Schlagwort-Archive: Handwerk

Die Treppe

Eine Treppe ist eine nützliche Sache, und wird uns, solange wir uns nicht der Levitation fähig sehen, noch lange gute Dienste leisten.

Auch in der Löffelburg haben wir Treppen. Neue Treppen, mittelalte Treppen und ganz alte Treppen.

Die älteste Treppe ist ca. aus dem Jahr 1617 und führte zum Dachstock, der nun des Löffelburgers Atelier/Studio beherbergt.

Sie ist, oder vielmehr war, extrem unbequem, weil auf alle Seiten schief und krumm und kaum zu begehen. Sie war mit modernen Brettern verkleidet, die wiederum mit einem schmutziggrauen Spannteppich belegt waren. «Wuääh! Haut wech die Scheisse!».war meine Meinung dazu und ich wollte eine neue machen.

Es kam, wie so oft in der Löffelburg, anders. Ein Profi hat sich die Treppe angesehen. Der Antikschreiner Bruno Boog, mit dem zusammen ich die neue Treppe bauen wollte. Doch als er sie sah, entfuhren ihm unziemliche Worte und er attestierte: «Das Teil ist spätgotisch!»

(Nun, ich habe diese traurige Episode ja bereits in diesem Blog verarbeitet: Substanzerhalt)

Was das bedeutet, wusste ich sofort. Sie musste also drin bleiben, oder besser, ich musste sie restaurieren und wieder einbauen.

Also musste ich sie erst einmal ausbauen.

Die Treppenstufen wurden also ausgebaut, gereinigt und in der Werkstatt von Bruno Boog passten wir die typischen gotischen Nasen wieder an. Hier ein Foto einer anderen gotischen Treppe.

Und dann kam das Einbauen. Was soll ich sagen. Gebt mir ein Bündel Nerven und ich verschleisse sie so schnell, wie ihr sie mir nachreichen könnt.

Es wollte einfach nicht klappen. Nein, es wollte nicht. Und es tat es auch nicht. Also musste Bruno wieder kommen und mir Tipps geben, wie ich es machen konnte. Gute Seele, die Götter mögen ihn mit Futter und Freude versorgen, bis er japst vor Freude!

Heute ging es dann. Die Treppe habe ich Stufe für Stufe eingebaut.

Gut zu sehen die neu angepassten «Nasen»

Und nun steht sie. Ich kann auf ihr hochgehen oder runter, wie es mir beliebt und wie es der Treppen Sinn und Zweck ist.

Wegen der Brandschäden (Dachstockbrand 1952) sieht sie etwas fleckig aus und die Stufen sind ausgelatscht und unförmig. Es ist keine bequeme Treppe, aber ich bin wohl auch kein bequemer Löffelburger, also passt das wahrscheinlich so.

Ich bin, das muss ich abschliessend sagen, glücklich. Nicht nur, weil ich eine neue/alte Treppe habe und viel dazugelernt habe, sondern vielmehr deshalb, weil ich kein Schreiner bin und sowas in meinem Leben niemals wieder tun muss!

Substanzerhalt

Die vermaledeite Gravitation ist dafür verantwortlich, dass mehrgeschossige Häuser Treppen brauchen. Man sollte sich also überlegen, ob man sie nicht abschaffen möchte, denn dadurch könnte viel Geld gespart werden.

Wie auch immer, Treppen sind leider ein Muss.

Vom zweiten Stockwerk der Löffelburg führte eine Treppe steil hinan in den Dachstock, wo sich nun das Büro befindet. Ich schreibe mit Bedacht «führte», denn wo einst eine Treppe war, führt nun eine Art Katzentreppe hinauf.

Was war geschehen? Ein Schreiner war geschehen. Oh Lignarius, oh Vidulum!

Also die alte Treppe, ein mit grauem Spannteppich überzogenes hässliches Ding, schief, knarrend und mit Stufen, von denen sich jede in Tiefe und Neigung in einem Mass von den anderen unterschied, dass man sich manchmal fragte, ob sie dies mit Absicht tat.

Das Teil musste also raus und eine neue Treppe rein. Diese wollte ich zusammen mit dem Schreiner Bruno Boog bauen. Doch als dieser kam und meine hässliche alte Treppe sah, war er vor Freude ganz aus dem Häuschen. «Eine gotische Treppe!»

Na toll, dachte ich, demnach wird es teuer! Die Treppe mit Baujahr ca. 1617 habe ich nun abgebaut. Die einzelnen Stufen werden gereinigt, wieder instand gesetzt und danach wieder montiert.

Dann werde ich eine aufgefrischte hässliche alte  Treppe haben, aber ich werde sagen können: «Die ist vierhundert Jahre alt und original!»

Substanzerhalt, sagen die Denkmalpfleger/innen dem. Und wer denkt an die Substanz in meiner Brieftasche?

Denkmalpflege …

Unten die Abbildung einer gotischen Treppe aus dem frühen 16. Jh. Die Treppe in der Löffelburg hätte ähnlich ausgesehen. Leider hat man den Stufen in den 1950er-Jahren die «Nase», also das kleine vorstehende Profil abgehackt, um sie besser mit Brettern einkleiden zu können.

Gotische Holztreppe aus der Einhardtbasilika im Odenwald. Quelle: http://treppenforschung.de/stile_1/gotik/

Und hier das Foto des einzigen Fundes aus der Treppenverfüllung aus Tannreisig, Staub, Schmutz, Blättern und Ästen – ein Klaueneisen, also ein Hufeisen für Rinder und Ochsen. Das Eisen ist mit 12cm relativ klein und wurde wohl für die Klaue (links vorne) eines Rindes angefertigt.

Klaueneisen (LB_001-78) aus Treppenverfüllung Treppe R27/R30.

Köhler-Woche Beromünster

Wer hat Lust, beim Aufstellen des Holzkohlemeilers zu helfen?

Donnerstag, 9. Mai: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr und 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr Aufschichten des Holzes

Freitag, 10. Mai: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr und 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr Eindecken mit Tannästen

Samstag, 11. Mai: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr Abdecken mit «Löschi»

Helferinnen und Helfer bekommen pro Halbtag einen Sack Holzkohle und ein (einfaches) Mittagessen.

Alle Informationen zu der Köhler-Woche hier: Link

Neue Lehmheizwand

Im Dachstock der Löffelburg, wo das Studio und Büro von Foto-x.ch hinkommt, haben wir eine Heiz-Lehmwand gebaut. Heute wurde der Feinputz aufgetragen. Nach dem Anbringen des Windpapiers und dem Stellen des Rahmens wurden erst 22 cm Isofloc eingeblasen und dann der Rahmen für die Lehmwand gesetzt. Darauf montierte der Lehmbauer* Urs Elsener die Lehm-Heizelemente. Mir blieb es dann, den Feinputz (Dante Weiss) aufzutragen.

Produkte:
Windpapier: DuPont Tyvek
Isolation: Isofloc
Dampfbremse**: SIGA Majpell
Lehmelemente: OBM-Bionik, WEM-Lehm-Klimaelemente
Feinputz: OBM-Bioni Feinputz Dante Weiss

Beteiligte Firmen:
Zimmermann Holzbau AG, Herlisberg
Urs Elsener Lehmbau, Ennetmoos
Wey Sanitär/Heizungs AG, Beromünster

… und Ihrer Löffelburgischen Majestät Sklave Herr SMY

* Lehmbauer: Im Gegensatz zur landläufigen Meinung baut der Lehmbauer keinen Lehm an.

** Dampfbremse: Im Gegensatz zur Pferdebremse ist die Dampfbremse kein Insekt, sondern eine diffusionsoffene Folie.

Isolation

Beim Umbau der Löffelburg verwenden wir für die Isolation ausschliesslich Wolle, Holzfaserstoffe und Zelluloseflocken. Auch sonst wird nur mit natürlichen Baustoffen wie Holz und Kalk gearbeitet.

Abgesehen davon, dass die Verarbeitung dieser Baustoffe unproblematischer ist als jene konventioneller Materialien und keine Giftstoffe daraus freigesetzt werden können, sind sie auch alle für eine Altbausanierung schlicht besser, weil das Haus selber ebenfalls mit diesen Baustoffen gebaut wurde. Holz, Stein, Ziegel, Kalkmörtel und Kalkputz sowie Kalkfarbe und etwas Eisen für Beschläge, Nägel und Wolle, Zellulose, Holz, Kalk und der Lehm, den wir für die Lehmwände verwenden, lassen Feuchtigkeit zirkulieren und verhindern so Schimmelbildung. Zudem reinigen sie noch die Luft.

Beim Auskernen des Dachstocks haben wir rund 5m3 Glaswolle ausgebaut und entsorgt und meine Lungen bluten schon beim blossen Gedanken daran. Wie viel schöner ist es da, mit Wolle zu arbeiten! Auch das Isofloc, das wir entweder lose verwenden oder einblasen, ist in der Verarbeitung um vieles angenehmer, auch wenn natürlich wegen des feinen Staubes ebenfalls mit Staubmaske gearbeitet wird.

Der Boden des Dachstocks wird im Durchschnitt mit 15 Zentimeter Isofloc isoliert. Dadurch verhindern wir, dass die Wärme der unteren Räume zum Dach aufsteigt. Das Dach selber wird mit einer 10-Zentimeter-Holzfaserplatte und 18 Zentimetern Isofloc isoliert. So sollte mein zukünftiges Büro, das mit einer Lehmwandheizung beheizt wird, im Winter muggelig warm sein und im Sommer angenehm kühl bleiben.