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LB_001_77.001-016

Derweil die halbe zentraleuropäische  Welt im Stau Richtung Süden stand und und etwas für die Klimaerwärmung tat, nämlich über Stunden bei laufendem Motor (Klimaanlage) Fahrzeugschnauze an Fahrzeugarsch sich gegenseitig die Abgase in den Zufuhrkanal für die Frischluft zu blasen und die Umgebungstemparatur um ca. 1.278°C zu erwärmen, während sich also dieser ganze geistesschwache Unsinn auf fast allen Autobahnen abspielte, machte ich wieder einmal Löcher in unser Haus. Genau gesagt ein Loch.

Wer über die Baugeschichte der Löffelburg bescheid weiss, dem/der ist auch bekannt, dass kaum je eine grössere Naturgewalt über das Haus gekommen ist als meine Wenigkeit – und dies inlusive der beiden verherenden Hochwasser und dem Dorfbrand.

Ein 10Kg Vorschlaghammer, ein Brecheisen und einen Bausauger. – nackte, rohe Gewalt, gepaart mit dem Verlangen aus alt neu zu machen und endlich mit dem Umbau fertig zu werden.

Gen Himmel hob Thor den Hammer empor

und wild war das Antliz des Asen

Hernieder krachte die himmlische Kraft

getroffen blieb das Gemäuer liegen.

So also tat ich im Treppenhaus des 2. OG, als ich den alten Einbauschrank der unter die Treppe zum Dachgeschoss verbaut war niederriss.

Doch bei allem Ungestüm, lass ich doch immer Vernunft walten. Und so war der Abbruch des Schrankes natürlich um ein vielfaches weniger brutal. Als Belohnung wurden mir dafür etwa acht Seiten aus dem Zahlbüchlein der Löffelburg, oder vielmehr der St. Afra-Pfrund beschert. Die Blätter stammen aus den Jahren 1774 bis 1789, und listen entweder getätigte Zahlungen oder Einnahmen aus. Momentan ist das noch nicht genau zu erkennen.

Die Blätter habe ich sorgfältig vom Holz gelöst, getrocknet und eingescannt. Fundnummer: LB_001_77.001-016.

Nun warten sie, provisorisch in einem Couvert, bis ich säurefreies Papier bekomme, und  einem Moment in dem ich die Zeit finde, alles zu entziffern. Damit ich das spröde Papier nicht wieder berühren muss, habe ich alle Teile eingescannt und im Photoshop hochgeladen. Da kann ich dann probieren was wie zusammenpasst.

 

Samstag 19.4.19, 10.11 Uhr
Samstag 19.4.19, 10.26 Uhr
Samstag 19.4.19, 10.37 Uhr

 

Treppenschräge zu DG. Abriss des Einbauschrankes, An der wand in der ersten Schicht die Seiten aus den Zahlbüchlein, und in der Zweiten Schicht Seiten aus einer Zeitung ca. 1830.
Seiten von Zahlbüchlein 18. Jh.
Gescannte Seiten zum berührungsfreien Zusammensetzen in Photoshop importiert.

 

 

 

 

Pfeilgeschoss

 

Ein Pfeilgeschoss tat wie verlangt,

und schoss dahin von Kriegers Hand.

Es tat was es als Pfeil halt musst,

durchdrang geschwind des Feindes Brust.

 

Nun sollte niemand Pfeilchen schelten

Lasst doch dieses Schicksal gelten!

Tat ja nur wie ihm geheissen

Sollt es auf Befehle scheissen?

 

Pfeile sind von Hand gemacht

Wohl geschmiedet, gut durchdacht.

Ebenso des Kriegers Bogen

Liegt gar fest und ausgewogen.

 

Der Krieger selbst ist hol und dumm

Wie dem Pfeile fehlts ihm an Mumm

Er könnte auf Befehle scheissen

Könnte auch die Sehn zerreissen

 

Doch die Welt ist bös geschaffen

An den Bögen stehen Affen

Wir sind davon ein übler Teil

Und allzumancher wie ein Pfeil

 

©Simon Meyer, 2019

 

Die Pfeilspitze auf der Fotografie stammt aus einer Grube die hinter der Löffelburg angelegt wurde um Sockel für Stützbalken zu giessen.

 

Nienetwiler-Kultur

8.12.2018

Nach Jahren der Suche ist nun endlich eine Keramik der Nienetwiler-Kultur aufgetaucht. Unsere Fachleute datieren sie um ca. 5000 vor unserer Zeit.

Nienetwil! Für Archäologen das Atlantis der Träumer, allerdings weit realer. Noch bis ins 17. Jh. existierte der Ort und es gibt verschiedene Berichte darüber. Bis vor Kurzem war jedoch absolut nicht klar, wo der Ort lag. Das hat nun ein Ende. Aus Sicherheitsgründen kann hier der Fundort nicht preisgegeben werden, denn die Gefahr, dass Raubgräber sich darüber hermachen, ist zu gross. Was wir allerdings sagen können, ist, dass sich der Fundort im Kanton Luzern befindet.

Der Grabungstechniker Nomis Arbogast gab uns ein kurzes Interview.

Herr Arbogast, viele Legenden ranken sich um die Geschichte Nienetwils. Nun ist ein erster wichtiger Schritt gemacht, nämlich das Auffinden des Ortes. Wie fühlt man sich dabei, Geschichte zu machen?

Nun, ich fühlte mich natürlich wie damals Heinrich Schliemann, als der Troja gefunden hat. Es war einfach überwältigend. Zuerst einmal hatten wir aber bange Zeiten, denn natürlich wussten wir nicht von Anfang an, dass wir Nienetwil gefunden hatten. Das musste erst noch durch verschiedene Sondierungen und Untersuchungen bestätigt werden.

Welche Auswirkungen auf die Geschichtsschreibung hat der Fund?

Oh, da fragen Sie mich was. Die Auswirkungen sind momentan noch nicht abzuschätzen, aber wir sind heute der Meinung, dass ganz sicher das eine oder andere umgeschrieben werden muss.

Inwiefern?

Nun, zum einen scheint es so zu sein, dass von Nienetwil verschiedene starke Einflüsse auf die Kulturen in der schweizerischen Vergangenheit ausgegangen sind. So zum Beispiel auf die Keramikformen, auf das Design verschiedener Gebrauchsgegenstände und mehr. So haben wir einen eindeutigen Beweis dafür, dass die Nienetwilerinnen und Nienetwiler in den Belangen der Astronomie allen anderen Kulturen um Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende voraus waren.

Nienetwil ist untergegangen, vielmehr einfach vom Erdboden verschwunden. Gibt es heute Menschen, die von den Nienetwilern abstammen?

Auch das können wir leider nicht beantworten. Wir haben Gräber gefunden. Sofern in den Knochen noch DNA aufzuspüren ist, werden wir vielleicht einmal mehr wissen.

Herr Arbogast, vielen Dank für dieses Interview.

 

 

 

 

Halbbatzen

Hier mal etwas zur Geschichte der Löffelburg.

Die dendrochronologischen Untersuchungen haben ja gezeigt, dass zumindest der ab dem ersten Stockwerk aufgehende Teil um 1616 erbaut worden ist. Nun ist es aber spannend zu wissen, welche Bauabschnitte sonst noch zeitlich festgemacht werden können. Dies ist mir – zumindest bei einzelnen Wänden oder Böden – vor allem dank Fundobjekten möglich gewesen.

Die «Bibliothek», in unseren Plänen OG1-R22 genannt, hatte, wie alle anderen Räume ebenfalls, eine bewegte Geschichte. Bei den Umbauarbeiten fand ich zwischen zweien der übereinanderliegenden Böden einen Basler Halbbatzen von 1717. So konnte ich zumindest festmachen, dass der darunterliegende, von starken Arbeitsspuren recht mitgenommene Boden vor dieser Zeit eingebaut worden ist. Ich vermute anhand des Aufbaus des Bodens sogar, dass es der originale von 1616 stammende Boden war. Der darüberliegende wäre dann irgendwann nach 1717 eingebaut worden.

Der Halbbatzen (2Kreuzer) ist eine Billonprägung und wurde in Basel geprägt.

 

Auf dem Foto: Münze des Johann Konrad von Reinach

Links: [A:MONETA NOVA . IOAN . CONR . D . G .1717 ( Auf einem gleichschenkligen Keuz das Wappen in zwei Teilen, nämlich des Bistums und der Familie)

Rechts: /R: + EPIS . BASILEENSIS . S . R . I . PRINCIPIS (Der doppelte kaiserliche Adler)

Bestimmung durch «Appel’s Repertorium zur Münzkunde des Mittelalters und neuerer Zeit; Erster Band 1820», Seite 139.