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Trappist 1

Trappist-1
Gerade einmal vierzig Lichtjahre von der Erde entfernt leuchtet der kleine rote Zwerg Trappist-1, der von sieben kleine Planeten umkreist wird.

Der siebente, ist der einzige auf dem man es sich einigermassen gemütlich machen kann. Seine BewohnerInnen nennen ihn liebevoll C∆ºª@}{|[] – ≠ ∆ºΩ }{©°°†ªƒ °ƒ©ƒƒ ¡°Ω}≠¿§ °ozut.[ kiuz |{{ oiuz €i®p®ø†iz0098 ], und das kann ich gut nachvollziehen, denn er ist zwar recht abstrus aber herrlich anzusehen.
Die Vegetation, die eigentlich keine Vegetation im herkömmlichen Sinne ist sondern eher wie unsere Eukaryoten, also weder zur Tier noch zur Pflanzenwelt gehörend, und damit etwa den terrestrischen Pilzen ähnlich, ist gigantisch.
Da der Planet gerade einmal 0.62Erdmassen hat ist entsprechend auch die Gravitation niedriger und dafür alles gross. Manche der «Bäume» sind an die hundertdreissig Meter hoch, und selbst die kleinsten überragen mich um ein Vielfaches.
Das ganz besondere aber an diesem Planeten ist nicht nur das Licht, die kleine rote Sonne und die sechs Begleiter von denen mindestens zwei immer wie ein Mond am Himmel zu sehen sind, sondern das Leben auf diesem Planeten. Denn es ist intelligent. Alles. Mit Ausnahme einiger einzelligen Lebensformen und Bakterien ist da alles am Denken und Plappern.

 

Landung auf T8
Der Bordcomputer weckte mich um halb vier Uhr morgens mit einem freundlichen «Aufstehen Liebling, dein Planetensystem ist da!»
Müde öffnete ich die Augen und verfluchte mich, dass ich den blöden Computer immer noch auf Werkeinstellung hatte.
«Flieg uns in einen Orbit um T8 und lass mich schlafen» motzte ich den unschuldigen Rechner an, drehte mich um und schlief weiter.
Mit einem Kaffee in der Hand sass ich im Achterdeck vor dem Aussichtsfenster und schaute zu diesem farbigen Etwas hinüber. Der Planet sah aus wie ein LSD-Trip. Die Atmosphäre war rosa und darunter flagellierten die unglaublichsten Farben meine Augen.
Ich suchte auf der Oberfläche nach etwas was wie eine Zivilisation aussah, konnte aber nichts sehen. War eh nur ein dummer Versuch, denn das absolut primitive Dasein das die Menschen der westlichen Welt «Zivilisation» nennen, konnte sich auf kaum einem, von intelligentem Leben bewohnten Planeten durchsetzen.
Abgesehen davon, dass die meisten so etwas gar nicht brauchten oder wünschten, hat sich in meistens gezeigt, dass es auf Dauer nicht Zielführend ist.

Um 0900 setzte ich auf einer Art Lichtung zur Landung an, prüfte noch einmal meinen Skaphander und öffnete die Aussenluke.
Sofort übermittelte mir der Kopfhörer die Geräusche von Draussen. Ein zwitschern und Flüstern und Raunen das den ganzen Planeten einzudecken schien.

Wie es meine Art war rief ich ein lautes «Ich grüsse euch!» und wartete darauf ob ich Antwort bekam oder nicht.

 

Kontakt
Der Erstkontakt war unerwartet heftig, schmerzvoll und verwirrend.
Nebst dem Effekt, dass das Zwitschern, Summen und Raunen um den Faktor hundert lauter wurde, schien man mich auch telepathisch zu begrüssen oder abzuchecken. Genau konnte ich das nicht sagen, da ich kein Wort verstand, beziehungsweise die Vorgänge in meinem Hirn nicht mehr steuern konnte. Ich verabschiedete mich mit einem gestöhnten «Shit!» in eine Sendepause.

Als ich erwachte war es still in meinem Kopf, und auch draussen schien man sich beruhigt zu haben.
«Wir grüssen dich!» raunte eine Stimme in meinem Kopf.
Na also – Erstkontakt!

Der Philosophische Planet
Wie sich in meinen Gesprächen auf diesem Planeten herausstellte, gab es fast nur ein Thema. Philosophie. Ich erfuhr, dass man Gesprächsstoff wie Wetter, Essen, Technik, Physik oder Geschichte früher durchaus schätzte, und selbst gänzlich unwichtigen Themen wie Mode, Glaube oder Beziehungskram früher nicht abgeneigt war, diesen im Laufe der Äonen ihres Bestehens jedoch als ebendies, nämlich unwichtig, erkannte und einfach sein liess.
Das sich diese Lebensform nicht körperlich fortpflanzte war das Thema Beziehungskram das erste was wegfiel. Die Mode auf dem Fusse. Glaube und Religion hatten vor einigen hunderttausend Jahren ein kurzes Erblühen, doch das Thema zeigte sich als wenig ergiebig, denn man befand, dass es wenig logisch sei etwas zu glauben. Wo sollte das hinführen?

Die Naturwissenschaften machten für diese Lebewesen ebenfalls wenig Sinn. Zwar wurde allerlei erörtert und auch experimentiert, doch es brachte sie nicht wirklich weiter.
Die Philosophie war letztlich das einzige was ihnen Spass machte. Wenn eine Lebewesen sich weder bewegen noch mit Händen tätig werden kann, ganz auf das was das Gehirn ermöglicht beschränkt ist, dann ist die Philosophie, so ergebnislos sie letztlich ist, eine gute Wahl zum Zeitvertreib.
Jedenfalls für einige tausend Jahre. Aber dann? Die T8ler waren ausgehungert. Sie hatten sich im Kreis gedreht. Von einem «Ich denke also bin ich», «Ach wirklich, was denkst du denn?» «Das geht dich gar nichts an», «Dann lass es doch bleiben», «Die Frage ist nicht ob man denkt sondern wie man zu denken beginnt und welche Formen des Denkens, welche Rahmenbedingungen, welche Konstrukte man dem Denken auferlegt.» «Ach hör doch auf mit dem Mist. Denken ist unwichtig, die Gedanken sollen sich selber überlassen, uns zu höherem führen.» «Das nennst du Philosophie?» «Besser als dein ich denke also bin ich.» zu einem «Es ist zu bedenken, dass alles was wir sehen nur deshalb gesehen wird, weil wir die geistige Fähigkeit haben es als das zu erkennen was es ist.» «Und was ist es?» «Das weiss ich doch nicht, das was wir sehen eben. Du kannst einen Stein nur als Stein erkennen, wenn du weisst was ein Stein ist.» «Dann muss ich aber erst wissen ob ich etwas überhaupt erkenne, und ob ich dem Glauben schenken kann.» «Mach doch nicht immer alles so kompliziert.» «Ach jetzt mache ich kompliziert? Damit du erkennen kannst dass ich kompliziert bin musst du selber kompliziert sein! Ha da hast du mal!»

Kurz gesagt, es wurde ihnen irgendwann einmal fad und als ich dort ankam waren sie derart ausgehungert, dass sie mich nach philosophischen Konzepten löcherten.

Da ich jedoch kein Philosoph bin und mich in der Thematik auch nicht auskenne, blieb mir nichts anderes übrig als von meinem Bordcomputer die ganze Datenbank nach Philosophischen werken durchforsten zu lassen. Dann spielte ich das Ganze auf ein tragbares Gerät, stellte dieses auf die Lichtung und stellte auf Endlosschleife.
«Ihr habt genügend Zeit. Lasst es einfach laufen. Ihr findet darin alles von der Antiken griechischen Philosophie über die Chinesische Philosophie die jüdische, christliche und islamische Philosophie, den Strukturismus, den Konstruktivismus und den Existentialismus, den Kantianismus und die Kohärenztheorien. Natürlich die marxistische Philosophie und den Pragmatismus, den Positivismus, den Nihilismus und die Scholastik. Kurz, ihr findet darin jeden Unsinn der je durch eines irdischen Philosophen gesickert ist.»

Andere Möglichkeiten
«Du scheinst keine allzu grosse Meinung von der Philosophie zu haben.» meinte ein Stängel links von mir.
«Ach je, sie scheint mir halt, im Gegensatz zu echter Arbeit, nicht viel zu bringen. Natürlich verstehe ich weshalb ihr euch damit beschäftigt, immerhin fehlt euch der Daumen um einen Hammer zu halten, aber wo wird euch das letztlich hinführen? Muss dann nicht in letztendlicher Konsequenz der Gedanke «Ich höre auf zu denken, dann kann ich sein» stehen? Und was dann? Wie soll dieses sein aussehen? Also ich würde mich lieber auf die Dichtkunst oder Literatur verlegen. Dann könntet ihr euch wenigstens gegenseitig mit immer neuen Aufsätzen und Gedichten unterhalten.»
«Was sind Gedichte?» Fragte ein wie ein übergrosser Lattich Aussehender.
«Ich geb euch einige Beispiele
Impro zu jetzt, ein Limerick:
Auf diesem Planeten es standen
Philosophen die rührend gestanden
Wir kommen nicht weiter
Es ist nicht mehr heiter
Wir möchten bei besserem landen

Ein Haiku
fliegendes Raumschiff
Der weite Raum dahinter
Vergessene Zeit

Fallendes Pantone 7476
Herabfallendes Pantone 7476.
Wohin? Wohin?
Flieht ihr Narren, flieht!
Das Pantone fällt. Und fällt.
Drohend über den Köpfen.
Aus den Trauben der Fliehenden
lösen sich Einzelne,
knien und beten.
Dummköpfe!
Das Pantone fliegt und fällt und fällt
und Krach!
Den Dummköpfen auf den Kopf.
Da liegen sie im Gras und darauf
das Pantone 7476.
Ganz relaxt liegt es und schnurrt.
Dann hüpft es den Fliehenden hinterher.

Endlos
Ich liege und träume
eine Welt ohne Säume
Endlose Räume
kein Unten kein Oben
kein Himmel kein Boden
Alles verwoben

Das Auge
Über das Auge hinaus
sah ich die vierzehn Elefanten
fliegend!
Doch keiner zum Anbeissen
keiner zum Tanzen
nur der Schwippschwager
des Mannes mit dem Besen
der wollte trinken.
Was sollte ich tun?
Weiter sehen. Weiter sehen!

Doch dort war ausser Gehölz
und dem Echo eines Zuges
Nichts.
Tassen vielleicht und Scherben.
Ja Scherben.
Und eine Klarinette.

Weiter trieb der Blick.
Schwappte mit den Träumen hinüber.
Dort sah ich, es ist wahr,
Goldene Lampions und
Stühle aus Marzipan.
Und die vierzehn Elefanten
blickten mich an
und lächelten.

Alte Maschine
Alte gebrauchte, noch immer nützliche
Farbe abblätternde und Schlick anhäufende
grünblau graugraue
verschlauchte, Schrauben zerstörende
Lappen und Lumpen fressende Maschine!
Arbeitende, mit Arbeiter arbeitende,
Arbeiter bearbeitende;
Zeit schenkende und
in Anspruch nehmende Maschine!
Ich sehe dich, und habe keine Ahnung,
was zur Hölle du eigentlich machst!

Das sind Gedichte. Natürlich haben wir auch noch Klassiker von Früher. Schiller Göthe und so weiter.
Aber die hab ich grad nicht zur Hand. Auch seht ihr, dass die Gedichte sich mit Dingen der Menschen und ihrer Umwelt befassen. Ihr könnt es Inhaltlich wohl nicht verstehen.
Aber he, ihr könnt Gedichte über eure eigene Welt und über euch selber erfinden.»
«Nun ich weiss nicht, diese Gedichte und das alles, wozu soll das nützlich sein?»
«Tja wisst ihr, man drückt damit komplizierte Dinge einfach aus. Oder umgekehrt.»
So gingen unsere Gespräche hin und her und so einigten wir uns darauf, dass ich ihnen aus der Datenbank auch noch alle Poesie und Literatur auf das Gerät lud. Nun kamen abwechslungsweise Philosophische Traktate mit Gedichten und Romane.
Ich war mir, als ich abflog, nicht sicher ob ich das Richtige getan hatte. Immerhin habe ich mir einmal aufgetragen mich nie einzumischen. Andererseits habe ich diese Auflage noch nie eingehalten und mich immer eingemischt. Oft habe ich dabei alles falsch gemacht, aber das ist einfach das Risiko der Raumfahrt und meines abenteuerfreudigen Charakters der mutig vorwärts stürmt wo Engel furchtsam weichen. Dies meist ohne Sinn und verstand aber mit einem gehörigen Mass Spass. Zudem übte ich schon immer Kritik an der reinen Vernunft.
Euch Leserinnen und Leser kann ich aber beruhigen, denn ich bin vor kurzer Zeit wieder dort in der Gegend gewesen, habe einige ihrer Gedichte auf Alpha Centauri vertickt und damit einen Höllen-Boom ausgelöst. Die philosophischen Gedichte der T8ler sind der Hype. Schade dass die Moneten von Alpha Centauri hier auf der Erde absolut nichts wert sind. Ich wär sonst verdammtnochmal reicher Gott!

©Smy, 2019

Von oben betrachtet

Ab und zu brauch ich etwas meine Ruhe. Gestern stieg ich also in mein Raumschiff, und parkte damit im Orbit über dem Atlantik. Unter mir nichts als Blau und Weiss. Wunderbar.

Damit ich richtig entspannen konnte, sog ich meinen Skaphander an, und hängte mich an einer Sicherheitsleine an die Aussenhülle. Liess mich einfach in der Schwerelosigkeit treiben und genoss die Aussicht. Der Bordcomputer packte mir etwas Pink Floyd aufs Intercom («Cracy Diamond», «Dark Site of the Moon») und so sinierte ich etwas über die Welt nach.

Ist man da draussen, das wird jede Astronautin und jeder Astronaut bestätigen, sieht man die Welt anders. Sie ist ein kleiner blauer Ball im Nichts.

Dessen ungeachtet versuchen gerade wieder einmal ein paar Hornochsen, Diktatoren, geistig minderbemittelte Faschisten (und -sozialisten), Wirtschafts- und Religions-Terroristen und anderes Volk die Macht an sich zu reissen und diesen blauen Planeten und alles was darauf ist, nach Lust und Laune zu knechten, auszubeuten, und umzubringen.

Butrofghjiksztropll

Das erinnert mich an einen Planeten den ich einmal besucht habe. Es war ein recht kleiner Planet und das Volk das ihn bewohnte hatte es satt sich länger von machtbesessenen Irren an der Nase herumführen zu lassen (was bei deren Nasen eine umso grössere Unverzeihlichkeit war).

So gab es irgendeinmal eine Revolte und der Diktator wurde gestürzt. Man richtete eine Art Demokratie ein. Nach den Jahrtausenden der Unterdrückung waren sie sich sowas aber noch nicht gewohnt und so misstrauten sie selbst den von ihnen selber gewählten Vertreterinnen und Vertretern. Da kam einer auf die findige Idee, dass man den PolitikerInnen ein Halsband anziehen könnte, das mit einer sehr leistungsstarken Batterie ausgestattet war. Würde eine oder einer von denen dann seine Macht missbrauchen, könnte man darüber abstimmen ob das Halsband aktiviert und seine Trägerin oder seinen Träger ins Jenseits schicken würde.

 

Ich habe mir das angesehen, aber nachdem das Volk in einer Sonnenrunde (ca. 484 Erdentage) an die zweihundert VolksvertreterInnen terminiert hatten, schritt ich ein.

Demokratie

«Liebes Volk von Butrofghjiksztropll. So könnt ihr nicht weitermachen. Kaum macht einer etwas was euch nicht gefällt bringt ihr in um. Wie lange könnte das gut gehen? Es ist nicht meine Absicht mich in eure Angelegenheiten einzumischen, aber seid ihr mit eurem system wirklich zufrieden?»

Das Volk studierte einige Zeit und kam dann zum Schluss dass es nicht zufrieden war und manche schämten sich sogar etwas, weil sie sich haben überreden lassen zu terminieren.

«Was schlägst du denn vor Smy, du hast ja viele Welten besucht, was wäre die bessere Lösung?»

«Wo ich herkomme haben wir eine direkte Demokratie in der alle erwachsenen Bürgerinnen und Bürger unseres Landes abstimmen und wählen können. Das ist nicht immer die beste Regierungsart, aber es ist eine gute. Wie aber auch immer ihr das gestaltet, wenn ihr den Vertreterinnen und Vertretern keine Zeit lasst ihre Ideen umzusetzen, dann wird das nie etwas.

Wenn ihr wählt und abstimmt, dann muss euch bewusst sein, dass es damit noch nicht gemacht ist. Ihr braucht Parteien mit verschiedenen Ansichten, damit Lösungen erarbeitet werden müssen, die ein Kompromiss aus der schlechtesten und der besten Lösung sind.»

«Und wieso sollen wir nicht die beste Lösung wollen?»

«Weil es keine beste Lösung für ein Volk gibt. Ihr alle habt eure Meinung, und nur wenn ihr euch auf Kompromisse einigen könnt, werden alle mehr oder weniger gleich unglücklich und mehr oder weniger gleich glücklich sein.»

«Das scheint und sehr kompliziert und unbefriedigend!» rief da das Volk.

«Das ist es verdammt nochmal auch, und genau so soll es sein. Wäre es einfach, wäre es kein Kompromiss und die eine oder andere Hälfte würde sich irgendeinmal gegen die andere erheben.»

Die Butrofghjiksztroplli studierten auch über das eine lange Zeit nach und entschieden sich dann letztlich es zu probieren. Ein neues System wurde eingeführt und Walen und Abstimmungen abgehalten. Schiedsgerichte und Vermittlungs-Leute eingesetzt um Streitereien nicht ausufern zu lassen.

Voller Freude die gute alte schweizerische Demokratie für einen guten Zweck exportiert zu haben verabschiedete ich mich.

Das Ende

Einige Jahre später kam ich wieder an Butrofghjiksztropll vorbei und landete dort um zu sehen wie es dem Planeten inzwischen ging.

Zu meinem Bedauern musste ich feststellen, dass sie sich alle gegenseitig umgebracht hatten.

Ich konnte nicht herausfinden weshalb die Demokratie bei ihnen nicht funktioniert hatte aber aus dem was ich in den Ruinen in Zeitungen las, konnte ich erahnen, dass die jahrtausendealten Routinen einfach nicht so schnell überwunden werden konnten. Das Misstrauen, die Machtbesessenheit, der Egoismus der Einzelnen, all das sass so tief, dass das demokratische System scheiterte und die Prozesse des Zerfalls sogar beschleunigten.

Mich bedrückte das sehr und ich stellte ein Denkmal hin worauf stand «Dieses Volk scheiterte an seiner Geschichte!»

 

Als ich nun so im Weltraum hing und «Brain Demage» über das Intercom lief dachte ich daran wie viele Länder da unten waren die keine echte Demokratie kannten, oder diese erst vor wenigen Jahren oder Jahrzehnten eingeführt hatten. Es würde noch eine lange Zeit dauern, bis es auf der Erde keine Diktatoren wie Erdogan, Orban, Putin, Kim Jong-un’s, Assad und ein Dutzend anderer mehr geben würde. Und ich dachte auch an Dummköpfe wie Boris Johnson oder Donald Trump die letztlich schlimm waren, aber immerhin, wenn auch von einem seltsamen, aber immerhin politisch legitimierten Volk gewählt waren.

Dann schüttelte ich all diese Gedanken ab, wies den Brorcomputer an die Musik zu wechseln und genoss noch etwas Georg Kreisler, eh ich wieder an Bord ging und den Heimflug antrat.

 

 

Der Ursprung der dunklen Materie

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wirklich. Sehr unendlich. Fast so unendlich wie die Serie «Das Traumschiff». Fragt man sich, was denn hinter dem letzten der letzten der allerletzten Sternenkrümel kommt, die durch diese unendlichen Weiten treiben, dann fängt einem langsam das Hirn zu kochen an. Denn es wird schnell klar: Es geht noch weiter. Sollte das Universum nämlich doch nicht unendlich, sondern nur sehr gross sein, dann folgt daraus, dass es hinter der «Grenze» unseres Universums irgendwie weitergeht, und dahinter ebenfalls und so weiter. Echt ermüdend das. Hilft aber leider nicht beim Einschlafen.

Als ob das nicht genug wäre, ist das Universum auch noch unglaublich kompliziert. Vieles ist da, was wir nicht verstehen oder auch nur davon wissen. Schwarze Löcher, dunkle Energie, dunkle Materie oder die Schuhschränke unserer Frauen.

Bleiben wir beim Einfachen und nehmen uns die dunkle Materie und dunkle Energie vor.

Lassen wir es einfach. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die gemessene Materie  und Energie nicht mit den im Universum gemessenen Gravitationskräften und Expansionsdynamiken zusammenpasst. Was wir sehen, reicht nicht annähernd aus, um die beobachteten Bewegungen von Sternensystemen zu erklären. Bei Weitem nicht. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass heute gerade einmal 4,6 % der Materie im Universum sichtbar ist. Alles andere ist zwar da, aber nicht sichtbar. So wie bei dir oder mir, nur umgekehrt. Wir bestehen fast nur aus Leerraum mit ein paar Atomen dazwischen. Dass uns der Wind nicht zwischen den Atomen hindurchpfeift, liegt nur daran, dass Atome sehr klein und die Zwischenräume also entsprechend eng sind.

Was also ist diese dunkle Materie und dunkle Energie? Und gibt es noch mehr, von dem wir nicht wissen?

Die Abteilung Astrophysik und Phänomenologie des Kantonsmuseums Luzern hat sich der Frage angenommen und das Rätsel gelöst.

Bevor wir im Detail darauf eingehen, hier die Kurzform:

  1. Das Universum ist tatsächlich unendlich. Wir sind recht weit rausgegangen und sind erst umgekehrt, als wir zu einem Schild kamen, auf dem stand: «Hier beginnt die unendliche Outlet-Zone – kehren Sie um, wenn Sie schon genug Schuhe aus der letzten Saison haben!»
  2. Wir sind nicht alleine. Will heissen, dass dieses Universum nicht das einzige ist. Die Vorstellung allerdings, dass die Universen nebeneinander liegen, ist Unsinn. Sie liegen ineinander. Aberhunderte. Manche vergehen, andere entstehen, und genau das ist des Rätsels Lösung, denn:
  3. Es gibt keine dunkle Energie und auch keine dunkle Materie. Es gibt bloss die Beeinflussung unseres Raumes durch energetische Ereignisse in anderen Universen.

Auf Punkt eins wollen wir nicht weiter eingehen. Aber auf Punkt zwei und drei. Oh yeah!

Also stell dir eine grosse grüne Wiese vor, auf der ein kleines rotes Häuschen steht. Stell dir weiter vor, du hättest eine Brille, die dich ganz andere Dinge sehen liesse. Du würdest nun eine grosse grüne Wiese sehen, auf der auf derselben Stelle Dutzende kleine Häuschen stehen würden. Bungalows, Blockhütten, Chalets und Villen, Kugelhäuser und Erdlöcher, einige fahrrad- oder wurstförmige Hütten und Häuser. Einmal wird das eine etwas besser sichtbar, dann das andere. Das rote verschwindet in einem hellen Lichtblitz, und du siehst, wie da ein kleines grünes Etwas heranwächst, langsam Form annimmt, bis es zu einer niedlichen kleinen Datscha wird. Alle diese Häuser sind natürlich bewohnt, und keiner, aber auch wirklich keiner weiss, dass er nicht alleine ist. Nun, bis auf uns natürlich, denn wir haben das ja soeben entdeckt. Und dann gibt es noch …, nun ja, lassen wir das. Andere Geschichte.

Also: Unser Universum liegt mit anderen Universen an derselben Stelle im Raum. Das Interessante ist nun, dass Orte mit hoher Gravitation – wie Galaxien oder schwarze Löcher – Auswirkungen auf andere Universen haben.  Ebenso werden wir von ähnlichen Phänomenen in anderen Universen beeinflusst.

Ein Beispiel. Bring unter einem Karton beliebig viele Magnete an. Drehe den Karton um, sodass die Magnete unten liegen. Streue nun Metallspäne auf den Karton. Du wirst nun Ansammlungen von Metallspänen sehen. Orte, an denen sich Metallhaufen manifestieren. Genauso verlief das mit der Materie und Energie in unserem Universum, als es entstand. Orte, an denen in einem anderen Universum zum Beispiel eine Galaxie liegt oder ein schwarzes Loch, üben eine Gravitationskraft auf unseren Raum aus, und genau dort entstanden die ersten Galaxien.

Was nun die «fehlende» Materie im Universum oder die «fehlende» Energie betrifft, so fehlt diese nicht wirklich, sie ist einfach nicht in unserem Raum. Dass sich zum Rand des mit Materie gefüllten Raumes alles schneller bewegt als gedacht, liegt also daran, dass die Gravitation, die von den anderen Universen auf unsere Materie ausgeübt wird, selbstverständlich überall dieselbe Möglichkeit zu beeinflussen hat.

So, und genau so ist das. Über die sogenannte «Dunkle Information», eine Theorie, die von einem anderen gescheiten Kopf «in den Raum geworfen» wurde, berichten wir zu einem späteren Zeitpunkt.

Neue Bilder vom Schwarzen Loch

Absolut überwältigende Fotografien eines Schwarzen Lochs im Zentrum von Messier 87 (kurz M87, oder  NGC 4486 bezeichnet)

Wie bereits im April hier MESSIER 87  berichtet, habe ich damals das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie Messier 87 fotografiert. Wer sich erinnert, weiss sicher noch, was für eine gute Aufnahme das war. So gut, dass das Bild bei einer Google-Bild-Suche (Messier 87) ganz vorne mitmischt.

Nun, wie gut auch immer. Ich wollte mehr, ich wollte näher ran und vor allem: Ich wollte geilere Bilder.

Also tat ich das. Ist ja nicht so, dass Messier 87 nicht erreichbar wäre. Gut, den öV würd ich dafür nicht nehmen, aber die 55 Millionen Lichtjahre sind für meine Sally (so heisst nun mal meine Raumschiff, was wird da gegrinst!) ein Klacks.

Jedenfalls hab ich mich gestern auf den Weg gemacht und war so gegen drei Uhr in der Nacht dort. Nun ist die Galaxie doch recht gross und es dauerte eine Weile, bis ich im Zentrum war. Unterwegs hab ich bei Mthhgshhh noch einen kleinen Snack verdrückt, ihr wisst schon, in der kleinen Bar gleich hinter RRt*(/%>#|][Ç{}.

Nach einem Zigarettchen bin ich dann weiter zu dem mächtigen Schwarzen Loch. Natürlich konnte ich nicht wirklich nah ran. Immerhin ist es ein Schwarzes Loch von etwa (6,6 ± 0,4) × 109 Sonnenmassen. Abstand halten ist also ratsam. Ich zückte meine Leica mit dem grossen Tele und knipste ein paar Bilder.

Hier ist das beste davon:

Das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie M87, fotografiert mit einem 24-90er-Objektiv an einer Leica SL

Geil, oder? Seht ihr, wie die zerfetzten und lang gezogenen Sonnen und Wasweissichnichtwasalles von den mächtigen Eruptionen ausserhalb des Ereignishorizonts weggeschleudert wird, nur um dann wieder von der unglaublichen Gravitation angezogen zu werden?

In den Animationen im Fernsehen sieht das ja immer so friedlich aus. Irgendein schwarzes Etwas mit einem anderen verzerrten Etwas drum herum fliegt durchs Universum.

So ein Quatsch. Das ist echtes Drama hier. Sonnen, Sonnensysteme mit Dutzenden von Welten werden über Jahrmillionen immer näher und näher gezogen, bis sie letztlich zerfetzt werden und alles im Schwarzen Loch verschwindet. Sogar andere kleinere Schwarze Löcher können dabei sein. Das gibt dann einen richtigen Rumps!

Das Schwarze Loch in der Mitte der Galaxie M87, fotografiert mit einem 24-90er-Objektiv an einer Leica SL

Ich schaute dem Treiben eine Weile zu, hörte mir Shine On You Crazy Diamond von den Pink Floyd an und, ehrlich jetzt, wenn ich kiffen würde, dann hätte ich mir einen Ofen gebaut, der mindestens armlang und daumendick gewesen wäre.

Aber wer braucht schon Gras, wenn er ein Schwarzes Loch, Pink Floyd und das sanfte Surren von Sallys PCX Hypersol-Antrieb hat!

Pyrus Kyglozya Smy

Kommunikation ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Wirklich sehr kompliziert.

Wenn das Gegenüber nicht dieselbe Sprache spricht, ist es noch schwieriger, und wenn es dazu aus einem gänzlich anderen Kulturkreis stammt, können auch schon mal Tränen fliessen.

Aber all das ist Pipifatz gegen den Versuch der Kommunikation mit extraterrestrischen Lebensformen. Ich sage das nicht einfach so dahin.

Aber von Anfang an.

Kegel IV – mit richtigem Namen Kyglozya, ist ein wirklich unglaublich langweiliger Planet im System Alpha Centauri. Aufgrund mehrerer SF-Serien und Filme der Sechziger- und Siebzigerjahre glauben die meisten, dass es da von sexy blauen Frauen mit ultraengen Bikinis nur so wimmelt. Pustekuchen! Kyglozya ist der vierte Planet der αCentauri und befindet sich 165’235’971  km, also 1.10453424388 astronomische Einheiten, von αC entfernt. Bedenkt man die Grösse von αC, ist schnell klar, dass es auf Kegel IV recht warm sein muss. Ist es auch.

Bevor ich am südlichen Ende eines der vier Kontinente landete, vergewisserte ich mich erst, dass dort einigermassen angenehme Temperaturen herrschten. Ich gab mich mit den 64,4 °C zufrieden und stellte die Klimaanlage meines Skaphanders auf «gemütlich».

Vier Regeln, die Sie bei Neuerkundungen von Planeten beachten sollten:

  1. Feind Nr. 1 bei Ersterkundungen ist die Langeweile. Wer glaubt, auf jedem Planeten würden die Abenteuer warten wie auf einen J. T. Kirk, der irrt sich gewaltig. Es ist meist so unglaublich langweilig, dass man sich einfach wieder in die kryogenische Kammern wünscht, um der Routine entkommen zu können, die so eine Ersterkundung mit sich bringt. Proben nehmen, Notizen machen, Dokumentieren und noch mehr Proben nehmen.
  2. Vergewissern Sie sich beim Probennehmen, dass es sich nicht um eine Lebensform handelt. Das kann sich unangenehm auf Ihre Rückreise auswirken!
  3. Ein Erstkontakt durch ansässige Lebensformen ist oft kaum als solcher zu erkennen, ich benötigte mehrere Tage, bis ich auf Gounthackrnd erkannte, dass meine Kopfschmerzen von der telepathischen Kontaktaufnahme durch die dort lebenden feuerwanzenähnlichen Käfer kamen. Halten Sie sich also bereit, auf jede ungewohnte Veränderung adäquat reagieren zu können.
  4. Pinkeln Sie nur im Raumschiff. Das Urinieren an vermeintliche Bäume kann Sie Ihr Leben kosten.
  5. Nehmen Sie nie etwas mit nach Hause!

Gerne würde ich jetzt behaupten, dass ich mich auskenne und immer den Durchblick habe. Tatsache ist, dass ich jeden Fehler mache, den man machen kann, und das meist sogar zweimal.

Zurück zu Kegel IV. Nach meinem kleinen Ausflug auf dieses öde Stück Felskann ich davon ein Lied singen, das gut und gerne auch als sechsstündige Oper aufgeschrieben, einstudiert, uraufgeführt, verfilmt und nach Teil VI wieder in den staubigen Kellern der Filmgesellschaft verschwinden und vergessen werden könnte. Schuld war die eklatante Missachtung von Punkt 4.

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Die «Pyrus Kyglozya Smy», also «Die von Smy auf Kyglozia gefundene Birne», so nannte ich stolz die Frucht, die ich eines Tages in einem von durch den stetigen Wind wie Steinpilze geformten, von  Felsen, beschatteten kleinen Tal fand.

Natürlich nahm ich sie mit nach Hause.

Frisch aus dem Vakuumbeutel hielt ich sie stolz den Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung für Flora und Fauna des Kantonsmuseum Luzern vor die Nase.

Nachdem ich ausführlich und unter Miteinbezug jedwelcher Übertreibung und Ausschmückung den Hergang der Entdeckung und die Gründe für die Missachtung von Regel 4 erläutert hatte, stellte ich das garstige Ding auf den Tisch und wir begutachteten es ausführlich.

Als das gefährlich aussehende Teil so auf der grauen Platte lag, robbte sich, ganz von alleine, ein USB-Kabel des Computers zu der Frucht hin, worauf bei der ein kleiner Schlitz aufging und sich das Kabel einstöpselte.

Noch bevor wir reagieren konnten, ging das Licht aus. Wie ich erfuhr, offenbar in ganz Beromünster. Zwei Minuten später ging es wieder an, der Computer fuhr hoch, machte piepsende und wimmernde Geräusche. Wir starrten auf den Bildschirm. Und warteten. Und warteten.

Da plötzlich erschien, wie das in SF-Filmen halt so ist, auf schwarzem Hintergrund in grünen Buchstaben «hi».

Was wollten wir tun? Jeder von uns in der Abteilung ist natürlich in extraterrestrischer Kommunikation geschult – was im Übrigen nicht mehr bedeutet, dass der Austausch von Schnaps und Glasperlen und ein freundliches «How!» noch lange keine Kommunikation bedeutet. Wir schauten uns also ratlos an und letztlich blieb mir nichts anderes, als «Hallo» zu schreiben.

Nach etwa drei Minuten Warten schrieb es auf dem Bildschirm: «Ein Rabbi, ein Cowboy und ein nacktes Krokodil kommen in eine Bar. Sagt der Cowboy zu dem Rabbi …» Nun, den Rest will ich euch ersparen. Die angestöpselte Frucht erzählt seither ununterbrochen Witze. Erdenwitze wohlgemerkt. Sie holt sie sich aus dem Internet und auch das Trennen des Computers von demselben beendete das absurde Treiben nicht.

Es wird wohl Jahre dauern, bis der Kegelbirne die Witze ausgehen. Bis dahin müssen wir einfach abwarten. Geduldig warten und hoffen, dass danach ein spannenderes Thema oder vielleicht sogar eine Unterhaltung folgt.

Kommunikation ist eine komplizierte Sache und scheitert meistens an den Missverständnissen, die sich automatisch ergeben, wenn zwei Lebensformen, welcher Art und Herkunft auch immer, sich begegnen.