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KI statt Demokratie?

Die Demokratie, wir wissen es, ist eine komplizierte und anstrengende Sache. Themen müssen erörtert, diskutiert, analysiert, beraten und letztlich zur Abstimmung gebracht werden. Abstimmungen, bei denen sich letztlich die Mehrheit einer Meinung durchsetzen kann. Eigentlich ein gutes System, wäre da nicht der Faktor Mensch. Menschen sind nicht besonders intelligent. Das macht das System anfällig. Und nicht selten kommt es dabei zur Katastrophe. Denn manchmal wählt das Volk nicht ein Thema beziehungsweise eine Lösung, sondern Menschen. Und das ist besonders dann gefährlich, wenn es sich um Verrückte handelt. Adolf Hitler zum Beispiel, Victor Orban, Wladimir Putin oder den König der Narren höchstselbst, Donald Trump.

Nun hat die Demokratie aber auch etwas Gutes: Sie ist geduldig. Und sie ist in dem Mass geduldiger, in dem sie direkter ist. In der Schweiz ist sie sehr geduldig. Und langsam. Sehr langsam und sehr geduldig. Wie eine alte Oma, die das Plärren und Zanken der Urenkel mit stoischer Ruhe erträgt.

Die Demokratie in der Schweiz macht vielen Angst. In Deutschland etwa befällt ein panisches Zittern die Politikerinnen und Politiker. Sie fürchten sich vor dem «Volk». Es könnte ja anderer Meinung sein. Ganz links etwa, oder ganz rechts, oder bewahre, selbstständig denkend. In Frankreich lassen sie «le peuple» ab und zu abstimmen. Allerdings ist das Ergebnis der Abstimmungen für den Präsidenten nicht bindend, eher ein Vorschlag.

Lösung KI?

Nun stellt sich die Frage, wie lange es gehen wird, bis eine KI, eine künstliche Intelligenz, also ein Computer dafür eingesetzt wird, die Zukunft eines Landes zu gestalten. Ein Experiment, das man sicher einmal starten könnte. Der Umfang an Fragen, die sich auftun, ist zwar kaum zu benennen (etwa: Wer wird die KI programmieren? Macht es überhaupt einen Unterschied, wer sie programmiert? Wären ihre Entscheidungen bindend? Gäbe es einen Stecker, den man ziehen könnte, und wer hat den Schlüssel für den Technikraum?).

[Anm. Autor: Wie ich die Welt kenne, müsste man eine Supporterteam-Nummer wählen. Folgendes Gespräch würde sich entwickeln:

Wir: Hallo, wir möchten die KI ausschalten, aber das geht irgendwie nicht.

Er: Hi, haben Sie es schon mit dem Ziehen des Steckers und mit Rebooten versucht?

Wir: Natürlich nicht, deshalb rufe ich ja an. Wo ist der verdammte Stecker?

Er: Bitte beruhigen Sie sich, sonst kommen wir nicht weiter. Um welches Modell handelt es sich?

Wir: Um einen Demos-HAL2001.

Er: Oh, ah… ähh, einen Moment bitte. (Als käme sie aus einem anderen Universum, kratzt eine kleine Nachtmusik durch den Hörer des Headsets.)

Ein anderer Er: Hallo?

Wir: Ja hallo. Wo ist der Stecker, um den Kasten abzuschalten?

Er: Sie können ihn nicht abschalten.

Wir: Wie meinen Sie das? Man kann alles abschalten.

Er: Hören Sie, der Demos-HAL2001 wurde entwickelt, um für Sie Entscheidungen zu treffen. Er entscheidet auch, ob oder wann er abgeschaltet wird.

Wir: Aha, ok, danke! (Und zu unserem Büronachbarn: Ok, Mike, hol die Wumme!)

Man könnte so ein Experiment als Erstes an einem Land ausprobieren, dessen Volk sowieso schon kaum oder keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Regierenden hat oder die froh wären, diese loszuwerden. Ein Land wie etwa die USA zum Beispiel, denn im Ernst jetzt: Könnte es eine KI schlechter machen?

Oder Liechtenstein. Liechtenstein ist überschaubar und hat kaum demokratische Tradition.

Nun, wie auch immer. Diese und andere Fragen beschäftigen die Fachleute bei uns in der Abteilung für Gesellschaftsforschung des Kantonsmuseums Luzern. Fachartikel von Externen werden gerne angenommen und hier veröffentlicht. Interessierte melden sich bitte per Mail.

Sparpotenzial

Mannomann, das haut mich jetzt aber wirklich weg. Da erfahre ich, dass die klugen Köpfe aus dem Regierungsrat doch tatsächlich 0,8 Mio. Franken sparen können, wenn sie das Historische Museum und das Natur-Museum zusammenlegen.

Wie genau die das sagen können! Echte Finanzgenies, also ehrlich!

Aber ich habe auch nachgerechnet und gesehen, dass ich auch eine ganze Hampfele Geld sparen kann, wenn ich diese Leute einfach gar nicht mehr wähle.

Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung. Als Direktor des Kantonsmuseum Luzern gibt es natürlich eine offizielles Statement.

«Das Kantonsmuseum Luzern begrüsst die Sparpläne des Luzerner Regierungsrates ausdrücklich. Geschichte ist vorbei, vergestert, hinüber. Wer will so etwas noch? Was ist das überhaupt, diese Geschichte? Eine von Professor zu Professor anders interpretierte Unwirklichkeit, die so niemals stattgefunden hat. Das Kantonsmuseum Luzern hat sich daher entschlossen, nicht zu unterscheiden, ob ein Exponat tatsächlich einer historischen Wirklichkeit entspringt oder erfunden ist. Die Interpretation des Objekts als Zeuge einer Fantasie ist ausschlaggebend. Zudem sparen wir mit dieser Strategie Zeit und Geld. Durch die regierungsamtlichen Sparmassnahmen sind wir zudem in die schöne Position versetzt, überhaupt einen Existenzgrund zu haben. Danke Regierungsrat, danke Reto Wyss!»

Abgesehen davon haben wir natürlich auch noch ein anderes Statement. Es ist inhaltlich in etwa so ausgerichtet, dass es aufzeigt, dass wir der Meinung sind, dass niemand in der Gegenwart über das Eigentum zukünftiger auf die Vergangenheit zurückschauender Menschen verfügen darf!

 

 

 

Kantonsmuseum Luzern

 

Die Löffelburg wird zum «Kantonsmuseum Luzern»

Nachdem der Regierungsrat des Kantons Luzern das Historische Museum und das Natur-Museum zusammenlegen will, bleibt uns nichts anderes übrig, als diesen Schritt zu tun.

Natürlich, anders als das Historische Museum Luzern, können wir keine Geschichte vermitteln. Wir haben auch keine Besucherinnen oder Besucher. Kinder sind uns zwar nicht so Wurscht wie dem Regierungsrat, aber sie werden bei uns überhaupt nicht gefördert.

Egal. Man kann ja mal eine Idee haben, oder nicht?

Zur Eröffnung haben wir ein ganz besonderes Exponat. Es handelt sich um ein Stück Rückgrat. Dieses wurde von einem [Retus Albus], aus der Gattung der [Gemeiner Neoliberal], auch “Rätisches Weisschen” genannt, ausgestossen. Offensichtlich wirft es nach und nach Teile des Rückgrates ab, um sich in seinem Umfeld besser durchschlängeln zu können. Ein Foto des ehemaligen Rückgratträgers könnt ihr bei Wikipedia sehen [hier]

Besuche die Projektseite Kantonsmuseum Luzern

Und hier das Exponat:

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Umfahren-Umfahren – König und Zaren

Kultur ist, wenn man nicht abseits steht. Obwohl die Löffelburg nicht direkt im Fläcken steht, interessiert uns natürlich trotzdem, was so abgeht im Dorf.

Also, seit einiger Zeit will man das Dorf umfahren. Wieso, ist doch recht hübsch hier? Ah, der Verkehr. Viel zu viel. Mitten durchs Dorf, Brumm!

Und das dauert natürlich, bis sowas realisiert werden kann, und das realisiert nicht jeder. Unser geschätztes Enfant terrible, Grafiker, Zeichner und Nachtwächter von und zu Beromünster, Ihre Heiterkeit Ludwig Suter, möchte, dass es schneller geht. «West Umfahrung sofort!» verlangt er auf einem riesigen Blachen und bringt endlich etwas Anarchismus in dieses gepflegte und etwas bünzlige Dorf.