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Augen

Es ist so weit. Der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Nervtötende, Kafiträschkonsum fördernde Bise. Ewig blasend, drängend, hat er doch tatsächlich unseren Kohlemeiler auf einer Seite beinahe ausbrennen lassen. Da starren einen schon die Augen an, die das Ende bedeuten!

Hoffen wir das Beste, dass er bis Freitag durchhält und wir eine feurige Party haben werden!

Die Pforten der Hölle

Wie ihr wisst, haben wir gestern einen Kohlemeiler angefacht.

Das Fest, das wir anlässlich des Anzündens gemacht haben, war schon ausgeklungen.

Die Köhlerin hatte sich zurückgezogen und alle Gäste waren gegangen. Ich räumte noch ein paar Sachen weg, schloss das Festzelt und wollte gerade gehen, da hörte ich ein recht fieses hohes Lachen aus der Richtung, in der der Meiler steht.

Ich dachte mir, dass einer unserer Freunde sich einen Scherz erlaubte, doch als ich näher kam, merkte ich, dass das Lachen aus dem Meiler kam.

Nun, um ehrlich zu sein, war ich nicht überrascht. Wer schon mal sowas

gesehen hat, weiss, dass mit diesen Dingern irgendwas nicht stimmt.

So stieg ich mehr neugieriger als ängstlich die Leiter am Meiler hoch zum Schacht, den die Köhlerin zum «Füttern» des Meilers braucht.

Ja, da war ganz deutlich ein Kichern zu hören. «Was lachst du da unten?», fragte ich. «Halt dich etwas ruhig, die Köhlerin will schlafen!»

Doch das Kichern verstummte nicht. Im Gegenteil! Lauter wurde es, gehässiger wurde es und dann, als es mir echt auf die Nerven ging und ich mit dem langen Holzstab, der am Meiler stand, in das Loch hineinstocherte, da – flutsch– war das Holz plötzlich weg, und eh ich michs versah, packte etwas meinen Knöchel und zog mich durch den engen Schacht hinab in die Tiefen.

«Verdammt noch mal!», rief ich, als ich irgendwo unten schmerzhaft aufschlug.

«Sieh da, Herr SMY hat uns einen Besuch abgestattet. Welch überaus grosse Ehre!», spottete mir der grosse Satan höchstselbst entgegen.

Er sah genauso aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Fliehendes Kinn, eng beieinander liegende Augen, die unter einer, wie es schien, ängstlich zurückweichenden Stirn lagen. Ein Toupet versuchte vergeblich, das Fliehen der Stirn zu kaschieren. Der Kerl trug einen englischen Massanzug, wie er nur von der Savile Row kommen konnte, und sein Beinkleid steckte in hübschen schwarzen Gummistiefeln mit Blumenmuster,

mit denen er im schwefligen Matsch der Hölle stand.

«Was willst du schon wieder von mir, du alter Furz!», rief ich zurück. «Hab ich dir das letzte Mal nicht deutlich gemacht, dass ich deine hässliche Fratze nicht zu sehen wünsche? Bist hier unten etwas einsam geworden, nicht wahr?»

Satan schaute mich böse an. Sehr böse. Augen funkelten und so’n Zeug. Wie das halt so ist bei Teufeln, Göttern und Rabauken.

Ich funkelte artig zurück und warf dem Herrn der Finsternis meinen fiesesten Blick zurück. Er schauderte, schüttelte sich angewidert und machte einen Schritt rückwärts.

«Also, Sati, was willst du von mir?»

«Was ich immer will, was ich immer wollte: Deine verdammte Seele!»

«Oh, ah», machte ich. «Sorry mein Teufelchen, aber da ist nichts. Keine Seele, kein Geist und auch kein Über-, Neben- oder Unterbewusstsein. Nix ist da, nur Synapsen. Nur das einfache Bewusstsein in sich greifender elektrischer und chemischer Impulse. Tut mir also leid, du Herr des Schwefelsumpfes, hier gibt es nichts, was dich interessieren könnte. Im Übrigen sollte dir doch aufgefallen sein, dass es hier unten mächtig leer geworden ist, nicht wahr? Keine Sodomiten, Mörder, Anwälte oder sonstige Sünder. Nur pädophile Pfaffen, ein paar Tausend unzüchtiger Nonnen und gieriger Bischöfe. Niemand sonst. Niemand, oh Satan!» Und mit diesen Worten war es nun an mir, ihm ein gehässiges Lachen entgegenzuschleudern.

Und noch während er zitternd vor Wut und immerfort Wrigley-Spearmint-Plättchen spuckend von einem Gummistiefelchen auf das andere hüpfend herumhopste, zog ich mein Smartphone, rief eine Facebook-Seite auf und zeigte sie ihm. «Da, du blöder Klotz, da hast du deine gottverdammte Hölle! Ein Ort so schrecklich oberflächlich, dass selbst die Schwefelpfützen da hinten wie die Tiefsee wirken. Ein Ort, an dem es nur gelikt oder nicht gelikt gibt. Sein oder nicht sein. Ein Ort, an dem die Unwahrheit, die Heuchelei und Lüge, die Vor- und Falschverurteilung und der Hass so weit verbreitet sind, dass man es kaum schafft, eine Nische zu finden, in der auch nur ein Funke Echtheit strahlt!  Hochmut, Geiz, ausser an geteiltem Nonsens, Wolllust und Pädophilie, Zorn, die Völlerei des Mammon, das Sichaufgeilen an immer neuem, niemals satt machendem Müll, der Neid auf die Likes der anderen, und die Faulheit, sich selber Gedanken zu Welt zu machen, den Kopf aus der Blase zu strecken, Fakten zu sammeln und eine eigene Beurteilung über das Sein abzugeben. Das, du Trottel, ist die Hölle. Diesen Sumpf hier kannst du SHELL verkaufen, die können sicher etwas draus machen. Und was mich betrifft, ich hab dir schon beim letzten Treffen den Hintern versohlt, und auch wenn ich damals für immer gezeichnet aus dem Kampf ging, so warst du besiegt. Das bist du auch dieses Mal. Ein drittes Mal möchte ich dir nicht raten, mit mir zu streiten, denn es würde gleich ausgehen für dich!»

Und damit drehte ich mich um und verliess einen verdutzten, wirklich trottelig dreinschauenden Teufel, dass er mir fast schon leid tat.

Ich streckte meine Hand nach oben, zog mich aus dem Meiler und ging heim.

Als ich am Morgen erwachte, fragte ich mich, ob ich das alles nur geträumt hatte. Hatte ich? Ich weiss es nicht, ehrlich. Traum und Realität, was ist das schon. Stutzig machte mich lediglich, dass im Profil meiner Stiefel Dutzende kleiner, gelber Schwefelklumpen steckten.

Wie die wohl dahin gekommen sind?

Der Meiler

Hier haben wir euch den Aufbau des Meilers dokumentiert: 

Aufbau Kohlemeiler

Wir sind teilweise etwas beinlahm geworden, aber alles in allem lief der Aufbau bisher flott und ohne Zwischenfälle ab – wie z. B. ins Bein hacken, mit der Motorsäge ins Bein sägen, sich Holz in die Hände rammen oder von einem Meteoriten getroffen zu werden.

Hier die Fotos des Aufbaus und darunter die Fotos des Anzündens

 

Die Fotos vom Abend des Anzündens:

Vorstellungskraft

Ein leerer Platz. Nichts. Hinter dem kleinen Bach  und den Bäumen ein Dorf. Man hört Kirchenglocken läuten. Da es 9.40 Uhr ist, muss es Beromünster sein, da hier immer irgendwelche Glocken läuten.

Es ist also Beromünster. Der Parkplatz, im Winter nur von «Hündelern» und Joggern besucht, liegt bis auf eine kleine schwarze Plane leer da. Die Plane. Darunter verborgen Verheissung und Vorstellungskraft. Nichts Besonderes eigentlich. Löschi, Sand, Kohle, Asche, die beim Bau eines Kohlemeilers Verwendung finden können. Und werden. Bald!

In der Vorstellung sehe ich den Kohlenmeiler und Doris Wicki, wie sie nachts um ihn herumgeht, hier etwas klopft und dort ein Luftloch sticht, und dann wieder für eine/zwei Stunden schlafen geht. Rauch steht über dem Meiler und verbirgt wie ein Brautschleier den Blick auf den Mond. Es knistert leise und die Wyna plätschert.

Am Tag wuseln Eltern und Kinder auf dem Platz zwischen Festzelt und Meiler. Es riecht nach Rauch und Träsch. Leute plappern, Hunde bellen, Kinder lachen, es knistert leise und die Wyna plätschert.

Wie gesagt: Bald!

Vorsehung

Der erste Artikel für die neu geschaffene Abteilung für Sprachforschung

Nur weil sich jemand vorsieht, heisst das noch lange nicht, dass er eine Vorsehung hat. 

Eigentlich ist dieser Satz falsch, da die Vorsehung laut Duden eine «über die Welt herrschende Macht» ist, «die in nicht beeinflussbarer oder zu berechnender Weise das Leben der Menschen bestimmt und lenkt».

Eine Vorsehung kann man also nicht haben, man ist ihr unterworfen oder, wie der SMY zum Beispiel, selber eine sein.

Im Mittelhochdeutsch lautete das Wort noch vürsehunge (ist under fürseung standen  = stand unter dem Schutz von)

Aus dem vormaligen Schutz  ist also eine unbeinflussbare Lenkung geworden, oder anders ausgedrückt, aus dem Schutz der Atmosphäre vor Strahlung ist eine unbeeinflussbare Bedrohung aus giftigen Gasen und steigenden Temperaturen geworden.

Der Mensch, könnte man glauben,  ist also nicht mehr derselbe wie damals. Könnte man, denn in Wirklichkeit hat er einfach gelernt, ein Smartphone zu bedienen, und es gibt auch heute noch Menschen, die glauben, unter der Vorsehung ihres Gottes zu handeln oder ihr zu unterstehen.

In neuerer Zeit, als die durch den Kommunismus proklamierte Religionsfreiheit Wörter wie Vorsehung, also eine göttliche Lenkung, aus dem Gebrauch eliminieren wollte, wurden Wörter wie «Geschick»  oder «Schicksal» verwendet. Beide natürlich mit der selben rohen Uausweichbarkeit wie die Vorsehung, denn was einem widerfährt, wurde sozusagen «geschickt».

Ha, das hat die Kirche ja geschickt eingefädelt. Da hat sie wieder einmal Geschick in der Manipulation bewiesen.

Und mit dieser verwirrenden Wortverwendung wollen wir für diesmal Schluss machen und hoffen, die Vorsehung, also die Expansion des Universums, wird sie nicht zu weit von uns wegtragen, sodass sie auch das nächste Mal wieder dabei sind, wenn es heisst:

«Der Weg führt hin!»

LB_001_77.001-016

Derweil die halbe zentraleuropäische  Welt im Stau Richtung Süden stand und und etwas für die Klimaerwärmung tat, nämlich über Stunden bei laufendem Motor (Klimaanlage) Fahrzeugschnauze an Fahrzeugarsch sich gegenseitig die Abgase in den Zufuhrkanal für die Frischluft zu blasen und die Umgebungstemparatur um ca. 1.278°C zu erwärmen, während sich also dieser ganze geistesschwache Unsinn auf fast allen Autobahnen abspielte, machte ich wieder einmal Löcher in unser Haus. Genau gesagt ein Loch.

Wer über die Baugeschichte der Löffelburg bescheid weiss, dem/der ist auch bekannt, dass kaum je eine grössere Naturgewalt über das Haus gekommen ist als meine Wenigkeit – und dies inlusive der beiden verherenden Hochwasser und dem Dorfbrand.

Ein 10Kg Vorschlaghammer, ein Brecheisen und einen Bausauger. – nackte, rohe Gewalt, gepaart mit dem Verlangen aus alt neu zu machen und endlich mit dem Umbau fertig zu werden.

Gen Himmel hob Thor den Hammer empor

und wild war das Antliz des Asen

Hernieder krachte die himmlische Kraft

getroffen blieb das Gemäuer liegen.

So also tat ich im Treppenhaus des 2. OG, als ich den alten Einbauschrank der unter die Treppe zum Dachgeschoss verbaut war niederriss.

Doch bei allem Ungestüm, lass ich doch immer Vernunft walten. Und so war der Abbruch des Schrankes natürlich um ein vielfaches weniger brutal. Als Belohnung wurden mir dafür etwa acht Seiten aus dem Zahlbüchlein der Löffelburg, oder vielmehr der St. Afra-Pfrund beschert. Die Blätter stammen aus den Jahren 1774 bis 1789, und listen entweder getätigte Zahlungen oder Einnahmen aus. Momentan ist das noch nicht genau zu erkennen.

Die Blätter habe ich sorgfältig vom Holz gelöst, getrocknet und eingescannt. Fundnummer: LB_001_77.001-016.

Nun warten sie, provisorisch in einem Couvert, bis ich säurefreies Papier bekomme, und  einem Moment in dem ich die Zeit finde, alles zu entziffern. Damit ich das spröde Papier nicht wieder berühren muss, habe ich alle Teile eingescannt und im Photoshop hochgeladen. Da kann ich dann probieren was wie zusammenpasst.

 

Samstag 19.4.19, 10.11 Uhr

Samstag 19.4.19, 10.26 Uhr

Samstag 19.4.19, 10.37 Uhr

 

Treppenschräge zu DG. Abriss des Einbauschrankes, An der wand in der ersten Schicht die Seiten aus den Zahlbüchlein, und in der Zweiten Schicht Seiten aus einer Zeitung ca. 1830.

Seiten von Zahlbüchlein 18. Jh.

Gescannte Seiten zum berührungsfreien Zusammensetzen in Photoshop importiert.