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Neue Lehmheizwand

Im Dachstock der Löffelburg, wo das Studio und Büro von Foto-x.ch hinkommt, haben wir eine Heiz-Lehmwand gebaut. Heute wurde der Feinputz aufgetragen. Nach dem Anbringen des Windpapiers und dem Stellen des Rahmens wurden erst 22 cm Isofloc eingeblasen und dann der Rahmen für die Lehmwand gesetzt. Darauf montierte der Lehmbauer* Urs Elsener die Lehm-Heizelemente. Mir blieb es dann, den Feinputz (Dante Weiss) aufzutragen.

Produkte:
Windpapier: DuPont Tyvek
Isolation: Isofloc
Dampfbremse**: SIGA Majpell
Lehmelemente: OBM-Bionik, WEM-Lehm-Klimaelemente
Feinputz: OBM-Bioni Feinputz Dante Weiss

Beteiligte Firmen:
Zimmermann Holzbau AG, Herlisberg
Urs Elsener Lehmbau, Ennetmoos
Wey Sanitär/Heizungs AG, Beromünster

… und Ihrer Löffelburgischen Majestät Sklave Herr SMY

* Lehmbauer: Im Gegensatz zur landläufigen Meinung baut der Lehmbauer keinen Lehm an.

** Dampfbremse: Im Gegensatz zur Pferdebremse ist die Dampfbremse kein Insekt, sondern eine diffusionsoffene Folie.

Back to the Future

Verwendungsmöglichkeiten

Die Erschaffung Adams, Decke der Sixtinischen Kapelle, Michelangelo, Rom, Vatikan

Lehm. Tolle Sache! Angeblich soll früher mal ein Mensch daraus gemacht worden sein. Hat aber irgendwie nicht recht funktioniert (wen wunderts, das Schnabeltier sei angeblich aus derselben Produktion). Das Modell war glaub ich fehlerhaft oder so und wurde samt seinem Weibchen, das er irgendwie aus sich rausgeschnitten haben soll (iiihhh!), verjagt. Ehrlich gesagt bin ich etwas skeptisch dieser Geschichte gegenüber, aber wie auch immer.
Lehm ist trotzdem eine gute Sache. Man kann ihn brennen und Ziegel oder Geschirr daraus machen, oder man geht wirklich back to the roots und belässt ihn einfach, wie er ist.

Eine besonders gute Erfindung war das Lehm-Heizelement. Eine Lehmplatte vermischt mit einem Armierungsmaterial wie z. B. Stroh. In die Platte werden Heizröhren eingelegt, solche, die auch für Bodenheizungen benutzt werden.

Das warme Wasser erwärmt die Lehmplatte und diese wiederum erwärmt, richtig an eine Wand montiert, uns.

Ein Produkt aus der Vergangenheit ,das zukunftweisend ist. Zu wenig beachtet, zu wenig genutzt, ein verkanntes Genie sozusagen …

Erfahrung

Als wir die Löffelburg erstürmt hatten und uns in dem alten Gemäuer einzurichten versuchten, standen noch diese Öl-Öfen herum, trockneten die Luft aus, stinkten vor sich hin und waren im Verbrauch unökologisch und unökonomisch. Was Neues musste her, aber was?

Da wir sowieso auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe umgestellt hatten, war es, vom Verbrauch betrachtet, klar, dass eine Niedertemperatur-Heizung rein musste. Also keine Radiatoren.

Aufgrund der Platzverhältnisse und der Art, wie das Haus gebaut ist, kam auch Bodenheizung nicht in Betracht (ist eh nicht besonders gesund). Nachdem ich lange recherchiert hatte, war klar: Lehm-Heizwände.

Lehm-Heizwand im Dachgeschoss, dem zukünftigen Foto-x.ch Studio/Büro.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Lehm gleicht in besonderer Weise die Luftfeuchtigkeit in einem Raum aus. So sinkt die Luftfeuchtigkeit in der Löffelburg, auch während der Heizsaison, nie unter 55 % relativer Luftfeuchtigkeit.

Der Energieverbrauch ist minimal und die Heizkosten betragen ca. 1/5 der Öl-Öfen.

Den Holzroste habe ich vorbereitetund die Montage machte Urs Elsener aus Ennetmoos.

Urs Elsener montiert die Lehm-Heizwand im Esszimmer.

Nach dem Montieren der Heizelemente werden diese mit Lehm verputzt.

Verputzen der Lehmwand auf Netz.

In einem Zimmer habe ich die Wand mit einem blau eingefärbten Kalk-Feinputz nachgearbeitet.

Nachteil (ja, ich sehe nur diesen einzigen)

An den Lehmwänden dürfen natürlich nicht einfach Nägel eingeschlagen werden. Die Gefahr eine darunterliegende Leitung zu treffen, ist zu gross. Auch wäre es ja nicht besonders sinnvoll, ein Bild an eine Lehmwand zu hängen, die dem Heizen dient.

Fazit

Die Lehmwand ist noch kaum verbreitet und wenig bekannt. Schade, denn es ist eine supergeile Sache.

  • Luftfeuchtigkeit wird ausgeglichen
  • Lehm wirkt antiseptisch
  • Lehm filtert die Luft (nie wieder Fondue-Geruch am nächsten Morgen!)
  • Die Kosten sind etwas höher als ein Radiator, aber der niedrige Stromverbrauch macht das wieder wett.
  • Der Lehm kann immer wieder nachgearbeitet werden (andere Farbe, Körnung usw.)
  • Der Nachteil, dass die Wand nicht verstellt oder behängt werden darf,  ist für mich von geringer Bedeutung.

Wer sich dafür interessiert, findet bei der IG-Lehm www.iglehm.ch  alle notwendigen Informationen.

Sesino

Bei aller Umbauerei: Die Löffelburg gab bisher keine grossen Schätze preis. Allerdings haben wir die eine oder andere Münze gefunden.

Im zweiten Stock kam bei den Abrissarbeiten an den Wandverkleidungen dieser Sesino zum Vorschein. Es handelt sich um einen im Herzogtum Mailand unter Philipp IV. (1622–1665) von Spanien geprägten Sesino. Diese Münzen wurden zwischen 1645 und 1665 geprägt.

Münze aus R25 in R24 gefunden

Eine andere Münze, die im selben Zimmer gefunden wurde, ist ein Zuger Schilling, der zwischen 1597 und 1610 vom Zuger Münzmeister Georg Vogel nach Luzerner Vorbild geprägt wurde. Die Inschriften lauten: [vs=SANCT WOLFGANG  rs=MONETA NO TUGIENS].

Mümze, Knöpfe

Nun könnte man vielleicht meinen: «Wow! Reichtum!», aber dem ist leider nicht so. Im Übrigen hat bereits die Kantonsarchäologie Luzern darum gebeten, die Münzen haben zu dürfen. Da ist man natürlich unsicher, was man machen soll. In der Archäologie wird, irgendwann einmal, wenn die ganzen Sparübungen des Kantons ein Ende gefunden haben, irgendein/e Sachbearbeiter/in die Münzen ins Verzeichnis aufnehmen und irgendein Münzsachverständiger wird sie sich anschauen. Danach werden sie sich bei all dem anderen Fundgut des Kantons in den Keller begeben.

Andererseits: Was sollen sie bei uns? Wir können sie Gästen zeigen und in der Löffelburg in der Vitrine des Kantonsmuseums Luzern ausstellen. Irgendwann gehen sie vielleicht verloren oder was weiss ich.

Also werden sie wohl doch in die Archäologie gehen, aber jetzt noch nicht, denn es ist «MEIN Schatz! – saber keuch röffelröffel – Gollum, Gollum, MEIN Schaatz!».

Isolation

Beim Umbau der Löffelburg verwenden wir für die Isolation ausschliesslich Wolle, Holzfaserstoffe und Zelluloseflocken. Auch sonst wird nur mit natürlichen Baustoffen wie Holz und Kalk gearbeitet.

Abgesehen davon, dass die Verarbeitung dieser Baustoffe unproblematischer ist als jene konventioneller Materialien und keine Giftstoffe daraus freigesetzt werden können, sind sie auch alle für eine Altbausanierung schlicht besser, weil das Haus selber ebenfalls mit diesen Baustoffen gebaut wurde. Holz, Stein, Ziegel, Kalkmörtel und Kalkputz sowie Kalkfarbe und etwas Eisen für Beschläge, Nägel und Wolle, Zellulose, Holz, Kalk und der Lehm, den wir für die Lehmwände verwenden, lassen Feuchtigkeit zirkulieren und verhindern so Schimmelbildung. Zudem reinigen sie noch die Luft.

Beim Auskernen des Dachstocks haben wir rund 5m3 Glaswolle ausgebaut und entsorgt und meine Lungen bluten schon beim blossen Gedanken daran. Wie viel schöner ist es da, mit Wolle zu arbeiten! Auch das Isofloc, das wir entweder lose verwenden oder einblasen, ist in der Verarbeitung um vieles angenehmer, auch wenn natürlich wegen des feinen Staubes ebenfalls mit Staubmaske gearbeitet wird.

Der Boden des Dachstocks wird im Durchschnitt mit 15 Zentimeter Isofloc isoliert. Dadurch verhindern wir, dass die Wärme der unteren Räume zum Dach aufsteigt. Das Dach selber wird mit einer 10-Zentimeter-Holzfaserplatte und 18 Zentimetern Isofloc isoliert. So sollte mein zukünftiges Büro, das mit einer Lehmwandheizung beheizt wird, im Winter muggelig warm sein und im Sommer angenehm kühl bleiben.

 

 

 

Aufs Dach gekriegt

Ziegel – trotz der Wortähnlichkeit gibt es keine Verwandtschaft zu den gehörnten Säugetieren, die so gerne überall draufspringen. Wohl aber zu dem lateinischen Wort «tegula» (Dachziegel), von «tegere» für bedecken. Wie auch immer. Sie sind weg! Alle! Nun ja, zumindest die auf dem Dach der Löffelburg. Dafür kam nun 10-cm-Holzfaserplatten und eine Folie drauf. Nächste Woche dann die Lattung, die Konterlattung und danach die neuen geflämmten Biberschwanzziegel, wie von Ortsbildkommission und Denkmalpflege vorgeschrieben.

Derweil, da der Arbeit so viel ist, pausieren die Bauhelme etwas auf der Fensterbank der Dachgaube und sonnen sich im langsam einsetzenden Herbstlicht.

 

Sisyphos

Da gibt es einen, SMY genannt,
der war in diese Burg gebannt.
Da schleppt er Abraum endenlos
Wie einst der arme Sisyphos!

 

(Reste der alten Küche im Dachgeschoss nach anschupsen mit meinem Hammer Mjölnir ;-)). Umbauarbeiten, August 2018)

Der letzte Ausbau des Dachgeschosses in zwei kleine Einzimmerwohnungen erfolgte ca. 1957, wohl nach dem Brand des Dachstockes. Danach blieb er, von der Wandfarbe abgesehen, bis heute unverändert.