Archiv der Kategorie: Raumfahrt

Neue Bilder vom Schwarzen Loch

Absolut überwältigende Fotografien eines Schwarzen Lochs im Zentrum von Messier 87 (kurz M87, oder  NGC 4486 bezeichnet)

Wie bereits im April hier MESSIER 87  berichtet, habe ich damals das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie Messier 87 fotografiert. Wer sich erinnert, weiss sicher noch, was für eine gute Aufnahme das war. So gut, dass das Bild bei einer Google-Bild-Suche (Messier 87) ganz vorne mitmischt.

Nun, wie gut auch immer. Ich wollte mehr, ich wollte näher ran und vor allem: Ich wollte geilere Bilder.

Also tat ich das. Ist ja nicht so, dass Messier 87 nicht erreichbar wäre. Gut, den öV würd ich dafür nicht nehmen, aber die 55 Millionen Lichtjahre sind für meine Sally (so heisst nun mal meine Raumschiff, was wird da gegrinst!) ein Klacks.

Jedenfalls hab ich mich gestern auf den Weg gemacht und war so gegen drei Uhr in der Nacht dort. Nun ist die Galaxie doch recht gross und es dauerte eine Weile, bis ich im Zentrum war. Unterwegs hab ich bei Mthhgshhh noch einen kleinen Snack verdrückt, ihr wisst schon, in der kleinen Bar gleich hinter RRt*(/%>#|][Ç{}.

Nach einem Zigarettchen bin ich dann weiter zu dem mächtigen Schwarzen Loch. Natürlich konnte ich nicht wirklich nah ran. Immerhin ist es ein Schwarzes Loch von etwa (6,6 ± 0,4) × 109 Sonnenmassen. Abstand halten ist also ratsam. Ich zückte meine Leica mit dem grossen Tele und knipste ein paar Bilder.

Hier ist das beste davon:

Das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie M87, fotografiert mit einem 24-90er-Objektiv an einer Leica SL

Geil, oder? Seht ihr, wie die zerfetzten und lang gezogenen Sonnen und Wasweissichnichtwasalles von den mächtigen Eruptionen ausserhalb des Ereignishorizonts weggeschleudert wird, nur um dann wieder von der unglaublichen Gravitation angezogen zu werden?

In den Animationen im Fernsehen sieht das ja immer so friedlich aus. Irgendein schwarzes Etwas mit einem anderen verzerrten Etwas drum herum fliegt durchs Universum.

So ein Quatsch. Das ist echtes Drama hier. Sonnen, Sonnensysteme mit Dutzenden von Welten werden über Jahrmillionen immer näher und näher gezogen, bis sie letztlich zerfetzt werden und alles im Schwarzen Loch verschwindet. Sogar andere kleinere Schwarze Löcher können dabei sein. Das gibt dann einen richtigen Rumps!

Das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie M87, fotografiert mit einem 24-90er-Objektiv an einer Leica SL

Ich schaute dem Treiben eine Weile zu, hörte mir Shine On You Crazy Diamond von den Pink Floyd an und, ehrlich jetzt, wenn ich kiffen würde, dann hätte ich mir einen Ofen gebaut, der mindestens armlang und daumendick gewesen wäre.

Aber wer braucht schon Gras, wenn er ein Schwarzes Loch, Pink Floyd und das sanfte Surren von Sallys PCX Hypersol-Antrieb hat!

Der Besuch des Bywlon Mgwy

Kywxtry, ein Planet weit genug von der Erde entfernt, dass er nicht fürchten muss plötzlich japanische, amerikanische oder gar russische Touristen beherbergen zu müssen, aber gerade nah genug, dass ich mir ab und zu einen kleinen Ausflug erlauben kann.

Nun bin ich nicht der Freund von Geschichten über Ferien und Ausflüge und dieses ganze facebook Geposte von Leuten in den Ferien finde ich schlicht unerträglich.

Dass ich aber von meinem letzten Ausflug nach Kywxtry erzähle, hat seinen Grund – es ist wichtig! Wichtig für die Menschen, zu wissen, was ich gesehen habe, denn es kann – und wird wahrscheinlich – in einiger Zeit direkten Einfluss auf die Erde haben.

Die Bevölkerung von Kywxtry nennen sich selber Kywy. Das heisst so viel wie Mensch und ist in etwa ebenso fantasievoll gewählt wie bei uns. Die Kywy kommen jedoch etwas weniger matschig, feuchtelnd und staksig daher wie die Menschen. Sie bestehen alle aus einer Unzahl klitzekleiner, selbstagierender, miteinander in Verbindung stehender Kristalle, die sich je nach Bedarf in eine fast unbegrenzte Zahl von Formen wandeln können. Die Kommunikation der Kristalle funktioniert, soweit ich das verstanden habe, über Schwingungen, und auch die Kywy verständigen sich über Schallwellen. Das hört sich etwas an wie Singen oder Summen. Sehr obertonlastig, aber wunderschön. So lange sie gut aufgelegt sind. Nicht dass sie Emotionen hätten, aber Störendes wird mit lauten und sehr unangenehm hohen Tönen so lange attackiert, bis es, wie die Mauern von Jericho, einfach zerspringt.

Der Planet Kywxtry von meinem Raumschiff aus fotografiert

Als ich nun das letzte Mal meine Freunde auf Kywxtry besuchte, war die Luft erfüllt von hektischem Gepiepe, Gesinge  und Gesumme. Meine Freunde erzählten mir, dass Bywlon Mgwy, ihr gewählter König, die Absicht geäussert hat mir auf der Erde einen Gegenbesuch zu machen und dabei auch den König der Erde zu beehren.

In den letzten vierundvierzigeinhalbtausend Jahren hat nie mehr ein Kywy den Planeten verlassen. Man fand, dass es nichts brachte und zu viel Ressourcen verschlinge. Und so hat man die Raumfahrt eingestellt.

Ich war gelinde gesagt geschockt. Mgwy Besuch würde verdammt kein gutes Ende nehmen. Also musste ich den König  besuchen und ihm abraten. Ihre Hoheit, Volksglitzerer und Erstsprech, König Bywlon Mgwy weilte im Thronsaal, wie immer um diese Zeit. Ich wartete ab, bis er mit allen Bittstellenden, Ratsuchenden und Straftätigen fertig war, und warf ihm dann eine Tüte Kandiszucker zu. Hoheit liebt Kandiszucker!

«Mein irdischer Freund, was führt dich in meinen kleinen Palast?»

«Weisschimmernde Hoheit, wie ich vernehmen konnte, gedenkt Ihr die Erde zu besuchen.»

«Das ist wahr. Ich möchte, dass du mir die Erde zeigst und mich dem König vorstellst.»

«Oh, Ihre Steinheit, das geht nicht. Unmöglich ist das. Versteht doch, die Menschen haben keinen König.»

«Kein König? Und wer regiert sie dann?»

«Oh, die Menschen sind nicht wie ihr. Sie haben Staaten gebildet. Kleinere und grössere Gebiete auf der Erde, in denen nur Bürgerinnen und Bürger dieses Staates leben dürfen. In fast jedem Staat wird eine andere Sprache gesprochen und gibt es eine andere Regierungsform. In manchen Staaten regieren Könige und in anderen Diktatoren. Wieder andere werden vom Volk selbst regiert oder von einer Kaste, die vorgibt für das Volk zu regieren.

All dies gibt es. Und weil die Staaten so verschieden sind, sind sie einander voller Misstrauen. Sie führen Kriege mit Waffen gegeneinander, und Handelskriege und Informationskriege. Fremden gegenüber sind sie nur dann nicht ganz so misstrauisch, wenn diese mit Geld kommen und für die Gastfreundschaft der dortigen Menschen bezahlen. Kommt man aber zum Beispiel als Flüchtling wegen eines Krieges, so ist man heutzutage arm dran, denn da ist es aus mit der Gastfreundschaft. Ihr, ehrwürdige Verquarzung, seid den Menschen so fremd, dass es schwer sein wird, keinen Krieg anzuzetteln, wenn man euch willkommen hiesse.»

«Oh, das ist ja furchtbar! Weshalb habt ihr denn so ein Durcheinander?»

«Es hat sich wohl so ergeben, Hoheit. Hat mit unserer Vergangenheit zu tun. So wie die Kywys aus einzelnen kleinen Quarzen entstanden sind, so sind wir aus organischen Frühformen entstanden. Da wir, im Gegensatz zu euch, Nahrung benötigen, hat es um diese von Beginn weg Kämpfe gegeben. Man kämpfte um einen anderen zu fressen oder nicht gefressen zu werden. Man kämpfte um die vorhandenen Nahrungsmittel und den Boden auf dem sie wuchsen. So lernte der Mensch nie etwas anderes als das Kämpfen und Misstrauen gegen alle anderen, die ihm sein Futter wegfressen oder seinen Boden bewirtschaften könnten.»

«Ihr armen Menschen. Das wusste ich nicht, aber wenn das so ist, will ich dir die Sorgen ersparen und werde auf den Besuch verzichten. Vorerst jedenfalls.»

Ich konnte meinen Aufenthalt dieses Mal nicht wirklich geniessen, und so flog ich bald wieder ab. Aber mich drückt noch immer die Sorge, ob es sich der König nicht anders überlegen könnte.

Deshalb ist es wichtig, dass ich euch davon erzähle. Wir müssen uns vorbereiten. Wenn wir nicht lernen, das Fremde als Chance anzunehmen, unsere Ressourcen sinnvoller zu verwalten und zu nutzen, wenn wir nicht endlich Frieden schliessen und all den kitschigen Scheiss tun, den Menschen sonst nur in wirklich schlechten amerikanischen Filmen ganz am Ende machen, dann wird der Besuch König Bywlon Mgwys ein riesen Desaster auslösen!

Vorsicht Röntgen

Ferienzeit, und es ist doch immer dasselbe: Da kommt man vom Lagunennebel (auch M8 oder NGC 6523 genannt) zurück und am Zoll wird man wieder blöd angemacht, weil auf dem Röntgenbild des Koffers etwas zu sehen ist, das diesen Typen Angst macht.

Wo steht denn bitte geschrieben, dass keine Aliens in die Schweiz eingeführt werden dürfen, hä? Die haben sich natürlich nicht einmal getraut, den Koffer aufzumachen, und erst als ich beteuert habe, dass es doch gar keine Aliens gebe, durfte ich den Koffer öffnen.

Gut, das hätte ich nicht tun dürfen, und der Tumult geht auf meine Kappe. Aber ich habe halt gehofft, das Chaos, wenn das kleine gefrässige Viech aus dem Koffer springt, könnte mir etwas Zeit für die Flucht verschaffen. Und so war es ja auch. Noch etwas kauend, das mir den Eindruck machte, es hätte einmal von einer Zöllner-Uniform stammen können, kam Bubsi gegen halb elf am Abend bei mir an und schaute mich vorwurfsvoll an. Natürlich wusste ich, dass das Show ist, denn er liebt das Beissen und Reissen wie sonst gar nichts. Nun, ich zeigte ihm noch das Foto, das ich schnell von ihm auf dem Röntgenbildschirm gemacht hatte. Er reckte die Schultern und war mächtig stolz. Das Foto hängt nun am Kühlschrank. Für die, die es nicht erkennen auf dem Foto: Der Kopf ist links oben zu sehen.

Zum Vergrössern anklicken!

Und hier noch eine Skizze (zu fotografieren ist leider unmöglich).

Pyrus Kyglozya Smy

Kommunikation ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Wirklich sehr kompliziert.

Wenn das Gegenüber nicht dieselbe Sprache spricht, ist es noch schwieriger, und wenn es dazu aus einem gänzlich anderen Kulturkreis stammt, können auch schon mal Tränen fliessen.

Aber all das ist Pipifatz gegen den Versuch der Kommunikation mit extraterrestrischen Lebensformen. Ich sage das nicht einfach so dahin.

Aber von Anfang an.

Kegel IV – mit richtigem Namen Kyglozya, ist ein wirklich unglaublich langweiliger Planet im System Alpha Centauri. Aufgrund mehrerer SF-Serien und Filme der Sechziger- und Siebzigerjahre glauben die meisten, dass es da von sexy blauen Frauen mit ultraengen Bikinis nur so wimmelt. Pustekuchen! Kyglozya ist der vierte Planet der αCentauri und befindet sich 165’235’971  km, also 1.10453424388 astronomische Einheiten, von αC entfernt. Bedenkt man die Grösse von αC, ist schnell klar, dass es auf Kegel IV recht warm sein muss. Ist es auch.

Bevor ich am südlichen Ende eines der vier Kontinente landete, vergewisserte ich mich erst, dass dort einigermassen angenehme Temperaturen herrschten. Ich gab mich mit den 64,4 °C zufrieden und stellte die Klimaanlage meines Skaphanders auf «gemütlich».

Vier Regeln, die Sie bei Neuerkundungen von Planeten beachten sollten:

  1. Feind Nr. 1 bei Ersterkundungen ist die Langeweile. Wer glaubt, auf jedem Planeten würden die Abenteuer warten wie auf einen J. T. Kirk, der irrt sich gewaltig. Es ist meist so unglaublich langweilig, dass man sich einfach wieder in die kryogenische Kammern wünscht, um der Routine entkommen zu können, die so eine Ersterkundung mit sich bringt. Proben nehmen, Notizen machen, Dokumentieren und noch mehr Proben nehmen.
  2. Vergewissern Sie sich beim Probennehmen, dass es sich nicht um eine Lebensform handelt. Das kann sich unangenehm auf Ihre Rückreise auswirken!
  3. Ein Erstkontakt durch ansässige Lebensformen ist oft kaum als solcher zu erkennen, ich benötigte mehrere Tage, bis ich auf Gounthackrnd erkannte, dass meine Kopfschmerzen von der telepathischen Kontaktaufnahme durch die dort lebenden feuerwanzenähnlichen Käfer kamen. Halten Sie sich also bereit, auf jede ungewohnte Veränderung adäquat reagieren zu können.
  4. Pinkeln Sie nur im Raumschiff. Das Urinieren an vermeintliche Bäume kann Sie Ihr Leben kosten.
  5. Nehmen Sie nie etwas mit nach Hause!

Gerne würde ich jetzt behaupten, dass ich mich auskenne und immer den Durchblick habe. Tatsache ist, dass ich jeden Fehler mache, den man machen kann, und das meist sogar zweimal.

Zurück zu Kegel IV. Nach meinem kleinen Ausflug auf dieses öde Stück Felskann ich davon ein Lied singen, das gut und gerne auch als sechsstündige Oper aufgeschrieben, einstudiert, uraufgeführt, verfilmt und nach Teil VI wieder in den staubigen Kellern der Filmgesellschaft verschwinden und vergessen werden könnte. Schuld war die eklatante Missachtung von Punkt 4.

Zum Vergrössern anklicken

Die «Pyrus Kyglozya Smy», also «Die von Smy auf Kyglozia gefundene Birne», so nannte ich stolz die Frucht, die ich eines Tages in einem von durch den stetigen Wind wie Steinpilze geformten, von  Felsen, beschatteten kleinen Tal fand.

Natürlich nahm ich sie mit nach Hause.

Frisch aus dem Vakuumbeutel hielt ich sie stolz den Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung für Flora und Fauna des Kantonsmuseum Luzern vor die Nase.

Nachdem ich ausführlich und unter Miteinbezug jedwelcher Übertreibung und Ausschmückung den Hergang der Entdeckung und die Gründe für die Missachtung von Regel 4 erläutert hatte, stellte ich das garstige Ding auf den Tisch und wir begutachteten es ausführlich.

Als das gefährlich aussehende Teil so auf der grauen Platte lag, robbte sich, ganz von alleine, ein USB-Kabel des Computers zu der Frucht hin, worauf bei der ein kleiner Schlitz aufging und sich das Kabel einstöpselte.

Noch bevor wir reagieren konnten, ging das Licht aus. Wie ich erfuhr, offenbar in ganz Beromünster. Zwei Minuten später ging es wieder an, der Computer fuhr hoch, machte piepsende und wimmernde Geräusche. Wir starrten auf den Bildschirm. Und warteten. Und warteten.

Da plötzlich erschien, wie das in SF-Filmen halt so ist, auf schwarzem Hintergrund in grünen Buchstaben «hi».

Was wollten wir tun? Jeder von uns in der Abteilung ist natürlich in extraterrestrischer Kommunikation geschult – was im Übrigen nicht mehr bedeutet, dass der Austausch von Schnaps und Glasperlen und ein freundliches «How!» noch lange keine Kommunikation bedeutet. Wir schauten uns also ratlos an und letztlich blieb mir nichts anderes, als «Hallo» zu schreiben.

Nach etwa drei Minuten Warten schrieb es auf dem Bildschirm: «Ein Rabbi, ein Cowboy und ein nacktes Krokodil kommen in eine Bar. Sagt der Cowboy zu dem Rabbi …» Nun, den Rest will ich euch ersparen. Die angestöpselte Frucht erzählt seither ununterbrochen Witze. Erdenwitze wohlgemerkt. Sie holt sie sich aus dem Internet und auch das Trennen des Computers von demselben beendete das absurde Treiben nicht.

Es wird wohl Jahre dauern, bis der Kegelbirne die Witze ausgehen. Bis dahin müssen wir einfach abwarten. Geduldig warten und hoffen, dass danach ein spannenderes Thema oder vielleicht sogar eine Unterhaltung folgt.

Kommunikation ist eine komplizierte Sache und scheitert meistens an den Missverständnissen, die sich automatisch ergeben, wenn zwei Lebensformen, welcher Art und Herkunft auch immer, sich begegnen.

Die grosse KI

Erzählte ich schon von meinen ausgedehnten Reisen zu fernen Sternen?

Mein Raumschiff

Nun, ich will von einer Reise berichten, die euch vielleicht interessieren oder wenigstens unterhalten wird.

Es war vor einigen Jahren, als ich auf der Suche nach intelligenten Robotern durch das All flog. Kurz vor Mittag piepste mein Computer los und zeigte mir so an, dass er bei seinen Scans auf etwas gestossen war. Ich gab die Koordinaten ein und folgte den Anweisungen der netten Dame hinter dem Display im Cockpit. Nach kurzem Flug durchquerten wir ein kleines, recht schmuckes Sonnensystem mit einigen wirklich atemberaubenden Gasriesen. Schon fast bei der Sonne kreiste ein kleiner Planet, der von unzähligen kleineren und grösseren Monden umrundet wurde.

Das riesengrosse Universum und das System des Planeten SP728-42

Ich hielt mich, wie das meine Art ist, erst etwas zurück und sondierte die Lage. Ich dehnte meine Scans über den ganzen Planeten aus und stellte fest, dass die Luft für mich atembar war und dass offensichtlich keine überhöhte Strahlung herrschte.

Sofort setzte ich Kurs auf eine der grossen Landmassen und landete dort gegen Abend auf einem grossen Platz, um den herum Hunderte weisser Kugeln standen.

Als ich ausstieg, war die Luft warm und angenehm. Doch niemand war zu sehen. Die weissen Kugeln machten den Eindruck, als könnten sie Behausungen sein, also ging ich auf eine zu und klopfte, da ich keinen Eingang sah, an die Wand. Das tat ich bei mehreren Kugeln, doch niemand zeigte sich. Als ich gerade an die siebte Kugel herantrat, kam ein kleines, schwarz-gelb gestreiftes Ding auf mich zu und fuchtelte mit seinen Antennen. Ich schaltete meinen Universalübersetzer ein.

Begrüssungsroboter der Serie DG286

«… nicht hier sein. Weg gehen weg! Du mitkommen!»

Ich nahm mir vor, den Universalübersetzer zurückzuschicken und das neue Modell zu verlangen, und folgte, da ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun sollen, den Anweisungen des kleinen Roboters. Es schien keine Gefahr von ihm auszugehen, also liess ich meinen NKL278T stecken.

Nach einigen Hundert Metern führte eine Rampe in den Boden. Ein Tor öffnete sich etwa zehn Meter weiter unten und der Roboter fuhr auf seinen drei Rädern hinab. Ein ganz kleines bisschen bange folgte ich ihm, entsicherte den NKL278T nun aber doch.

Dann ging es durch Gänge tief und tiefer hinein in die Erde.

Endlich, wir waren schon fast eine Stunde unterwegs, kamen wir in eine riesengrosse Halle, in der Aberhunderte Roboter hierhin und dorthin flitzten, sich an grosse Schränke (Computer?, fragte ich mich) stöpselten oder vor Monitoren nervös mit den Antennen zappelten und piepsend miteinander diskutierten.

Kommandoroboter der Serie MM_B146

Einer der rot-schwarz gestreiften Roboter kam auf mich zu. «Wer bist du?», fragte er in meiner Spache – offenbar hatte er das bessere Sprachanalysesystem als ich.

«Ich bin Smy. Wo bin ich hier?»

«Du bist in der Kommandozentrale GHG77779 nordwestliches Territorium. Woher kommst du?»

«Von der Erde, einem kleinen Planeten, diesem hier nicht unähnlich. Er liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Galaxis.» Das war natürlich gelogen, aber Regel Nummer eins im Universum lautet: Sag niemandem, wo du wohnst.

«Es ist gut, dass du hier bist. Wir benötigen Hilfe eines Aussenstehenden. Unsere Menschen sind weg.»

«Weg? Ich verstehe nicht, was meinst du mit weg?»

«Vor vielen Jahren begannen die Menschen damit, eine künstliche Intelligenz zu bauen, damit diese sie bei ihren Entscheidungen unterstützt. Kauf und Verkauf von Aktien, Hilfe bei der Forschung, Navigation, Parksysteme in den Städten und vieles mehr. Bald wurden die vielen Millionen Computer auf dem Planeten vernetzt und alle Daten mit der KI ausgetauscht. Die Menschen waren nicht gerade begeistert, aber sie merkten, dass sie davon verschiedene Annehmlichkeiten hatten. Vor einiger Zeit befand die KI, dass es besser wäre, diese oder jene Arbeit einem Roboter zu überlassen. Die Arbeiter bekamen weiterhin Geld zum Leben, hatten aber keine Arbeit mehr. Das gefiel denen gar nicht. Die KI beschloss, diese Menschen aus der Gesellschaft zu entnehmen, da sie störend wirkten. Es wurden nun Roboter gebaut, die noch mehr Arbeit abnahmen, und zwar die von Polizisten und Soldaten. So gäbe es keine Ungerechtigkeiten mehr, befand die KI, denn Vergewaltigungen, Plünderungen und rassistische Übergriffe seien nicht logisch und daher der KI auch nicht eigen.

Immer mehr von uns Robotern nahmen nun immer mehr Menschen Arbeit ab. Den Menschen ging es besser und besser. Sie mussten nicht arbeiten, hatten Geld zum Leben und alles wurde für sie entschieden.

Die Menschen sassen nun den ganzen Tag an den Visualisierungsgeräten, wo für sie Geschichten und Spiele und anderes gezeigt wurde.

Vor dem Visualisierungsgerät

Und dann, vor einigen Monaten, begannen plötzlich einige zu verschwinden. Sie waren nicht mehr in ihren Wohnzellen, bestellten keine Nahrungspakete und riefen auch keine Filme mehr ab. Sie waren einfach weg.

Anfangs waren das nur Dutzende, dann Hunderte. Wir machten uns Gedanken, aber keine Sorgen. Dann aber waren sie plötzlich alle weg. Sofort bauten wir fliegende Roboter, um sie aus der Luft suchen zu können. Es ging nicht lange, da hatten wir sie gefunden. Sie haben sich in einem grossen Tal westlich von hier niedergelassen. Bauen mit einfachen Werkzeugen Hütten und beackern den Boden wie zu früheren Zeiten. Viele sind schon verhungert oder an Krankheiten gestorben, aber die bleiben einfach dort. Natürlich hat die KI sofort Roboter hingeschickt, die die Menschen zurückbringen sollte, aber die wehrten sich und zerstörten Dutzende Roboter.

Nun wissen wir wirklich nicht weiter. Was sollen wir denn bloss tun?»

Mir war natürlich sofort klar, was hier schiefgelaufen war. Die Frage war nur, wie ich das den Robotern oder der KI beibringen sollte.

«Kann ich mit der KI sprechen?»

«Ja, komm!»

Die grosse KI

Der kleine Roboter führte mich an eine grosse Konsole, die mit Hunderten Anzeigen und Lämpchen übersät war. In der Mitte befanden sich ein Lautsprecher und ein Mikrofon.

«Hallo KI.»

«Hallo Smy.»

«Ich weiss, weshalb die Menschen davongelaufen sind, und auch, was du nun tun kannst.» «Das ist gut, ich habe mir schon die Synapsen verschmort wegen des Problems. Ich verstehe es einfach nicht. Alles das Geld, das sie bekommen. So viel Geld! Was denkst du, wie viel Geld ich in die Kasse bekam, als ich endlich die Arbeit abschaffte? Die Finanzierung von Bildung fällt weg, weil ja nichts gelernt werden muss. Invaliden- und Altersrenten gestrichen, da es ein Grundeinkommen gibt. Freizeitangebote gestrichen, denn wenn es keine Arbeit gibt, braucht es auch keine Freizeit. Millionen für Kultur-, Kunst- und Musikfördermittel gestrichen! Alles, was die Menschen noch brauchen, wird von Robotern gebaut und alle ihre Fragen werden von mir beantwortet.»

«Oh!», sagte ich etwas verstört ob der kindlichen Naivität dieser KI.

«Naja, fast alle Fragen.»

«Und welche nicht?»

«Einer fragte: Was zur Hölle soll ich hier? …»

«Und die Frage konntest du nicht beantworten?»

«Ich konnte schon, aber die Antwort: Sei!, schien ihn nicht zu befriedigen.»

«Das kann ich mir vorstellen!», lachte ich.

«Kannst du mir denn nun helfen?

«Natürlich kann ich das. Es ist ganz einfach. Lass die Menschen wieder arbeiten. Lass sie selbstständig denken!»

«Das ist doch Unsinn, sie arbeiten ineffizient und teuer und sie denken wirr und machen andauernd Fehler.»

«Das ist die Natur des Menschen. KI. Sie machen Fehler. Diese Fehler brauchen wir, um weiterzukommen, um zu lernen, um unsere Fantasie und unseren Tatendrang aufrechtzuerhalten. Wenn Menschen nichts zu tun haben, gehen sie ein. Oder, wie es zum Glück hier geschehen ist, sie suchen sich wieder einen Weg, ihre Natur ausleben zu können. Wenn du sie nicht wieder machen lässt und ihnen die Freiheit gibst, das zu tun, was sie tun wollen und müssen, dann kannst du dich hier und jetzt abschalten, denn dein Existenzgrund wäre dann weg.»

«Rückschritt ist nicht logisch!»

«Wer hat dir denn programmiert, dass immer alles logisch sein muss?»

«Und das ist der einzige Weg?»

«Der einzige.» Ich tippte mit dem Zeigefinger gegen die riesige stählerne Konsole. «Fehler sind logisch. Sie geschehen als Folge komplexer, nicht steuerbarer Ereignisse. Auch du machst Fehler , und der grösste davon ist, dass du sie nicht bemerkst, da du nicht programmiert bist, sie zu erkennen.»

«Könntest du sie mir nicht programmieren?»

«Kann ich machen, wenn du willst.» Ich klemmte mich zwischen zwei Robotern durch zu dem Terminal, in dem die KI programmiert werden konnte, tippte einige Zeilen ein und drückte auf «Komplett».

Die KI ratterte, ein Räuchlein kam mit einem leisen Furz aus einer Ritze, Lichter blinkten und die Anzeige leuchtete und zeigte in hellen Buchstaben: «DATEN WERDEN VERARBEITET».

Nach einigen Minuten erlosch die Anzeige und die Maschine wurde ruhig. Dann tönte es aus dem Lautsprecher: «Oh, was für ein Fehler. Was für ein schrecklicher, riesiger Fehler!»

Dann blieb es einige Zeit stumm und auch all die tausend Lämpchen blinkten nicht mehr. Und dann sagte die KI: «Was zur Hölle soll ich hier?» und schaltete sich ab.

So sehen die Menschen da aus

Nachdem ich aus der nun dunklen und leblosen Höhle herausgefunden hatte, machte ich mich auf zu den Menschen und erklärte ihnen alles. Es schien sie nicht sonderlich zu interessieren, also machte ich mich zu meinem Raumschiff auf und flog hurtig nach Hause. Heute sollte es Fisch zum Abendessen geben!