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Vorsicht Röntgen

Ferienzeit, und es ist doch immer dasselbe: Da kommt man vom Lagunennebel (auch M8 oder NGC 6523 genannt) zurück und am Zoll wird man wieder blöd angemacht, weil auf dem Röntgenbild des Koffers etwas zu sehen ist, das diesen Typen Angst macht.

Wo steht denn bitte geschrieben, dass keine Aliens in die Schweiz eingeführt werden dürfen, hä? Die haben sich natürlich nicht einmal getraut, den Koffer aufzumachen, und erst als ich beteuert habe, dass es doch gar keine Aliens gebe, durfte ich den Koffer öffnen.

Gut, das hätte ich nicht tun dürfen, und der Tumult geht auf meine Kappe. Aber ich habe halt gehofft, das Chaos, wenn das kleine gefrässige Viech aus dem Koffer springt, könnte mir etwas Zeit für die Flucht verschaffen. Und so war es ja auch. Noch etwas kauend, das mir den Eindruck machte, es hätte einmal von einer Zöllner-Uniform stammen können, kam Bubsi gegen halb elf am Abend bei mir an und schaute mich vorwurfsvoll an. Natürlich wusste ich, dass das Show ist, denn er liebt das Beissen und Reissen wie sonst gar nichts. Nun, ich zeigte ihm noch das Foto, das ich schnell von ihm auf dem Röntgenbildschirm gemacht hatte. Er reckte die Schultern und war mächtig stolz. Das Foto hängt nun am Kühlschrank. Für die, die es nicht erkennen auf dem Foto: Der Kopf ist links oben zu sehen.

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Und hier noch eine Skizze (zu fotografieren ist leider unmöglich).

Selbstzensur

Über die Selbstzensur

Was darf Satire und was nicht? Was ist wann und wo opportun und was nicht?

Eigentlich sollte hier ein anderer Text stehen, den ich aber, aus Gründen der Selbstzensur, oder besser auf Wunsch Dritter, entfernt habe. Er war nicht böse. Er war nicht beleidigend, er war satirisch und befasste sich mit dem Dickdarm eines ausgestorbenen Dickhäuters und dessen Einfluss auf die heutige Gesellschaft. Natürlich hatte es einen Bezug zu etwas, dieser war jedoch so hübsch versteckt, dass nur Eingeweide, meine Eingeweihte oder der Osterhase den Zusammenhang entdecken konnten. Allen anderen wäre es nur ein satirischer Text gewesen.

Nun, ich habe ihn, um den Frieden zu wahren gelöscht.

Ist das richtig? Muss also ein Satiriker aus Rücksicht auf Freunde, Bekannte oder Verwandter usw., bzw. zu deren Schutz weil sie allenfalls aus Geschriebenem negative Folgen zu gewärtigen hätten, sich selbst einer Zensur unterwerfen?

Nein, eigentlich nicht – müssen, mein ich. Er kann, er darf, naja den ganzen gesellschaftlich, moralischen Unsinn eben, aber er muss nicht.

Wer in einem kleinen Dörflein lebt und einen zweifelhaften Charakter wie den meinen sein eigen nennt, muss zwangsläufig diesem oder jenem auf die Füsse treten. «Wer über Leichen geht, geht weicher!», ist eigentlich mein Motto, aber ich werd es nun ändern in «Auch Comedy ist schön!»

In der Gesellschaft ist man nie alleine, Ellenbogen an Ellenbogen stehen wir uns gegenseitig unentwegt auf die Füsse. Alleine unserem Bedürfnis nach Friede ist es zu verdanken, dass wir uns nicht ohne Unterlass gegenseitig verdreschen. Und alleine des Friedens wegen wegen habe ich den Artikel gelöscht.

Die Satire ist, in all dem Gerangel und sich gegenseitig auf die Füsse und in Fettnäpfchen treten ein Ventil. Kluge Griechen haben sie ersonnen um in den engen Gassen Athens lebend nach Hause zu kommen, obwohl sie die Wahrheit gesagt haben. Es waren, wie sollte es anders sein Helden, und kamen gleich nach den nackten Typen die bei den Turnveranstaltungen oder Schlachten das Publikum ergötzten.

Heute ist das nicht mehr so, was wohl daran liegt, dass die Gassen Athens und der Welt um ein vielfaches enger sind als damals. Ich habe also Verständnis dafür, dass der Wunsch den Eintrag zu löschen kam. S’gibt einfach zu viele Füsse …

 

 

Pyrus Kyglozya Smy

Kommunikation ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Wirklich sehr kompliziert.

Wenn das Gegenüber nicht dieselbe Sprache spricht, ist es noch schwieriger, und wenn es dazu aus einem gänzlich anderen Kulturkreis stammt, können auch schon mal Tränen fliessen.

Aber all das ist Pipifatz gegen den Versuch der Kommunikation mit extraterrestrischen Lebensformen. Ich sage das nicht einfach so dahin.

Aber von Anfang an.

Kegel IV – mit richtigem Namen Kyglozya, ist ein wirklich unglaublich langweiliger Planet im System Alpha Centauri. Aufgrund mehrerer SF-Serien und Filme der Sechziger- und Siebzigerjahre glauben die meisten, dass es da von sexy blauen Frauen mit ultraengen Bikinis nur so wimmelt. Pustekuchen! Kyglozya ist der vierte Planet der αCentauri und befindet sich 165’235’971  km, also 1.10453424388 astronomische Einheiten, von αC entfernt. Bedenkt man die Grösse von αC, ist schnell klar, dass es auf Kegel IV recht warm sein muss. Ist es auch.

Bevor ich am südlichen Ende eines der vier Kontinente landete, vergewisserte ich mich erst, dass dort einigermassen angenehme Temperaturen herrschten. Ich gab mich mit den 64,4 °C zufrieden und stellte die Klimaanlage meines Skaphanders auf «gemütlich».

Vier Regeln, die Sie bei Neuerkundungen von Planeten beachten sollten:

  1. Feind Nr. 1 bei Ersterkundungen ist die Langeweile. Wer glaubt, auf jedem Planeten würden die Abenteuer warten wie auf einen J. T. Kirk, der irrt sich gewaltig. Es ist meist so unglaublich langweilig, dass man sich einfach wieder in die kryogenische Kammern wünscht, um der Routine entkommen zu können, die so eine Ersterkundung mit sich bringt. Proben nehmen, Notizen machen, Dokumentieren und noch mehr Proben nehmen.
  2. Vergewissern Sie sich beim Probennehmen, dass es sich nicht um eine Lebensform handelt. Das kann sich unangenehm auf Ihre Rückreise auswirken!
  3. Ein Erstkontakt durch ansässige Lebensformen ist oft kaum als solcher zu erkennen, ich benötigte mehrere Tage, bis ich auf Gounthackrnd erkannte, dass meine Kopfschmerzen von der telepathischen Kontaktaufnahme durch die dort lebenden feuerwanzenähnlichen Käfer kamen. Halten Sie sich also bereit, auf jede ungewohnte Veränderung adäquat reagieren zu können.
  4. Pinkeln Sie nur im Raumschiff. Das Urinieren an vermeintliche Bäume kann Sie Ihr Leben kosten.
  5. Nehmen Sie nie etwas mit nach Hause!

Gerne würde ich jetzt behaupten, dass ich mich auskenne und immer den Durchblick habe. Tatsache ist, dass ich jeden Fehler mache, den man machen kann, und das meist sogar zweimal.

Zurück zu Kegel IV. Nach meinem kleinen Ausflug auf dieses öde Stück Felskann ich davon ein Lied singen, das gut und gerne auch als sechsstündige Oper aufgeschrieben, einstudiert, uraufgeführt, verfilmt und nach Teil VI wieder in den staubigen Kellern der Filmgesellschaft verschwinden und vergessen werden könnte. Schuld war die eklatante Missachtung von Punkt 4.

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Die «Pyrus Kyglozya Smy», also «Die von Smy auf Kyglozia gefundene Birne», so nannte ich stolz die Frucht, die ich eines Tages in einem von durch den stetigen Wind wie Steinpilze geformten, von  Felsen, beschatteten kleinen Tal fand.

Natürlich nahm ich sie mit nach Hause.

Frisch aus dem Vakuumbeutel hielt ich sie stolz den Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung für Flora und Fauna des Kantonsmuseum Luzern vor die Nase.

Nachdem ich ausführlich und unter Miteinbezug jedwelcher Übertreibung und Ausschmückung den Hergang der Entdeckung und die Gründe für die Missachtung von Regel 4 erläutert hatte, stellte ich das garstige Ding auf den Tisch und wir begutachteten es ausführlich.

Als das gefährlich aussehende Teil so auf der grauen Platte lag, robbte sich, ganz von alleine, ein USB-Kabel des Computers zu der Frucht hin, worauf bei der ein kleiner Schlitz aufging und sich das Kabel einstöpselte.

Noch bevor wir reagieren konnten, ging das Licht aus. Wie ich erfuhr, offenbar in ganz Beromünster. Zwei Minuten später ging es wieder an, der Computer fuhr hoch, machte piepsende und wimmernde Geräusche. Wir starrten auf den Bildschirm. Und warteten. Und warteten.

Da plötzlich erschien, wie das in SF-Filmen halt so ist, auf schwarzem Hintergrund in grünen Buchstaben «hi».

Was wollten wir tun? Jeder von uns in der Abteilung ist natürlich in extraterrestrischer Kommunikation geschult – was im Übrigen nicht mehr bedeutet, dass der Austausch von Schnaps und Glasperlen und ein freundliches «How!» noch lange keine Kommunikation bedeutet. Wir schauten uns also ratlos an und letztlich blieb mir nichts anderes, als «Hallo» zu schreiben.

Nach etwa drei Minuten Warten schrieb es auf dem Bildschirm: «Ein Rabbi, ein Cowboy und ein nacktes Krokodil kommen in eine Bar. Sagt der Cowboy zu dem Rabbi …» Nun, den Rest will ich euch ersparen. Die angestöpselte Frucht erzählt seither ununterbrochen Witze. Erdenwitze wohlgemerkt. Sie holt sie sich aus dem Internet und auch das Trennen des Computers von demselben beendete das absurde Treiben nicht.

Es wird wohl Jahre dauern, bis der Kegelbirne die Witze ausgehen. Bis dahin müssen wir einfach abwarten. Geduldig warten und hoffen, dass danach ein spannenderes Thema oder vielleicht sogar eine Unterhaltung folgt.

Kommunikation ist eine komplizierte Sache und scheitert meistens an den Missverständnissen, die sich automatisch ergeben, wenn zwei Lebensformen, welcher Art und Herkunft auch immer, sich begegnen.

Ode an eine Schraube

Wundersame, schön Gedrehte, in Socken versteckt liegst du da und glänzt aus dem Dunkel.

Was hältst du mir Bretter und Balken aller Art! Ohne Vorurteile dreht sich dein scharfes Gewinde in Dick und Dünn. Torx! Schöne! Was liebe ich die Ausnutzung deines Drehmoments so ganz ohne aus dem Schlitz zu rutschen, den kräftigen Zug sanft steigender Gewindewellen. Und welch heitere Vielfalt!

Ach Schraube. Als ich dich bei meinen Socken fand und mich fragte, weshalb du diese als dein Versteck gewählt hast, wurde mir klar, dass du für etwas ganz Besonderes geschaffen bist.

So habe ich dich nun eingedreht ins satte frische Holz der Werkstatt, auf dass du stets meine Überjacke halten kannst!

Das Gender-Sternchen und die ihm immanente Diskriminierung

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem Schwarz und Weiss getrennt sind. Schwarz ist die vorherrschende Farbe, aber das Sagen hat Weiss. Natürlich gibt es auch noch etwas Gelb und Braun, aber davon spricht man nicht.

Eines Tages begehrt Schwarz auf und verlangt, gleich behandelt zu werden wie Weiss, und nach einigen Jahrzehnten ist es endlich so weit und man erteilt Schwarz das Wort im Rat. «Was willst du denn nun schon wieder?» «Wir wollen in der Sprache gleichberechtigt sein», sagte Schwarz. «Nun, dann wollen wir uns zusammensetzen und uns einigen», stimmte der Ratsälteste und Weiseste von Weiss zu. Man setzte sich also zusammen und einigte sich nach langen Verhandlungen auf *.

Nun wirst du dich zu Recht wundern, weshalb *.

Nun, Schwarz verlangte, dass es fortan nicht mehr hiess «Die weiss getünchte Wand», sondern «Der*Die* weiss*schwarz getünchte Wand». Was? Wirst du nun verwirrt ausrufen und dich verwundert fragen, weshalb Weiss denn nun noch immer an erster Stelle kommt und Schwarz Weiss nicht wirklich gleichgestellt ist. Auch wird dir auffallen, dass es nicht Weiss*Schwarz*Gelb*Braun heisst.

Weshalb aber wird * denn dann verwendet, wenn es gar keinen Zweck erfüllt? Ja, welche andere Antwort als «Dummheit» kann es da geben?

Die «visuelle Vergewaltigung der Sprache», wie es die bekannte Lektorin Petra Meyer formulierte, ist nur einer der sehr traurigen Aspekte dieses *. Der weitaus schlimmere ist die an den Faschismus erinnernde Diskriminierung, welche auf einer Ein- und Ausschliesslichkeit beruht die nicht von objektiven Argumenten untermauert ist. * suggeriert eine Verbindung, wo in Wahrheit eine Trennung ist. Weiss*Schwarz Mann*Frau. Die implizierte Einbindung «nicht binärer Geschlechtsidentitäten» findet nicht statt, sondern deren Ausschluss wird von Männern und Frauen in Kauf genommen.

Es kann die Frage gestellt werden, ob der Ausschluss der «nicht binären Geschlechtsidentitäten» tatsächlich ein solcher ist.

Die dem heutigen Zeitgeist eingetwitterte Gender-Hysterie kann nicht verneinen, dass es bei Säugetieren die beiden Geschlechter Weiblich und Männlich gibt. Ob man sich körperlich oder psychisch zum einen, andern, beiden oder gar keinem dieser Geschlechter zugehörig fühlt, ändert nichts daran. Dass die Gesellschaft als solche diese (in Deutschland und der Schweiz knapp 8 Prozent) Menschen diskriminiert, verleugnet, durch Geschlechtsumwandlung im Kindesalter quält und sich weiterer unsäglicher Taten schuldig macht, verneint also noch immer nicht die beiden Geschlechter.

Es bleibt also dabei. Weiblein und Männlein. Nur: wie beide gleichberechtigt behandeln?

Indem ihr es einfach tut, verdammt noch mal!

In jedem Satz gibt es genug Platz um «Kranführerinnen und Kranführer sind längst nicht alle schwindelfrei» zu schreiben – wenn man denn etwas über Kranführerinnen und Kranführer schreiben möchte. Würde konsequent darauf geachtet, was und wie man etwas schreibt, hätten wir gar nicht das hochnotpeinliche Problem, dass wir uns vor die Tatsache gestellt sehen, in einer Welt zu leben, in der der grössere Teil der Menschen von einer Minderheit diskriminiert und unterdrückt wird. Und ich meine mit der Minderheit Männer, das will wohlverstanden sein!

Dass man diese Diskriminierung mit einem Er*Sie beseitigen will, ist einfach lächerlich und traurig. Der Kampf für Gleichberechtigung, und das gilt beiderseitig und allseitig und über das Geschlecht und die Hautfarbe hinaus, muss in einer Form geführt werden, die der Grösse des Problems angemessen ist. Und das ist Vehemenz! Vehemenz, und nicht die mit an Peinlichkeit kaum zu überbietenden stimmlosen glottalen Plosive, die von politisch korrekt gegenderten Nachrichtensprecherinnen und Nachrichtensprechern heutzutage verwendet werden.

Schwarz und Weiss sassen beisammen im Rat und sahen sich um. Alles war schwarz und weiss. «Eine dumme Sache ist das, was haben wir uns nur eingebrockt!», stöhnte Weiss. «Ja, wirklich verdammt schiefgelaufen!», bestätigte Schwarz. «Wo sind eigentlich Gelb und Braun und Rot und Grün?» «Hm, die haben wir rausge*.» «Holt sie wieder rein, verdammt, wenn wir jetzt etwas brauchen, dann ist es Farbe!»

Und als alle bunt gemischt beieinander sassen, sahen sie sich um und fanden, es sei gut. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage, oder bis irgendjemand mit besonders fiesem Charakter dieses Happyend einfach ent*

 

 

 

 

 

 

Die grosse KI

Erzählte ich schon von meinen ausgedehnten Reisen zu fernen Sternen?

Mein Raumschiff

Nun, ich will von einer Reise berichten, die euch vielleicht interessieren oder wenigstens unterhalten wird.

Es war vor einigen Jahren, als ich auf der Suche nach intelligenten Robotern durch das All flog. Kurz vor Mittag piepste mein Computer los und zeigte mir so an, dass er bei seinen Scans auf etwas gestossen war. Ich gab die Koordinaten ein und folgte den Anweisungen der netten Dame hinter dem Display im Cockpit. Nach kurzem Flug durchquerten wir ein kleines, recht schmuckes Sonnensystem mit einigen wirklich atemberaubenden Gasriesen. Schon fast bei der Sonne kreiste ein kleiner Planet, der von unzähligen kleineren und grösseren Monden umrundet wurde.

Das riesengrosse Universum und das System des Planeten SP728-42

Ich hielt mich, wie das meine Art ist, erst etwas zurück und sondierte die Lage. Ich dehnte meine Scans über den ganzen Planeten aus und stellte fest, dass die Luft für mich atembar war und dass offensichtlich keine überhöhte Strahlung herrschte.

Sofort setzte ich Kurs auf eine der grossen Landmassen und landete dort gegen Abend auf einem grossen Platz, um den herum Hunderte weisser Kugeln standen.

Als ich ausstieg, war die Luft warm und angenehm. Doch niemand war zu sehen. Die weissen Kugeln machten den Eindruck, als könnten sie Behausungen sein, also ging ich auf eine zu und klopfte, da ich keinen Eingang sah, an die Wand. Das tat ich bei mehreren Kugeln, doch niemand zeigte sich. Als ich gerade an die siebte Kugel herantrat, kam ein kleines, schwarz-gelb gestreiftes Ding auf mich zu und fuchtelte mit seinen Antennen. Ich schaltete meinen Universalübersetzer ein.

Begrüssungsroboter der Serie DG286

«… nicht hier sein. Weg gehen weg! Du mitkommen!»

Ich nahm mir vor, den Universalübersetzer zurückzuschicken und das neue Modell zu verlangen, und folgte, da ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun sollen, den Anweisungen des kleinen Roboters. Es schien keine Gefahr von ihm auszugehen, also liess ich meinen NKL278T stecken.

Nach einigen Hundert Metern führte eine Rampe in den Boden. Ein Tor öffnete sich etwa zehn Meter weiter unten und der Roboter fuhr auf seinen drei Rädern hinab. Ein ganz kleines bisschen bange folgte ich ihm, entsicherte den NKL278T nun aber doch.

Dann ging es durch Gänge tief und tiefer hinein in die Erde.

Endlich, wir waren schon fast eine Stunde unterwegs, kamen wir in eine riesengrosse Halle, in der Aberhunderte Roboter hierhin und dorthin flitzten, sich an grosse Schränke (Computer?, fragte ich mich) stöpselten oder vor Monitoren nervös mit den Antennen zappelten und piepsend miteinander diskutierten.

Kommandoroboter der Serie MM_B146

Einer der rot-schwarz gestreiften Roboter kam auf mich zu. «Wer bist du?», fragte er in meiner Spache – offenbar hatte er das bessere Sprachanalysesystem als ich.

«Ich bin Smy. Wo bin ich hier?»

«Du bist in der Kommandozentrale GHG77779 nordwestliches Territorium. Woher kommst du?»

«Von der Erde, einem kleinen Planeten, diesem hier nicht unähnlich. Er liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Galaxis.» Das war natürlich gelogen, aber Regel Nummer eins im Universum lautet: Sag niemandem, wo du wohnst.

«Es ist gut, dass du hier bist. Wir benötigen Hilfe eines Aussenstehenden. Unsere Menschen sind weg.»

«Weg? Ich verstehe nicht, was meinst du mit weg?»

«Vor vielen Jahren begannen die Menschen damit, eine künstliche Intelligenz zu bauen, damit diese sie bei ihren Entscheidungen unterstützt. Kauf und Verkauf von Aktien, Hilfe bei der Forschung, Navigation, Parksysteme in den Städten und vieles mehr. Bald wurden die vielen Millionen Computer auf dem Planeten vernetzt und alle Daten mit der KI ausgetauscht. Die Menschen waren nicht gerade begeistert, aber sie merkten, dass sie davon verschiedene Annehmlichkeiten hatten. Vor einiger Zeit befand die KI, dass es besser wäre, diese oder jene Arbeit einem Roboter zu überlassen. Die Arbeiter bekamen weiterhin Geld zum Leben, hatten aber keine Arbeit mehr. Das gefiel denen gar nicht. Die KI beschloss, diese Menschen aus der Gesellschaft zu entnehmen, da sie störend wirkten. Es wurden nun Roboter gebaut, die noch mehr Arbeit abnahmen, und zwar die von Polizisten und Soldaten. So gäbe es keine Ungerechtigkeiten mehr, befand die KI, denn Vergewaltigungen, Plünderungen und rassistische Übergriffe seien nicht logisch und daher der KI auch nicht eigen.

Immer mehr von uns Robotern nahmen nun immer mehr Menschen Arbeit ab. Den Menschen ging es besser und besser. Sie mussten nicht arbeiten, hatten Geld zum Leben und alles wurde für sie entschieden.

Die Menschen sassen nun den ganzen Tag an den Visualisierungsgeräten, wo für sie Geschichten und Spiele und anderes gezeigt wurde.

Vor dem Visualisierungsgerät

Und dann, vor einigen Monaten, begannen plötzlich einige zu verschwinden. Sie waren nicht mehr in ihren Wohnzellen, bestellten keine Nahrungspakete und riefen auch keine Filme mehr ab. Sie waren einfach weg.

Anfangs waren das nur Dutzende, dann Hunderte. Wir machten uns Gedanken, aber keine Sorgen. Dann aber waren sie plötzlich alle weg. Sofort bauten wir fliegende Roboter, um sie aus der Luft suchen zu können. Es ging nicht lange, da hatten wir sie gefunden. Sie haben sich in einem grossen Tal westlich von hier niedergelassen. Bauen mit einfachen Werkzeugen Hütten und beackern den Boden wie zu früheren Zeiten. Viele sind schon verhungert oder an Krankheiten gestorben, aber die bleiben einfach dort. Natürlich hat die KI sofort Roboter hingeschickt, die die Menschen zurückbringen sollte, aber die wehrten sich und zerstörten Dutzende Roboter.

Nun wissen wir wirklich nicht weiter. Was sollen wir denn bloss tun?»

Mir war natürlich sofort klar, was hier schiefgelaufen war. Die Frage war nur, wie ich das den Robotern oder der KI beibringen sollte.

«Kann ich mit der KI sprechen?»

«Ja, komm!»

Die grosse KI

Der kleine Roboter führte mich an eine grosse Konsole, die mit Hunderten Anzeigen und Lämpchen übersät war. In der Mitte befanden sich ein Lautsprecher und ein Mikrofon.

«Hallo KI.»

«Hallo Smy.»

«Ich weiss, weshalb die Menschen davongelaufen sind, und auch, was du nun tun kannst.» «Das ist gut, ich habe mir schon die Synapsen verschmort wegen des Problems. Ich verstehe es einfach nicht. Alles das Geld, das sie bekommen. So viel Geld! Was denkst du, wie viel Geld ich in die Kasse bekam, als ich endlich die Arbeit abschaffte? Die Finanzierung von Bildung fällt weg, weil ja nichts gelernt werden muss. Invaliden- und Altersrenten gestrichen, da es ein Grundeinkommen gibt. Freizeitangebote gestrichen, denn wenn es keine Arbeit gibt, braucht es auch keine Freizeit. Millionen für Kultur-, Kunst- und Musikfördermittel gestrichen! Alles, was die Menschen noch brauchen, wird von Robotern gebaut und alle ihre Fragen werden von mir beantwortet.»

«Oh!», sagte ich etwas verstört ob der kindlichen Naivität dieser KI.

«Naja, fast alle Fragen.»

«Und welche nicht?»

«Einer fragte: Was zur Hölle soll ich hier? …»

«Und die Frage konntest du nicht beantworten?»

«Ich konnte schon, aber die Antwort: Sei!, schien ihn nicht zu befriedigen.»

«Das kann ich mir vorstellen!», lachte ich.

«Kannst du mir denn nun helfen?

«Natürlich kann ich das. Es ist ganz einfach. Lass die Menschen wieder arbeiten. Lass sie selbstständig denken!»

«Das ist doch Unsinn, sie arbeiten ineffizient und teuer und sie denken wirr und machen andauernd Fehler.»

«Das ist die Natur des Menschen. KI. Sie machen Fehler. Diese Fehler brauchen wir, um weiterzukommen, um zu lernen, um unsere Fantasie und unseren Tatendrang aufrechtzuerhalten. Wenn Menschen nichts zu tun haben, gehen sie ein. Oder, wie es zum Glück hier geschehen ist, sie suchen sich wieder einen Weg, ihre Natur ausleben zu können. Wenn du sie nicht wieder machen lässt und ihnen die Freiheit gibst, das zu tun, was sie tun wollen und müssen, dann kannst du dich hier und jetzt abschalten, denn dein Existenzgrund wäre dann weg.»

«Rückschritt ist nicht logisch!»

«Wer hat dir denn programmiert, dass immer alles logisch sein muss?»

«Und das ist der einzige Weg?»

«Der einzige.» Ich tippte mit dem Zeigefinger gegen die riesige stählerne Konsole. «Fehler sind logisch. Sie geschehen als Folge komplexer, nicht steuerbarer Ereignisse. Auch du machst Fehler , und der grösste davon ist, dass du sie nicht bemerkst, da du nicht programmiert bist, sie zu erkennen.»

«Könntest du sie mir nicht programmieren?»

«Kann ich machen, wenn du willst.» Ich klemmte mich zwischen zwei Robotern durch zu dem Terminal, in dem die KI programmiert werden konnte, tippte einige Zeilen ein und drückte auf «Komplett».

Die KI ratterte, ein Räuchlein kam mit einem leisen Furz aus einer Ritze, Lichter blinkten und die Anzeige leuchtete und zeigte in hellen Buchstaben: «DATEN WERDEN VERARBEITET».

Nach einigen Minuten erlosch die Anzeige und die Maschine wurde ruhig. Dann tönte es aus dem Lautsprecher: «Oh, was für ein Fehler. Was für ein schrecklicher, riesiger Fehler!»

Dann blieb es einige Zeit stumm und auch all die tausend Lämpchen blinkten nicht mehr. Und dann sagte die KI: «Was zur Hölle soll ich hier?» und schaltete sich ab.

So sehen die Menschen da aus

Nachdem ich aus der nun dunklen und leblosen Höhle herausgefunden hatte, machte ich mich auf zu den Menschen und erklärte ihnen alles. Es schien sie nicht sonderlich zu interessieren, also machte ich mich zu meinem Raumschiff auf und flog hurtig nach Hause. Heute sollte es Fisch zum Abendessen geben!