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DEUS

Gerade fotografierte ich die Schnipsel eines Liedtextes. Sie waren an den Stössen von Wandbrettern angeleimt, damit da kein Wind durchpfeift.

Da seh ich auf einem Blatt «Deus» stehen und denke, dass die Christen das ja recht entspannt sehen mit den Huldigungen ihres Gottes. Wehe, einer mag ihn nicht so huldigen, wie es der Papst oder Luther vorgegeben haben. Rübe weg! Verbrennt ihn! Aber die Huldigung selber darf man offensichtlich zum Isolieren nehmen.

Ich finde das doch recht eigenartig, denn wenn ich denke, dass die Christen ja glauben, dass ihr Gott alles sieht und hört, dann käme ich mir doch irgendwie etwas seltsam vor, wenn ich so eine Huldigung zerreissen und über irgendeine Ritze kleben würde.

Ob das Juden oder Muslime ähnlich sehen wie die Christen, weiss ich ja nicht, aber da sie dasselbe befremdliche Glaubenssystem haben, dürfte das ja wohl der Fall sein.

Das Konzept des Glaubens ist mir völlig fremd. Ich habe es nie verstanden, und je älter ich werde, desto seltsamer mutet es an. Entweder man weiss etwas, oder man weiss es nicht. Wenn man es weiss, braucht man es nicht «Glauben» zu nennen, und schon gar nicht «Glaubenssystem». Wenn man es nicht weiss, ist es dasselbe. Wenn ich nicht weiss, was hinter einem Hügel liegt, dann nützt es mir nichts, wenn ich glaube, dass dort die nächste Tankstelle liegt, und, wenn ich dann festgestellt habe, dass es nur eine Kuhweide ist und ich kein Benzin mehr habe, mir dann umständliche Glaubenssätze und Dogmen zurechtwurstle, um diese missliche Situation zu erklären.

Nun, meinetwegen kann jede und jeder glauben, was sie oder er will. Immerhin gibt es auch Leute, die glauben, dass Elvis noch lebt. Dass man sich aber deswegen bis auf den heutigen Tag den Kopf einschlägt …

Also, ich werde den Schnipsel nun in ein Tütchen legen, es anschreiben in eine Schublade legen. In die Fund-Liste werde ich eintragen: «Notenblatt-Schnipsel einer Huldigung desjenigen, den die Christen Deus nennen.»

Geister in Beromünster

Am letzten Montag informierten der Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold, die Kantonstheologin Hildegarde Plüske und Prof. Dr. Dr. Kurt von Aah über den Umgang mit den immer häufiger auftauchenden Geistern und Unwesen in Beromünster.

Vermehrt Sichtungen

Seit einiger Zeit häuften sich die Meldungen bei Gemeinde und Kanton über die Sichtung von und Belästigung durch Geister in Beromünster. Diese tauchten denn auch nicht mehr nur nachts auf, wie das in früheren Zeiten ab und zu einmal vorgekommen ist, sondern oft am helllichten Tag.

Im  Atelier der Löffelburg wurde von der Überwachungskamera dieses Bild gemacht:

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Es scheint sich um einen Geist zu handeln, der an einem  Bild zu Gange war, an dem der Löffelburger zurzeit arbeitet.

Aber auch in der Badgass und in der Gärbigass, im Stiftsbezirk, am Friedhof und in mehreren Wohnungen wurden Sichtungen gemacht. Insgesamt wurden alleine im August 34 Sichtungen gemeldet.

Auch Bund ratlos

Nach dem höhnischen Gelächter und den Buh-Rufen, die die Kantonstheologin Frau Plüske erntete, versuchte der Vertreter des Bundes Prof. Dr. Dr. Kurt von Aah das aufgebrachte Publikum zu beruhigen. Es blieb beim Versuch, denn von Aah hatte keine überzeugenden Erklärungen parat, weshalb dieses starke  Geisteraufkommen zu beobachten ist. Der Verdacht, dass Ektoplasma durch die Strahlung von 5G-Antennen mit Energie angereichert werde  und sich so leichter manifestieren könne, sei bisher ohne wissenschaftlichen Beweis geblieben. Man sei aber mit dem Max Planck Institut in Verbindung und prüfe mit Fachleuten auf diesem Gebiet alle Möglichkeiten. Der Bund hat deshalb eine Liste mit Verhaltensregeln erarbeiten lassen und stellte diese dem Publikum vor.

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Teilweise auch Elfen und Ähnliches

Hans-Peter Arnold bestätigte in der Fragerunde ausdrücklich, dass es nicht nur bei Geisterbeobachtungen geblieben, sondern definitiv auch zu Meldungen über zwei Elfen, einem Zwerg, einem Troll und vier offensichtlich unbekannten Wesen gekommen sei.

Das Votum des Löffelburgers, man solle eine Futterkrippe im Stiftstheater aufstellen und Eintritt verlangen, war, wie nicht anders zu erwarten, nicht ernst gemeint, erntete jedoch schallenden Applaus und Zustimmung.

Vermisst

Die öffentliche Informationsveranstaltung schien nicht viel gebracht zu haben, was die Aufklärung betraf.

Abschliessend darf noch die Meldung nachgeführt werden, dass laut Staatsanwaltschaft  die Gastreferentin und der Gastreferent seit jenem Abend offenbar als vermisst gemeldet sind und intensiv in alle Richtungen ermittelt wird.

Es bleibt zu hoffen, dass in dem kleinen Ort bald wieder Ruhe einkehrt.

Aus der Löffelburg erhielten wir allerdings die Warnung, dass man davon ausgehe, dass die Situation bis Allerheiligen noch schlimmer werden könnte, und dass auf den 31. Oktober mit dem Höhepunkt der Emanationen zu rechnen sei.

Die Treppe

Eine Treppe ist eine nützliche Sache, und wird uns, solange wir uns nicht der Levitation fähig sehen, noch lange gute Dienste leisten.

Auch in der Löffelburg haben wir Treppen. Neue Treppen, mittelalte Treppen und ganz alte Treppen.

Die älteste Treppe ist ca. aus dem Jahr 1617 und führte zum Dachstock, der nun des Löffelburgers Atelier/Studio beherbergt.

Sie ist, oder vielmehr war, extrem unbequem, weil auf alle Seiten schief und krumm und kaum zu begehen. Sie war mit modernen Brettern verkleidet, die wiederum mit einem schmutziggrauen Spannteppich belegt waren. «Wuääh! Haut wech die Scheisse!».war meine Meinung dazu und ich wollte eine neue machen.

Es kam, wie so oft in der Löffelburg, anders. Ein Profi hat sich die Treppe angesehen. Der Antikschreiner Bruno Boog, mit dem zusammen ich die neue Treppe bauen wollte. Doch als er sie sah, entfuhren ihm unziemliche Worte und er attestierte: «Das Teil ist spätgotisch!»

(Nun, ich habe diese traurige Episode ja bereits in diesem Blog verarbeitet: Substanzerhalt)

Was das bedeutet, wusste ich sofort. Sie musste also drin bleiben, oder besser, ich musste sie restaurieren und wieder einbauen.

Also musste ich sie erst einmal ausbauen.

Die Treppenstufen wurden also ausgebaut, gereinigt und in der Werkstatt von Bruno Boog passten wir die typischen gotischen Nasen wieder an. Hier ein Foto einer anderen gotischen Treppe.

Und dann kam das Einbauen. Was soll ich sagen. Gebt mir ein Bündel Nerven und ich verschleisse sie so schnell, wie ihr sie mir nachreichen könnt.

Es wollte einfach nicht klappen. Nein, es wollte nicht. Und es tat es auch nicht. Also musste Bruno wieder kommen und mir Tipps geben, wie ich es machen konnte. Gute Seele, die Götter mögen ihn mit Futter und Freude versorgen, bis er japst vor Freude!

Heute ging es dann. Die Treppe habe ich Stufe für Stufe eingebaut.

Gut zu sehen die neu angepassten «Nasen»

Und nun steht sie. Ich kann auf ihr hochgehen oder runter, wie es mir beliebt und wie es der Treppen Sinn und Zweck ist.

Wegen der Brandschäden (Dachstockbrand 1952) sieht sie etwas fleckig aus und die Stufen sind ausgelatscht und unförmig. Es ist keine bequeme Treppe, aber ich bin wohl auch kein bequemer Löffelburger, also passt das wahrscheinlich so.

Ich bin, das muss ich abschliessend sagen, glücklich. Nicht nur, weil ich eine neue/alte Treppe habe und viel dazugelernt habe, sondern vielmehr deshalb, weil ich kein Schreiner bin und sowas in meinem Leben niemals wieder tun muss!

Achillesferse

Digitale Datenspeicherung – die Achillesferse unserer Gesellschaft?

Wissen ist, was du heute weisst und morgen noch nicht vergessen ist. 

Mit der Digitalisierung des Wissens begann eine neue Zeit, nämlich die des jederzeit verfügbaren Inhalts. Wissen, das über Wikipedia, Google Books oder Abertausende Wissensadatenbanken jederzeit abrufbar ist, der Rechner auf dem Smartphone, Tausende Fotos und Dokumente in der Cloud, all das ist stets verfügbar, in riesigen Datenspeicheranlagen, im privaten oder Firmenrechner abgelegt.

Doch was, wenn dieses Wissen plötzlich nicht verfügbar wäre?

Ich sehe schon den Stau auf den Strassen, weil Volk nicht mehr imstande ist, ohne Navi zu fahren. Massenhysterie, weil Volk keinen Zugang mehr zur Cloud hat, und dort ist doch das Passwort (1234) abgespeichert, das man für all seine Anwendungen braucht.

Niemand kann sich auf Wikipedia über so ungeheuer wichtige Dinge wie den Seeblibach (Link), den Sinus pilonidalis (Link) oder Nehemiah Abbott (Link) informieren, und die politische Arbeit würde komplett stehen bleiben, weil die Parlamentarier in Schockstarre verfallen würden, wenn sie während der  Parlamentssitzung nicht ihre E-Mail checken könnten.

Kein Zugriff?

Ihr supersmarter Kühlschrank könnte nicht mehr auf die Bestelldatenbanken zugreifen und auch keinen Schampus mehr kaufen, und Google könnte Ihre Bestelldaten (google home) nicht mehr in seiner Datenbank ablegen, nicht mehr weiterverkaufen und müsste dicht machen. Die Server von Google, Google Books und anderen Google-Dienstleistungen würden nicht mehr betrieben werden, und dann wären wir ja sowas von angeschissen, Mann!

Kein Zugriff mehr auf Betty-Bossi-Online-Datenbank. Abertausende Ehefrauen würden sich sofort emanzipieren, weil sie gar nicht mehr wüssten, was und wie zu kochen ist, und ihnen eine bessere Ausrede nicht einfiele. Ehemänner stünden verzweifelt an Tankstellenshops an, die nichts mehr zu verkaufen hätten, weil die Bestelldatenbanken für Sandwiches und Fertigpizzen nicht zugänglich wären.

Kurz, die Welt stünde am Abgrund. Massenschlägereien vor Antiquitätengeschäften, wo die Schreibmaschinen längst ausverkauft sind, und verdammt, Bankrott der Schweiz, weil keine Steuern mehr erhoben werden könnten.

Natürlich, all das wird wohl eher nicht eintreten. Könnte aber.

Daher hängt in meinem Büro als Mahnmahl die Ferse des Achilleus, durchtrennt von einer Daten-Speicherkarte, von der Decke.

«Achilleus», Kunststoff, Gips. Die digitalen Speicher sind unsere Achillesferse. Simon Meyer, 2019
«Achilleus» Kunststoff, Gips. Die digitalen Speicher sind unsere Achillesferse. Simon Meyer, 2019

Pici con Spalla di Mangalica al Sugo di Pomodoro

Pasta mit Schulterfleisch vom Wollschwein an Tomatensauce

Wer ein Wollschwein sein eigen nennt, darf sich glücklich schätzen. Sie sind des Menschen grösste Wonne und vermögen mit Charakter und bestem Fleisch zu überzeugen.

Der Löffelburger hatte Wollschweine. Bevor er in die Löffelburg zog. Man kann eben nicht alles haben.

Mangalica

Nun, da der letzte Rest eines der behaarten Rüssler verschlungen ist, hier ein Rezept.

Wer übrigens vom Schicksal geschlagen oder von den Göttern gehasst wird, wer also kein Wollschwein aufziehen durfte, kann das Rezept auch mit den Resten eines Rinder-, Lamm- oder Schweinebratens machen. Ihr könnt – und ich glaube ja kaum, dass ich das hier tatsächlich schreibe! – das Fleisch auch ganz weglassen (dann am besten auch die Sauce und die Nudeln!).

Nun, bevor man die Bratenreste hat, muss man den Braten machen.


Schweineschulter vom Wollschwein

Die Schweineschulter garte ich 3 Stunden sous vide mit einer Marinade aus 2 Zitronen, 1 EL gerösteten Koriandersamen, 1 EL schwarzem Pfeffer, 1mPrise Sechuan-Pfeffer, 1 EL Paprika, 1 scharfen Chilischote, 1 EL Salz, 1 Ast Rosmarin, 4 Knoblauchzehen, alles zusammen gemörsert. Das Fleisch am Knochen lassen. Die Schwarte mit Rautenmuster ca. 1,5 cm einschneiden und die Marinade kräftig einmassieren. Vakuumieren und im Wasserbad bei ca. 56°C während 3 Stunden garen.

Die fertige Schulter mit etwas Öl einreiben und auf dem heissen Grill/Smoker von beiden Seiten kurz angrillen. Von der Glut nehmen, diese wegschieben und den Deckel des Smokers schliessen. 2 Stunden weitergaren bei nicht mehr als 60°C (Wollschweinfleisch darf rosa gegessen werden).

Hat man dann Gäste, die offensichtlich über den Hunger eines europäischen Hausspatzen verfügen, ist es unvermeidlich, dass man Reste hat. Gut so!

Also zu unserem leckeren Abendessen!


Pici

Pasta-Teig für zwei Personen: 120 g Mehl, 80 g doppelgriffiges Mehl (Knöpflimehl), eine Prise Salz, 2 Eier

Alles vermengen und so lange kneten, bis der Teig nicht mehr klebt und seidenglatt ist.

1–2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Teig zu Pici verarbeiten: Zu einer Wurst rollen, diese halbieren, wieder auf dieselbe Länge rollen. Den Vorgang wiederholen, bis die Pici ca. 20 cm lang und je nach Lust, Laune oder Geduld 3–4 mm dick sind.

Wer zu faul zum Drehen ist, kann die Dinger auch auf 3 mm ausrollen oder durch die Pasta-Maschine drehen und dann 3 mm breite Nudeln schneiden. Ist aber echt nicht dasselbe.


Die Sauce

1 Dose Biotomaten

4–5 schwarze Oliven

3 Sardellen

3 getrocknete, eingelegte Tomaten

2 Knoblauchzehen

1 Ast Rosmarin

Salz

Pfeffer

Petersilie

Alles mit dem Mixer pürieren

(Diese Sauce kann übrigens auch kalt gegessen werden, und verdünnt mit einer guten Hühner- oder Gemüsebrühe gibt es eine wunderbare Gazpacho oder Kalte Suppe)


Das Fleisch
Das Fleisch vom Knochen schneiden und in mundgerechte Stücke schneiden.

Der Knochen ist für die Katz, den Hund oder die Kinder.


Zubereitung

Das geschnittene Fleisch in einer hohen Bratpfanne im Olivenöl nicht zu heiss anbraten. Die Sauce dazugeben. Gleichzeitig die Pici in reichlich gesalzenem Wasser al dente kochen. Mit der Pastazange aus dem Wasser in die Sauce heben und vorsichtig vermengen. Mit dem Pastawasser verdünnen und die Pici eine Minute ziehen lassen. Nach Bedarf noch etwas Pastawasser dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Gehackte Petersilie und nach Bedarf Rosmarin darunterheben und in einer breiten flachen Schüssel servieren.

Echt jetzt, das ist Bella Italia und lässt die Löffelburg vom ganzen Dolce Vita nach Mandelblüten und Gelati duften. Und natürlich war auch die holde Löffelbürgerin höchst angetan vom Dargebotenen und schenkte ihrem Pastamaestro einen dicken Kuss.

Da legt man sich danach doch einfach  zufrieden in den Schatten und träumt von noch mehr Pici con Spalla di Mangalica al Sugo di Pomodoro.

Fund LB_001_79.1 und LB_001_79.2

Um endlich die grosse Anzahl Funde, die bei den Umbauarbeiten der Löffelburg zum Vorschein gekommen sind, abarbeiten zu können, will die Archäologische Abteilung des Kantonsmuseums Luzern-Löffelburg  nun etwas mehr Zeit dafür investieren.

Heute wurden die Funde LB_001_79.1 und LB_001_79.2 verzeichnet. Es handelt sich dabei um Fragmente einer Butzenscheibe sowie ein Fragment einer Kette/Gebetskette oder Ähnlichem.

Fragment ca. 17,5 cm einer Kette/Rosenkranz?. Es sind noch 9 Perlen (4-1-4) erhalten.; 5 Fragmente einer Butzenscheibe ø ca. 6,5 cm

Fundort: Die Objekte wurden in der südöstlichen Ecke der Bibliothek (R22) bei der untersten Bodenbretterschicht gefunden. Das Baudatum der Löffelburg und auch der älteste Boden gehen auf ca. 1617/18 zurück (Dendro: Fälldatum des Holzes 1616/17).

Eine Datierung anhand der Fundsituation ist jedoch nicht möglich, da die Objekte nicht zwischen den Brettern lagen, sondern in der Ecke, wo sich ein Freiraum zur Wandbole von ca. 1,5 cm befand. Sie könnten daher auch später dahin geraten sein.

Die Funde wurden verzeichnet und fotografiert und im Fundbuch der Löffelburg eingetragen.