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Das Ei des Kolumbus

Die meisten Museen haben eines gemeinsam: Sie stellen alten Plunder aus. Geschichte eben.

«Schaut, Kinder, damit haben früher die Ritter einander die Eingeweide aus dem Körper gehackt. Nennt sich Hellbarde und wurde in der Schweizerarmee 1983 durch das Sturmgewehr 90 ersetzt. Oder das dort, das ist eine römische Tonscherbe. Man nennt sie Terra Sigillata. Da noch eine, und da noch eine etwas kleinere. Diese ist etwas grösser, diese ist etwas röter, da noch eine und da und das da ist glaube ich nur ein Kaugummi.

Auch Kunstmuseen stellen meist altes Zeug aus, weil die neuen noch nicht berühmt sind. Da gibt es van Gogh, Picasso, Dali, Rubens, und dann noch einige andere, aber die sind nicht so wichtig. Das da ist ein Sonnenblumenfeld. Der hat gespinnt, der van Gogh, drum hat er das so ein bitzeli unnatürlich gemalt. Das da ist vom Rubens. Seine Frau war etwas beleibt, grösser als er und sehr, sehr hartnäckig. Drum musste er sie immer wieder malen. Das da vorne ist der Kiosk. Dort könnt ihr von allen Postkarten kaufen, und wer will einen Kaugummi. Ah, und dort der Dali! Der hat auch ein bitzeli gespinnt. Alles ist ganz verzogen und seltsam; auch die Uhren und alles. Ich glaube, er mochte Kaugummi.»

Nun, ich muss nicht weiterschreiben. Wir alle haben die wahrscheinlich langweiligsten Stunden unserer Jugend sicher gut memoriert. Natürlich liegt das nicht nur an den Museen. Dass Anita – oder hiess sie Barbara? –  und ich grad vier Tage «zusammen» waren, hat mich sicher abgelenkt, oder überhaupt das Dingens mit der Pubertät. Aber so ganz grundsätzlich sind Museen, vor allem auf dem Land, doch eher ganz schrecklich langweilig.

Doch das muss nicht sein. Das Kantonsmuseum Luzern in der Löffelburg ist saumodern, hip wie ein schwuler schwarzer Rabbi namens Ahmed und so interaktiv, dass selbst das Smithsonian Institute gerne wissen wollte, wie wir so etwas machen können.

Beispiel gefällig?

Das Ei des Kolumbus. Das haben wir. Natürlich! Jedes Museum braucht etwas furchtbar Geiles, das die Leute anzieht. Und wenn man das nicht hat, dann tut man wenigstens so, als ob das, was man hat, furchtbar geil wäre.

Wir also haben das Ei des Kolumbus, das ich höchstpersönlich und ungelogen besorgt habe.

Na und?, werdet ihr euch nun fragen. Was ist daran so besonders?

Es ist hyperinteraktiv!

Was ist das Ei des Kolumbus? Folgendes war passiert. Chris, wie er von seinen Freunden genannt wurde, hatte im Atlantik einige völlig zugewucherte Inseln angefahren. In der Meinung, er hätte Indien entdeckt und dies sein nun wirklich die Reise nicht wert gewesen, fuhr er frustriert wieder nach Spanien zurück. Dort angekommen, wurde er natürlich zu einem Bankett eingeladen. Die Anwesenden konnten ja nicht ahnen, dass das, was Kolumbus da entdeckt hatte, nicht Amerika war – das im Übrigen vorher schon von Indianern, später den Wikingern und noch später Amerigo Vespucci, der Amerika seinen Namen gab, entdeckt worden war –, sondern die Bahamas, und Kolumbus in seiner verqueren Art auch noch behauptete, es sei Indien. Genuesen!

Nun ja, er wurde mächtig gefoppt an dem Abend, denn nach der fünften oder sechsten Sangria war man allgemein der Meinung, dass es nicht gerade schwierig sei, einfach über das Meer zu fahren und irgendwann Indien zu entdecken.

Da Kolumbus während seiner gesamten Fahrt zu den Bahamas nur Alkohol getrunken hatte – das Wasser war schon brackig angeliefert worden –, war er recht gut geeicht und sein bisschen Verstand war noch beisammen. So rief er nach einem gekochten Ei, das ihm auch alsbald gebracht wurde.

«Stellt dieses Ei auf seine Spitze, dass es stehen bleibt!», rief er den Anwesenden zu und gab das Ei in die Runde. Jede und jeder versuchte es, scheiterte aber kläglich. Zuletzt waren alle etwas geknickt und behaupteten, dass diese Aufgabe unmöglich zu lösen sei. Da nahm Kolumbus das Ei, und klopfte es mit der Spitze auf den Tisch, dass die Schale einknickte und das Ei still und fest auf der Tischplatte stand.

Ah, da war ein Toben und Rufen. Betrug!, schrie man und irgendeinen rief: «So hätte das jeder gekonnt!» Da nahm Kolumbus das Ei, schälte es und stopfte es sich in den Mund. «Ja»,  gab er mit vollem Mund zurück, «jeder hätte dasch gekonnt, aber nur ich habe esch getan!»

Jetzt schaut es euch gut an, dieses Ei des Kolumbus, und fragt euch, ob ihr zu denen gehören wollt, die tun könnten, oder ob ihr zu denen gehören wollt, die es auch wirklich tun.

So, merkt ihr die Interaktivität, ja? Spürt ihr sie schon?

Gut, weil das Ei wirklich verdammt teuer war und der, welcher es mir verkauft hatte, sagte, es sei wirklich enorm interaktiv!

«Euer Ehren, mit Verlaub, Sie sind ein Hornochse!»

Die Abteilung Gesellschaftsforschung des Kantonsmuseums Luzern hat sich in der Löffelburg ausgiebig mit einem interessanten Forschungsthema beschäftigt: dem Schimpfwort.

Das Wort Schimpf ist eigentlich einer Beleidigung unwürdig. Schimpf, nein, viel zu schön, um gemein zu sein. Und so ist es auch. Im Althochdeutschen bedeutete skimph noch scherzen, sich vergnügen, und noch im 12. Jahrhundert wurde skimpharifür Possenreisser und fahrende Schauspieler verwendet.

Möglicherweise über die Scherz- und Spottgesänge bekam das Wort später eine negative Bedeutung. Heute steht es für fluchen, verspotten, beleidigen.

Schimpfworte bieten die höchst erfreuliche Möglichkeit, sie fast endlos aneinanderreihen zu können und dabei auf unwichtiges Beigemenge wie «der», «die», «das» verzichten zu können. «Du hirnverbrannter, scheissblöder Vollidiot!», um etwa eine sehr, sehr kurze Komposition zu nennen, soll hier als Beispiel herangezogen werden. Das Dazunehmen von allerlei Verben und Adjektiven kann natürlich den Sturm beleidigender Nomen ungemein bereichern und in dem Masse den Schimpf ausschmücken, in dem der Verfasser oder die Verfasserin geistig dazu in der Lage ist. Ein «Du Ukulele fickender, schwanzloser [sich widersprechende Aussagen haben ebenfalls Tradition im Schimpf], von einer Kuh und einem Scheisshaus gezeugter, hirntoter Flachwichser!» ist zwar eine etwas lahme Beleidigung, erfüllt aber zur Erklärung ihren Zweck.

Der Schimpf ist aber auch ein Fluchen. Verfehlt etwa beim Nageln des Hammers Bahn das Ziel und trifft stattdessen des Daumens Nagel, so dient das ausführliche, auch mit zum Teil schwer gotteslästerlicher Würze versehene Fluchen der Ablenkung vom schmerzenden, blutenden und sich mit Sicherheit blau verfärbenden Pollex. Auch hier wollen wir ein kleines Beispiel einer wie eben beschriebenen Situation herbeiziehen: «Ahhhh, gottverdammter elender Scheisshammer, vermaledeiter!» Die Schuldzuweisung auf das Gerät, eine Gottheit, das Wetter, eine x-beliebige Person oder anderes ist bei solchem Geschimpfe typisch und dient, wie der Schimpf selber auch, der Ablenkung – meist der, nicht an die eigene Unfähigkeit denken zu müssen, einen Sechziger-Nagel in so ein verdammt hundskommunes Scheissbrett nageln zu können.

 

Das Schimpfwort als Beleidigung

Das Schimpfen hat also nicht nur eine spannende geschichtliche Reise hinter sich, sondern erfüllt auch den Zweck der psychischen Hygiene. Umso bedauerlicher ist es, dass dem Schimpf heutzutage alle Kultur abhanden kommt und leider meist in fantasieloser, lediglich diskriminierender Weise Verwendung findet.

Das schöne «Elender Hundsfot» [Hundsfot = Geschlechtsorgan einer Canis lupus familiaris], zum Beispiel ist durch ein banales «Du blöde Fotze» ersetzt, und statt fantasievoll dem anderen die eigene geistige Überlegenheit und Wortkenntnis präsentieren zu können: «Ihr seid wahrhaftig Bruder und Vater eurer Schwester! Möge eure Familie auf ewig in diesem Sinne weiterbestehen!» werden heute bloss noch rassistische oder Minderheiten verunglimpfende Sätze wie «Du schwule Sau!» gestammelt.

Das «Du schwule Sau» ist in der Tat beleidigend und es ist nicht zu verstehen, weshalb der Umstand, dass jemand homosexuell ist, als Beleidigung herbeigezogen werden kann.

Auch ist nicht begreiflich, dass die Tatsache, dass jemand aus dem Balkan stammt, als Beleidigung gelten soll.

Jemanden mit dem Körperteil eines Tieres oder Menschen zu vergleichen, ist bereits aus der Antike bekannt und hat in allen Kulturkreisen eine lange Tradition. Weshalb ist nichts dazugekommen? Die Beleidigung «Du Windows!» könnte doch hervorragend herangezogen werden, um jemandem klarzumachen, dass er nicht richtig programmiert ist, also etwas gaga ist. Oder «Du blöder SUV!» statt «Breitarschiger, egoistischer Idiot!».

Es ist also festzuhalten, dass die moderne Technologie bisher nicht in das Vokabular des Schimpfes Einzug halten konnte.

Es sei an dieser Stelle auch auf ein Lied des Schweizer Musikers und «Landesbarden» Mani Matter verwiesen, der mit «Schimpfwörter sy Glückssach» wenigstens einige der Schimpfwörter, wenn nicht gleich salonfähig, so doch als Teil der Schweizerdeutschen Sprache gefestigt hat.

Heutzutage ist der Schimpf aus allen Bahnen ausgebrochen. Wo er früher noch mit Lust vollzogen wurde, ist es heute nur noch gehässiges Gebrabbel. Auch hat die ganze Genderisierung, politische Korrektheit und der ganze Sprache zerfleddernde Unsinn dem Schimpf geschadet, dass es einer Kastration gleichkommt. Weibliche Geschlechtsteile dürfen zum Beispiel ausser von Jugendlichen und Rappern nicht mehr verwendet werden. Natürlich ergibt es schimpfmässig Sinn, einen Kerl mit einer Vulva oder den äusseren Schamlippen zu vergleichen. Dass heute Frauen dieses Schimpfwort als Beleidigung für die Frau an sich verstehen, ist natürlich einer als positiv zu beurteilenden gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet, dem Schimpf aber schadet es natürlich ohnegleichen. «Du Tunte!» darf natürlich nur noch von Homosexuellen selber verwendet werden und auch das böse N-Wort wird nur noch von schwarzen Menschen in der Musik oder im Film verwendet.

Zu hinterfragen ist, ob der im Schweizerdeutschen noch immer gebräuchliche spöttische Schimpf «Du besch scho weder de Neger!» als Schimpf gelten darf oder nicht, denn immerhin meint man damit, dass der andere ein Opfer ist. Es verweist also auf die oft noch unter Diskriminierung leidenden Mitbürgerinnen und Mitbürger mit dunkler Hautfarbe. Andererseits impliziert es eine vom Rassismus geprägte Annahme, nämlich, dass schwarze Menschen minderwertig und daher Opfer sind.

In der Antike galt das gegenseitige Beschimpfen vor dem Kampf oder einer Schlacht noch als Tugend, und ein guter Schimpf wurde selbst vom Feind bzw. Beschimpften mit Beifall quittiert. Hierzu könnten vielleicht die Rap-Battles als Vergleich herbeigezogen werden.

 

Das Schimpfwort beim Fluchen

Schimpfwörter, die beim Fluchen verwendet werden, sind, wie anfangs erwähnt, einer zweiten Kategorie zuzuordnen. Auch ihr Ursprung geht weit in der Geschichte zurück und sind – wie in vielen Sachbüchern, unter anderem «Asterix als Gladiator», festgehalten wurde – äusserst farbig gestaltet gewesen.

Der Mensch muss sich abreagieren können. Das innere Gleichgewicht kann trotz Meditationen oder geistigen Schulungen wie dem Kolinahr ins Wanken geraten. Das Fluchen kann dabei helfen, sich wieder einzupendeln, anstatt den Ärger herunterschlucken und später an Herz-Kreislauf-Störungen oder psychischen Leiden erkranken zu müssen.

Die meist im Affekt geäusserten Schimpftiraden sind allerdings meist wenig fantasievoll und beschränken sich auf «Gopf!», «Verdammt!», «Ahh, Scheisse!» (französisch «Merde!»), «Fuck!» und Ähnliches. Ausrufe wie «Himmelherrgottnochmal!» bringen ein Unverständnis der göttlichen Fügung zum Ausdruck, wohingegen «Verdammter elender Dreckmist!» auf Objekte bzw. deren nicht oder ungenügendes Funktionieren zielen.

Dass sogenannte Kraftausdrücke Schmerz besser aushalten lassen, bewies in Experimenten schon der Psychologe Richard Stephens. Er ging davon aus, dass Schimpftiraden bei der Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, das die Weitergabe von Schmerzreizen einschränken kann, behilflich sein können.

 

Abschliessende Worte

Abschliessend soll noch festgehalten werden, dass der Gebrauch von Schimpfwörtern allgemein üblich, in der Schweiz jedoch nach wie vor verpönt ist. Werden Schimpfwörter gegen eine Person gerichtet, kann dies je nach Schimpfwort rechtliche Konsequenzen haben.

Wird in übelster Wortwahl geflucht, kann das als Sittenwidrigkeit oder Störung des Friedens oder Störung religiöser Gefühle bzw. Beleidigung des Glaubens geahndet werden.

 

Schimpfwörter sollten also wieder mit mehr Verstand, Fantasie und Respekt benutzt werden. Im Gegenzug sollten die Zimperlichkeiten abgelegt und stattdessen mit gleicher Münze zurückgegeben werden, auf dass wir wieder ausgiebigen und die Umstehenden unterhaltenden Wortgefechten lauschen können. Von Beleidigungen auf Kosten Dritter, auf Kosten von Minderheiten wie (oder Mehrheiten wie im Fall der Frauen) ist abzusehen.

Wer sich dem Vergnügen des Schimpfes hingeben will, sollte dies mit Bedacht tun und die Konsequenzen bedenken. Aufgrund des leider längst abgeschafften Duell-Verbots ist also vor einer Eskalation aufzuhören.

Wer übrigens festgestellt hat, dass wir nicht über das Schimpfen mit Kindern und Jugendlichen geschrieben haben, darf sich einer scharfen Beobachtungsgabe rühmen, und uns ob der Unterlassung schimpfen.

In diesem Sinne: «≈Ωx!øπ®!!!»

 

 

 

 

Pyrus Kyglozya Smy

Kommunikation ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Wirklich sehr kompliziert.

Wenn das Gegenüber nicht dieselbe Sprache spricht, ist es noch schwieriger, und wenn es dazu aus einem gänzlich anderen Kulturkreis stammt, können auch schon mal Tränen fliessen.

Aber all das ist Pipifatz gegen den Versuch der Kommunikation mit extraterrestrischen Lebensformen. Ich sage das nicht einfach so dahin.

Aber von Anfang an.

Kegel IV – mit richtigem Namen Kyglozya, ist ein wirklich unglaublich langweiliger Planet im System Alpha Centauri. Aufgrund mehrerer SF-Serien und Filme der Sechziger- und Siebzigerjahre glauben die meisten, dass es da von sexy blauen Frauen mit ultraengen Bikinis nur so wimmelt. Pustekuchen! Kyglozya ist der vierte Planet der αCentauri und befindet sich 165’235’971  km, also 1.10453424388 astronomische Einheiten, von αC entfernt. Bedenkt man die Grösse von αC, ist schnell klar, dass es auf Kegel IV recht warm sein muss. Ist es auch.

Bevor ich am südlichen Ende eines der vier Kontinente landete, vergewisserte ich mich erst, dass dort einigermassen angenehme Temperaturen herrschten. Ich gab mich mit den 64,4 °C zufrieden und stellte die Klimaanlage meines Skaphanders auf «gemütlich».

Vier Regeln, die Sie bei Neuerkundungen von Planeten beachten sollten:

  1. Feind Nr. 1 bei Ersterkundungen ist die Langeweile. Wer glaubt, auf jedem Planeten würden die Abenteuer warten wie auf einen J. T. Kirk, der irrt sich gewaltig. Es ist meist so unglaublich langweilig, dass man sich einfach wieder in die kryogenische Kammern wünscht, um der Routine entkommen zu können, die so eine Ersterkundung mit sich bringt. Proben nehmen, Notizen machen, Dokumentieren und noch mehr Proben nehmen.
  2. Vergewissern Sie sich beim Probennehmen, dass es sich nicht um eine Lebensform handelt. Das kann sich unangenehm auf Ihre Rückreise auswirken!
  3. Ein Erstkontakt durch ansässige Lebensformen ist oft kaum als solcher zu erkennen, ich benötigte mehrere Tage, bis ich auf Gounthackrnd erkannte, dass meine Kopfschmerzen von der telepathischen Kontaktaufnahme durch die dort lebenden feuerwanzenähnlichen Käfer kamen. Halten Sie sich also bereit, auf jede ungewohnte Veränderung adäquat reagieren zu können.
  4. Pinkeln Sie nur im Raumschiff. Das Urinieren an vermeintliche Bäume kann Sie Ihr Leben kosten.
  5. Nehmen Sie nie etwas mit nach Hause!

Gerne würde ich jetzt behaupten, dass ich mich auskenne und immer den Durchblick habe. Tatsache ist, dass ich jeden Fehler mache, den man machen kann, und das meist sogar zweimal.

Zurück zu Kegel IV. Nach meinem kleinen Ausflug auf dieses öde Stück Felskann ich davon ein Lied singen, das gut und gerne auch als sechsstündige Oper aufgeschrieben, einstudiert, uraufgeführt, verfilmt und nach Teil VI wieder in den staubigen Kellern der Filmgesellschaft verschwinden und vergessen werden könnte. Schuld war die eklatante Missachtung von Punkt 4.

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Die «Pyrus Kyglozya Smy», also «Die von Smy auf Kyglozia gefundene Birne», so nannte ich stolz die Frucht, die ich eines Tages in einem von durch den stetigen Wind wie Steinpilze geformten, von  Felsen, beschatteten kleinen Tal fand.

Natürlich nahm ich sie mit nach Hause.

Frisch aus dem Vakuumbeutel hielt ich sie stolz den Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung für Flora und Fauna des Kantonsmuseum Luzern vor die Nase.

Nachdem ich ausführlich und unter Miteinbezug jedwelcher Übertreibung und Ausschmückung den Hergang der Entdeckung und die Gründe für die Missachtung von Regel 4 erläutert hatte, stellte ich das garstige Ding auf den Tisch und wir begutachteten es ausführlich.

Als das gefährlich aussehende Teil so auf der grauen Platte lag, robbte sich, ganz von alleine, ein USB-Kabel des Computers zu der Frucht hin, worauf bei der ein kleiner Schlitz aufging und sich das Kabel einstöpselte.

Noch bevor wir reagieren konnten, ging das Licht aus. Wie ich erfuhr, offenbar in ganz Beromünster. Zwei Minuten später ging es wieder an, der Computer fuhr hoch, machte piepsende und wimmernde Geräusche. Wir starrten auf den Bildschirm. Und warteten. Und warteten.

Da plötzlich erschien, wie das in SF-Filmen halt so ist, auf schwarzem Hintergrund in grünen Buchstaben «hi».

Was wollten wir tun? Jeder von uns in der Abteilung ist natürlich in extraterrestrischer Kommunikation geschult – was im Übrigen nicht mehr bedeutet, dass der Austausch von Schnaps und Glasperlen und ein freundliches «How!» noch lange keine Kommunikation bedeutet. Wir schauten uns also ratlos an und letztlich blieb mir nichts anderes, als «Hallo» zu schreiben.

Nach etwa drei Minuten Warten schrieb es auf dem Bildschirm: «Ein Rabbi, ein Cowboy und ein nacktes Krokodil kommen in eine Bar. Sagt der Cowboy zu dem Rabbi …» Nun, den Rest will ich euch ersparen. Die angestöpselte Frucht erzählt seither ununterbrochen Witze. Erdenwitze wohlgemerkt. Sie holt sie sich aus dem Internet und auch das Trennen des Computers von demselben beendete das absurde Treiben nicht.

Es wird wohl Jahre dauern, bis der Kegelbirne die Witze ausgehen. Bis dahin müssen wir einfach abwarten. Geduldig warten und hoffen, dass danach ein spannenderes Thema oder vielleicht sogar eine Unterhaltung folgt.

Kommunikation ist eine komplizierte Sache und scheitert meistens an den Missverständnissen, die sich automatisch ergeben, wenn zwei Lebensformen, welcher Art und Herkunft auch immer, sich begegnen.

Tempelberg, Globuli und die Unvernunft des Glaubens

Liebe Gläubige

An diesem Tage wollen wir über den Glauben reden.

Was ist dieser und weshalb lassen wir dieses den Verstand und alles bessere Wissen verneinende Gebaren zu?

Tief im Menschen verborgen scheint es einen Urinstinkt zu geben, der in uns die Sehnsucht oder Hoffnung weckt, dass wir mit unserem Schicksal nicht alleine sind. Dass wir nicht ohne Sinn hineingeworfen wurden in diese Welt der Schrecken und Gefahren, von denen sich die meisten Menschen heute gar kein Bild mehr machen können.

War es das, und weshalb wurde es nicht mit der fortschreitenden Entwicklung des Verstandes quasi hinwegevolutioniert? Oder hat sich vielleicht der Verstand gar nicht weiterentwickelt? Wäre es möglich, dass nur die Welt komplexer wurde, wir aber noch immer in unseren Höhlen leben, heute einfach mit Google Home und Alexa ausgerüstet?

Es würde erklären, weshalb wir noch immer glauben, auch wenn nicht mehr alle hinter Blitz und Donner einen Gott vermuten.

Und ist es nicht auch sehr einfach, zu glauben? Es entlässt uns aus der Verantwortung, zu wissen und selbstbestimmt zu handeln. Das ist ja so anstrengend. Um wie viel einfacher ist es da «… nicht zu sehen und dennoch zu glauben» (Joh 20,29; LUT).

Doch der Glaube findet seine Wege überallhin. So glauben etwa viele Menschen noch immer Abend für Abend, sie könnten im TV wieder einmal etwas Gescheites sehen, und schalten wider besseres Wissen das Gerät ein, nur um dann einmal mehr einen Abend mit Unsinnigem zu verbringen.

Ein anderer starker Glaube ist in der westlichen Welt in einer Ideologie namens Homöopathie verwurzelt. Obwohl sie nicht so viele Anhängerinnen und Anhänger hat, ist sie in etwa mit dem Christentum zu vergleichen. So wie Gott nicht wissenschaftlich nachweisbar ist, so ist auch eine Wirkung homöopathischer Mittel wissenschaftlich nicht zu belegen.

Dennoch glauben die Menschen daran. Weshalb? Weil sie es wollen. Glaube verbindet auch, der Glaube an einen Gott und die gemeinsamen Rituale, die Diskussion darüber, ob man nun dieses nichts enthaltende Mittel in dieser oder jener Potenzierung verwenden soll oder besser in einer anderen. Der Glaube an den Aufstieg des Fussballclubs, oder daran, dass die CS-Aktie doch noch irgendeinmal über zwanzig Franken kommt.

Lasst uns nun über die Argumente reden, die der Glaube hervorbringt.

Da dem Glauben kein Wissen zugrunde liegt, kann er auch keine logischen, nachvollziehbaren Argumente vorbringen. Dennoch haben diese Scheinargumente mehr Macht als jene, die der Ratio entspringen. Weshalb ist das so?

Nehmen wir noch einmal das Glaubenskonstrukt der Homöopathie. 1810 veröffentlichte Hahnemann das Leitwerk zu dieser Ideologie.  In den zweihundertzehn Jahren, die seither vergangen sind, konnte nie, weder von Anhängern und schon gar nicht von den Gegnern, eine Methode entwickelt werden, die nachweisen würde, ob oder gar wie Homöopathie funktionieren soll. Nimmt man ein x-beliebiges Globuli, sagen wir ein Belladonna D1000, könnte auch der glühendste Verfechter der Homöopathie mit keiner Methode der Welt herausfinden, ob es nun tatsächlich ein Belladonna D1000 ist oder doch ein Kalium phosphoricum D12. Die Argumente, dennoch ein Belladonna D1000 zu nehmen, sind dürftig und beschränken sich auf den Hinweis, dass es viele Fälle gibt, in denen es wirksam war. Verhält es sich nicht auch so mit dem Glauben an Gott? Wieso soll ich an Jesus Christus glauben? Weil er dein Erlöser ist. Wieso? Weil es so geschrieben steht. Wieso? Weil es so aufgetragen wurde? Von wem? Von Gott. Wer ist Gott? Er ist der Schöpfer und Jesus Christus’ Vater.

Sehet ihr, wohin das führt?

Fassen wir also zusammen. Nichts, auch keine rationelle Erklärung könnte uns drei Wochen nach Ticket-Verkaufsstart für das (jetzt wirklich letzte) Stones-Konzert davon abhalten, fest daran zu glauben, dass wir doch noch ein Ticket bekommen und dass auf dem Schwarzmarkt sicher noch ein ehrlicher Verkäufer zu finden ist, der uns einen fairen Preis macht.

Dennoch glauben wir. Glauben an Globuli und Jesus Christus, an Jahve, Allah, Buddha, dass Elvis lebt, Lady Di ermordet wurde oder dass Aliens auf der Erde leben. Für den Glauben werfen wir unser Geld aus dem Fenster, verleumden, verbrennen und ermorden die Menschen. Der Tempelberg zu Jerusalem, auf den aufgrund ihres Glaubens drei Religionen Anspruch erheben, ist ein Ort der religiösen Auseinandersetzung von so abscheulicher gewalttätiger Zügellosigkeit, dass man den Glauben an die Vernunft des Menschen verlieren könnte. Da ist es wenig tröstlich, dass gegen Gewalt nicht nur die Homöopathie nichts nutzt.

Liebe Gläubige und Ungläubige. Ich hoffe, ich konnte euch in eurem Glauben bestärken, nicht glauben zu müssen. Wenn nicht, was bleibt mir mehr als zu rufen: «So glaubt doch, was ihr wollt!»


Das Gender-Sternchen und die ihm immanente Diskriminierung

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem Schwarz und Weiss getrennt sind. Schwarz ist die vorherrschende Farbe, aber das Sagen hat Weiss. Natürlich gibt es auch noch etwas Gelb und Braun, aber davon spricht man nicht.

Eines Tages begehrt Schwarz auf und verlangt, gleich behandelt zu werden wie Weiss, und nach einigen Jahrzehnten ist es endlich so weit und man erteilt Schwarz das Wort im Rat. «Was willst du denn nun schon wieder?» «Wir wollen in der Sprache gleichberechtigt sein», sagte Schwarz. «Nun, dann wollen wir uns zusammensetzen und uns einigen», stimmte der Ratsälteste und Weiseste von Weiss zu. Man setzte sich also zusammen und einigte sich nach langen Verhandlungen auf *.

Nun wirst du dich zu Recht wundern, weshalb *.

Nun, Schwarz verlangte, dass es fortan nicht mehr hiess «Die weiss getünchte Wand», sondern «Der*Die* weiss*schwarz getünchte Wand». Was? Wirst du nun verwirrt ausrufen und dich verwundert fragen, weshalb Weiss denn nun noch immer an erster Stelle kommt und Schwarz Weiss nicht wirklich gleichgestellt ist. Auch wird dir auffallen, dass es nicht Weiss*Schwarz*Gelb*Braun heisst.

Weshalb aber wird * denn dann verwendet, wenn es gar keinen Zweck erfüllt? Ja, welche andere Antwort als «Dummheit» kann es da geben?

Die «visuelle Vergewaltigung der Sprache», wie es die bekannte Lektorin Petra Meyer formulierte, ist nur einer der sehr traurigen Aspekte dieses *. Der weitaus schlimmere ist die an den Faschismus erinnernde Diskriminierung, welche auf einer Ein- und Ausschliesslichkeit beruht die nicht von objektiven Argumenten untermauert ist. * suggeriert eine Verbindung, wo in Wahrheit eine Trennung ist. Weiss*Schwarz Mann*Frau. Die implizierte Einbindung «nicht binärer Geschlechtsidentitäten» findet nicht statt, sondern deren Ausschluss wird von Männern und Frauen in Kauf genommen.

Es kann die Frage gestellt werden, ob der Ausschluss der «nicht binären Geschlechtsidentitäten» tatsächlich ein solcher ist.

Die dem heutigen Zeitgeist eingetwitterte Gender-Hysterie kann nicht verneinen, dass es bei Säugetieren die beiden Geschlechter Weiblich und Männlich gibt. Ob man sich körperlich oder psychisch zum einen, andern, beiden oder gar keinem dieser Geschlechter zugehörig fühlt, ändert nichts daran. Dass die Gesellschaft als solche diese (in Deutschland und der Schweiz knapp 8 Prozent) Menschen diskriminiert, verleugnet, durch Geschlechtsumwandlung im Kindesalter quält und sich weiterer unsäglicher Taten schuldig macht, verneint also noch immer nicht die beiden Geschlechter.

Es bleibt also dabei. Weiblein und Männlein. Nur: wie beide gleichberechtigt behandeln?

Indem ihr es einfach tut, verdammt noch mal!

In jedem Satz gibt es genug Platz um «Kranführerinnen und Kranführer sind längst nicht alle schwindelfrei» zu schreiben – wenn man denn etwas über Kranführerinnen und Kranführer schreiben möchte. Würde konsequent darauf geachtet, was und wie man etwas schreibt, hätten wir gar nicht das hochnotpeinliche Problem, dass wir uns vor die Tatsache gestellt sehen, in einer Welt zu leben, in der der grössere Teil der Menschen von einer Minderheit diskriminiert und unterdrückt wird. Und ich meine mit der Minderheit Männer, das will wohlverstanden sein!

Dass man diese Diskriminierung mit einem Er*Sie beseitigen will, ist einfach lächerlich und traurig. Der Kampf für Gleichberechtigung, und das gilt beiderseitig und allseitig und über das Geschlecht und die Hautfarbe hinaus, muss in einer Form geführt werden, die der Grösse des Problems angemessen ist. Und das ist Vehemenz! Vehemenz, und nicht die mit an Peinlichkeit kaum zu überbietenden stimmlosen glottalen Plosive, die von politisch korrekt gegenderten Nachrichtensprecherinnen und Nachrichtensprechern heutzutage verwendet werden.

Schwarz und Weiss sassen beisammen im Rat und sahen sich um. Alles war schwarz und weiss. «Eine dumme Sache ist das, was haben wir uns nur eingebrockt!», stöhnte Weiss. «Ja, wirklich verdammt schiefgelaufen!», bestätigte Schwarz. «Wo sind eigentlich Gelb und Braun und Rot und Grün?» «Hm, die haben wir rausge*.» «Holt sie wieder rein, verdammt, wenn wir jetzt etwas brauchen, dann ist es Farbe!»

Und als alle bunt gemischt beieinander sassen, sahen sie sich um und fanden, es sei gut. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage, oder bis irgendjemand mit besonders fiesem Charakter dieses Happyend einfach ent*

 

 

 

 

 

 

NICHTS ist NICHTS

Suche nach der Wahrheit des Nichts

Suche nach der Wahrheit des Nichts? Seltsame Frage! Wieso sollte das Nichts eine Wahrheit haben? Oder gibt es ausser der sehr vagen wahren Äusserung, dass Nichts nicht Nichts, sondern das Fehlen von Etwas ist, noch mehr zu sagen?

Man kann es versuchen. Natürlich wäre ich nicht der Erste, der das tut, und ich bin sicher, dass Massen von Philosophen, und sicher auch viele Wissenschaftler sich darüber Gedanken gemacht haben. Natürlich hatte ich nie weder Musse noch Zeit, sie zu lesen, aber das soll mich nun nicht davon abhalten, mir meine eigenen Gedanken zu machen.

Zum Anfang, hier

Und noch etwas                                                   zum Drangewöhnen

Oder ein bisschen                                                einfach zum Geniessen

Wieso hat Nichts einen Namen? Ist doch unlogisch. Wie kann man etwas, das keine Existenz hat, benennen? Oder ist Nichts etwa gar nichts Nichts? Hat es etwas zu bedeuten, wenn jemand sagt: «Da vorne ist nichts?» Ja, hat es, es ist nur eine Floskel, denn wirklich unangenehm wird es erst, wenn jemand sagt: «Nicht weitergehen, da vorne ist Nichts!»

Nichts und nichts sind also nicht dasselbe und somit sind wir einen Schritt weiter und können uns dem einen, nämlich dem Nichts, zuwenden.

Wo ist Nichts? Nicht in Schwarzen Löchern, so viel steht fest. Vielleicht im Vakuum? Nein, denn wäre da nichts, könnte sich das Licht nicht hindurchbewegen, was es aber tut, also ist Vakuum nicht Nichts. Vielleicht ausserhalb des Universums? Ist das vorstellbar, dass inmitten eines unendlichen Nichts, sozusagen einem NICHTS, einem SUPERNICHTS sogar dieses klitzekleine Universum einfach so dahintrudelt? Was will es im Nichts, und wie ist es dahin gekommen?

Ah, Kopfschmerzen!

Ich glaube nicht, dass aus dem Nichts etwas entstehen kann. Wie sollte es?

Was aber bleibt dann? Genau, nichts.

Das Nichts existiert also gar nicht, ist nur eine Idee, ein Gedankenexperiment von Philosophen?

Aber was ist mit der Null? Kann man das Nichts mathematisch nachweisen? Bedeutet null in der Informatik nicht einfach, dass es keine Information gibt, nicht EINS ist? 0101001101100011011010000110010101101001011100110111001101100101! Selbst die Maths haben nicht mehr?

Und die Physik? Wäre nicht das Nichtvorhandensein von Raum und Zeit Nichts? Hm, vielleicht schon, blöderweise gibt es das nicht!

Muss ich nun echt den Hegel, Kant und Heidegger konsultieren, oder noch weiter zurück Platon und den ollen Sokrates? Nö, keine Lust. Echt jetzt, all die Schmöker wälzen, nur um letztlich herauszufinden, dass einer sagt, «Das Nichts gibt es nicht, deshalb nennen wir es Nichts!» oder «Nichts ist das Gegenteil von Sein!», wofür, wer auch immer, sicher mit Auszeichnungen überhäuft worden ist. Hegel, keine Ahnung (war zu seiner Zeit das Nichts schon erfunden?). Den Kant kann ich schon gar nicht ab, der kritisiert da was an der Vernunft herum oder so, und vom Heidegger hab ich mal ein Buch aufm Flohmarkt gekauft und hatte drei Tage Kopfweh und Langeweile.

Also was? Kein NICHTS? Keine Erklärung, nur philosophischer Zeitvertreib und mathematische Gleichung =NULL?

Hm, scheint so. Scheint wirklich so. Ah, egal, was solls. Wozu sich über Nichts Gedanken machen?

Gehen wir etwas Leichteres an: Woher kommen wir?