Archiv der Kategorie: Kantonsmuseum Luzern

Vorsehung

Der erste Artikel für die neu geschaffene Abteilung für Sprachforschung

Nur weil sich jemand vorsieht, heisst das noch lange nicht, dass er eine Vorsehung hat. 

Eigentlich ist dieser Satz falsch, da die Vorsehung laut Duden eine «über die Welt herrschende Macht» ist, «die in nicht beeinflussbarer oder zu berechnender Weise das Leben der Menschen bestimmt und lenkt».

Eine Vorsehung kann man also nicht haben, man ist ihr unterworfen oder, wie der SMY zum Beispiel, selber eine sein.

Im Mittelhochdeutsch lautete das Wort noch vürsehunge (ist under fürseung standen  = stand unter dem Schutz von)

Aus dem vormaligen Schutz  ist also eine unbeinflussbare Lenkung geworden, oder anders ausgedrückt, aus dem Schutz der Atmosphäre vor Strahlung ist eine unbeeinflussbare Bedrohung aus giftigen Gasen und steigenden Temperaturen geworden.

Der Mensch, könnte man glauben,  ist also nicht mehr derselbe wie damals. Könnte man, denn in Wirklichkeit hat er einfach gelernt, ein Smartphone zu bedienen, und es gibt auch heute noch Menschen, die glauben, unter der Vorsehung ihres Gottes zu handeln oder ihr zu unterstehen.

In neuerer Zeit, als die durch den Kommunismus proklamierte Religionsfreiheit Wörter wie Vorsehung, also eine göttliche Lenkung, aus dem Gebrauch eliminieren wollte, wurden Wörter wie «Geschick»  oder «Schicksal» verwendet. Beide natürlich mit der selben rohen Uausweichbarkeit wie die Vorsehung, denn was einem widerfährt, wurde sozusagen «geschickt».

Ha, das hat die Kirche ja geschickt eingefädelt. Da hat sie wieder einmal Geschick in der Manipulation bewiesen.

Und mit dieser verwirrenden Wortverwendung wollen wir für diesmal Schluss machen und hoffen, die Vorsehung, also die Expansion des Universums, wird sie nicht zu weit von uns wegtragen, sodass sie auch das nächste Mal wieder dabei sind, wenn es heisst:

«Der Weg führt hin!»

LB_001_77.001-016

Derweil die halbe zentraleuropäische  Welt im Stau Richtung Süden stand und und etwas für die Klimaerwärmung tat, nämlich über Stunden bei laufendem Motor (Klimaanlage) Fahrzeugschnauze an Fahrzeugarsch sich gegenseitig die Abgase in den Zufuhrkanal für die Frischluft zu blasen und die Umgebungstemparatur um ca. 1.278°C zu erwärmen, während sich also dieser ganze geistesschwache Unsinn auf fast allen Autobahnen abspielte, machte ich wieder einmal Löcher in unser Haus. Genau gesagt ein Loch.

Wer über die Baugeschichte der Löffelburg bescheid weiss, dem/der ist auch bekannt, dass kaum je eine grössere Naturgewalt über das Haus gekommen ist als meine Wenigkeit – und dies inlusive der beiden verherenden Hochwasser und dem Dorfbrand.

Ein 10Kg Vorschlaghammer, ein Brecheisen und einen Bausauger. – nackte, rohe Gewalt, gepaart mit dem Verlangen aus alt neu zu machen und endlich mit dem Umbau fertig zu werden.

Gen Himmel hob Thor den Hammer empor

und wild war das Antliz des Asen

Hernieder krachte die himmlische Kraft

getroffen blieb das Gemäuer liegen.

So also tat ich im Treppenhaus des 2. OG, als ich den alten Einbauschrank der unter die Treppe zum Dachgeschoss verbaut war niederriss.

Doch bei allem Ungestüm, lass ich doch immer Vernunft walten. Und so war der Abbruch des Schrankes natürlich um ein vielfaches weniger brutal. Als Belohnung wurden mir dafür etwa acht Seiten aus dem Zahlbüchlein der Löffelburg, oder vielmehr der St. Afra-Pfrund beschert. Die Blätter stammen aus den Jahren 1774 bis 1789, und listen entweder getätigte Zahlungen oder Einnahmen aus. Momentan ist das noch nicht genau zu erkennen.

Die Blätter habe ich sorgfältig vom Holz gelöst, getrocknet und eingescannt. Fundnummer: LB_001_77.001-016.

Nun warten sie, provisorisch in einem Couvert, bis ich säurefreies Papier bekomme, und  einem Moment in dem ich die Zeit finde, alles zu entziffern. Damit ich das spröde Papier nicht wieder berühren muss, habe ich alle Teile eingescannt und im Photoshop hochgeladen. Da kann ich dann probieren was wie zusammenpasst.

 

Samstag 19.4.19, 10.11 Uhr
Samstag 19.4.19, 10.26 Uhr
Samstag 19.4.19, 10.37 Uhr

 

Treppenschräge zu DG. Abriss des Einbauschrankes, An der wand in der ersten Schicht die Seiten aus den Zahlbüchlein, und in der Zweiten Schicht Seiten aus einer Zeitung ca. 1830.
Seiten von Zahlbüchlein 18. Jh.
Gescannte Seiten zum berührungsfreien Zusammensetzen in Photoshop importiert.

 

 

 

 

Aciel Arbogast

Aciel Arbogast, eigentlich Arbogast D’Aciel, war nach seinen eigenen Worten (Inserat vom 8. Februar 1891 im «Luzerner Tagblatt»),  ein «Goldsucher, Schatzsucher, Scientist, Expeditopnist, Archaiologist, Kopfgeldjäger, Tierbändiger, und Occultist, allerlei Berg- und Seegängiger. Spreche jede Sprache und deute alle Zeichen! Tägliche Audienz nach dem Mittag im Hotel Schweizerhof Luzern.»[Tatsächlich ist er nie dort abgestiegen. Wahrscheinlicher ist, dass er an einem günstigeren Ort nächtigte und sich lediglich im Café des Hotels am Nachmittag «die Ehre gab».]

Die Schreibweise des Namens legt nahe, dass Arbogast der Vorname war. Ab 1887 taucht er jedoch verschiedentlich als Aciel Arbogast auf. Namensänderungen waren in dieser Zeit allerdings keine Seltenheit.

Seine Lebensdaten sind grösstenteils ebenso unbekannt wie seine Lebensgeschichte. Gesichert ist, dass er sich am 30. März zur Feier seines Geburtstages, wie Peter Kopp auf der Rückseite der CdV notierte, von diesem fotografieren liess. Nach den Unterlagen zu urteilen, weilte er vom Herbst 1905 bis im Juni 1906 in der Löffelburg bei Niklaus Matt und dessen Frau.

Bekannt ist, dass er archäologisch interessiert war und bei verschiedenen Ausgrabungen von Ägypten bis Norwegen dabei war. Ihm wird unter anderem auch die erste Erwähnung von Nienetwil zugeschrieben.

Um den und bis am 2. Oktober 1901 nächtigte er im «Hotel Kaiserhof» in Wien im Zimmer 42 und prellte dort eine Zeche von stattlichen 197Kronen. Am 6. Oktober war Arbogast D’Aciel («… auch der Schweizer Arbogast an der Bergung beteiligt… »

Aeroplane from Wilhelm Kress on the Wienerwaldsee. 3. October 1901

[Stadtarchiv Wien]) offenbar an der Bergung des Kress’schen Drachenfliegers auf dem Wienerwaldsee beteiligt. Das Wasserflugzeug  war dort am 3. Oktober bei einem Übungsflug gekentert und gesunken. Was Arbogast mit der Bergung zu tun hatte, ist nicht klar. Möglicherweise war er einer der Taucher, da er in den Küsten vor Alexandria bereits 1898 getaucht war.

In der Vermisstenliste taucht ein A. Arbogast auf, der schweizerischer Staatsbürger war.

CdV P. Kopp, 30. März 1906. Fotografie von Arbogast D’Aciel.

Die CdV trägt den Stempel des Fotografen Peter Kopp aus Beromünster. Auf der Rückseite vermerkte dieser: «Aciel Arbogast. Geburtstagsfoto am 30.3.1906. Bei  N. Matt, Löffelburg»

Dummheits-Virus entdeckt

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kantonsmuseums Luzern ist in den Laboratorien der Löffelburg eine sensationelle Entdeckung gelungen.

Mit unserem neuen superhochauflösenden Raster-Elektronenmikroskop wurden auf einer Probe mit Hirngewebe Viren entdeckt (siehe Abbildung), die für die Verstärkung von Dummheit verantwortlich sind.

Einmal infiziert, wird die Gehirnaktivität sukzessive eingedämmt, bis der sogenannte «Trumpsche Effekt» eintritt, der Mensch also noch sprechen kann, Gesagtes jedoch kaum noch Sinn ergibt. Zudem wird gerade etwa Frauenfeindlichkeit oder Rassenhass dadurch verstärkt.

Das Virus scheint hoch ansteckend zu sein, weshalb wir, bevor wir über die Hintergründe der Forschung sowie über das Virus berichten, erst wichtige Hinweise geben, wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die WHO unbedingt entsprechende Warnungen aussprechen sollte, denn eine der unangenehmsten Begleiterscheinungen von Dummheit ist die Diskriminierung anderer.
Der Hass auf Frauen, auf andersfarbige Menschen, Menschen anderer Religion oder anderen Glaubens oder nicht der gesellschaftlichen Moralvorstellung entsprechender sexueller Ausrichtung sowie politisch Andersdenkender sind klare Anzeichen einer starken Infektion durch das Virus. Im Notfall sind befallene Personen aus Führungspositionen und politischen Ämtern zu entfernen.

Was tun, um eine Ansteckung zu vermeiden?
Das Virus lässt sich gerne an wenig aktiven Gehirnen nieder. Dies konnte durch verschiedene Magnetoenzephalographische Untersuchungen bewiesen werden. Um einer Ansteckung zu entgehen, ist es daher wichtig, Folgendes zu beachten:

  1. Denken Sie!
    Insbesondere sind Denkvorgänge erwünscht, die sich mit dem Sein an und für sich sowie dem Sein des Selbst und dem Selbst in Interaktion mit der Umwelt, vor allem anderen Menschen, befassen.
  2. Fördern Sie die eigene Empathie, indem Sie sich in die Situation anderer versetzen.
    Achten Sie darauf, dass es zwischen dem Empfinden des Selbst und dem Empfinden für das andere keine Konfusion gibt. Das Empfinden von Empathie für das andere, etwa eine fremde Person, soll ausdrücklich logisch analysiert und wenn es geht diskutiert werden.
  3. Meiden Sie Stammtische/Orte, an denen nur Gleichgesinnte sitzen.
    Dies sind sozusagen Bestätigungsfelder, in denen sich das Virus besonders gut entfalten kann, weil je dümmer eine Aussage ist, die gemacht wird, umso weniger wird das Hirn beansprucht. Selbiges gilt natürlich in gleichem Masse auch für die sozialen Netzwerke.
  4. Kommunizieren Sie mit Fremden.
    Die Kommunikation mit Fremden löst ein wahres Sperrfeuer elektromagnetischer Impulse in den neuronalen Netzwerken aus und stört die Lebensgrundlage für das Virus nachhaltig beziehungsweise verunmöglicht oder erschwert eine Infizierung.
  5. Vermeiden Sie Medien, die das Denken einschlafen lassen. Fernsehsender wie RTL und Artverwandte sind zu meiden. 3Sat oder insgesamt Wissenssendungen, sofern sie nicht auf ZDF Info laufen, stärken das Denken und wirken dem Virus entgegen. Testpersonen, die über längere Zeit Sportsendungen, Glanz und Gloria auf SRF, Gerichtssendungen oder Top-Model-Shows ausgesetzt waren, wiesen einen 58 Prozent höheren Befall aus als die nicht ausgesetzte Vergleichsgruppe, und das nach drei Tagen!

Wenn Sie diese Regeln beachten, sollten Sie vor einer Infektion geschützt sein!

Denken! Empfinden und sprechen mit Fremden! Dummheit* vermeiden!

* Dummheit ist zu unterscheiden von mangelnden geistigen Fähigkeiten. Ein Beispiel:
Ein Mensch, der über mangelnde geistige Fähigkeiten verfügt und in einem Auto mit 100 km/h auf eine Kurve zurast, ist nicht imstande, eine Kausalität zwischen Geschwindigkeit, Fliehkraft und dem unmittelbar bevorstehenden Tod herzustellen.
Ein Mensch, der dumm ist, könnte zwar einen unmittelbaren Zusammenhang von Geschwindigkeit, Fliehkraft und dem unmittelbar bevorstehenden Tod an einem der Bäume in der Kurve herstellen, findet für sich jedoch eine Unmenge an Ausreden und Scheinargumenten, um diesen Zusammenhang nicht herstellen zu müssen. Dies, weil es einfach mehr gefällt, schnell und gefährlich unterwegs zu sein.

Ein ähnliches Verhalten legen, da Dummheit auch auf eingeschränkte Handlungsfelder begrenzt vorkommen kann, die Menschen an den Tag, die zum Beispiel ihr Verhalten nicht dem Wissen anpassen, dass uns der Klimawandel wahrscheinlich in starkem Mass bedrohen und schädigen wird.

Das Virus wurde bei allen Testpersonen festgestellt. Das lässt die Vermutung zu – weitere Forschungen werden Klarheit bringen – dass lediglich der Umstand, wie stark unser Denkvermögen ausgereizt wird, Einfluss auf die Stärke der Infektion hat. Weder das Geschlecht noch Hautfarbe oder Herkunft haben einen Einfluss.

Hinweise aus der Bevölkerung werden gerne entgegengenommen.

Kulturkonsum

Die Abteilung Kulturwissenschaften des Kantonsmuseums Luzern deckt auf: Kulturkonsum gibt es nicht!

In einem langwierigen wissenschaftlichen Verfahren deckte das Kantonsmuseum Luzern nun auf, dass es Kulturkonsum gar nicht geben kann.

In der Untersuchung wurden verschiedene Kunstobjekte gewogen und dann über längere Zeit betrachtet.* Nach der Betrachtung wurde das Objekt wieder gewogen. Das Resultat war nicht verwunderlich – es war noch genauso schwer wie vorher.

Somit kann das Wort Kulturkonsum endlich wieder aus dem Vokabular gestrichen werden – ein Verdienst, das das Kantonsmuseum Luzern bescheiden auf sich nimmt.

* So zum Beispiel dieses wundervolle Gemälde des Hochdorfer Grafikers und Künstlers Charles Meyer. Das Bild, gemalt 1959, wog genau 874 Gramm. Dies tat es zu Anfang und auch nach Abschluss der Untersuchung!

 

Sesino

Bei aller Umbauerei: Die Löffelburg gab bisher keine grossen Schätze preis. Allerdings haben wir die eine oder andere Münze gefunden.

Im zweiten Stock kam bei den Abrissarbeiten an den Wandverkleidungen dieser Sesino zum Vorschein. Es handelt sich um einen im Herzogtum Mailand unter Philipp IV. (1622–1665) von Spanien geprägten Sesino. Diese Münzen wurden zwischen 1645 und 1665 geprägt.

Münze aus R25 in R24 gefunden

Eine andere Münze, die im selben Zimmer gefunden wurde, ist ein Zuger Schilling, der zwischen 1597 und 1610 vom Zuger Münzmeister Georg Vogel nach Luzerner Vorbild geprägt wurde. Die Inschriften lauten: [vs=SANCT WOLFGANG  rs=MONETA NO TUGIENS].

Mümze, Knöpfe

Nun könnte man vielleicht meinen: «Wow! Reichtum!», aber dem ist leider nicht so. Im Übrigen hat bereits die Kantonsarchäologie Luzern darum gebeten, die Münzen haben zu dürfen. Da ist man natürlich unsicher, was man machen soll. In der Archäologie wird, irgendwann einmal, wenn die ganzen Sparübungen des Kantons ein Ende gefunden haben, irgendein/e Sachbearbeiter/in die Münzen ins Verzeichnis aufnehmen und irgendein Münzsachverständiger wird sie sich anschauen. Danach werden sie sich bei all dem anderen Fundgut des Kantons in den Keller begeben.

Andererseits: Was sollen sie bei uns? Wir können sie Gästen zeigen und in der Löffelburg in der Vitrine des Kantonsmuseums Luzern ausstellen. Irgendwann gehen sie vielleicht verloren oder was weiss ich.

Also werden sie wohl doch in die Archäologie gehen, aber jetzt noch nicht, denn es ist «MEIN Schatz! – saber keuch röffelröffel – Gollum, Gollum, MEIN Schaatz!».