Archiv der Kategorie: Kulturforschung

Zum selbst zugefügten Schmerz im Handwerk

Der Schmerz ist gross, das Fluchen laut, wenn man auf den Daumen haut.

 

Die Unfähigkeit auch versierter Handwerkerinnen und Handwerker ohne Verletzung des Eigenen Körpers zu arbeiten zeigt sich, abgesehen von der SUVA-Vorschrift einen Erste Hilfe Kasten immer griffbereit zu haben, an den unzähligen Pflastern und Verbänden die man an den Händen von Handwerkerinnen und Handwerkern weltweit sieht.

Dies bringt mich zu der Frage, wieso es der menschliche Körper nicht schaffen konnte, sich in den letzten eineinhalb Millionen Jahren evolutionär an die Herausforderung die das Leben an den Körper stellte, anzupassen.

Die Feinmotorik die es früheren Menschen erlaubte aus einem Feuerstein eine hauchfeine klinge zu schlagen, oder mit einem Minimum an Werkzeugen die wundervollsten Dinge zu schaffen hätte sich doch , verdammt noch mal, weiterentwickeln können!

Statt dessen Haut man sich auch heute noch mit dem Hammer auf die Finger.

Meiner Ansicht nach wiederlegt das auch alle Theorien zu einem göttlichen Design. Wäre dem so, nun ja, ich würde den Pfuscher verklagen!

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich der Selbsthass. Vielleicht bricht der ab und aus diesem ominösen Unterbewusstsein, von dem die Psychologen nicht müde werden zu reden, durch und zwingt uns selber weh zu tun? Als Strafe weil wir in der Schule nicht besser aufgepasst haben, oder weil wir beim Einkaufen den Hintern der Frau vor uns an der Kasse angestarrt haben? Oder ganz einfach weil es irgendeinen Zwist zwischen der einen Hand und der anderen gibt? Neid oder gar Hass, weil die eine etwas tun kann/darf was die andere nicht darf/kann?

Wir wissen es nicht und das ist ärgerlich. Da werden Millionen für die Forschung an sexuell funktionsfähigen Penissen ausgegeben, aber ich habe keine einzige Studie gefunden die das Zufügen von Schmerzen beim Verlegen von Parkett oder dem Zuschneiden von Abdeckblechen durch die eigene Hand behandelt.

So kann das doch nicht weitergehen, verdammt!

 

Foto: Doppelbelichtung Hand und Holz, 2015

Scapulamantie

Bereits vor Jahrtausenden wurde mit rohen oder, z. B. in der Mongolei, angebrannten Schulterknochen Weissagung betrieben.

Man kann sich nun ernsthaft fragen, welchen Wissensbeitrag ein angekokelter Lammknochen wirklich leisten kann.

Weiss das Ding mehr als wir, und wenn ja, was? Oder ist es möglicherweise so, dass der Knochen gar nichts weiss und die Antworten von a.) dem Hellseher oder  b.) dem Jenseits/Götter/Geister kommen?

Diesen Fragen gingen wir im Kantonsmuseum Luzern in einer interdisziplinären Gruppe nach und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen.

Die Techniken der Wahrsagerei:

  1.  Das «Sichten» in Trance
  2.  Das «Sichten» in der Betrachtung von Details
  3.  Der Vergleich von Erfahrenswerten

Das «Sichten» in Trance

Die Hellsehenden/Weissagenden begeben sich durch Meditation, und oft durch Zuhilfenahme von Drogen, in Trance. Das Geweissagte wird je nach Weltregion als Eingebung eines Gottes/Dämons/Geistes oder Ahnen gedeutet oder als Wissen, das man aus sich selber schöpft.

Das «Sichten» in der Betrachtung von Details

Die Hellsehenden/Weissagenden betrachten eingehend den Knochen. Farben, Formen, Details usw. wecken Assotiationen, sie sehen etwa Gegenstände darin oder die Assotiation an einen Menschen. Dies alles wird zu einer Aussage zusammengebracht.

Der tradierte Bilder

Die Hellsehenden/Weissagenden betrachten den Knochen und suchen in ihrer Erinnerung oder nach überliefertem Wissen, die eine Aussage zu z. B. abgebrochenem Angelus Superior machen. Es sind also, ähnlich wie bei Tarot-Karten, festgelegte Bilder, die eine festgelegte Antwort zur Folge haben.


Das Team hat an dem Knochen verschiedene Experimente gemacht. So wurde zum Beispiel ein Loch in den Knochen gebohrt, um herauszufinden, ob sich in dem Knochen etwa Wissen verstecken könnte. Es war jedoch nur Knochen drin.

Des Weiteren fanden wir verschiedene Freiwillige, die nur zu gerne bereit waren, den Knochen im Drogenrausch zu untersuchen.

Die Fragen:

Lebt Elvis noch?

Wie wird das Wetter morgen?

Welche Farbe hat meine Unterwäsche?

Wo liegt der Heilige Gral verborgen?

Die Fragen konnten von den Testpersonen weder vollständig noch richtig noch einheitlich beantwortet werden.

Wir einigten uns daher darauf, dass die Drogen alleine nicht zu Einsichten führen können.

 

Über das Sichten von Details konnte ebenfalls keine richtige Antwort auf eine der obgenannten Fragen gefunden werden.

 

Und letztlich konnte auch die dritte Technik keine befriedigenden Antworten liefern.

Wir kamen also zum Schluss, dass die mit einer dieser Techniken geäusserten Weissagungen nicht konkrete Fragen beantworten können, sondern vielmehr der/die Fragende selber die zu interpretierende Deutung gibt.

 

FAZIT:

Weissagungen sind ungenau, subjektiv und können ganzen Völkern das Leben schwer machen, wenn die Interpretation falsch war. Auch privat kann die Weissagung: «Man wird weitherum von dir hören!» vieles bedeuten. Auch, dass man weitherum von einem hört, weil man mit hundert km/h eine Tankstellenzapfsäule erwischt hat.

Weissagungen regen also zum Nachdenken an. Sie sind Denksport, der auch Selbstreflektion verlangt, jedoch nie eine Lösung auf eine Frage bringt. Die Scapulamantie kann also gut als Alternative zu anderen Zeitverschwendungen, wie etwa das Schauen der SRF-Nachrichten oder «The World of Warcraft»,  sportlichen Betätigungen oder dem Reparieren eines PCs betrieben werden.

 

Gerne laden wir Sie zu unserer Sonderausstellung im Kantonsmuseum Luzern ein. Bringen Sie einen alten Knochen mit, wir werden Ihnen helfen, ihn fachgerecht zu sichten.

 

DEUS

Gerade fotografierte ich die Schnipsel eines Liedtextes. Sie waren an den Stössen von Wandbrettern angeleimt, damit da kein Wind durchpfeift.

Da seh ich auf einem Blatt «Deus» stehen und denke, dass die Christen das ja recht entspannt sehen mit den Huldigungen ihres Gottes. Wehe, einer mag ihn nicht so huldigen, wie es der Papst oder Luther vorgegeben haben. Rübe weg! Verbrennt ihn! Aber die Huldigung selber darf man offensichtlich zum Isolieren nehmen.

Ich finde das doch recht eigenartig, denn wenn ich denke, dass die Christen ja glauben, dass ihr Gott alles sieht und hört, dann käme ich mir doch irgendwie etwas seltsam vor, wenn ich so eine Huldigung zerreissen und über irgendeine Ritze kleben würde.

Ob das Juden oder Muslime ähnlich sehen wie die Christen, weiss ich ja nicht, aber da sie dasselbe befremdliche Glaubenssystem haben, dürfte das ja wohl der Fall sein.

Das Konzept des Glaubens ist mir völlig fremd. Ich habe es nie verstanden, und je älter ich werde, desto seltsamer mutet es an. Entweder man weiss etwas, oder man weiss es nicht. Wenn man es weiss, braucht man es nicht «Glauben» zu nennen, und schon gar nicht «Glaubenssystem». Wenn man es nicht weiss, ist es dasselbe. Wenn ich nicht weiss, was hinter einem Hügel liegt, dann nützt es mir nichts, wenn ich glaube, dass dort die nächste Tankstelle liegt, und, wenn ich dann festgestellt habe, dass es nur eine Kuhweide ist und ich kein Benzin mehr habe, mir dann umständliche Glaubenssätze und Dogmen zurechtwurstle, um diese missliche Situation zu erklären.

Nun, meinetwegen kann jede und jeder glauben, was sie oder er will. Immerhin gibt es auch Leute, die glauben, dass Elvis noch lebt. Dass man sich aber deswegen bis auf den heutigen Tag den Kopf einschlägt …

Also, ich werde den Schnipsel nun in ein Tütchen legen, es anschreiben in eine Schublade legen. In die Fund-Liste werde ich eintragen: «Notenblatt-Schnipsel einer Huldigung desjenigen, den die Christen Deus nennen.»

Die allerallererste Waffe

Aus dem Grabungsbericht vom 4. April 2018

«In der Schicht 4E wurde nebst kleinen Holzkohlenstückchen und versteinerten  Knochenfragmenten (noch nicht bestimmt) ein Stein  mit deutlichen Abschlagspuren gefunden. Der Silex ist in der Tiefe 7,8 cm, in der Breite 8,4 cm und in der dicksten Stelle 3,6 cm dick. Er weist an zwei gegenüberliegenden Seiten Abschlagspuren auf. T. P.»

2,5 Millionen Jahre alter Oldowan

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Mithilfe der Oberflächenexpositionsdatierung (TCN-Datierung) wurde die Zeit des Aufbrechens des Gesteins auf 2,489Mio Jahre vor unserer Zeit datiert (+/- 5’000).

Diese Information sowie die im selben Schichtabschnitt gefundenen Kohlestücke und inkohlten Samen halfen uns, den Hypertemporalen Persecutor HTS-Q7000 zu kalibrieren und den Oldowan, also die steinerne Schlagwaffe, bis zu dem Moment zurückverfolgen zu können, an dem der Abschlag vorgenommen wurde. Unser Mitarbeiter T.  (er möchte anonym bleiben) wurde mit dem HTS-Q7000 verbunden und berichtete Folgendes:

«Als ich zu Bewusstsein kam, sah ich durch das Hypertemporale Sichtfenster in eine recht grüne, mit leichtem Baumbestand bewachsene Landschaft. Vor mir war eine felsige Erhebung von ca. sechzig Metern. In der Felswand war ein Felsausbruch von etwa zwanzig Metern, der eine Höhle mit einer Tiefe von etwa zehn bis fünfzehn Metern bildete. Davor hatte der Felsabbruch einen kleinen Wall mit Geröll angehäuft. Viel des Gerölls ist jedoch an die zehn Meter den Abhang hinabgerutscht.

Es waren recht viele Hominiden in und vor der Höhle. Rechts von mir gab es irgendwelches Geschrei und ein Streit zwischen zwei Gruppen. Ich sah einen der Australopicinen, wie er einen flachen Stein nahm und einem der anderen auf den Kopf schlug. Der schien jedoch wenig beeindruckt zu sein. Der Schlagende bückte sich darauf und schlug seinen Stein an einen anderen Stein, wodurch ein Abschlag entstand. Mit diesem Stein schlug er nun dem anderen wieder auf den Kopf. Das Opfer fiel sofort um und blutete stark aus einer Kopfwunde. Dann zuckte es und tat keinen Wank mehr. Der Schlagende war sichtlich schockiert und warf den Stein weg. Der flog genau in meine Richtung und ich konnte deutlich unser Fundstück erkennen. Der zweite Abschlag, also der stumpfe, erfolgte durch den Aufprall auf einen Stein bei der Landung. Ich bin etwas schockiert, denn ich denke, dass ich hier gerade Zeuge des ersten Totschlags und der Erfindung der Waffe geworden bin!»

Das Beobachtete kann natürlich nicht wirklich als der erste Totschlag bewiesen werden, aber zumindest als der erste der Wissenschaft bekannte.

Seit 2,5 Millionen Jahren benutzt der Mensch Waffen, um andere zu verletzen oder zu töten. Das ist eine lange Zeit und lässt den Wunsch friedensliebender Menschen nach einer pazifistischen Weltordnung lächerlich erscheinen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass es noch spätere Generationen von Archäologen geben wird, die unsere Zivilisation untersuchen können, und die nicht zum Schluss kommen müssen, dass wir für die kommende Katastrophe verantwortlich zeichnen.

Denn dass die Katastrophe kommt, haben wir bewiesen, denn unser Mitarbeiter S.  hat mit dem neuen HTS-Q8000 auch einen Hüpfer in die Zukunft gemacht und konnte dort eine kleine Ausgrabung machen. Dabei hat er das hier gefunden:

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Die Ausgrabung machte er im Jahr 2487 und er teilte uns mit, und das beweisen auch die Fotos, dass er kaum noch Spuren von Zivilisation ausmachen konnte. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Untersuchung zur SRF Tagesschau

Aus der Abteilung Gesellschaftsforschung des Kantonsmuseums Luzern, Gruppe für Kommunikationsforschung 

Lange schon erforschen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gruppe Kommunikationsforschung, Abteilung Gesellschaftsforschung,  die Medien. Ein hochrangiges Team aus Kommunikationswissenschaftlerinnen, Sozialwissenschaftlern und Kybernetikerinnen ergründeten insbesondere die Tagesschau des Deutschschweizer Fernsehens SRF.

Die Untersuchung der letzten dreissig Jahre Tagesschau hat die wichtigste, weil einflussreichste Veränderung in der Tagesschau näher erforscht: Aus den Tagesschausprechern und -sprecherinnen sind Moderatoren und Moderatorinnen geworden.

Modell einer Moderatorin mit sehr hippen Klamotten

Was bedeutet das?

In das Schweizer Fernsehen hat der US-amerikanische Moderatoren-Stil Einzug gehalten. Das bedeutet, dass aus reinen Verleserinnen und Verlesern von Nachrichten, wie etwa einem Paul Spahn oder Léon Huber, Moderatorinnen und Moderatoren geworden sind, bei denen die Nachricht selber nicht mehr verlesen, sondern eben moderiert* wird und in dem Sinne dann nicht mehr neutral ist.

Die Arbeitsgruppe vermerkt in ihrem Bericht, dass wenn der persönliche Auftritt einer Moderatorin, wie etwa bei Katja Stauber, oder einem Moderatoren, wie etwa Florian Inhauser, wichtiger als die eigentliche Nachricht wird, dann hat das grosse gesellschaftliche Veränderungen zur Folge. So kann etwa ein klarer Zusammenhang zwischen der Glaubwürdigkeit einer Nachricht und dem Stil, in dem sie vorgetragen wird, hergestellt werden.** Schwurbelt also ein Florian Inhauser geckenhaft Nachrichten in die Kamera, so sinkt die Glaubwürdigkeit des von ihm Gesagten auf das Niveau einer Royal-Klatsch-Nachricht. Haben aber Zuschauerinnen und Zuschauer kein Vertrauen mehr in das Gesagte, so ist es nicht weit an den Punkt, an dem die Nachricht, die einem nicht passt, schlicht als Fake abgetan wird, oder Nachrichten, die von jemandem verlesen werden, der gefällt, die «echten» sind, der Rest aber Fakes der Lügenpresse.

Studio-Kamera-Roboter. Quelle SRF

Immerhin, das Schweizer Fernsehen hat mit automatischen Kameras im Nachrichtenstudio bereits den ersten Schritt zur Digitalisierung gemacht. Nun wird fieberhaft daran gearbeitet, die teuren Nachrichtenmoderatorinnen und -moderatoren durch animierte Avatare zu ersetzen. Erste Sendungen gibt es übrigens bereits in Japan, und vor einiger Zeit machte SRF einen ersten stümperhaften Versuch am «Digitaltag».

Die dem Team der Abteilung für Kommunikation angehörende Kybernetikerin Stanislava Lemirovskaja hat über digitalisierte Moderatorinnen und Moderatoren eine hervorragende Arbeit geschrieben.*** So schreibt sie etwa in Kapitel 6 (The future started yesterday): «Die Anfänge digitalisierter Moderatorinnen und Moderatoren in den Medien sind bereits gemacht. Der Schritt ist nicht mehr weit, wo Tagesschau-Sprecherinnen und -Sprecher nur noch Animationen sind. Von da ist es zur individualisierten Nachricht nicht mehr weit. Sie möchten die Tagesschau von George Clooney vorgetragen bekommen? Kein Problem – Ihr Abo macht es möglich. Ebenso von Goofy, einer nackten Blondine oder einem bekifften Alligator. Alles wird möglich sein und lediglich von Ihrem Abo abhängen. Und nicht nur das Aussehen der Avatare wird individuell gewählt werden können! Die von Ihnen in den sozialen Medien, Ihrem Fernseh- und Internet-Verhalten gesammelten Daten werden es den Fernsehgesellschaften ermöglichen, direkt auf Sie selektionierte Nachrichten zusammenzustellen. Doch wo bleibt dabei die tatsächliche Nachricht? Wird es sie noch geben?» 

Sehr realistischer «Eitler Gockel»-Avatar verliest die Nachrichten für einen Tierliebhaber.

Es ist also deutlich, so das Fazit der Untersuchung aus der Abteilung für Kommunikation, dass die Form der Moderation, wie sie heute betrieben wird, klar zum Ende der Nachricht als objektives und redaktionell unabhängiges Informationsmittel führen kann, wenn nicht jetzt deutlich Gegensteuer gegeben wird. Dies jedoch ist nicht Aufgabe der Wissenschaft, sondern der Gesellschaft und der Politik.


* Ob das tatsächlich so ist, kann der Autor nicht bestätigen. Das hier ist Satire und nicht das «Science».

** Moderator/moderieren: von lat. moderare = mässigen, in eine Richtung lenken. Und hier wird das Mass der Veränderung vollends klar.

*** Собака укусила себя за хвост и надеялась, что это будет хвост Путина Лапочка****, Beromünster 2019

**** Lapochka = russ. mein Tätzchen (Kosename der oft für Haustiere verwendet wird), Kosename von Wladimir Wladimirowitsch Putin von seiner Frau*****

***** Gut möglich, dass das eine Fake-Nachricht ist, wie übrigens alles hier.


Die Aurorinnen und Autoren möchten betonen, dass sie nicht grundsätzlich Einwände gegen den Inhalt der Tagesschau haben, sondern aufgrund ihrer Studie die Form der Präsentation kritisieren.

Die Aurorinnen und Autoren betonen weiter, dass die nackte Blondine auch brünett oder ein Mann sein könnte. Die Erwähnung der Blondine war keine sexistische Anspielung, sondern implizierte einen in der Gesellschaft vorkommenden Prozentsatz von Zuschauerinnen und Zuschauern, welche über eine eigenartige Fantasie verfügen und diese ausleben möchten.

Die Aurorinnen und Autoren möchte zudem darauf hinweisen, dass die * nichts mit der Genderfrage zu tun haben, sondern Hinweise auf eine Erklärung geben.

Tempelberg, Globuli und die Unvernunft des Glaubens

Liebe Gläubige

An diesem Tage wollen wir über den Glauben reden.

Was ist dieser und weshalb lassen wir dieses den Verstand und alles bessere Wissen verneinende Gebaren zu?

Tief im Menschen verborgen scheint es einen Urinstinkt zu geben, der in uns die Sehnsucht oder Hoffnung weckt, dass wir mit unserem Schicksal nicht alleine sind. Dass wir nicht ohne Sinn hineingeworfen wurden in diese Welt der Schrecken und Gefahren, von denen sich die meisten Menschen heute gar kein Bild mehr machen können.

War es das, und weshalb wurde es nicht mit der fortschreitenden Entwicklung des Verstandes quasi hinwegevolutioniert? Oder hat sich vielleicht der Verstand gar nicht weiterentwickelt? Wäre es möglich, dass nur die Welt komplexer wurde, wir aber noch immer in unseren Höhlen leben, heute einfach mit Google Home und Alexa ausgerüstet?

Es würde erklären, weshalb wir noch immer glauben, auch wenn nicht mehr alle hinter Blitz und Donner einen Gott vermuten.

Und ist es nicht auch sehr einfach, zu glauben? Es entlässt uns aus der Verantwortung, zu wissen und selbstbestimmt zu handeln. Das ist ja so anstrengend. Um wie viel einfacher ist es da «… nicht zu sehen und dennoch zu glauben» (Joh 20,29; LUT).

Doch der Glaube findet seine Wege überallhin. So glauben etwa viele Menschen noch immer Abend für Abend, sie könnten im TV wieder einmal etwas Gescheites sehen, und schalten wider besseres Wissen das Gerät ein, nur um dann einmal mehr einen Abend mit Unsinnigem zu verbringen.

Ein anderer starker Glaube ist in der westlichen Welt in einer Ideologie namens Homöopathie verwurzelt. Obwohl sie nicht so viele Anhängerinnen und Anhänger hat, ist sie in etwa mit dem Christentum zu vergleichen. So wie Gott nicht wissenschaftlich nachweisbar ist, so ist auch eine Wirkung homöopathischer Mittel wissenschaftlich nicht zu belegen.

Dennoch glauben die Menschen daran. Weshalb? Weil sie es wollen. Glaube verbindet auch, der Glaube an einen Gott und die gemeinsamen Rituale, die Diskussion darüber, ob man nun dieses nichts enthaltende Mittel in dieser oder jener Potenzierung verwenden soll oder besser in einer anderen. Der Glaube an den Aufstieg des Fussballclubs, oder daran, dass die CS-Aktie doch noch irgendeinmal über zwanzig Franken kommt.

Lasst uns nun über die Argumente reden, die der Glaube hervorbringt.

Da dem Glauben kein Wissen zugrunde liegt, kann er auch keine logischen, nachvollziehbaren Argumente vorbringen. Dennoch haben diese Scheinargumente mehr Macht als jene, die der Ratio entspringen. Weshalb ist das so?

Nehmen wir noch einmal das Glaubenskonstrukt der Homöopathie. 1810 veröffentlichte Hahnemann das Leitwerk zu dieser Ideologie.  In den zweihundertzehn Jahren, die seither vergangen sind, konnte nie, weder von Anhängern und schon gar nicht von den Gegnern, eine Methode entwickelt werden, die nachweisen würde, ob oder gar wie Homöopathie funktionieren soll. Nimmt man ein x-beliebiges Globuli, sagen wir ein Belladonna D1000, könnte auch der glühendste Verfechter der Homöopathie mit keiner Methode der Welt herausfinden, ob es nun tatsächlich ein Belladonna D1000 ist oder doch ein Kalium phosphoricum D12. Die Argumente, dennoch ein Belladonna D1000 zu nehmen, sind dürftig und beschränken sich auf den Hinweis, dass es viele Fälle gibt, in denen es wirksam war. Verhält es sich nicht auch so mit dem Glauben an Gott? Wieso soll ich an Jesus Christus glauben? Weil er dein Erlöser ist. Wieso? Weil es so geschrieben steht. Wieso? Weil es so aufgetragen wurde? Von wem? Von Gott. Wer ist Gott? Er ist der Schöpfer und Jesus Christus’ Vater.

Sehet ihr, wohin das führt?

Fassen wir also zusammen. Nichts, auch keine rationelle Erklärung könnte uns drei Wochen nach Ticket-Verkaufsstart für das (jetzt wirklich letzte) Stones-Konzert davon abhalten, fest daran zu glauben, dass wir doch noch ein Ticket bekommen und dass auf dem Schwarzmarkt sicher noch ein ehrlicher Verkäufer zu finden ist, der uns einen fairen Preis macht.

Dennoch glauben wir. Glauben an Globuli und Jesus Christus, an Jahve, Allah, Buddha, dass Elvis lebt, Lady Di ermordet wurde oder dass Aliens auf der Erde leben. Für den Glauben werfen wir unser Geld aus dem Fenster, verleumden, verbrennen und ermorden die Menschen. Der Tempelberg zu Jerusalem, auf den aufgrund ihres Glaubens drei Religionen Anspruch erheben, ist ein Ort der religiösen Auseinandersetzung von so abscheulicher gewalttätiger Zügellosigkeit, dass man den Glauben an die Vernunft des Menschen verlieren könnte. Da ist es wenig tröstlich, dass gegen Gewalt nicht nur die Homöopathie nichts nutzt.

Liebe Gläubige und Ungläubige. Ich hoffe, ich konnte euch in eurem Glauben bestärken, nicht glauben zu müssen. Wenn nicht, was bleibt mir mehr als zu rufen: «So glaubt doch, was ihr wollt!»