piraten-Gen

Wer hat es sich nicht auch schon gewünscht – Pirat zu sein!

Frei von Zwängen und Banden der Gesellschaft über die sieben Weltmeere segeln und tun, was einem gefällt.

Zu diesem Tun, was einem gefällt – und das trübt den Traum – gehört natürlich auch das Kapern von Schiffen, das Abschlachten unschuldiger Schiffsbesatzungen oder Hafenbewohner, das Vergewaltigen der Frauen, Töchter und Mütter der unschuldigen Schiffsbesatzungen und Hafenbewohner, das Rauben, Plündern und Brandschatzen der Häuser der Hafenbewohner und schliesslich auch das Kielholen eigener Kameraden, die sich des Vergehens des Rum-Klaus schuldig gemacht haben.

Die Piraterie ist war kein Zuckerschlecken. Langeweile, unterbrochen von der einen oder anderen Züchtigung oder der vorangegangenen Prügelei, tagelanges Warten auf ein vorbeiziehendes Schiff, der ständige Durst und Hunger waren der wirkliche Alltag der Piraten. Von einem Monat auf See war ein Tag Action.

Ich weiss, wovon ich rede.

Kapitän der «Uristier» Hannes Meyer, auch «Gertel» genannt (weil der Gertel seine Lieblingswaffe war), letzter und einziger Kapitän des einzigen Piratenschiffes unter Schweizer Mannschaft. Foto der British Navy, 1852, National Maritime Museum Greenwich.*

Mein Ururgrossvater war ein Pirat und zählte zu den letzten Halbverhungerten dieses Berufsstandes, die den ersten dampfbetriebenen Kanonenbooten der British Navy zum Opfer fielen und Hals über Kopf das Weite suchen das Piratenleben an den Nagel hängen mussten.**

Nach seiner Gefangennahme und schnellen Wieder-Freilassung (es wird gemunkelt, dass er sich auf einen geheimen Kaperbrief der Royal Navy berufen konnte), kam er wieder in die Schweiz, wo er 1891 als wohl einer der ältesten Piraten im Alter von 98 Jahren starb. ***

Der Pirat lebt in mir weiter. Ich spüre es. Immer an der Grenze, der Gesellschaft zu entgleiten, muss ich mich täglich gegen das Piraten-Gen meines Ururgrossvaters wehren. Es drängt, es ruft ohne Unterlass. Manchmal schliesst sich meine Hand um den nicht existierenden Griff des Schwertes oder Gertels meines Vorfahren.

Was will man dagegen tun? Therapie? Wohl kaum. Zudem bin ich zu geizig, mein Geld mit Seelenklempnern zu teilen. Dann der Alkohol? Hab ich ausprobiert – hat nichts genützt. Natürlich habe ich mit dem Saufen nie aufgehört, denn nur weil es nichts nützt, heisst das ja nicht, dass es schadet. Würde die Piraterie selber helfen? Aber wie soll ich das anstellen. Die Gallia oder Unterwalden kapern? Ich habe nicht einmal ein Segelschiff, und vor Motoren habe ich Angst.

Möglicherweise könnte ich mich als Internetpirat versuchen? Allerdings hat es in diesem WWW mehr Piraten, als jemals auf den Weltmeeren in den kalten Schlund der See gezogen wurden (und das waren fast alle).

Ich werde also einfach dagegen ankämpfen und hoffe, dass, sollte es einmal durchbrechen, der Richter ein Einsehen hat und es – wie ich – auf die Gene meines Ururgrossvaters schiebt.

* Diese Information ist möglicherweise frei erfunden.

** Mit dieser Information sieht es wohl nicht besser aus.

*** Was soll ich sagen …

Geh weg

Die Verwirrnisse der deutschen Sprache sind, das kann man mit Fug und Recht behaupten, eine, wenn auch fragwürdige, so doch beeindruckende Kulturleistung.  So führen Wege hin, aber andere führen hinweg, und ein Gehweg und ein geh weg assoziieren zwar Ähnliches, nämlich ein sich Entfernendes, aber weggehen kann ich seltsamerweise auch mit dem Fahrrad, Fluzeug oder U-Boot. Der Gehweg ist zwar schon längst nicht mehr ein Weg, auf dem man geht, und verkam schon vor geraumer Zeit zu einer Art Campus Martius, auf welchem die kriegerischen Handlungen, die den Zivilistinnen und Zivilisten im täglichen Leben so wichtig sind, geübt werden können. Kampfübungen wie das Ausweichen von überall hinterlassenen Tretminen, Kämpfe zwischen verschiedenen Waffengattungen wie Fahrrad gegen Trottinett, Trottinett gegen FussgängerInnen, oder Hunde gegen FussgängerInnen, Trottinett und Fahrräder und alle zusammen gegen herumrennende Kinder.

Aber in seinem geografischen, räumlichen Sein kann der Weg eines nicht, und das ist weggehen.

PS: Zu dem hier gezeigten Gehweg-Schild könnte viel geschrieben werden, allein es fehlt die Zeit.

Messier 87

Sensationell scharfes Bild des Schwarzen Lochs in der Mitte der Galaxie M87 von Löffelburger «Hoffotograf» geschossen!

Kürzlich ging das Bild eines Schwarzes Lochs durch die Medien. Sieht aus, als hätte es ein Amateurfotograf gemacht, und eigentlich ist nichts darauf zu sehen, was einem ein Schwarzes Loch zeigen würde. Was nur logisch ist, da man ein Schwarzes Loch per definitionem nicht fotografieren kann.

Im Tao Te King (Kapitel 12) steht geschrieben:

«Dreißig Speichen umgeben eine Nabe:
In ihrem Nichts besteht des Wagens Werk.»

Das meint: Die Nabe, also das Nichts, ist das Tao. Man kann das Tao aber nicht sehen – «denn das Tao, das man sieht, ist nicht das Tao» –, und genauso verhält es sich mit supermassereichen Objekten, deren Gravitation so stark ist, dass sie die Fliehgeschwindigkeit von Energie übersteigt, sprich, es kommt keine Energie, also auch kein Licht weg, folglich bleibt es zappenduster. Und zappenduster kann man nun mal nicht fotografieren.

Das alles ist aber keine Ausrede für ein so mieses Bild. Wir kennen alle Aufnahmen von UFOs, die uns in ähnlich verschwommener Weise beweisen wollen, dass dieses dort ein Raumfrachter der Kategorie VII der Raumflotte von Sirius ∑ sei.

Jedenfalls wollten wir es besser machen, und so habe ich heute Nacht ein etwas schärferes Bild geschossen als dieses hier:

Radioteleskopberechnung des Schwarzen Lochs in der Messier 87 Galaxie. Quelle Wikicommons, Event Horizon Telescope
Schwarzes Loch in der Mitte der Galaxie M87. Aufnahme Simon Meyer mit Leica SL

Der Unterschied ist frappant, nicht wahr?

Nun sagen sich bestimmt viele: «Hm, toll, jetzt ist es schärfer, aber was soll ich damit? Ich verstehe einfach nicht, was ein Schwarzes Loch ist!» Zur Beruhigung: Das tut kaum jemand!

Statistisch gesehen ist die Zahl derer, die verstehen, was ein Schwarzes Loch ist – denn das bedeutet auch, die Relativitätstheorie zu verstehen oder die Quantenmechanik –, etwa vergleichbar mit Inhaltsstoffen in homöopathischen Mitteln, bedeutet: Es ist nichts nachzuweisen.

Ignorieren Sie es einfach. Besser ist das. Ich meine, immerhin kann man sich ja einfach drauf verlassen, dass irgendein Nerd was Gescheites aus dem Wissen um Schwarze Löcher erfindet, oder? Vielleicht ein kleines Taschenschwarzesloch, wo man die schmutzigen Taschentücher, den Slip der Geliebten, den man sich in der Hast in die Tasche gestopft hat, oder das Dope bei einer Polizei-Razzia reinwerfen kann. In grösserer Ausführung könnte man dort den Atommüll oder korrupte PolitikerInnen entsorgen. Wer weiss. Jedenfalls muss man sich selber keine Gedanken machen. Es wird sich schon richten!

Und was die M87 (Messier 87), also diese Galaxie, in deren Mitte das Event Horizon Telescope aus Radiosignalen dieses Bild errechnet hat, angeht (ja, anders als viele Medien behauptet haben, ist dies kein Foto, sondern eine Berechnung aus Radiofrequenzstrahlung), ja also, das Teil ist 55 Millionen Lichtjahre weg und tangiert uns nun wirklich nicht. Es erübrigt sich für mich daher, näher darauf einzugehen.

 

Und zuletzt, denn was nützt es, einen Fake rauszuhauen, ohne seine Entstehung zu zeigen, der wahre Ursprung unseres Bildes:

Ein orangenes Tuch und zwei blaue Kimonos, eine Leica SL, Belichtungszeit 2,5 Sekunden in einem abgedunkelten Raum und eine 180-Grad-Drehung um die Objektiv-Längsachse.