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DEUS

Gerade fotografierte ich die Schnipsel eines Liedtextes. Sie waren an den Stössen von Wandbrettern angeleimt, damit da kein Wind durchpfeift.

Da seh ich auf einem Blatt «Deus» stehen und denke, dass die Christen das ja recht entspannt sehen mit den Huldigungen ihres Gottes. Wehe, einer mag ihn nicht so huldigen, wie es der Papst oder Luther vorgegeben haben. Rübe weg! Verbrennt ihn! Aber die Huldigung selber darf man offensichtlich zum Isolieren nehmen.

Ich finde das doch recht eigenartig, denn wenn ich denke, dass die Christen ja glauben, dass ihr Gott alles sieht und hört, dann käme ich mir doch irgendwie etwas seltsam vor, wenn ich so eine Huldigung zerreissen und über irgendeine Ritze kleben würde.

Ob das Juden oder Muslime ähnlich sehen wie die Christen, weiss ich ja nicht, aber da sie dasselbe befremdliche Glaubenssystem haben, dürfte das ja wohl der Fall sein.

Das Konzept des Glaubens ist mir völlig fremd. Ich habe es nie verstanden, und je älter ich werde, desto seltsamer mutet es an. Entweder man weiss etwas, oder man weiss es nicht. Wenn man es weiss, braucht man es nicht «Glauben» zu nennen, und schon gar nicht «Glaubenssystem». Wenn man es nicht weiss, ist es dasselbe. Wenn ich nicht weiss, was hinter einem Hügel liegt, dann nützt es mir nichts, wenn ich glaube, dass dort die nächste Tankstelle liegt, und, wenn ich dann festgestellt habe, dass es nur eine Kuhweide ist und ich kein Benzin mehr habe, mir dann umständliche Glaubenssätze und Dogmen zurechtwurstle, um diese missliche Situation zu erklären.

Nun, meinetwegen kann jede und jeder glauben, was sie oder er will. Immerhin gibt es auch Leute, die glauben, dass Elvis noch lebt. Dass man sich aber deswegen bis auf den heutigen Tag den Kopf einschlägt …

Also, ich werde den Schnipsel nun in ein Tütchen legen, es anschreiben in eine Schublade legen. In die Fund-Liste werde ich eintragen: «Notenblatt-Schnipsel einer Huldigung desjenigen, den die Christen Deus nennen.»

Die Treppe

Eine Treppe ist eine nützliche Sache, und wird uns, solange wir uns nicht der Levitation fähig sehen, noch lange gute Dienste leisten.

Auch in der Löffelburg haben wir Treppen. Neue Treppen, mittelalte Treppen und ganz alte Treppen.

Die älteste Treppe ist ca. aus dem Jahr 1617 und führte zum Dachstock, der nun des Löffelburgers Atelier/Studio beherbergt.

Sie ist, oder vielmehr war, extrem unbequem, weil auf alle Seiten schief und krumm und kaum zu begehen. Sie war mit modernen Brettern verkleidet, die wiederum mit einem schmutziggrauen Spannteppich belegt waren. «Wuääh! Haut wech die Scheisse!».war meine Meinung dazu und ich wollte eine neue machen.

Es kam, wie so oft in der Löffelburg, anders. Ein Profi hat sich die Treppe angesehen. Der Antikschreiner Bruno Boog, mit dem zusammen ich die neue Treppe bauen wollte. Doch als er sie sah, entfuhren ihm unziemliche Worte und er attestierte: «Das Teil ist spätgotisch!»

(Nun, ich habe diese traurige Episode ja bereits in diesem Blog verarbeitet: Substanzerhalt)

Was das bedeutet, wusste ich sofort. Sie musste also drin bleiben, oder besser, ich musste sie restaurieren und wieder einbauen.

Also musste ich sie erst einmal ausbauen.

Die Treppenstufen wurden also ausgebaut, gereinigt und in der Werkstatt von Bruno Boog passten wir die typischen gotischen Nasen wieder an. Hier ein Foto einer anderen gotischen Treppe.

Und dann kam das Einbauen. Was soll ich sagen. Gebt mir ein Bündel Nerven und ich verschleisse sie so schnell, wie ihr sie mir nachreichen könnt.

Es wollte einfach nicht klappen. Nein, es wollte nicht. Und es tat es auch nicht. Also musste Bruno wieder kommen und mir Tipps geben, wie ich es machen konnte. Gute Seele, die Götter mögen ihn mit Futter und Freude versorgen, bis er japst vor Freude!

Heute ging es dann. Die Treppe habe ich Stufe für Stufe eingebaut.

Gut zu sehen die neu angepassten «Nasen»

Und nun steht sie. Ich kann auf ihr hochgehen oder runter, wie es mir beliebt und wie es der Treppen Sinn und Zweck ist.

Wegen der Brandschäden (Dachstockbrand 1952) sieht sie etwas fleckig aus und die Stufen sind ausgelatscht und unförmig. Es ist keine bequeme Treppe, aber ich bin wohl auch kein bequemer Löffelburger, also passt das wahrscheinlich so.

Ich bin, das muss ich abschliessend sagen, glücklich. Nicht nur, weil ich eine neue/alte Treppe habe und viel dazugelernt habe, sondern vielmehr deshalb, weil ich kein Schreiner bin und sowas in meinem Leben niemals wieder tun muss!

Fund LB_001_79.1 und LB_001_79.2

Um endlich die grosse Anzahl Funde, die bei den Umbauarbeiten der Löffelburg zum Vorschein gekommen sind, abarbeiten zu können, will die Archäologische Abteilung des Kantonsmuseums Luzern-Löffelburg  nun etwas mehr Zeit dafür investieren.

Heute wurden die Funde LB_001_79.1 und LB_001_79.2 verzeichnet. Es handelt sich dabei um Fragmente einer Butzenscheibe sowie ein Fragment einer Kette/Gebetskette oder Ähnlichem.

Fragment ca. 17,5 cm einer Kette/Rosenkranz?. Es sind noch 9 Perlen (4-1-4) erhalten.; 5 Fragmente einer Butzenscheibe ø ca. 6,5 cm

Fundort: Die Objekte wurden in der südöstlichen Ecke der Bibliothek (R22) bei der untersten Bodenbretterschicht gefunden. Das Baudatum der Löffelburg und auch der älteste Boden gehen auf ca. 1617/18 zurück (Dendro: Fälldatum des Holzes 1616/17).

Eine Datierung anhand der Fundsituation ist jedoch nicht möglich, da die Objekte nicht zwischen den Brettern lagen, sondern in der Ecke, wo sich ein Freiraum zur Wandbole von ca. 1,5 cm befand. Sie könnten daher auch später dahin geraten sein.

Die Funde wurden verzeichnet und fotografiert und im Fundbuch der Löffelburg eingetragen.

Substanzerhalt

Die vermaledeite Gravitation ist dafür verantwortlich, dass mehrgeschossige Häuser Treppen brauchen. Man sollte sich also überlegen, ob man sie nicht abschaffen möchte, denn dadurch könnte viel Geld gespart werden.

Wie auch immer, Treppen sind leider ein Muss.

Vom zweiten Stockwerk der Löffelburg führte eine Treppe steil hinan in den Dachstock, wo sich nun das Büro befindet. Ich schreibe mit Bedacht «führte», denn wo einst eine Treppe war, führt nun eine Art Katzentreppe hinauf.

Was war geschehen? Ein Schreiner war geschehen. Oh Lignarius, oh Vidulum!

Also die alte Treppe, ein mit grauem Spannteppich überzogenes hässliches Ding, schief, knarrend und mit Stufen, von denen sich jede in Tiefe und Neigung in einem Mass von den anderen unterschied, dass man sich manchmal fragte, ob sie dies mit Absicht tat.

Das Teil musste also raus und eine neue Treppe rein. Diese wollte ich zusammen mit dem Schreiner Bruno Boog bauen. Doch als dieser kam und meine hässliche alte Treppe sah, war er vor Freude ganz aus dem Häuschen. «Eine gotische Treppe!»

Na toll, dachte ich, demnach wird es teuer! Die Treppe mit Baujahr ca. 1617 habe ich nun abgebaut. Die einzelnen Stufen werden gereinigt, wieder instand gesetzt und danach wieder montiert.

Dann werde ich eine aufgefrischte hässliche alte  Treppe haben, aber ich werde sagen können: «Die ist vierhundert Jahre alt und original!»

Substanzerhalt, sagen die Denkmalpfleger/innen dem. Und wer denkt an die Substanz in meiner Brieftasche?

Denkmalpflege …

Unten die Abbildung einer gotischen Treppe aus dem frühen 16. Jh. Die Treppe in der Löffelburg hätte ähnlich ausgesehen. Leider hat man den Stufen in den 1950er-Jahren die «Nase», also das kleine vorstehende Profil abgehackt, um sie besser mit Brettern einkleiden zu können.

Gotische Holztreppe aus der Einhardtbasilika im Odenwald. Quelle: http://treppenforschung.de/stile_1/gotik/

Und hier das Foto des einzigen Fundes aus der Treppenverfüllung aus Tannreisig, Staub, Schmutz, Blättern und Ästen – ein Klaueneisen, also ein Hufeisen für Rinder und Ochsen. Das Eisen ist mit 12cm relativ klein und wurde wohl für die Klaue (links vorne) eines Rindes angefertigt.

Klaueneisen (LB_001-78) aus Treppenverfüllung Treppe R27/R30.

LB_001_77.001-016

Derweil die halbe zentraleuropäische  Welt im Stau Richtung Süden stand und und etwas für die Klimaerwärmung tat, nämlich über Stunden bei laufendem Motor (Klimaanlage) Fahrzeugschnauze an Fahrzeugarsch sich gegenseitig die Abgase in den Zufuhrkanal für die Frischluft zu blasen und die Umgebungstemparatur um ca. 1.278°C zu erwärmen, während sich also dieser ganze geistesschwache Unsinn auf fast allen Autobahnen abspielte, machte ich wieder einmal Löcher in unser Haus. Genau gesagt ein Loch.

Wer über die Baugeschichte der Löffelburg bescheid weiss, dem/der ist auch bekannt, dass kaum je eine grössere Naturgewalt über das Haus gekommen ist als meine Wenigkeit – und dies inlusive der beiden verherenden Hochwasser und dem Dorfbrand.

Ein 10Kg Vorschlaghammer, ein Brecheisen und einen Bausauger. – nackte, rohe Gewalt, gepaart mit dem Verlangen aus alt neu zu machen und endlich mit dem Umbau fertig zu werden.

Gen Himmel hob Thor den Hammer empor

und wild war das Antliz des Asen

Hernieder krachte die himmlische Kraft

getroffen blieb das Gemäuer liegen.

So also tat ich im Treppenhaus des 2. OG, als ich den alten Einbauschrank der unter die Treppe zum Dachgeschoss verbaut war niederriss.

Doch bei allem Ungestüm, lass ich doch immer Vernunft walten. Und so war der Abbruch des Schrankes natürlich um ein vielfaches weniger brutal. Als Belohnung wurden mir dafür etwa acht Seiten aus dem Zahlbüchlein der Löffelburg, oder vielmehr der St. Afra-Pfrund beschert. Die Blätter stammen aus den Jahren 1774 bis 1789, und listen entweder getätigte Zahlungen oder Einnahmen aus. Momentan ist das noch nicht genau zu erkennen.

Die Blätter habe ich sorgfältig vom Holz gelöst, getrocknet und eingescannt. Fundnummer: LB_001_77.001-016.

Nun warten sie, provisorisch in einem Couvert, bis ich säurefreies Papier bekomme, und  einem Moment in dem ich die Zeit finde, alles zu entziffern. Damit ich das spröde Papier nicht wieder berühren muss, habe ich alle Teile eingescannt und im Photoshop hochgeladen. Da kann ich dann probieren was wie zusammenpasst.

 

Samstag 19.4.19, 10.11 Uhr

Samstag 19.4.19, 10.26 Uhr

Samstag 19.4.19, 10.37 Uhr

 

Treppenschräge zu DG. Abriss des Einbauschrankes, An der wand in der ersten Schicht die Seiten aus den Zahlbüchlein, und in der Zweiten Schicht Seiten aus einer Zeitung ca. 1830.

Seiten von Zahlbüchlein 18. Jh.

Gescannte Seiten zum berührungsfreien Zusammensetzen in Photoshop importiert.

 

 

 

 

Neue Lehmheizwand

Im Dachstock der Löffelburg, wo das Studio und Büro von Foto-x.ch hinkommt, haben wir eine Heiz-Lehmwand gebaut. Heute wurde der Feinputz aufgetragen. Nach dem Anbringen des Windpapiers und dem Stellen des Rahmens wurden erst 22 cm Isofloc eingeblasen und dann der Rahmen für die Lehmwand gesetzt. Darauf montierte der Lehmbauer* Urs Elsener die Lehm-Heizelemente. Mir blieb es dann, den Feinputz (Dante Weiss) aufzutragen.

Produkte:
Windpapier: DuPont Tyvek
Isolation: Isofloc
Dampfbremse**: SIGA Majpell
Lehmelemente: OBM-Bionik, WEM-Lehm-Klimaelemente
Feinputz: OBM-Bioni Feinputz Dante Weiss

Beteiligte Firmen:
Zimmermann Holzbau AG, Herlisberg
Urs Elsener Lehmbau, Ennetmoos
Wey Sanitär/Heizungs AG, Beromünster

… und Ihrer Löffelburgischen Majestät Sklave Herr SMY

* Lehmbauer: Im Gegensatz zur landläufigen Meinung baut der Lehmbauer keinen Lehm an.

** Dampfbremse: Im Gegensatz zur Pferdebremse ist die Dampfbremse kein Insekt, sondern eine diffusionsoffene Folie.