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Unglaublicher Fund in der Löffelburg

Unglaublicher Fund

Bei den Umbauarbeiten in der Löffelburg ist heute ein unglaublicher Fund zutage getreten. Ein Nagel! Aber nicht einfach irgendein Nagel.

Ein industriegefertigter, unbenutzter 80er-Zimmermanns-Nagel aus den frühen 1980er-Jahren!

Entschuldigen Sie die vielen !!!, aber das ist einfach wunderbar!

Nun denken Sie vielleicht: «He, spinnen die? Ist ja nur ein oller Nagel.» Aber das wäre viel zu kurz gegriffen. Verstehen Sie, was da dahintersteckt? Abgesehen von der Kulturleistung erzählt es auch noch Geschichte.

Die Kulturleistung Nagel

Oft geht bei den heutigen, als alltäglich angesehenen Dingen vergessen, welche Leistungen dahinterstehen und was sie über uns aussagen.

Der Nagel, früher noch von Hand geschmiedet – so zum Beispiel vom Nagelschmied Bernhard Brandstätter, der dies bis 1812 in der Löffelburg tat. Mit der Erfindung der dampfgetriebenen Maschinen kam die Industrielle Revolution und mit ihr die industrielle Fertigung von Nägeln aus Stahl.

Die Elektrizität wurde erfunden und die Maschinen wurden nun nicht mehr mit Dampf, sondern mit Strom betrieben. Doch es gab zu wenig Strom, denn der wurde nach wie vor aus Dampfmaschinen gewonnen. Unglaubliche Mengen an Steinkohle wurden dafür benötigt (die übrigens auch die Industrie-Essen beheizte, in denen der Stahl für die Kohle erst gegossen, dann gewalzt und danach im Endprodukt gefertigt wurden), und ganze Städte erstickten im Russ der Schlote. Die Sterblichkeitsrate stieg dermassen an, dass sogar die kapitalistischen Ausbeuter erkannten, dass es so nicht weitergehen konnte. Ja, kapitalistische Ausbeuter, denn im Kielwasser der Industriellen Revolution tauchte der Kommunismus auf. Seine Macht war schnell gefestigt und unter den Sozialdemokraten und Kommunisten wurden Gesetze zum Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter erlassen und Schimpfwörter wie «kapitalistischer Ausbeuter» erfunden.

So ging das weiter und weiterund eine Technologie führte zur nächsten.

Um 1812 benötigte Brandstätter noch ca. 20 Sekunden für einen Nagel.

Um 1912 fertigte ein Arbeiter 20 Nägel pro Sekunde.

Um 2012 fertigen roboterisierte Anlagen Aberhunderte Nägel pro Sekunde und Arbeiter benötigt es kaum noch.

Die Kulturleistung ist also nicht nur, dass man aus Stahl Nägel herstellt, die es ermöglichen, dass ein Stück Holz mehr oder weniger dauerhaft mit einem anderen Stück Holz verbunden werden kann, sondern auch, dass es niemanden mehr braucht, der diese Nägel herstellt.

Die Mikrogeschichte des Nagels LB_001_82

Um 1980 lebte in der Löffelburg die Familie des Ignaz Kappeler. Dieser baute an dem Haus auch immer wieder einmal dieses, einmal jenes um. Für die Löffelburg leider nicht zum Besten, doch dafür wollen wir Herrn Kappeler keinen Vorwurf machen. Zu dieser Zeit wussten die meisten Leute nicht, wie man mit einem Fachwerkhaus umgehen muss, damit es nicht zu Schaden kommt.

Jedenfalls wurde in den 1980er-Jahren die Schwelle von R27 zu R24 entweder erneuert oder repariert, denn es wurde zur Stabilisierung ein Stück Holz unter die Schwelle genagelt, um, so vermuten wir, ein Wackeln oder Quietschen der Schwelle zu unterbinden. Und bei dieser Gelegenheit muss demjenigen, der die Arbeit ausführte, der Nagel in die Ritze gerutscht sein.

Wollte er den Nagel herausfischen? Wenn ja, hat er sich geärgert, weil ihm ein schöner neuer Nagel verlustig gegangen war? Oder dachte er sich: «Ach was sollst, ist ja bloss ein Nagel!» Haben ihn wegen dieser verschwenderischen Gedanken Gewissensbisse gepackt oder war es ihm egal?

Wir wissen es nicht und werden es auch nie erfahren.

Der Nagel jedenfalls lag da und wurde erst Jahrzehnte später aus seiner nutzlosen Situation errettet.

Was nun tun mit dem Nagel?

Man könnte den Nagel, wie die anderen Fundstücke auch, beschriften und eintüten, in der Fundliste verzeichnen und dann, irgendwann, mit all den anderen Funden der Kantonsarchäologie Luzern überreichen.

Man könnte den Nagel benutzen. Ihn mittels eines geeigneten Hammers durch zwei Hölzer treiben und diese so in innige Beziehung bringen. Man täte etwas Gutes, Rechtschaffenes.

Man könnte ihn einfach in die Ritze zurücklegen und ihn einer anderen Zeit übereignen, einer ungewissen Zukunft und einem ungewissen Finder oder einer ungewissen Finderin. Würde sein unglaublicher Wert erkannt oder wäre es bloss ein Nagel oder aber, nicht einmal das, lediglich ein rostiges, dreckiges altes Ding?

Was denkt ihr? Teilt es mir mit – per Mail oder im Kommentarfeld.

Museen, die den Nagel ausstellen möchten, melden sich bitte bei unserem Kurator Herrn Simon Meyer. [mail]

DENDROCHRONOLOGIE

DENDROCHRONOLOGISCHE HOLZALTERSBESTIMMUNGEN

Am 14. Mai 2018 entnahm Raymond Kontic, Dendrochronologie und Baugeschichte in Basel, im Auftrag der Denkmalpflege des Kantons Luzern an der Löffelburg Holzproben in der auf dem Erdgeschoss liegenden Balkenlage, der Schwelle sowie Bodenbrettern für eine dendrochronologische Untersuchung.

Das Resultat in Kürze: Das Fälldatum der beprobten Hölzer ist Winter 1614/15, Winter 1615/16 und Frühling 1616.

Für all diejenigen, denen es nun in den grauen Herbsttagen zu Hause wirklich unglaublich fad wird, habe ich mir erlaubt, den dendrochronologischen Bericht hier als PDF zur Verfügung zu stellen. Ich verspreche, danach wird, auch wenn nichts geschieht, das immer noch spannender sein als der Bericht. Jedoch! Aufgehorcht! Spannend ist natürlich, dass wir mithilfe des Berichts festhalten können, dass der über dem Erdgeschoss liegende Teil der Löffelburg definitiv um 1616/17 gebaut wurde.

Dendrochronologischer Bericht

Die allerallererste Waffe

Aus dem Grabungsbericht vom 4. April 2018

«In der Schicht 4E wurde nebst kleinen Holzkohlenstückchen und versteinerten  Knochenfragmenten (noch nicht bestimmt) ein Stein  mit deutlichen Abschlagspuren gefunden. Der Silex ist in der Tiefe 7,8 cm, in der Breite 8,4 cm und in der dicksten Stelle 3,6 cm dick. Er weist an zwei gegenüberliegenden Seiten Abschlagspuren auf. T. P.»

2,5 Millionen Jahre alter Oldowan

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Mithilfe der Oberflächenexpositionsdatierung (TCN-Datierung) wurde die Zeit des Aufbrechens des Gesteins auf 2,489Mio Jahre vor unserer Zeit datiert (+/- 5’000).

Diese Information sowie die im selben Schichtabschnitt gefundenen Kohlestücke und inkohlten Samen halfen uns, den Hypertemporalen Persecutor HTS-Q7000 zu kalibrieren und den Oldowan, also die steinerne Schlagwaffe, bis zu dem Moment zurückverfolgen zu können, an dem der Abschlag vorgenommen wurde. Unser Mitarbeiter T.  (er möchte anonym bleiben) wurde mit dem HTS-Q7000 verbunden und berichtete Folgendes:

«Als ich zu Bewusstsein kam, sah ich durch das Hypertemporale Sichtfenster in eine recht grüne, mit leichtem Baumbestand bewachsene Landschaft. Vor mir war eine felsige Erhebung von ca. sechzig Metern. In der Felswand war ein Felsausbruch von etwa zwanzig Metern, der eine Höhle mit einer Tiefe von etwa zehn bis fünfzehn Metern bildete. Davor hatte der Felsabbruch einen kleinen Wall mit Geröll angehäuft. Viel des Gerölls ist jedoch an die zehn Meter den Abhang hinabgerutscht.

Es waren recht viele Hominiden in und vor der Höhle. Rechts von mir gab es irgendwelches Geschrei und ein Streit zwischen zwei Gruppen. Ich sah einen der Australopicinen, wie er einen flachen Stein nahm und einem der anderen auf den Kopf schlug. Der schien jedoch wenig beeindruckt zu sein. Der Schlagende bückte sich darauf und schlug seinen Stein an einen anderen Stein, wodurch ein Abschlag entstand. Mit diesem Stein schlug er nun dem anderen wieder auf den Kopf. Das Opfer fiel sofort um und blutete stark aus einer Kopfwunde. Dann zuckte es und tat keinen Wank mehr. Der Schlagende war sichtlich schockiert und warf den Stein weg. Der flog genau in meine Richtung und ich konnte deutlich unser Fundstück erkennen. Der zweite Abschlag, also der stumpfe, erfolgte durch den Aufprall auf einen Stein bei der Landung. Ich bin etwas schockiert, denn ich denke, dass ich hier gerade Zeuge des ersten Totschlags und der Erfindung der Waffe geworden bin!»

Das Beobachtete kann natürlich nicht wirklich als der erste Totschlag bewiesen werden, aber zumindest als der erste der Wissenschaft bekannte.

Seit 2,5 Millionen Jahren benutzt der Mensch Waffen, um andere zu verletzen oder zu töten. Das ist eine lange Zeit und lässt den Wunsch friedensliebender Menschen nach einer pazifistischen Weltordnung lächerlich erscheinen.

Wir würden uns sehr wünschen, dass es noch spätere Generationen von Archäologen geben wird, die unsere Zivilisation untersuchen können, und die nicht zum Schluss kommen müssen, dass wir für die kommende Katastrophe verantwortlich zeichnen.

Denn dass die Katastrophe kommt, haben wir bewiesen, denn unser Mitarbeiter S.  hat mit dem neuen HTS-Q8000 auch einen Hüpfer in die Zukunft gemacht und konnte dort eine kleine Ausgrabung machen. Dabei hat er das hier gefunden:

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Die Ausgrabung machte er im Jahr 2487 und er teilte uns mit, und das beweisen auch die Fotos, dass er kaum noch Spuren von Zivilisation ausmachen konnte. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Fund LB_001_79.1 und LB_001_79.2

Um endlich die grosse Anzahl Funde, die bei den Umbauarbeiten der Löffelburg zum Vorschein gekommen sind, abarbeiten zu können, will die Archäologische Abteilung des Kantonsmuseums Luzern-Löffelburg  nun etwas mehr Zeit dafür investieren.

Heute wurden die Funde LB_001_79.1 und LB_001_79.2 verzeichnet. Es handelt sich dabei um Fragmente einer Butzenscheibe sowie ein Fragment einer Kette/Gebetskette oder Ähnlichem.

Fragment ca. 17,5 cm einer Kette/Rosenkranz?. Es sind noch 9 Perlen (4-1-4) erhalten.; 5 Fragmente einer Butzenscheibe ø ca. 6,5 cm

Fundort: Die Objekte wurden in der südöstlichen Ecke der Bibliothek (R22) bei der untersten Bodenbretterschicht gefunden. Das Baudatum der Löffelburg und auch der älteste Boden gehen auf ca. 1617/18 zurück (Dendro: Fälldatum des Holzes 1616/17).

Eine Datierung anhand der Fundsituation ist jedoch nicht möglich, da die Objekte nicht zwischen den Brettern lagen, sondern in der Ecke, wo sich ein Freiraum zur Wandbole von ca. 1,5 cm befand. Sie könnten daher auch später dahin geraten sein.

Die Funde wurden verzeichnet und fotografiert und im Fundbuch der Löffelburg eingetragen.

Substanzerhalt

Die vermaledeite Gravitation ist dafür verantwortlich, dass mehrgeschossige Häuser Treppen brauchen. Man sollte sich also überlegen, ob man sie nicht abschaffen möchte, denn dadurch könnte viel Geld gespart werden.

Wie auch immer, Treppen sind leider ein Muss.

Vom zweiten Stockwerk der Löffelburg führte eine Treppe steil hinan in den Dachstock, wo sich nun das Büro befindet. Ich schreibe mit Bedacht «führte», denn wo einst eine Treppe war, führt nun eine Art Katzentreppe hinauf.

Was war geschehen? Ein Schreiner war geschehen. Oh Lignarius, oh Vidulum!

Also die alte Treppe, ein mit grauem Spannteppich überzogenes hässliches Ding, schief, knarrend und mit Stufen, von denen sich jede in Tiefe und Neigung in einem Mass von den anderen unterschied, dass man sich manchmal fragte, ob sie dies mit Absicht tat.

Das Teil musste also raus und eine neue Treppe rein. Diese wollte ich zusammen mit dem Schreiner Bruno Boog bauen. Doch als dieser kam und meine hässliche alte Treppe sah, war er vor Freude ganz aus dem Häuschen. «Eine gotische Treppe!»

Na toll, dachte ich, demnach wird es teuer! Die Treppe mit Baujahr ca. 1617 habe ich nun abgebaut. Die einzelnen Stufen werden gereinigt, wieder instand gesetzt und danach wieder montiert.

Dann werde ich eine aufgefrischte hässliche alte  Treppe haben, aber ich werde sagen können: «Die ist vierhundert Jahre alt und original!»

Substanzerhalt, sagen die Denkmalpfleger/innen dem. Und wer denkt an die Substanz in meiner Brieftasche?

Denkmalpflege …

Unten die Abbildung einer gotischen Treppe aus dem frühen 16. Jh. Die Treppe in der Löffelburg hätte ähnlich ausgesehen. Leider hat man den Stufen in den 1950er-Jahren die «Nase», also das kleine vorstehende Profil abgehackt, um sie besser mit Brettern einkleiden zu können.

Gotische Holztreppe aus der Einhardtbasilika im Odenwald. Quelle: http://treppenforschung.de/stile_1/gotik/

Und hier das Foto des einzigen Fundes aus der Treppenverfüllung aus Tannreisig, Staub, Schmutz, Blättern und Ästen – ein Klaueneisen, also ein Hufeisen für Rinder und Ochsen. Das Eisen ist mit 12cm relativ klein und wurde wohl für die Klaue (links vorne) eines Rindes angefertigt.

Klaueneisen (LB_001-78) aus Treppenverfüllung Treppe R27/R30.

LB_001_77.001-016

Derweil die halbe zentraleuropäische  Welt im Stau Richtung Süden stand und und etwas für die Klimaerwärmung tat, nämlich über Stunden bei laufendem Motor (Klimaanlage) Fahrzeugschnauze an Fahrzeugarsch sich gegenseitig die Abgase in den Zufuhrkanal für die Frischluft zu blasen und die Umgebungstemparatur um ca. 1.278°C zu erwärmen, während sich also dieser ganze geistesschwache Unsinn auf fast allen Autobahnen abspielte, machte ich wieder einmal Löcher in unser Haus. Genau gesagt ein Loch.

Wer über die Baugeschichte der Löffelburg bescheid weiss, dem/der ist auch bekannt, dass kaum je eine grössere Naturgewalt über das Haus gekommen ist als meine Wenigkeit – und dies inlusive der beiden verherenden Hochwasser und dem Dorfbrand.

Ein 10Kg Vorschlaghammer, ein Brecheisen und einen Bausauger. – nackte, rohe Gewalt, gepaart mit dem Verlangen aus alt neu zu machen und endlich mit dem Umbau fertig zu werden.

Gen Himmel hob Thor den Hammer empor

und wild war das Antliz des Asen

Hernieder krachte die himmlische Kraft

getroffen blieb das Gemäuer liegen.

So also tat ich im Treppenhaus des 2. OG, als ich den alten Einbauschrank der unter die Treppe zum Dachgeschoss verbaut war niederriss.

Doch bei allem Ungestüm, lass ich doch immer Vernunft walten. Und so war der Abbruch des Schrankes natürlich um ein vielfaches weniger brutal. Als Belohnung wurden mir dafür etwa acht Seiten aus dem Zahlbüchlein der Löffelburg, oder vielmehr der St. Afra-Pfrund beschert. Die Blätter stammen aus den Jahren 1774 bis 1789, und listen entweder getätigte Zahlungen oder Einnahmen aus. Momentan ist das noch nicht genau zu erkennen.

Die Blätter habe ich sorgfältig vom Holz gelöst, getrocknet und eingescannt. Fundnummer: LB_001_77.001-016.

Nun warten sie, provisorisch in einem Couvert, bis ich säurefreies Papier bekomme, und  einem Moment in dem ich die Zeit finde, alles zu entziffern. Damit ich das spröde Papier nicht wieder berühren muss, habe ich alle Teile eingescannt und im Photoshop hochgeladen. Da kann ich dann probieren was wie zusammenpasst.

 

Samstag 19.4.19, 10.11 Uhr

Samstag 19.4.19, 10.26 Uhr

Samstag 19.4.19, 10.37 Uhr

 

Treppenschräge zu DG. Abriss des Einbauschrankes, An der wand in der ersten Schicht die Seiten aus den Zahlbüchlein, und in der Zweiten Schicht Seiten aus einer Zeitung ca. 1830.

Seiten von Zahlbüchlein 18. Jh.

Gescannte Seiten zum berührungsfreien Zusammensetzen in Photoshop importiert.