Vorsicht Röntgen

Ferienzeit, und es ist doch immer dasselbe: Da kommt man vom Lagunennebel (auch M8 oder NGC 6523 genannt) zurück und am Zoll wird man wieder blöd angemacht, weil auf dem Röntgenbild des Koffers etwas zu sehen ist, das diesen Typen Angst macht.

Wo steht denn bitte geschrieben, dass keine Aliens in die Schweiz eingeführt werden dürfen, hä? Die haben sich natürlich nicht einmal getraut, den Koffer aufzumachen, und erst als ich beteuert habe, dass es doch gar keine Aliens gebe, durfte ich den Koffer öffnen.

Gut, das hätte ich nicht tun dürfen, und der Tumult geht auf meine Kappe. Aber ich habe halt gehofft, das Chaos, wenn das kleine gefrässige Viech aus dem Koffer springt, könnte mir etwas Zeit für die Flucht verschaffen. Und so war es ja auch. Noch etwas kauend, das mir den Eindruck machte, es hätte einmal von einer Zöllner-Uniform stammen können, kam Bubsi gegen halb elf am Abend bei mir an und schaute mich vorwurfsvoll an. Natürlich wusste ich, dass das Show ist, denn er liebt das Beissen und Reissen wie sonst gar nichts. Nun, ich zeigte ihm noch das Foto, das ich schnell von ihm auf dem Röntgenbildschirm gemacht hatte. Er reckte die Schultern und war mächtig stolz. Das Foto hängt nun am Kühlschrank. Für die, die es nicht erkennen auf dem Foto: Der Kopf ist links oben zu sehen.

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Und hier noch eine Skizze (zu fotografieren ist leider unmöglich).

Das Ei des Kolumbus

Die meisten Museen haben eines gemeinsam: Sie stellen alten Plunder aus. Geschichte eben.

«Schaut, Kinder, damit haben früher die Ritter einander die Eingeweide aus dem Körper gehackt. Nennt sich Hellbarde und wurde in der Schweizerarmee 1983 durch das Sturmgewehr 90 ersetzt. Oder das dort, das ist eine römische Tonscherbe. Man nennt sie Terra Sigillata. Da noch eine, und da noch eine etwas kleinere. Diese ist etwas grösser, diese ist etwas röter, da noch eine und da und das da ist glaube ich nur ein Kaugummi.

Auch Kunstmuseen stellen meist altes Zeug aus, weil die neuen noch nicht berühmt sind. Da gibt es van Gogh, Picasso, Dali, Rubens, und dann noch einige andere, aber die sind nicht so wichtig. Das da ist ein Sonnenblumenfeld. Der hat gespinnt, der van Gogh, drum hat er das so ein bitzeli unnatürlich gemalt. Das da ist vom Rubens. Seine Frau war etwas beleibt, grösser als er und sehr, sehr hartnäckig. Drum musste er sie immer wieder malen. Das da vorne ist der Kiosk. Dort könnt ihr von allen Postkarten kaufen, und wer will einen Kaugummi. Ah, und dort der Dali! Der hat auch ein bitzeli gespinnt. Alles ist ganz verzogen und seltsam; auch die Uhren und alles. Ich glaube, er mochte Kaugummi.»

Nun, ich muss nicht weiterschreiben. Wir alle haben die wahrscheinlich langweiligsten Stunden unserer Jugend sicher gut memoriert. Natürlich liegt das nicht nur an den Museen. Dass Anita – oder hiess sie Barbara? –  und ich grad vier Tage «zusammen» waren, hat mich sicher abgelenkt, oder überhaupt das Dingens mit der Pubertät. Aber so ganz grundsätzlich sind Museen, vor allem auf dem Land, doch eher ganz schrecklich langweilig.

Doch das muss nicht sein. Das Kantonsmuseum Luzern in der Löffelburg ist saumodern, hip wie ein schwuler schwarzer Rabbi namens Ahmed und so interaktiv, dass selbst das Smithsonian Institute gerne wissen wollte, wie wir so etwas machen können.

Beispiel gefällig?

Das Ei des Kolumbus. Das haben wir. Natürlich! Jedes Museum braucht etwas furchtbar Geiles, das die Leute anzieht. Und wenn man das nicht hat, dann tut man wenigstens so, als ob das, was man hat, furchtbar geil wäre.

Wir also haben das Ei des Kolumbus, das ich höchstpersönlich und ungelogen besorgt habe.

Na und?, werdet ihr euch nun fragen. Was ist daran so besonders?

Es ist hyperinteraktiv!

Was ist das Ei des Kolumbus? Folgendes war passiert. Chris, wie er von seinen Freunden genannt wurde, hatte im Atlantik einige völlig zugewucherte Inseln angefahren. In der Meinung, er hätte Indien entdeckt und dies sein nun wirklich die Reise nicht wert gewesen, fuhr er frustriert wieder nach Spanien zurück. Dort angekommen, wurde er natürlich zu einem Bankett eingeladen. Die Anwesenden konnten ja nicht ahnen, dass das, was Kolumbus da entdeckt hatte, nicht Amerika war – das im Übrigen vorher schon von Indianern, später den Wikingern und noch später Amerigo Vespucci, der Amerika seinen Namen gab, entdeckt worden war –, sondern die Bahamas, und Kolumbus in seiner verqueren Art auch noch behauptete, es sei Indien. Genuesen!

Nun ja, er wurde mächtig gefoppt an dem Abend, denn nach der fünften oder sechsten Sangria war man allgemein der Meinung, dass es nicht gerade schwierig sei, einfach über das Meer zu fahren und irgendwann Indien zu entdecken.

Da Kolumbus während seiner gesamten Fahrt zu den Bahamas nur Alkohol getrunken hatte – das Wasser war schon brackig angeliefert worden –, war er recht gut geeicht und sein bisschen Verstand war noch beisammen. So rief er nach einem gekochten Ei, das ihm auch alsbald gebracht wurde.

«Stellt dieses Ei auf seine Spitze, dass es stehen bleibt!», rief er den Anwesenden zu und gab das Ei in die Runde. Jede und jeder versuchte es, scheiterte aber kläglich. Zuletzt waren alle etwas geknickt und behaupteten, dass diese Aufgabe unmöglich zu lösen sei. Da nahm Kolumbus das Ei, und klopfte es mit der Spitze auf den Tisch, dass die Schale einknickte und das Ei still und fest auf der Tischplatte stand.

Ah, da war ein Toben und Rufen. Betrug!, schrie man und irgendeinen rief: «So hätte das jeder gekonnt!» Da nahm Kolumbus das Ei, schälte es und stopfte es sich in den Mund. «Ja»,  gab er mit vollem Mund zurück, «jeder hätte dasch gekonnt, aber nur ich habe esch getan!»

Jetzt schaut es euch gut an, dieses Ei des Kolumbus, und fragt euch, ob ihr zu denen gehören wollt, die tun könnten, oder ob ihr zu denen gehören wollt, die es auch wirklich tun.

So, merkt ihr die Interaktivität, ja? Spürt ihr sie schon?

Gut, weil das Ei wirklich verdammt teuer war und der, welcher es mir verkauft hatte, sagte, es sei wirklich enorm interaktiv!

Selbstzensur

Über die Selbstzensur

Was darf Satire und was nicht? Was ist wann und wo opportun und was nicht?

Eigentlich sollte hier ein anderer Text stehen, den ich aber, aus Gründen der Selbstzensur, oder besser auf Wunsch Dritter, entfernt habe. Er war nicht böse. Er war nicht beleidigend, er war satirisch und befasste sich mit dem Dickdarm eines ausgestorbenen Dickhäuters und dessen Einfluss auf die heutige Gesellschaft. Natürlich hatte es einen Bezug zu etwas, dieser war jedoch so hübsch versteckt, dass nur Eingeweide, meine Eingeweihte oder der Osterhase den Zusammenhang entdecken konnten. Allen anderen wäre es nur ein satirischer Text gewesen.

Nun, ich habe ihn, um den Frieden zu wahren gelöscht.

Ist das richtig? Muss also ein Satiriker aus Rücksicht auf Freunde, Bekannte oder Verwandter usw., bzw. zu deren Schutz weil sie allenfalls aus Geschriebenem negative Folgen zu gewärtigen hätten, sich selbst einer Zensur unterwerfen?

Nein, eigentlich nicht – müssen, mein ich. Er kann, er darf, naja den ganzen gesellschaftlich, moralischen Unsinn eben, aber er muss nicht.

Wer in einem kleinen Dörflein lebt und einen zweifelhaften Charakter wie den meinen sein eigen nennt, muss zwangsläufig diesem oder jenem auf die Füsse treten. «Wer über Leichen geht, geht weicher!», ist eigentlich mein Motto, aber ich werd es nun ändern in «Auch Comedy ist schön!»

In der Gesellschaft ist man nie alleine, Ellenbogen an Ellenbogen stehen wir uns gegenseitig unentwegt auf die Füsse. Alleine unserem Bedürfnis nach Friede ist es zu verdanken, dass wir uns nicht ohne Unterlass gegenseitig verdreschen. Und alleine des Friedens wegen wegen habe ich den Artikel gelöscht.

Die Satire ist, in all dem Gerangel und sich gegenseitig auf die Füsse und in Fettnäpfchen treten ein Ventil. Kluge Griechen haben sie ersonnen um in den engen Gassen Athens lebend nach Hause zu kommen, obwohl sie die Wahrheit gesagt haben. Es waren, wie sollte es anders sein Helden, und kamen gleich nach den nackten Typen die bei den Turnveranstaltungen oder Schlachten das Publikum ergötzten.

Heute ist das nicht mehr so, was wohl daran liegt, dass die Gassen Athens und der Welt um ein vielfaches enger sind als damals. Ich habe also Verständnis dafür, dass der Wunsch den Eintrag zu löschen kam. S’gibt einfach zu viele Füsse …

 

 

«Euer Ehren, mit Verlaub, Sie sind ein Hornochse!»

Die Abteilung Gesellschaftsforschung des Kantonsmuseums Luzern hat sich in der Löffelburg ausgiebig mit einem interessanten Forschungsthema beschäftigt: dem Schimpfwort.

Das Wort Schimpf ist eigentlich einer Beleidigung unwürdig. Schimpf, nein, viel zu schön, um gemein zu sein. Und so ist es auch. Im Althochdeutschen bedeutete skimph noch scherzen, sich vergnügen, und noch im 12. Jahrhundert wurde skimpharifür Possenreisser und fahrende Schauspieler verwendet.

Möglicherweise über die Scherz- und Spottgesänge bekam das Wort später eine negative Bedeutung. Heute steht es für fluchen, verspotten, beleidigen.

Schimpfworte bieten die höchst erfreuliche Möglichkeit, sie fast endlos aneinanderreihen zu können und dabei auf unwichtiges Beigemenge wie «der», «die», «das» verzichten zu können. «Du hirnverbrannter, scheissblöder Vollidiot!», um etwa eine sehr, sehr kurze Komposition zu nennen, soll hier als Beispiel herangezogen werden. Das Dazunehmen von allerlei Verben und Adjektiven kann natürlich den Sturm beleidigender Nomen ungemein bereichern und in dem Masse den Schimpf ausschmücken, in dem der Verfasser oder die Verfasserin geistig dazu in der Lage ist. Ein «Du Ukulele fickender, schwanzloser [sich widersprechende Aussagen haben ebenfalls Tradition im Schimpf], von einer Kuh und einem Scheisshaus gezeugter, hirntoter Flachwichser!» ist zwar eine etwas lahme Beleidigung, erfüllt aber zur Erklärung ihren Zweck.

Der Schimpf ist aber auch ein Fluchen. Verfehlt etwa beim Nageln des Hammers Bahn das Ziel und trifft stattdessen des Daumens Nagel, so dient das ausführliche, auch mit zum Teil schwer gotteslästerlicher Würze versehene Fluchen der Ablenkung vom schmerzenden, blutenden und sich mit Sicherheit blau verfärbenden Pollex. Auch hier wollen wir ein kleines Beispiel einer wie eben beschriebenen Situation herbeiziehen: «Ahhhh, gottverdammter elender Scheisshammer, vermaledeiter!» Die Schuldzuweisung auf das Gerät, eine Gottheit, das Wetter, eine x-beliebige Person oder anderes ist bei solchem Geschimpfe typisch und dient, wie der Schimpf selber auch, der Ablenkung – meist der, nicht an die eigene Unfähigkeit denken zu müssen, einen Sechziger-Nagel in so ein verdammt hundskommunes Scheissbrett nageln zu können.

 

Das Schimpfwort als Beleidigung

Das Schimpfen hat also nicht nur eine spannende geschichtliche Reise hinter sich, sondern erfüllt auch den Zweck der psychischen Hygiene. Umso bedauerlicher ist es, dass dem Schimpf heutzutage alle Kultur abhanden kommt und leider meist in fantasieloser, lediglich diskriminierender Weise Verwendung findet.

Das schöne «Elender Hundsfot» [Hundsfot = Geschlechtsorgan einer Canis lupus familiaris], zum Beispiel ist durch ein banales «Du blöde Fotze» ersetzt, und statt fantasievoll dem anderen die eigene geistige Überlegenheit und Wortkenntnis präsentieren zu können: «Ihr seid wahrhaftig Bruder und Vater eurer Schwester! Möge eure Familie auf ewig in diesem Sinne weiterbestehen!» werden heute bloss noch rassistische oder Minderheiten verunglimpfende Sätze wie «Du schwule Sau!» gestammelt.

Das «Du schwule Sau» ist in der Tat beleidigend und es ist nicht zu verstehen, weshalb der Umstand, dass jemand homosexuell ist, als Beleidigung herbeigezogen werden kann.

Auch ist nicht begreiflich, dass die Tatsache, dass jemand aus dem Balkan stammt, als Beleidigung gelten soll.

Jemanden mit dem Körperteil eines Tieres oder Menschen zu vergleichen, ist bereits aus der Antike bekannt und hat in allen Kulturkreisen eine lange Tradition. Weshalb ist nichts dazugekommen? Die Beleidigung «Du Windows!» könnte doch hervorragend herangezogen werden, um jemandem klarzumachen, dass er nicht richtig programmiert ist, also etwas gaga ist. Oder «Du blöder SUV!» statt «Breitarschiger, egoistischer Idiot!».

Es ist also festzuhalten, dass die moderne Technologie bisher nicht in das Vokabular des Schimpfes Einzug halten konnte.

Es sei an dieser Stelle auch auf ein Lied des Schweizer Musikers und «Landesbarden» Mani Matter verwiesen, der mit «Schimpfwörter sy Glückssach» wenigstens einige der Schimpfwörter, wenn nicht gleich salonfähig, so doch als Teil der Schweizerdeutschen Sprache gefestigt hat.

Heutzutage ist der Schimpf aus allen Bahnen ausgebrochen. Wo er früher noch mit Lust vollzogen wurde, ist es heute nur noch gehässiges Gebrabbel. Auch hat die ganze Genderisierung, politische Korrektheit und der ganze Sprache zerfleddernde Unsinn dem Schimpf geschadet, dass es einer Kastration gleichkommt. Weibliche Geschlechtsteile dürfen zum Beispiel ausser von Jugendlichen und Rappern nicht mehr verwendet werden. Natürlich ergibt es schimpfmässig Sinn, einen Kerl mit einer Vulva oder den äusseren Schamlippen zu vergleichen. Dass heute Frauen dieses Schimpfwort als Beleidigung für die Frau an sich verstehen, ist natürlich einer als positiv zu beurteilenden gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet, dem Schimpf aber schadet es natürlich ohnegleichen. «Du Tunte!» darf natürlich nur noch von Homosexuellen selber verwendet werden und auch das böse N-Wort wird nur noch von schwarzen Menschen in der Musik oder im Film verwendet.

Zu hinterfragen ist, ob der im Schweizerdeutschen noch immer gebräuchliche spöttische Schimpf «Du besch scho weder de Neger!» als Schimpf gelten darf oder nicht, denn immerhin meint man damit, dass der andere ein Opfer ist. Es verweist also auf die oft noch unter Diskriminierung leidenden Mitbürgerinnen und Mitbürger mit dunkler Hautfarbe. Andererseits impliziert es eine vom Rassismus geprägte Annahme, nämlich, dass schwarze Menschen minderwertig und daher Opfer sind.

In der Antike galt das gegenseitige Beschimpfen vor dem Kampf oder einer Schlacht noch als Tugend, und ein guter Schimpf wurde selbst vom Feind bzw. Beschimpften mit Beifall quittiert. Hierzu könnten vielleicht die Rap-Battles als Vergleich herbeigezogen werden.

 

Das Schimpfwort beim Fluchen

Schimpfwörter, die beim Fluchen verwendet werden, sind, wie anfangs erwähnt, einer zweiten Kategorie zuzuordnen. Auch ihr Ursprung geht weit in der Geschichte zurück und sind – wie in vielen Sachbüchern, unter anderem «Asterix als Gladiator», festgehalten wurde – äusserst farbig gestaltet gewesen.

Der Mensch muss sich abreagieren können. Das innere Gleichgewicht kann trotz Meditationen oder geistigen Schulungen wie dem Kolinahr ins Wanken geraten. Das Fluchen kann dabei helfen, sich wieder einzupendeln, anstatt den Ärger herunterschlucken und später an Herz-Kreislauf-Störungen oder psychischen Leiden erkranken zu müssen.

Die meist im Affekt geäusserten Schimpftiraden sind allerdings meist wenig fantasievoll und beschränken sich auf «Gopf!», «Verdammt!», «Ahh, Scheisse!» (französisch «Merde!»), «Fuck!» und Ähnliches. Ausrufe wie «Himmelherrgottnochmal!» bringen ein Unverständnis der göttlichen Fügung zum Ausdruck, wohingegen «Verdammter elender Dreckmist!» auf Objekte bzw. deren nicht oder ungenügendes Funktionieren zielen.

Dass sogenannte Kraftausdrücke Schmerz besser aushalten lassen, bewies in Experimenten schon der Psychologe Richard Stephens. Er ging davon aus, dass Schimpftiraden bei der Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, das die Weitergabe von Schmerzreizen einschränken kann, behilflich sein können.

 

Abschliessende Worte

Abschliessend soll noch festgehalten werden, dass der Gebrauch von Schimpfwörtern allgemein üblich, in der Schweiz jedoch nach wie vor verpönt ist. Werden Schimpfwörter gegen eine Person gerichtet, kann dies je nach Schimpfwort rechtliche Konsequenzen haben.

Wird in übelster Wortwahl geflucht, kann das als Sittenwidrigkeit oder Störung des Friedens oder Störung religiöser Gefühle bzw. Beleidigung des Glaubens geahndet werden.

 

Schimpfwörter sollten also wieder mit mehr Verstand, Fantasie und Respekt benutzt werden. Im Gegenzug sollten die Zimperlichkeiten abgelegt und stattdessen mit gleicher Münze zurückgegeben werden, auf dass wir wieder ausgiebigen und die Umstehenden unterhaltenden Wortgefechten lauschen können. Von Beleidigungen auf Kosten Dritter, auf Kosten von Minderheiten wie (oder Mehrheiten wie im Fall der Frauen) ist abzusehen.

Wer sich dem Vergnügen des Schimpfes hingeben will, sollte dies mit Bedacht tun und die Konsequenzen bedenken. Aufgrund des leider längst abgeschafften Duell-Verbots ist also vor einer Eskalation aufzuhören.

Wer übrigens festgestellt hat, dass wir nicht über das Schimpfen mit Kindern und Jugendlichen geschrieben haben, darf sich einer scharfen Beobachtungsgabe rühmen, und uns ob der Unterlassung schimpfen.

In diesem Sinne: «≈Ωx!øπ®!!!»

 

 

 

 

Substanzerhalt

Die vermaledeite Gravitation ist dafür verantwortlich, dass mehrgeschossige Häuser Treppen brauchen. Man sollte sich also überlegen, ob man sie nicht abschaffen möchte, denn dadurch könnte viel Geld gespart werden.

Wie auch immer, Treppen sind leider ein Muss.

Vom zweiten Stockwerk der Löffelburg führte eine Treppe steil hinan in den Dachstock, wo sich nun das Büro befindet. Ich schreibe mit Bedacht «führte», denn wo einst eine Treppe war, führt nun eine Art Katzentreppe hinauf.

Was war geschehen? Ein Schreiner war geschehen. Oh Lignarius, oh Vidulum!

Also die alte Treppe, ein mit grauem Spannteppich überzogenes hässliches Ding, schief, knarrend und mit Stufen, von denen sich jede in Tiefe und Neigung in einem Mass von den anderen unterschied, dass man sich manchmal fragte, ob sie dies mit Absicht tat.

Das Teil musste also raus und eine neue Treppe rein. Diese wollte ich zusammen mit dem Schreiner Bruno Boog bauen. Doch als dieser kam und meine hässliche alte Treppe sah, war er vor Freude ganz aus dem Häuschen. «Eine gotische Treppe!»

Na toll, dachte ich, demnach wird es teuer! Die Treppe mit Baujahr ca. 1617 habe ich nun abgebaut. Die einzelnen Stufen werden gereinigt, wieder instand gesetzt und danach wieder montiert.

Dann werde ich eine aufgefrischte hässliche alte  Treppe haben, aber ich werde sagen können: «Die ist vierhundert Jahre alt und original!»

Substanzerhalt, sagen die Denkmalpfleger/innen dem. Und wer denkt an die Substanz in meiner Brieftasche?

Denkmalpflege …

Unten die Abbildung einer gotischen Treppe aus dem frühen 16. Jh. Die Treppe in der Löffelburg hätte ähnlich ausgesehen. Leider hat man den Stufen in den 1950er-Jahren die «Nase», also das kleine vorstehende Profil abgehackt, um sie besser mit Brettern einkleiden zu können.

Gotische Holztreppe aus der Einhardtbasilika im Odenwald. Quelle: http://treppenforschung.de/stile_1/gotik/

Und hier das Foto des einzigen Fundes aus der Treppenverfüllung aus Tannreisig, Staub, Schmutz, Blättern und Ästen – ein Klaueneisen, also ein Hufeisen für Rinder und Ochsen. Das Eisen ist mit 12cm relativ klein und wurde wohl für die Klaue (links vorne) eines Rindes angefertigt.

Klaueneisen (LB_001-78) aus Treppenverfüllung Treppe R27/R30.

Pyrus Kyglozya Smy

Kommunikation ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Wirklich sehr kompliziert.

Wenn das Gegenüber nicht dieselbe Sprache spricht, ist es noch schwieriger, und wenn es dazu aus einem gänzlich anderen Kulturkreis stammt, können auch schon mal Tränen fliessen.

Aber all das ist Pipifatz gegen den Versuch der Kommunikation mit extraterrestrischen Lebensformen. Ich sage das nicht einfach so dahin.

Aber von Anfang an.

Kegel IV – mit richtigem Namen Kyglozya, ist ein wirklich unglaublich langweiliger Planet im System Alpha Centauri. Aufgrund mehrerer SF-Serien und Filme der Sechziger- und Siebzigerjahre glauben die meisten, dass es da von sexy blauen Frauen mit ultraengen Bikinis nur so wimmelt. Pustekuchen! Kyglozya ist der vierte Planet der αCentauri und befindet sich 165’235’971  km, also 1.10453424388 astronomische Einheiten, von αC entfernt. Bedenkt man die Grösse von αC, ist schnell klar, dass es auf Kegel IV recht warm sein muss. Ist es auch.

Bevor ich am südlichen Ende eines der vier Kontinente landete, vergewisserte ich mich erst, dass dort einigermassen angenehme Temperaturen herrschten. Ich gab mich mit den 64,4 °C zufrieden und stellte die Klimaanlage meines Skaphanders auf «gemütlich».

Vier Regeln, die Sie bei Neuerkundungen von Planeten beachten sollten:

  1. Feind Nr. 1 bei Ersterkundungen ist die Langeweile. Wer glaubt, auf jedem Planeten würden die Abenteuer warten wie auf einen J. T. Kirk, der irrt sich gewaltig. Es ist meist so unglaublich langweilig, dass man sich einfach wieder in die kryogenische Kammern wünscht, um der Routine entkommen zu können, die so eine Ersterkundung mit sich bringt. Proben nehmen, Notizen machen, Dokumentieren und noch mehr Proben nehmen.
  2. Vergewissern Sie sich beim Probennehmen, dass es sich nicht um eine Lebensform handelt. Das kann sich unangenehm auf Ihre Rückreise auswirken!
  3. Ein Erstkontakt durch ansässige Lebensformen ist oft kaum als solcher zu erkennen, ich benötigte mehrere Tage, bis ich auf Gounthackrnd erkannte, dass meine Kopfschmerzen von der telepathischen Kontaktaufnahme durch die dort lebenden feuerwanzenähnlichen Käfer kamen. Halten Sie sich also bereit, auf jede ungewohnte Veränderung adäquat reagieren zu können.
  4. Pinkeln Sie nur im Raumschiff. Das Urinieren an vermeintliche Bäume kann Sie Ihr Leben kosten.
  5. Nehmen Sie nie etwas mit nach Hause!

Gerne würde ich jetzt behaupten, dass ich mich auskenne und immer den Durchblick habe. Tatsache ist, dass ich jeden Fehler mache, den man machen kann, und das meist sogar zweimal.

Zurück zu Kegel IV. Nach meinem kleinen Ausflug auf dieses öde Stück Felskann ich davon ein Lied singen, das gut und gerne auch als sechsstündige Oper aufgeschrieben, einstudiert, uraufgeführt, verfilmt und nach Teil VI wieder in den staubigen Kellern der Filmgesellschaft verschwinden und vergessen werden könnte. Schuld war die eklatante Missachtung von Punkt 4.

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Die «Pyrus Kyglozya Smy», also «Die von Smy auf Kyglozia gefundene Birne», so nannte ich stolz die Frucht, die ich eines Tages in einem von durch den stetigen Wind wie Steinpilze geformten, von  Felsen, beschatteten kleinen Tal fand.

Natürlich nahm ich sie mit nach Hause.

Frisch aus dem Vakuumbeutel hielt ich sie stolz den Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung für Flora und Fauna des Kantonsmuseum Luzern vor die Nase.

Nachdem ich ausführlich und unter Miteinbezug jedwelcher Übertreibung und Ausschmückung den Hergang der Entdeckung und die Gründe für die Missachtung von Regel 4 erläutert hatte, stellte ich das garstige Ding auf den Tisch und wir begutachteten es ausführlich.

Als das gefährlich aussehende Teil so auf der grauen Platte lag, robbte sich, ganz von alleine, ein USB-Kabel des Computers zu der Frucht hin, worauf bei der ein kleiner Schlitz aufging und sich das Kabel einstöpselte.

Noch bevor wir reagieren konnten, ging das Licht aus. Wie ich erfuhr, offenbar in ganz Beromünster. Zwei Minuten später ging es wieder an, der Computer fuhr hoch, machte piepsende und wimmernde Geräusche. Wir starrten auf den Bildschirm. Und warteten. Und warteten.

Da plötzlich erschien, wie das in SF-Filmen halt so ist, auf schwarzem Hintergrund in grünen Buchstaben «hi».

Was wollten wir tun? Jeder von uns in der Abteilung ist natürlich in extraterrestrischer Kommunikation geschult – was im Übrigen nicht mehr bedeutet, dass der Austausch von Schnaps und Glasperlen und ein freundliches «How!» noch lange keine Kommunikation bedeutet. Wir schauten uns also ratlos an und letztlich blieb mir nichts anderes, als «Hallo» zu schreiben.

Nach etwa drei Minuten Warten schrieb es auf dem Bildschirm: «Ein Rabbi, ein Cowboy und ein nacktes Krokodil kommen in eine Bar. Sagt der Cowboy zu dem Rabbi …» Nun, den Rest will ich euch ersparen. Die angestöpselte Frucht erzählt seither ununterbrochen Witze. Erdenwitze wohlgemerkt. Sie holt sie sich aus dem Internet und auch das Trennen des Computers von demselben beendete das absurde Treiben nicht.

Es wird wohl Jahre dauern, bis der Kegelbirne die Witze ausgehen. Bis dahin müssen wir einfach abwarten. Geduldig warten und hoffen, dass danach ein spannenderes Thema oder vielleicht sogar eine Unterhaltung folgt.

Kommunikation ist eine komplizierte Sache und scheitert meistens an den Missverständnissen, die sich automatisch ergeben, wenn zwei Lebensformen, welcher Art und Herkunft auch immer, sich begegnen.

Kunst und Geschichte in einem Haus. Der Löffelburg-Blog aus Beromünster.