Archiv der Kategorie: Gedicht

Löffelburgers Ode an seinen Lieblingssaft

Was ist’s, was ewgen Bösen Schergen heischen

Knurrend, grunzend, gellend Kreischen?

Nicht die Macht ist’s, nicht dein Blut,

nicht deine Seel will diese Brut.

Sie will nur diesen malzig Saft,

531, denn der gibt Kraft!

 

Verzweiflung herreschet alleweil

beim Seelenraub und unterm Beil.

Bei jeder noch so schändlich Tat

hat jeder dort sein Bier parat.

Doch über sie herrsch böser Harm

Drum bleibt das Bier für immer warm!

 

So ist es stets im Höllentief

In blutig, sumpfig, schrecklich Mief,

Doch hier auf heilig Münster Boden

Kann man dies Säftlein herzlich loben.

Denn ewig kühl bleibt mir das Bier

Im Schrank wo ich es kühl und frier!

 

©smy2019

Ode an eine Schraube

Wundersame, schön Gedrehte, in Socken versteckt liegst du da und glänzt aus dem Dunkel.

Was hältst du mir Bretter und Balken aller Art! Ohne Vorurteile dreht sich dein scharfes Gewinde in Dick und Dünn. Torx! Schöne! Was liebe ich die Ausnutzung deines Drehmoments so ganz ohne aus dem Schlitz zu rutschen, den kräftigen Zug sanft steigender Gewindewellen. Und welch heitere Vielfalt!

Ach Schraube. Als ich dich bei meinen Socken fand und mich fragte, weshalb du diese als dein Versteck gewählt hast, wurde mir klar, dass du für etwas ganz Besonderes geschaffen bist.

So habe ich dich nun eingedreht ins satte frische Holz der Werkstatt, auf dass du stets meine Überjacke halten kannst!

Oscomedentosaurus

Der Knochenfresser

Ein Knochenfresser regiert die Welt,

würzt die Leichen schön mit Geld.

Jud und Christ und Muselmanen,

keiner konnte solches ahnen.

Werden alle aufgefressen,

und sind morgen schon vergessen.

Auch die andern allen Glaubes,

sind Gedanken nur des Staubes.

Denn des Lebens grössten Wandel

Bringt nun mal der Waffenhandel!

© Simon Meyer, 2019

Nosce te Ipsum

Nosce te ipsum!

Die Knochen sind des Menschen Halt,
doch diese hier – sie liegen kalt.
Erwarten nicht das Himmelreich
sind einfach kalt und eine Leich.

Der Kreuzzug wars und der Dschihad
der all die Leut gemeuchelt hat.
Dann wars das Öl und dann das Geld,
so geht der Tod um in der Welt.

Am Ende bleibt der grosse Jammer.
Die Leichen in der Totenkammer.
Ach Friede, wärst doch weltenweit,
stets hier in alle Ewigkeit!

Der Mensch ist dumm, so viel ist klar.
Und dennoch ist er wunderbar.
Drum Mensch, egal wie tief du fällst,
denk immer dran: Erkenn dich selbst!

© Simon Meyer, 2019

Der Technograph

Unverzichtbar in Büro und Baustelle: ein Bleistift.

Ob für Handwerker oder Künstler, ohne geht es selten. Auf der Löffelburg gibt es viele Bleistifte. Überall liegen sie herum . Ausser dort, wo man sie braucht. Das ist so ihre Macke, ihr Ding. Seis drum. Bisher wurde noch jeder wiedergefunden, selbst solche, die gar nie verloren waren. Einer der besten, treuesten und mit Sicherheit ältesten ist der «Technograph 777» der Härte B. Und weil er so innig geliebt wird, hier eine Ode an ihn:

Ode an den Gelben Technographen

Es schreibt der gelbe Technograph

auf Holz und auch auf Eisen,

Strich um Strich, so schreibt er brav

zu Haus’ und auch auf Reisen.

Was hat man an ihm rumgekaut

Egal ob stumpf ob spitz,

an Skizzen hat er sich getraut

und manch obszönen Witz.

Es ist die Hälfte schon dahin

Es geht ihm wohl ans leben.

Doch noch vergeht ihm nicht der Sinn

Er will nach Kunst nun streben.

Skizzen macht er und Gedichte

manche hässlich, manche brav

Ist nun Teil von der Geschichte

der alte gelbe Technograph!

Pfeilgeschoss

 

Ein Pfeilgeschoss tat wie verlangt,

und schoss dahin von Kriegers Hand.

Es tat was es als Pfeil halt musst,

durchdrang geschwind des Feindes Brust.

 

Nun sollte niemand Pfeilchen schelten

Lasst doch dieses Schicksal gelten!

Tat ja nur wie ihm geheissen

Sollt es auf Befehle scheissen?

 

Pfeile sind von Hand gemacht

Wohl geschmiedet, gut durchdacht.

Ebenso des Kriegers Bogen

Liegt gar fest und ausgewogen.

 

Der Krieger selbst ist hol und dumm

Wie dem Pfeile fehlts ihm an Mumm

Er könnte auf Befehle scheissen

Könnte auch die Sehn zerreissen

 

Doch die Welt ist bös geschaffen

An den Bögen stehen Affen

Wir sind davon ein übler Teil

Und allzumancher wie ein Pfeil

 

©Simon Meyer, 2019

 

Die Pfeilspitze auf der Fotografie stammt aus einer Grube die hinter der Löffelburg angelegt wurde um Sockel für Stützbalken zu giessen.