Archiv der Kategorie: Kulturforschung

DEUS

Gerade fotografierte ich die Schnipsel eines Liedtextes. Sie waren an den Stössen von Wandbrettern angeleimt, damit da kein Wind durchpfeift.

Da seh ich auf einem Blatt «Deus» stehen und denke, dass die Christen das ja recht entspannt sehen mit den Huldigungen ihres Gottes. Wehe, einer mag ihn nicht so huldigen, wie es der Papst oder Luther vorgegeben haben. Rübe weg! Verbrennt ihn! Aber die Huldigung selber darf man offensichtlich zum Isolieren nehmen.

Ich finde das doch recht eigenartig, denn wenn ich denke, dass die Christen ja glauben, dass ihr Gott alles sieht und hört, dann käme ich mir doch irgendwie etwas seltsam vor, wenn ich so eine Huldigung zerreissen und über irgendeine Ritze kleben würde.

Ob das Juden oder Muslime ähnlich sehen wie die Christen, weiss ich ja nicht, aber da sie dasselbe befremdliche Glaubenssystem haben, dürfte das ja wohl der Fall sein.

Das Konzept des Glaubens ist mir völlig fremd. Ich habe es nie verstanden, und je älter ich werde, desto seltsamer mutet es an. Entweder man weiss etwas, oder man weiss es nicht. Wenn man es weiss, braucht man es nicht «Glauben» zu nennen, und schon gar nicht «Glaubenssystem». Wenn man es nicht weiss, ist es dasselbe. Wenn ich nicht weiss, was hinter einem Hügel liegt, dann nützt es mir nichts, wenn ich glaube, dass dort die nächste Tankstelle liegt, und, wenn ich dann festgestellt habe, dass es nur eine Kuhweide ist und ich kein Benzin mehr habe, mir dann umständliche Glaubenssätze und Dogmen zurechtwurstle, um diese missliche Situation zu erklären.

Nun, meinetwegen kann jede und jeder glauben, was sie oder er will. Immerhin gibt es auch Leute, die glauben, dass Elvis noch lebt. Dass man sich aber deswegen bis auf den heutigen Tag den Kopf einschlägt …

Also, ich werde den Schnipsel nun in ein Tütchen legen, es anschreiben in eine Schublade legen. In die Fund-Liste werde ich eintragen: «Notenblatt-Schnipsel einer Huldigung desjenigen, den die Christen Deus nennen.»

Die allerallererste Waffe

Aus dem Grabungsbericht vom 4. April 2018

«In der Schicht 4E wurde nebst kleinen Holzkohlenstückchen und versteinerten  Knochenfragmenten (noch nicht bestimmt) ein Stein  mit deutlichen Abschlagspuren gefunden. Der Silex ist in der Tiefe 7,8 cm, in der Breite 8,4 cm und in der dicksten Stelle 3,6 cm dick. Er weist an zwei gegenüberliegenden Seiten Abschlagspuren auf. T. P.»

2,5 Millionen Jahre alter Oldowan

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Mithilfe der Oberflächenexpositionsdatierung (TCN-Datierung) wurde die Zeit des Aufbrechens des Gesteins auf 2,489Mio Jahre vor unserer Zeit datiert (+/- 5’000).

Diese Information sowie die im selben Schichtabschnitt gefundenen Kohlestücke und inkohlten Samen halfen uns, den Hypertemporalen Persecutor HTS-Q7000 zu kalibrieren und den Oldowan, also die steinerne Schlagwaffe, bis zu dem Moment zurückverfolgen zu können, an dem der Abschlag vorgenommen wurde. Unser Mitarbeiter T.  (er möchte anonym bleiben) wurde mit dem HTS-Q7000 verbunden und berichtete Folgendes:

«Als ich zu Bewusstsein kam, sah ich durch das Hypertemporale Sichtfenster in eine recht grüne, mit leichtem Baumbestand bewachsene Landschaft. Vor mir war eine felsige Erhebung von ca. sechzig Metern. In der Felswand war ein Felsausbruch von etwa zwanzig Metern, der eine Höhle mit einer Tiefe von etwa zehn bis fünfzehn Metern bildete. Davor hatte der Felsabbruch einen kleinen Wall mit Geröll angehäuft. Viel des Gerölls ist jedoch an die zehn Meter den Abhang hinabgerutscht.

Es waren recht viele Hominiden in und vor der Höhle. Rechts von mir gab es irgendwelches Geschrei und ein Streit zwischen zwei Gruppen. Ich sah einen der Australopicinen, wie er einen flachen Stein nahm und einem der anderen auf den Kopf schlug. Der schien jedoch wenig beeindruckt zu sein. Der Schlagende bückte sich darauf und schlug seinen Stein an einen anderen Stein, wodurch ein Abschlag entstand. Mit diesem Stein schlug er nun dem anderen wieder auf den Kopf. Das Opfer fiel sofort um und blutete stark aus einer Kopfwunde. Dann zuckte es und tat keinen Wank mehr. Der Schlagende war sichtlich schockiert und warf den Stein weg. Der flog genau in meine Richtung und ich konnte deutlich unser Fundstück erkennen. Der zweite Abschlag, also der stumpfe, erfolgte durch den Aufprall auf einen Stein bei der Landung. Ich bin etwas schockiert, denn ich denke, dass ich hier gerade Zeuge des ersten Totschlags und der Erfindung der Waffe geworden bin!»

Das Beobachtete kann natürlich nicht wirklich als der erste Totschlag bewiesen werden, aber zumindest als der erste der Wissenschaft bekannte.

Seit 2,5 Millionen Jahren benutzt der Mensch Waffen, um andere zu verletzen oder zu töten. Das ist eine lange Zeit und lässt den Wunsch friedensliebender Menschen nach einer pazifistischen Weltordnung lächerlich erscheinen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass es noch spätere Generationen von Archäologen geben wird, die unsere Zivilisation untersuchen können, und die nicht zum Schluss kommen müssen, dass wir für die kommende Katastrophe verantwortlich zeichnen.

Denn dass die Katastrophe kommt, haben wir bewiesen, denn unser Mitarbeiter S.  hat mit dem neuen HTS-Q8000 auch einen Hüpfer in die Zukunft gemacht und konnte dort eine kleine Ausgrabung machen. Dabei hat er das hier gefunden:

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Die Ausgrabung machte er im Jahr 2487 und er teilte uns mit, und das beweisen auch die Fotos, dass er kaum noch Spuren von Zivilisation ausmachen konnte. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Untersuchung zur SRF Tagesschau

Aus der Abteilung Gesellschaftsforschung des Kantonsmuseums Luzern, Gruppe für Kommunikationsforschung 

Lange schon erforschen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gruppe Kommunikationsforschung, Abteilung Gesellschaftsforschung,  die Medien. Ein hochrangiges Team aus Kommunikationswissenschaftlerinnen, Sozialwissenschaftlern und Kybernetikerinnen ergründeten insbesondere die Tagesschau des Deutschschweizer Fernsehens SRF.

Die Untersuchung der letzten dreissig Jahre Tagesschau hat die wichtigste, weil einflussreichste Veränderung in der Tagesschau näher erforscht: Aus den Tagesschausprechern und -sprecherinnen sind Moderatoren und Moderatorinnen geworden.

Modell einer Moderatorin mit sehr hippen Klamotten

Was bedeutet das?

In das Schweizer Fernsehen hat der US-amerikanische Moderatoren-Stil Einzug gehalten. Das bedeutet, dass aus reinen Verleserinnen und Verlesern von Nachrichten, wie etwa einem Paul Spahn oder Léon Huber, Moderatorinnen und Moderatoren geworden sind, bei denen die Nachricht selber nicht mehr verlesen, sondern eben moderiert* wird und in dem Sinne dann nicht mehr neutral ist.

Die Arbeitsgruppe vermerkt in ihrem Bericht, dass wenn der persönliche Auftritt einer Moderatorin, wie etwa bei Katja Stauber, oder einem Moderatoren, wie etwa Florian Inhauser, wichtiger als die eigentliche Nachricht wird, dann hat das grosse gesellschaftliche Veränderungen zur Folge. So kann etwa ein klarer Zusammenhang zwischen der Glaubwürdigkeit einer Nachricht und dem Stil, in dem sie vorgetragen wird, hergestellt werden.** Schwurbelt also ein Florian Inhauser geckenhaft Nachrichten in die Kamera, so sinkt die Glaubwürdigkeit des von ihm Gesagten auf das Niveau einer Royal-Klatsch-Nachricht. Haben aber Zuschauerinnen und Zuschauer kein Vertrauen mehr in das Gesagte, so ist es nicht weit an den Punkt, an dem die Nachricht, die einem nicht passt, schlicht als Fake abgetan wird, oder Nachrichten, die von jemandem verlesen werden, der gefällt, die «echten» sind, der Rest aber Fakes der Lügenpresse.

Studio-Kamera-Roboter. Quelle SRF

Immerhin, das Schweizer Fernsehen hat mit automatischen Kameras im Nachrichtenstudio bereits den ersten Schritt zur Digitalisierung gemacht. Nun wird fieberhaft daran gearbeitet, die teuren Nachrichtenmoderatorinnen und -moderatoren durch animierte Avatare zu ersetzen. Erste Sendungen gibt es übrigens bereits in Japan, und vor einiger Zeit machte SRF einen ersten stümperhaften Versuch am «Digitaltag».

Die dem Team der Abteilung für Kommunikation angehörende Kybernetikerin Stanislava Lemirovskaja hat über digitalisierte Moderatorinnen und Moderatoren eine hervorragende Arbeit geschrieben.*** So schreibt sie etwa in Kapitel 6 (The future started yesterday): «Die Anfänge digitalisierter Moderatorinnen und Moderatoren in den Medien sind bereits gemacht. Der Schritt ist nicht mehr weit, wo Tagesschau-Sprecherinnen und -Sprecher nur noch Animationen sind. Von da ist es zur individualisierten Nachricht nicht mehr weit. Sie möchten die Tagesschau von George Clooney vorgetragen bekommen? Kein Problem – Ihr Abo macht es möglich. Ebenso von Goofy, einer nackten Blondine oder einem bekifften Alligator. Alles wird möglich sein und lediglich von Ihrem Abo abhängen. Und nicht nur das Aussehen der Avatare wird individuell gewählt werden können! Die von Ihnen in den sozialen Medien, Ihrem Fernseh- und Internet-Verhalten gesammelten Daten werden es den Fernsehgesellschaften ermöglichen, direkt auf Sie selektionierte Nachrichten zusammenzustellen. Doch wo bleibt dabei die tatsächliche Nachricht? Wird es sie noch geben?» 

Sehr realistischer «Eitler Gockel»-Avatar verliest die Nachrichten für einen Tierliebhaber.

Es ist also deutlich, so das Fazit der Untersuchung aus der Abteilung für Kommunikation, dass die Form der Moderation, wie sie heute betrieben wird, klar zum Ende der Nachricht als objektives und redaktionell unabhängiges Informationsmittel führen kann, wenn nicht jetzt deutlich Gegensteuer gegeben wird. Dies jedoch ist nicht Aufgabe der Wissenschaft, sondern der Gesellschaft und der Politik.


* Ob das tatsächlich so ist, kann der Autor nicht bestätigen. Das hier ist Satire und nicht das «Science».

** Moderator/moderieren: von lat. moderare = mässigen, in eine Richtung lenken. Und hier wird das Mass der Veränderung vollends klar.

*** Собака укусила себя за хвост и надеялась, что это будет хвост Путина Лапочка****, Beromünster 2019

**** Lapochka = russ. mein Tätzchen (Kosename der oft für Haustiere verwendet wird), Kosename von Wladimir Wladimirowitsch Putin von seiner Frau*****

***** Gut möglich, dass das eine Fake-Nachricht ist, wie übrigens alles hier.


Die Aurorinnen und Autoren möchten betonen, dass sie nicht grundsätzlich Einwände gegen den Inhalt der Tagesschau haben, sondern aufgrund ihrer Studie die Form der Präsentation kritisieren.

Die Aurorinnen und Autoren betonen weiter, dass die nackte Blondine auch brünett oder ein Mann sein könnte. Die Erwähnung der Blondine war keine sexistische Anspielung, sondern implizierte einen in der Gesellschaft vorkommenden Prozentsatz von Zuschauerinnen und Zuschauern, welche über eine eigenartige Fantasie verfügen und diese ausleben möchten.

Die Aurorinnen und Autoren möchte zudem darauf hinweisen, dass die * nichts mit der Genderfrage zu tun haben, sondern Hinweise auf eine Erklärung geben.

Tempelberg, Globuli und die Unvernunft des Glaubens

Liebe Gläubige

An diesem Tage wollen wir über den Glauben reden.

Was ist dieser und weshalb lassen wir dieses den Verstand und alles bessere Wissen verneinende Gebaren zu?

Tief im Menschen verborgen scheint es einen Urinstinkt zu geben, der in uns die Sehnsucht oder Hoffnung weckt, dass wir mit unserem Schicksal nicht alleine sind. Dass wir nicht ohne Sinn hineingeworfen wurden in diese Welt der Schrecken und Gefahren, von denen sich die meisten Menschen heute gar kein Bild mehr machen können.

War es das, und weshalb wurde es nicht mit der fortschreitenden Entwicklung des Verstandes quasi hinwegevolutioniert? Oder hat sich vielleicht der Verstand gar nicht weiterentwickelt? Wäre es möglich, dass nur die Welt komplexer wurde, wir aber noch immer in unseren Höhlen leben, heute einfach mit Google Home und Alexa ausgerüstet?

Es würde erklären, weshalb wir noch immer glauben, auch wenn nicht mehr alle hinter Blitz und Donner einen Gott vermuten.

Und ist es nicht auch sehr einfach, zu glauben? Es entlässt uns aus der Verantwortung, zu wissen und selbstbestimmt zu handeln. Das ist ja so anstrengend. Um wie viel einfacher ist es da «… nicht zu sehen und dennoch zu glauben» (Joh 20,29; LUT).

Doch der Glaube findet seine Wege überallhin. So glauben etwa viele Menschen noch immer Abend für Abend, sie könnten im TV wieder einmal etwas Gescheites sehen, und schalten wider besseres Wissen das Gerät ein, nur um dann einmal mehr einen Abend mit Unsinnigem zu verbringen.

Ein anderer starker Glaube ist in der westlichen Welt in einer Ideologie namens Homöopathie verwurzelt. Obwohl sie nicht so viele Anhängerinnen und Anhänger hat, ist sie in etwa mit dem Christentum zu vergleichen. So wie Gott nicht wissenschaftlich nachweisbar ist, so ist auch eine Wirkung homöopathischer Mittel wissenschaftlich nicht zu belegen.

Dennoch glauben die Menschen daran. Weshalb? Weil sie es wollen. Glaube verbindet auch, der Glaube an einen Gott und die gemeinsamen Rituale, die Diskussion darüber, ob man nun dieses nichts enthaltende Mittel in dieser oder jener Potenzierung verwenden soll oder besser in einer anderen. Der Glaube an den Aufstieg des Fussballclubs, oder daran, dass die CS-Aktie doch noch irgendeinmal über zwanzig Franken kommt.

Lasst uns nun über die Argumente reden, die der Glaube hervorbringt.

Da dem Glauben kein Wissen zugrunde liegt, kann er auch keine logischen, nachvollziehbaren Argumente vorbringen. Dennoch haben diese Scheinargumente mehr Macht als jene, die der Ratio entspringen. Weshalb ist das so?

Nehmen wir noch einmal das Glaubenskonstrukt der Homöopathie. 1810 veröffentlichte Hahnemann das Leitwerk zu dieser Ideologie.  In den zweihundertzehn Jahren, die seither vergangen sind, konnte nie, weder von Anhängern und schon gar nicht von den Gegnern, eine Methode entwickelt werden, die nachweisen würde, ob oder gar wie Homöopathie funktionieren soll. Nimmt man ein x-beliebiges Globuli, sagen wir ein Belladonna D1000, könnte auch der glühendste Verfechter der Homöopathie mit keiner Methode der Welt herausfinden, ob es nun tatsächlich ein Belladonna D1000 ist oder doch ein Kalium phosphoricum D12. Die Argumente, dennoch ein Belladonna D1000 zu nehmen, sind dürftig und beschränken sich auf den Hinweis, dass es viele Fälle gibt, in denen es wirksam war. Verhält es sich nicht auch so mit dem Glauben an Gott? Wieso soll ich an Jesus Christus glauben? Weil er dein Erlöser ist. Wieso? Weil es so geschrieben steht. Wieso? Weil es so aufgetragen wurde? Von wem? Von Gott. Wer ist Gott? Er ist der Schöpfer und Jesus Christus’ Vater.

Sehet ihr, wohin das führt?

Fassen wir also zusammen. Nichts, auch keine rationelle Erklärung könnte uns drei Wochen nach Ticket-Verkaufsstart für das (jetzt wirklich letzte) Stones-Konzert davon abhalten, fest daran zu glauben, dass wir doch noch ein Ticket bekommen und dass auf dem Schwarzmarkt sicher noch ein ehrlicher Verkäufer zu finden ist, der uns einen fairen Preis macht.

Dennoch glauben wir. Glauben an Globuli und Jesus Christus, an Jahve, Allah, Buddha, dass Elvis lebt, Lady Di ermordet wurde oder dass Aliens auf der Erde leben. Für den Glauben werfen wir unser Geld aus dem Fenster, verleumden, verbrennen und ermorden die Menschen. Der Tempelberg zu Jerusalem, auf den aufgrund ihres Glaubens drei Religionen Anspruch erheben, ist ein Ort der religiösen Auseinandersetzung von so abscheulicher gewalttätiger Zügellosigkeit, dass man den Glauben an die Vernunft des Menschen verlieren könnte. Da ist es wenig tröstlich, dass gegen Gewalt nicht nur die Homöopathie nichts nutzt.

Liebe Gläubige und Ungläubige. Ich hoffe, ich konnte euch in eurem Glauben bestärken, nicht glauben zu müssen. Wenn nicht, was bleibt mir mehr als zu rufen: «So glaubt doch, was ihr wollt!»


Das Gender-Sternchen und die ihm immanente Diskriminierung

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem Schwarz und Weiss getrennt sind. Schwarz ist die vorherrschende Farbe, aber das Sagen hat Weiss. Natürlich gibt es auch noch etwas Gelb und Braun, aber davon spricht man nicht.

Eines Tages begehrt Schwarz auf und verlangt, gleich behandelt zu werden wie Weiss, und nach einigen Jahrzehnten ist es endlich so weit und man erteilt Schwarz das Wort im Rat. «Was willst du denn nun schon wieder?» «Wir wollen in der Sprache gleichberechtigt sein», sagte Schwarz. «Nun, dann wollen wir uns zusammensetzen und uns einigen», stimmte der Ratsälteste und Weiseste von Weiss zu. Man setzte sich also zusammen und einigte sich nach langen Verhandlungen auf *.

Nun wirst du dich zu Recht wundern, weshalb *.

Nun, Schwarz verlangte, dass es fortan nicht mehr hiess «Die weiss getünchte Wand», sondern «Der*Die* weiss*schwarz getünchte Wand». Was? Wirst du nun verwirrt ausrufen und dich verwundert fragen, weshalb Weiss denn nun noch immer an erster Stelle kommt und Schwarz Weiss nicht wirklich gleichgestellt ist. Auch wird dir auffallen, dass es nicht Weiss*Schwarz*Gelb*Braun heisst.

Weshalb aber wird * denn dann verwendet, wenn es gar keinen Zweck erfüllt? Ja, welche andere Antwort als «Dummheit» kann es da geben?

Die «visuelle Vergewaltigung der Sprache», wie es die bekannte Lektorin Petra Meyer formulierte, ist nur einer der sehr traurigen Aspekte dieses *. Der weitaus schlimmere ist die an den Faschismus erinnernde Diskriminierung, welche auf einer Ein- und Ausschliesslichkeit beruht die nicht von objektiven Argumenten untermauert ist. * suggeriert eine Verbindung, wo in Wahrheit eine Trennung ist. Weiss*Schwarz Mann*Frau. Die implizierte Einbindung «nicht binärer Geschlechtsidentitäten» findet nicht statt, sondern deren Ausschluss wird von Männern und Frauen in Kauf genommen.

Es kann die Frage gestellt werden, ob der Ausschluss der «nicht binären Geschlechtsidentitäten» tatsächlich ein solcher ist.

Die dem heutigen Zeitgeist eingetwitterte Gender-Hysterie kann nicht verneinen, dass es bei Säugetieren die beiden Geschlechter Weiblich und Männlich gibt. Ob man sich körperlich oder psychisch zum einen, andern, beiden oder gar keinem dieser Geschlechter zugehörig fühlt, ändert nichts daran. Dass die Gesellschaft als solche diese (in Deutschland und der Schweiz knapp 8 Prozent) Menschen diskriminiert, verleugnet, durch Geschlechtsumwandlung im Kindesalter quält und sich weiterer unsäglicher Taten schuldig macht, verneint also noch immer nicht die beiden Geschlechter.

Es bleibt also dabei. Weiblein und Männlein. Nur: wie beide gleichberechtigt behandeln?

Indem ihr es einfach tut, verdammt noch mal!

In jedem Satz gibt es genug Platz um «Kranführerinnen und Kranführer sind längst nicht alle schwindelfrei» zu schreiben – wenn man denn etwas über Kranführerinnen und Kranführer schreiben möchte. Würde konsequent darauf geachtet, was und wie man etwas schreibt, hätten wir gar nicht das hochnotpeinliche Problem, dass wir uns vor die Tatsache gestellt sehen, in einer Welt zu leben, in der der grössere Teil der Menschen von einer Minderheit diskriminiert und unterdrückt wird. Und ich meine mit der Minderheit Männer, das will wohlverstanden sein!

Dass man diese Diskriminierung mit einem Er*Sie beseitigen will, ist einfach lächerlich und traurig. Der Kampf für Gleichberechtigung, und das gilt beiderseitig und allseitig und über das Geschlecht und die Hautfarbe hinaus, muss in einer Form geführt werden, die der Grösse des Problems angemessen ist. Und das ist Vehemenz! Vehemenz, und nicht die mit an Peinlichkeit kaum zu überbietenden stimmlosen glottalen Plosive, die von politisch korrekt gegenderten Nachrichtensprecherinnen und Nachrichtensprechern heutzutage verwendet werden.

Schwarz und Weiss sassen beisammen im Rat und sahen sich um. Alles war schwarz und weiss. «Eine dumme Sache ist das, was haben wir uns nur eingebrockt!», stöhnte Weiss. «Ja, wirklich verdammt schiefgelaufen!», bestätigte Schwarz. «Wo sind eigentlich Gelb und Braun und Rot und Grün?» «Hm, die haben wir rausge*.» «Holt sie wieder rein, verdammt, wenn wir jetzt etwas brauchen, dann ist es Farbe!»

Und als alle bunt gemischt beieinander sassen, sahen sie sich um und fanden, es sei gut. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage, oder bis irgendjemand mit besonders fiesem Charakter dieses Happyend einfach ent*

 

 

 

 

 

 

Der Meiler

Hier haben wir euch den Aufbau des Meilers dokumentiert: 

Aufbau Kohlemeiler

Wir sind teilweise etwas beinlahm geworden, aber alles in allem lief der Aufbau bisher flott und ohne Zwischenfälle ab – wie z. B. ins Bein hacken, mit der Motorsäge ins Bein sägen, sich Holz in die Hände rammen oder von einem Meteoriten getroffen zu werden.

Hier die Fotos des Aufbaus und darunter die Fotos des Anzündens

 

Die Fotos vom Abend des Anzündens:

 

(Wenige) Fotos von der «Brennparty»

 

Und die Fotos vom Abpacken der Kohle.