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Löffelburgers Ode an seinen Lieblingssaft

Was ist’s, was ewgen Bösen Schergen heischen

Knurrend, grunzend, gellend Kreischen?

Nicht die Macht ist’s, nicht dein Blut,

nicht deine Seel will diese Brut.

Sie will nur diesen malzig Saft,

531, denn der gibt Kraft!

 

Verzweiflung herreschet alleweil

beim Seelenraub und unterm Beil.

Bei jeder noch so schändlich Tat

hat jeder dort sein Bier parat.

Doch über sie herrsch böser Harm

Drum bleibt das Bier für immer warm!

 

So ist es stets im Höllentief

In blutig, sumpfig, schrecklich Mief,

Doch hier auf heilig Münster Boden

Kann man dies Säftlein herzlich loben.

Denn ewig kühl bleibt mir das Bier

Im Schrank wo ich es kühl und frier!

 

©smy2019

Guillotine d’art

Die Staffelei des Kunstmalers Charles Wyrsch
So ward aus Holz ein Ding gebaut
Mit blankem Stahl versehen
Tausenden hat’s schon gegraut
Als sie das Ding gesehen

Und dieses hat nur einen Zweck
Da hilft dir auch kein Gott
Es haut des Künstlers Rübe weg
Denn das ist ein Schafott!

Sieh die Spritzer auf dem Holz
Von Blau bis Scharlachrot
Sie sind der Künste ganzer Stolz
Doch wartet schon der Tod

Denn nicht mehr lange und der Smy
Er greift zu Farb und Pinsel
Er malt nicht Land und auch nicht Vieh
Sein Ziel sind Blutgerinnsel

Auch will er Lüfte malen
Wenn draussen keine weh‘n
Auch gern die Farb von Zahlen
Die sich im Kreise drehn

So wird aus dieser Staffelei
Die einst die Kunst gebar
Für jede gute Malerei
Gar schreckliche Gefahr

Nur der Geist vom alten Wyrsch
dem dieses Teil gehört'
verfügt recht nett und doch auch wirsch
"Die Kunst wird nicht gestört!

Denn dies ist meine Staffelei
der Smy darf darauf malen
doch bitte keine sauerei
und nur nach Farb und Zahlen!"


Nosce te Ipsum

Nosce te ipsum!

Die Knochen sind des Menschen Halt,
doch diese hier – sie liegen kalt.
Erwarten nicht das Himmelreich
sind einfach kalt und eine Leich.

Der Kreuzzug wars und der Dschihad
der all die Leut gemeuchelt hat.
Dann wars das Öl und dann das Geld,
so geht der Tod um in der Welt.

Am Ende bleibt der grosse Jammer.
Die Leichen in der Totenkammer.
Ach Friede, wärst doch weltenweit,
stets hier in alle Ewigkeit!

Der Mensch ist dumm, so viel ist klar.
Und dennoch ist er wunderbar.
Drum Mensch, egal wie tief du fällst,
denk immer dran: Erkenn dich selbst!

© Simon Meyer, 2019

Der Helm des Isenhut

Das Historische Museum Luzern zeigt einen Helm, der aufzeigt, wie manchmal Geschichte verfälscht wird, Reliquien geschaffen werden und wie alt Fake-News wirklich sind. Dies mit dem angeblichen Helm des Hudrich Zwingli, dem ollen Reformationskriegstreiber.

Das Kantonsmuseum Luzern will da natürlich nicht hintanstehen: Wir zeigen den echten Helm eines echten Helden und bieten zudem noch den (endlich) vollständig zusammengetragenen Text des Isenhut-Liedes von 1665.

Der Eisenhut wurde am 24. Januar 1665 in der Ersten Schlacht zu Villmergen von Arbogast Meyer, auch Isenhut genannt, getragen. Verschiedene Chroniken bestätigen, dass dieser den «55 us Münster» in der «… gewaltigen Victori vnd dapfferen Väldtfchlacht zuo Villmergen in den Fryen Empteren …» aus der Patsche half:

«In der gwaltig Victori und dapfferen Väldschlacht, di in Pedrangnis gratenen von Münster, so auch ein Melchior und Johannis Tolder und der Burckhart so von Münster, si all zu den 55 aus Münster gehörten, inkesselt von einer Huntertschaft Berner, usgehauen von Arbogast, der erst mit der Lantz und dann mit grossem Schwert den Bernern ein heftig Kampff bot.» Cod 106/S. 224

Ein wackerer Kämpe also, und es freut uns, diesen Helm des Arbogast Meyer alias Isenhut in unserem Museum zu haben.

Hier nun der Text des Isenhut-Liedes:

Es fuchteln mit Schpiesslin Züri und Bern

Doch wir zu Münster tätschen sie gern

Und allen voran mit grossem Mut

Mit blutig Schwert der Isenhut.

In Filmaringen1 zentusig bösi

Beten zu Zwingli für iri erlösig2

Der Isenhut er wollt nicht zaudern

Und liess den von Erlach3 heftig schaudern

Grad nach dem Zmorgen am Hinterbach4

Bei Filamaringen gabs aufs Dach

Schloss Hilfiken5 am ersten fil

Doch dises war noch nicht das zil

Durch Kugelhaggel6 gings voran

doch wir standen wie ein Mann

Die Berner schossen gar nicht gut

so verliess sie schnell der Mut

Der Isenhut streckt alles nider

Deshalb singen wir nun Lider

Denn keiner ihm widerstehen kann

Nicht ein Ross und nicht ein Mann

So zog dann nach gewunnen Schlacht

Die ganze Münster Heeresmacht

50 lebend und fünf tot7

Nach Münster heim im Morgenrot

Der Isenhut der zog durchs land

Und hinterliess ein rotes Band

Vom Blut der Berner Plünderbanden8

Die dem Isenhut nit widerstanden.

1 Filmaringen = Villmergen

2 Das vereinigte Heer der Neugläubigen (Reformierte und Zwinglianer) hatte eine Truppenstärke von ca. 9800 Mann.

3 Sigmund von Erlach (1614–1699) war ein Adeliger aus Bern. Er führte das Berner Heer in der Schlacht von Villmergen am 24. Januar 1665.

4 Am Vormittag des 24. Januar 1665 griffen die Luzerner mit den Verbündeten über den Hinderbach das

5 Schloss Hilfiken an, in dem sich hauptsächlich Berner verschanzt hatten. Das Schloss war schnell eingenommen und die Luzerner erbeuteten etliche Kanonen und Kartätschen.

6 Nach der Einnahme des Schlosses Hilfiken überraschten die vereinten katholischen Heere das reformierte Heer, insbesondere die bernische Flanke. Unter grossen Verlusten durchbrachen sie den Kugelhagel der bernischen Truppen und trieben dieses hauptsächlich aus Bauern bestehende Heer in die Flucht.

7 Die «55 aus Münster» sind im Zugbrief aufgeführt. Von den 55 kamen fünf in der Schlacht bei Villmergen ums Leben, einer wurde schwer verletzt.

8 Nach der Schlacht zogen plündernde Truppen durch das ganze Land. Aus Angst vor Plünderern und verstreuten Truppen des reformierten Heeres wurde in Beromünster die gegen die Schulhausstrasse stehende St. Afra Pfrund abgerissen, um dort eine Wehrschanze zu bauen. Als Ersatz für diese Pfrund wurde die Löffelburg zur neuen St. Afra Pfrund gemacht.

Die Punkte 1–8 sind tatsächlich wahr, überprüft und verbrieft sowie bei Wallimann, 11. Lieferung, und Wikipedia (Erste Schlacht bei Villmergen) nachzulesen. [Anm. des Verfassers]

 

 

Entmuldet

Im Leben vieler kommt der Moment, da sie sich Mulden aufladen. Das ist keine Schande und passiert nun mal. Es gibt sogar Leute, ja ganze Unternehmen, die von den Mulden anderer Leute leben. Wieder andere sind dazu da, bei der Entmuldung zu helfen, wenn der Muldendruck zu gross wird. Und wenn man allen Mut zusammennimmt und hart arbeitet und das Schicksal einem etwas gewogen ist, dann schafft man die Entmuldung auch. Aber Vorsicht! Auch wenn keine Mulden mehr da sind, können die Altlasten dennoch extrem nerven.

S. Meyer, Muldenberater

Sisyphos

Da gibt es einen, SMY genannt,
der war in diese Burg gebannt.
Da schleppt er Abraum endenlos
Wie einst der arme Sisyphos!

 

(Reste der alten Küche im Dachgeschoss nach anschupsen mit meinem Hammer Mjölnir ;-)). Umbauarbeiten, August 2018)

Der letzte Ausbau des Dachgeschosses in zwei kleine Einzimmerwohnungen erfolgte ca. 1957, wohl nach dem Brand des Dachstockes. Danach blieb er, von der Wandfarbe abgesehen, bis heute unverändert.