Archiv der Kategorie: Kulturforschung

Der Meiler

Hier haben wir euch den Aufbau des Meilers dokumentiert: 

Aufbau Kohlemeiler

Wir sind teilweise etwas beinlahm geworden, aber alles in allem lief der Aufbau bisher flott und ohne Zwischenfälle ab – wie z. B. ins Bein hacken, mit der Motorsäge ins Bein sägen, sich Holz in die Hände rammen oder von einem Meteoriten getroffen zu werden.

Hier die Fotos des Aufbaus und darunter die Fotos des Anzündens

 

Die Fotos vom Abend des Anzündens:

Vorsehung

Der erste Artikel für die neu geschaffene Abteilung für Sprachforschung

Nur weil sich jemand vorsieht, heisst das noch lange nicht, dass er eine Vorsehung hat. 

Eigentlich ist dieser Satz falsch, da die Vorsehung laut Duden eine «über die Welt herrschende Macht» ist, «die in nicht beeinflussbarer oder zu berechnender Weise das Leben der Menschen bestimmt und lenkt».

Eine Vorsehung kann man also nicht haben, man ist ihr unterworfen oder, wie der SMY zum Beispiel, selber eine sein.

Im Mittelhochdeutsch lautete das Wort noch vürsehunge (ist under fürseung standen  = stand unter dem Schutz von)

Aus dem vormaligen Schutz  ist also eine unbeinflussbare Lenkung geworden, oder anders ausgedrückt, aus dem Schutz der Atmosphäre vor Strahlung ist eine unbeeinflussbare Bedrohung aus giftigen Gasen und steigenden Temperaturen geworden.

Der Mensch, könnte man glauben,  ist also nicht mehr derselbe wie damals. Könnte man, denn in Wirklichkeit hat er einfach gelernt, ein Smartphone zu bedienen, und es gibt auch heute noch Menschen, die glauben, unter der Vorsehung ihres Gottes zu handeln oder ihr zu unterstehen.

In neuerer Zeit, als die durch den Kommunismus proklamierte Religionsfreiheit Wörter wie Vorsehung, also eine göttliche Lenkung, aus dem Gebrauch eliminieren wollte, wurden Wörter wie «Geschick»  oder «Schicksal» verwendet. Beide natürlich mit der selben rohen Uausweichbarkeit wie die Vorsehung, denn was einem widerfährt, wurde sozusagen «geschickt».

Ha, das hat die Kirche ja geschickt eingefädelt. Da hat sie wieder einmal Geschick in der Manipulation bewiesen.

Und mit dieser verwirrenden Wortverwendung wollen wir für diesmal Schluss machen und hoffen, die Vorsehung, also die Expansion des Universums, wird sie nicht zu weit von uns wegtragen, sodass sie auch das nächste Mal wieder dabei sind, wenn es heisst:

«Der Weg führt hin!»

Der Rumpf

Die Wortherkunft von Rumpf ist ungewiss. Bekannt ist lediglich, dass das Wort bereits im Mittelhochdeutschen geläufig war.

Dabei ist es doch ganz simpel: Wörter und ihre Bedeutung werden fast ausschliesslich von älteren Erwachsenen definiert, und selbst sogenannte Jugendwörter wie «Geil!», «Mega!» usw. wurden ursprünglich von alten Menschen, in diesen beiden Fällen Wissenschaftler der Biologie und der Mathematik, geschaffen.

Der Rumpf ist daher eine auf Beobachtung des eigenen Körpers entstandene Definition, die den deutlich dem Zerfall anheimgefallenen und in Rümpfen an den Knochen hängenden äusseren Teil des Leibes beschreibt. Alles liegt an einem Rumpf, man nennt es also Rumpf. Vorbild für diese Art des Rumpfes ist das Textil.

Nahaufnahme einer gestrickten Baumwolldecke die in Rümpfen daliegt.

Eine andere Herleitung könnte auch aus dem Geräusch gezogen werden, das die Hautlappen machen, wenn man sie sich über die Schulter zerrt, um sich den Rücken zu rasieren oder auf beunruhigende Hautflecken zu untersuchen.

Eine letzte Möglichkeit, jedoch noch abwegiger als die letzte, ist eine onomatopoetische – und zwar beschreibt das Wort lautmalerisch das Geräusch, das ein Körper macht, der zum Beispiel über herumliegende Hellbarte stolpert und der Länge nach auf den Burghof rumpst.

Zum Rumpf selber gibt es wenig zu sagen. Genau genommen kann man seinen eigenen Rumpf gar nicht betrachten, da das Wort der Definition nach nur den Torso, also den mittleren Körper ohne Beine, Arme und Kopf beschreibt. Das Wort Rumpf übrigens vom Geräusch des Vierteilens herleiten zu wollen, ist Unfug. Hier liegt das Wort Frack viel näher, aber das ist eine andere Geschichte.

Rumpf Wortbedeutungen: Torso, Schwimmkörper des Schiffes, Falten bei Textilien (nur im Schweizerdeutschen (Schweizerisches Idiotikon S. 947 [grümpf, brmüpft, Rompf, Rumpf = faltig, runzelig und «schrumpfig»], auch Schiffsrumpf, Käserumpf, Flugzeugrumpf, Nase rümpfen, usw.

Shar Pei Hund, Foto by Wikicommons, Yana Mishina, CC 3.0

In besonderem Masse und daher als ein unabdingbarer ökonomischer Faktor der Industrieländer anzusehen ist die Angst vor Leibrümpfen bei Frauen.

Venus von Willendorf. Kalkstein, 25’000 vor unserer Zeitrechnung, Foto by Wikicommons, Ziko van Dijk, CC 3.0

Die ab dem zwanzigsten Jahr – und in besonderem Masse nach einer Schwangerschaft – auftretenden Falten treiben die Frauen zu Millionen an die Regale mit Schönheitsmittelchen, Diäten und Abnehm-Trick-versprechenden Heftchen, und Live-Style-Lebensmitteln, zu Schönheitschirurgen und anderen Wunderheilern. Seit Jahren treibt die Angst vor Falten junge Frauen und Mädchen sogar in den Selbstmord. Der Rumpf ist also nicht zu unterschätzen und muss deutlich als Gefahr für den Menschen wahrgenommen werden. Insbesondere, da die meisten Krankheiten direkt im Rumpf ihren Ursprung haben und zum Beispiel Herzinfarkte ohne Rumpf gar nicht vorkämen.

Es steht daher ausser Frage, dass der Mensch sich früher oder später vom Rumpf befreien muss und vielleicht nur noch als Arme existiert (Beine kommen nicht infrage, da die zum Davonlaufen sind). Auch der Kopf als Quelle all dieses Unfugs muss vehement ausgeschlossen werden.

Letztlich bleibt zu hoffen, dass bei geneigter Leserin und geneigtem Leser nicht alles an einem Rumpf liegt oder hängt oder man sich damit möglichst gut eingerichtet hat.

Kulturkonsum

Die Abteilung Kulturwissenschaften des Kantonsmuseums Luzern deckt auf: Kulturkonsum gibt es nicht!

In einem langwierigen wissenschaftlichen Verfahren deckte das Kantonsmuseum Luzern nun auf, dass es Kulturkonsum gar nicht geben kann.

In der Untersuchung wurden verschiedene Kunstobjekte gewogen und dann über längere Zeit betrachtet.* Nach der Betrachtung wurde das Objekt wieder gewogen. Das Resultat war nicht verwunderlich – es war noch genauso schwer wie vorher.

Somit kann das Wort Kulturkonsum endlich wieder aus dem Vokabular gestrichen werden – ein Verdienst, das das Kantonsmuseum Luzern bescheiden auf sich nimmt.

* So zum Beispiel dieses wundervolle Gemälde des Hochdorfer Grafikers und Künstlers Charles Meyer. Das Bild, gemalt 1959, wog genau 874 Gramm. Dies tat es zu Anfang und auch nach Abschluss der Untersuchung!