Archiv der Kategorie: Satire

Wieso wir nichts vom fünfzigjährigen Krieg wissen

Der fünfzigjährige Krieg und wieso Sie nicht wissen, was das war.

Als ich eines Tages in der Nähe von Basel unterwegs war, verlor ich mein Smartphone.

So was geschieht. Täglich. Nicht in Basel, aber sonst wo auf der Welt. Apfels Reichtum gründet zu einem Drittel auf verlorenen Smartphones.

Es passiert also, doch nicht wie bei mir. Denn ich habe gegen ein Gesetz verstossen.

§ 4 des Gesetzes für temporale Reisen: «§ 4.18: Zeitreisenden ist es bei Strafe untersagt, Gegenstände aus ihrer Zeit in eine andere Zeit mitzuführen. Die Strafe kann je nach Schwere des Vergehens zwischen zehn Peitschenhieben und einer definitiven Terminierung liegen.

§ 4.19: Den Mitgliedern der VTM (Vereinigte Temporale Kommission) wird das Mitnehmen von Kleidungsstücken oder Taschen gestattet, wenn sie aus der Ziel-Zeit stammen und die Zustimmung des Ausschuss für temporale Reisen haben.»

Als ich nach 1653 reiste, um den Beginn des fünfzigjährigen Krieges zu untersuchen, ist mir aus Versehen mein Smartphone in den Rucksack gekommen. Normalerweise kontrolliere ich alles dreimal, doch dieses Mal, das muss ich zugeben, habe ich geschludert. Als ich dann zwischen Basel und Mülhausen unterwegs war, wurde ich von einem Sprengel marodierender Soldaten verfolgt, die wohl hofften, dass bei mir etwas zu holen sei.

Ich lief so schnell ich konnte, und irgendwann stolperte ich über einen halbverrotteten Wagen, der am Wegesrand lag. Die Soldaten kamen näher und obwohl ich spürte, dass es mir den Rucksack von der Schulter gerissen hatte, rannte ich weiter. Das war mein Glück, denn letztlich hatten die Soldaten nur den Rucksack im Auge gehabt.

Als ich wieder in der Zentrale war und den Verlust des Smartphones meldete, wurde ich natürlich sofort suspendiert und unter Arrest gestellt. Ein Blick auf unsere Geschichtsbücher zeigte sofort, dass sie sich drastisch verändert hatte. Der fünfzigjährige Krieg hatte nie stattgefunden. Die Kommission berief eine Untersuchung ein.

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Ergebnisse der Untersuchung gegen Smy anhand der ausgewerteten Handydaten, historischen Aufzeichnungen usw. durch die forensische Abteilung der VTM.

Nach Abschluss aller Untersuchungen kann heute Folgendes festgehalten werden: Auslöser für den fünfzigjährigen Krieg hätte die Vergewaltigung der Bürgermeistertochter Helene Matzbach und die Ermordung selbiger und der gesamten Familie sowie die Plünderung des Ortes Bartenheim am 6. September 1651 durch den Hauptmann Johannes Schwarz und seine Truppe sein sollen. Diese Ereignisse haben jedoch nicht stattgefunden.

Am 2. September 1651 besuchte Agent Smy die Region und verlor bei einer Verfolgungsjagd durch eben diese Truppe marodierender Söldner unter der Führung des Johannes Schwarz seinen Rucksack, in welchem sich illegalerweise, jedoch – wie die Untersuchung ergab – unbeabsichtigt ein iPhone X befand. Das iPhone hatte zu diesem Zeitpunkt einen Akkuladestand von 38 %. Am später von Agent Kal sichergestellten Gerät konnten verschiedene Manipulationen durch Unbefugte festgestellt werden. Es wurde letztlich durch Agent Kal in den Händen einer dubiosen Figur namens Jaques de Nostredame gefunden (siehe Foto). Dieser sass nachts in seinem Turm und war mit dem Gerät beschäftigt.

Was das Ausbleiben des Krieges angeht, so stellte sich heraus, dass Johannes Schwarz nach dem Raub eines Rucksacks (wohl der des Agenten Smy) über einen Schulterriemen stolperte und unglücklich in «die Lanz des Wolfbert Hagen gestürzet sey». Er verblutete noch vor Ort. Seine Soldaten, nun führerlos, machten sich auf den Weg nach Strassburg (anstatt nach Mülhausen), wurden jedoch wenig später aufgegriffen und in Gewahrsam genommen. Auf diesem Weg sei auch der Inhalt des Rucksacks zum Magistraten und später zu diesem Jacques de Nostredame gekommen.

Demnach hat die fahrlässige Mitnahme des Smartphones keinen Einfluss auf das Zeitgeschehen und ist demzufolge nicht strafrechtlich zu ahnden.

Abschliessender Beschluss:

Es wird angeordnet, dass das Gepäck vor Reisen durch Fachpersonal der Kommission geprüft wird.

Dem Agenten Smy sind zur Strafe für die Fahrlässigkeit drei Monatslöhne abzuziehen.

Dieser Jacques de Nostredame, der möglicherweise der Sohn des Michel de Nostredame (genannt Nostredamus) war, ist weiterhin unter strenger Beobachtung zu halten.

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Nun, ich habe aus dieser Geschichte etwas gelernt. Und ich hoffe auch, dass da draussen noch der eine oder andere Rucksackriemen zwischen die Beine von Kriegstreibern kommt. Denn ich selber darf ja nicht nachhelfen …

Geister in Beromünster

Am letzten Montag informierten der Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold, die Kantonstheologin Hildegarde Plüske und Prof. Dr. Dr. Kurt von Aah über den Umgang mit den immer häufiger auftauchenden Geistern und Unwesen in Beromünster.

Vermehrt Sichtungen

Seit einiger Zeit häuften sich die Meldungen bei Gemeinde und Kanton über die Sichtung von und Belästigung durch Geister in Beromünster. Diese tauchten denn auch nicht mehr nur nachts auf, wie das in früheren Zeiten ab und zu einmal vorgekommen ist, sondern oft am helllichten Tag.

Im  Atelier der Löffelburg wurde von der Überwachungskamera dieses Bild gemacht:

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Es scheint sich um einen Geist zu handeln, der an einem  Bild zu Gange war, an dem der Löffelburger zurzeit arbeitet.

Aber auch in der Badgass und in der Gärbigass, im Stiftsbezirk, am Friedhof und in mehreren Wohnungen wurden Sichtungen gemacht. Insgesamt wurden alleine im August 34 Sichtungen gemeldet.

Auch Bund ratlos

Nach dem höhnischen Gelächter und den Buh-Rufen, die die Kantonstheologin Frau Plüske erntete, versuchte der Vertreter des Bundes Prof. Dr. Dr. Kurt von Aah das aufgebrachte Publikum zu beruhigen. Es blieb beim Versuch, denn von Aah hatte keine überzeugenden Erklärungen parat, weshalb dieses starke  Geisteraufkommen zu beobachten ist. Der Verdacht, dass Ektoplasma durch die Strahlung von 5G-Antennen mit Energie angereichert werde  und sich so leichter manifestieren könne, sei bisher ohne wissenschaftlichen Beweis geblieben. Man sei aber mit dem Max Planck Institut in Verbindung und prüfe mit Fachleuten auf diesem Gebiet alle Möglichkeiten. Der Bund hat deshalb eine Liste mit Verhaltensregeln erarbeiten lassen und stellte diese dem Publikum vor.

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Teilweise auch Elfen und Ähnliches

Hans-Peter Arnold bestätigte in der Fragerunde ausdrücklich, dass es nicht nur bei Geisterbeobachtungen geblieben, sondern definitiv auch zu Meldungen über zwei Elfen, einem Zwerg, einem Troll und vier offensichtlich unbekannten Wesen gekommen sei.

Das Votum des Löffelburgers, man solle eine Futterkrippe im Stiftstheater aufstellen und Eintritt verlangen, war, wie nicht anders zu erwarten, nicht ernst gemeint, erntete jedoch schallenden Applaus und Zustimmung.

Vermisst

Die öffentliche Informationsveranstaltung schien nicht viel gebracht zu haben, was die Aufklärung betraf.

Abschliessend darf noch die Meldung nachgeführt werden, dass laut Staatsanwaltschaft  die Gastreferentin und der Gastreferent seit jenem Abend offenbar als vermisst gemeldet sind und intensiv in alle Richtungen ermittelt wird.

Es bleibt zu hoffen, dass in dem kleinen Ort bald wieder Ruhe einkehrt.

Aus der Löffelburg erhielten wir allerdings die Warnung, dass man davon ausgehe, dass die Situation bis Allerheiligen noch schlimmer werden könnte, und dass auf den 31. Oktober mit dem Höhepunkt der Emanationen zu rechnen sei.

Die allerallererste Waffe

Aus dem Grabungsbericht vom 4. April 2018

«In der Schicht 4E wurde nebst kleinen Holzkohlenstückchen und versteinerten  Knochenfragmenten (noch nicht bestimmt) ein Stein  mit deutlichen Abschlagspuren gefunden. Der Silex ist in der Tiefe 7,8 cm, in der Breite 8,4 cm und in der dicksten Stelle 3,6 cm dick. Er weist an zwei gegenüberliegenden Seiten Abschlagspuren auf. T. P.»

2,5 Millionen Jahre alter Oldowan

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Mithilfe der Oberflächenexpositionsdatierung (TCN-Datierung) wurde die Zeit des Aufbrechens des Gesteins auf 2,489Mio Jahre vor unserer Zeit datiert (+/- 5’000).

Diese Information sowie die im selben Schichtabschnitt gefundenen Kohlestücke und inkohlten Samen halfen uns, den Hypertemporalen Persecutor HTS-Q7000 zu kalibrieren und den Oldowan, also die steinerne Schlagwaffe, bis zu dem Moment zurückverfolgen zu können, an dem der Abschlag vorgenommen wurde. Unser Mitarbeiter T.  (er möchte anonym bleiben) wurde mit dem HTS-Q7000 verbunden und berichtete Folgendes:

«Als ich zu Bewusstsein kam, sah ich durch das Hypertemporale Sichtfenster in eine recht grüne, mit leichtem Baumbestand bewachsene Landschaft. Vor mir war eine felsige Erhebung von ca. sechzig Metern. In der Felswand war ein Felsausbruch von etwa zwanzig Metern, der eine Höhle mit einer Tiefe von etwa zehn bis fünfzehn Metern bildete. Davor hatte der Felsabbruch einen kleinen Wall mit Geröll angehäuft. Viel des Gerölls ist jedoch an die zehn Meter den Abhang hinabgerutscht.

Es waren recht viele Hominiden in und vor der Höhle. Rechts von mir gab es irgendwelches Geschrei und ein Streit zwischen zwei Gruppen. Ich sah einen der Australopicinen, wie er einen flachen Stein nahm und einem der anderen auf den Kopf schlug. Der schien jedoch wenig beeindruckt zu sein. Der Schlagende bückte sich darauf und schlug seinen Stein an einen anderen Stein, wodurch ein Abschlag entstand. Mit diesem Stein schlug er nun dem anderen wieder auf den Kopf. Das Opfer fiel sofort um und blutete stark aus einer Kopfwunde. Dann zuckte es und tat keinen Wank mehr. Der Schlagende war sichtlich schockiert und warf den Stein weg. Der flog genau in meine Richtung und ich konnte deutlich unser Fundstück erkennen. Der zweite Abschlag, also der stumpfe, erfolgte durch den Aufprall auf einen Stein bei der Landung. Ich bin etwas schockiert, denn ich denke, dass ich hier gerade Zeuge des ersten Totschlags und der Erfindung der Waffe geworden bin!»

Das Beobachtete kann natürlich nicht wirklich als der erste Totschlag bewiesen werden, aber zumindest als der erste der Wissenschaft bekannte.

Seit 2,5 Millionen Jahren benutzt der Mensch Waffen, um andere zu verletzen oder zu töten. Das ist eine lange Zeit und lässt den Wunsch friedensliebender Menschen nach einer pazifistischen Weltordnung lächerlich erscheinen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass es noch spätere Generationen von Archäologen geben wird, die unsere Zivilisation untersuchen können, und die nicht zum Schluss kommen müssen, dass wir für die kommende Katastrophe verantwortlich zeichnen.

Denn dass die Katastrophe kommt, haben wir bewiesen, denn unser Mitarbeiter S.  hat mit dem neuen HTS-Q8000 auch einen Hüpfer in die Zukunft gemacht und konnte dort eine kleine Ausgrabung machen. Dabei hat er das hier gefunden:

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Die Ausgrabung machte er im Jahr 2487 und er teilte uns mit, und das beweisen auch die Fotos, dass er kaum noch Spuren von Zivilisation ausmachen konnte. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Neue Bilder vom Schwarzen Loch

Absolut überwältigende Fotografien eines Schwarzen Lochs im Zentrum von Messier 87 (kurz M87, oder  NGC 4486 bezeichnet)

Wie bereits im April hier MESSIER 87  berichtet, habe ich damals das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie Messier 87 fotografiert. Wer sich erinnert, weiss sicher noch, was für eine gute Aufnahme das war. So gut, dass das Bild bei einer Google-Bild-Suche (Messier 87) ganz vorne mitmischt.

Nun, wie gut auch immer. Ich wollte mehr, ich wollte näher ran und vor allem: Ich wollte geilere Bilder.

Also tat ich das. Ist ja nicht so, dass Messier 87 nicht erreichbar wäre. Gut, den öV würd ich dafür nicht nehmen, aber die 55 Millionen Lichtjahre sind für meine Sally (so heisst nun mal meine Raumschiff, was wird da gegrinst!) ein Klacks.

Jedenfalls hab ich mich gestern auf den Weg gemacht und war so gegen drei Uhr in der Nacht dort. Nun ist die Galaxie doch recht gross und es dauerte eine Weile, bis ich im Zentrum war. Unterwegs hab ich bei Mthhgshhh noch einen kleinen Snack verdrückt, ihr wisst schon, in der kleinen Bar gleich hinter RRt*(/%>#|][Ç{}.

Nach einem Zigarettchen bin ich dann weiter zu dem mächtigen Schwarzen Loch. Natürlich konnte ich nicht wirklich nah ran. Immerhin ist es ein Schwarzes Loch von etwa (6,6 ± 0,4) × 109 Sonnenmassen. Abstand halten ist also ratsam. Ich zückte meine Leica mit dem grossen Tele und knipste ein paar Bilder.

Hier ist das beste davon:

Das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie M87, fotografiert mit einem 24-90er-Objektiv an einer Leica SL

Geil, oder? Seht ihr, wie die zerfetzten und lang gezogenen Sonnen und Wasweissichnichtwasalles von den mächtigen Eruptionen ausserhalb des Ereignishorizonts weggeschleudert wird, nur um dann wieder von der unglaublichen Gravitation angezogen zu werden?

In den Animationen im Fernsehen sieht das ja immer so friedlich aus. Irgendein schwarzes Etwas mit einem anderen verzerrten Etwas drum herum fliegt durchs Universum.

So ein Quatsch. Das ist echtes Drama hier. Sonnen, Sonnensysteme mit Dutzenden von Welten werden über Jahrmillionen immer näher und näher gezogen, bis sie letztlich zerfetzt werden und alles im Schwarzen Loch verschwindet. Sogar andere kleinere Schwarze Löcher können dabei sein. Das gibt dann einen richtigen Rumps!

Das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie M87, fotografiert mit einem 24-90er-Objektiv an einer Leica SL

Ich schaute dem Treiben eine Weile zu, hörte mir Shine On You Crazy Diamond von den Pink Floyd an und, ehrlich jetzt, wenn ich kiffen würde, dann hätte ich mir einen Ofen gebaut, der mindestens armlang und daumendick gewesen wäre.

Aber wer braucht schon Gras, wenn er ein Schwarzes Loch, Pink Floyd und das sanfte Surren von Sallys PCX Hypersol-Antrieb hat!

Der Berg ruft

Neues Bild von d’Aciel Arbogast: «Der Berg ruft»

«Den Prozess des Abtragens und Auftragens dokumentieren zu können, ist ebenso Bestandteil des Bildes wie die Wahl des Ausschnitts, der Farben und natürlich des Inhalts.

Kratzend und schabend nimmt das Werkzeug Material von der Wand. Hinterlässt seine Spuren, seine Zeichnung.

In diesem Sinne sind die Bilder von d’Aciel Arbogast gleichsam auch  Seelenbilder von Baustellen.»

Sten van de Gellen, «Journal des arts, 6/12, 2019»

Das Bild ist, wie alle Kunstwerke von d’Aciel Arbogast, nur als Fotografie  erhältlich. Wie man ja weiss, werden alle Originale zerstört.

it is the man who kills, not the weapon

Das Kantonsmuseum Luzern, Abteilung Gesellschaftsforschung, kam in der Kaffeepause zu dem eindeutigen Schluss, dass wenn eine Bleikugel mit Kupfermantel, angetrieben von einer gesteuerten Explosion in einem Gewehrlauf mit mehr als Schallgeschwindigkeit  in einen Körper dringt und diesen vom Leben in den Tod befördert,  dann, ja dann kann man schon sagen, dass die Kugel und das Gewehr einen nicht unmassgeblichen Teil zur Tötung beigetragen haben.

Wenn sich also das geistig nicht nur minderbemittelte, sondern schwer gestörte Oberhaupt der Vereinigten Staaten von Amerika dahingehend äussert, dass erstens der Mann tötet und nicht die Waffe, und zudem meint, dass es geistig gestörte Männer sind, die man vorzeitig besser prüfen und allenfalls einsperren müsste, dann, ja dann können wir ihm zumindest in Letzterem absolut recht geben.