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Die Macht der Dummheit

Wenn die Grossverteiler uns bereits im September mit Clementinen aus Südafrika, im Dezember mit Erdbeeren aus Chile, und gleich nach Schmutzig-Donnerstag mit Schoggi-Osterhasen versorgen möchten, dann ist die Macht der Dummheit am Werk. Auf sie ist Verlass. Angetrieben von Gier und der Unfähigkeit oder dem Unwillen zur Reflektion wird in die Regale gestellt, was sich verkaufen lässt. Und aus dem selben Grund gibt es immer wieder Menschen, die diese Angebote annehmen und kaufen; unreflektiert, egoistisch, und ja, nicht selten dumm wie ein trockenes Mutschli.

Wäre es nicht langsam an der Zeit, dass sich diejenigen, die über die Fähigkeit der Reflektion verfügen, die vielleicht gar den Zusammenhang zwischen Clementinen aus Südafrika im September und der fehlenden Lehrstelle für ihre Tochter oder ihren Sohn verstehen, dass sich also Menschen, die nicht einfach kaufen, was ihnen die Schacherer von Coop, Migros, Aldi und Lidl vorsetzen und die deren unablässigen Beteuerungen, sie würden diese Produkte nur verkaufen, weil «der Kunde das wünscht» nicht Glauben schenken, dass sich also die Kundin und der Kunde mit wehren und den Filialleitern die Clementinen und Erdbeeren, die Februarspargeln aus China und den ganzen Rest um die Ohren hauen? Ich will hier nicht zu Gewalt aufrufen, aber doch immerhin dazu, dass sich jede und jeder, der sich aufregt, nicht nur aufregt, sondern den Filialleiter (oder die Filialleiterin) zu sich ruft und ihm/ihr die entsprechende Meinung geigt.

Denn eines ist sicher: Wenn sich Geld mit Dummheit machen lässt, dann braucht es Verstand, dem Einhalt zu gebieten.

DEUS

Gerade fotografierte ich die Schnipsel eines Liedtextes. Sie waren an den Stössen von Wandbrettern angeleimt, damit da kein Wind durchpfeift.

Da seh ich auf einem Blatt «Deus» stehen und denke, dass die Christen das ja recht entspannt sehen mit den Huldigungen ihres Gottes. Wehe, einer mag ihn nicht so huldigen, wie es der Papst oder Luther vorgegeben haben. Rübe weg! Verbrennt ihn! Aber die Huldigung selber darf man offensichtlich zum Isolieren nehmen.

Ich finde das doch recht eigenartig, denn wenn ich denke, dass die Christen ja glauben, dass ihr Gott alles sieht und hört, dann käme ich mir doch irgendwie etwas seltsam vor, wenn ich so eine Huldigung zerreissen und über irgendeine Ritze kleben würde.

Ob das Juden oder Muslime ähnlich sehen wie die Christen, weiss ich ja nicht, aber da sie dasselbe befremdliche Glaubenssystem haben, dürfte das ja wohl der Fall sein.

Das Konzept des Glaubens ist mir völlig fremd. Ich habe es nie verstanden, und je älter ich werde, desto seltsamer mutet es an. Entweder man weiss etwas, oder man weiss es nicht. Wenn man es weiss, braucht man es nicht «Glauben» zu nennen, und schon gar nicht «Glaubenssystem». Wenn man es nicht weiss, ist es dasselbe. Wenn ich nicht weiss, was hinter einem Hügel liegt, dann nützt es mir nichts, wenn ich glaube, dass dort die nächste Tankstelle liegt, und, wenn ich dann festgestellt habe, dass es nur eine Kuhweide ist und ich kein Benzin mehr habe, mir dann umständliche Glaubenssätze und Dogmen zurechtwurstle, um diese missliche Situation zu erklären.

Nun, meinetwegen kann jede und jeder glauben, was sie oder er will. Immerhin gibt es auch Leute, die glauben, dass Elvis noch lebt. Dass man sich aber deswegen bis auf den heutigen Tag den Kopf einschlägt …

Also, ich werde den Schnipsel nun in ein Tütchen legen, es anschreiben in eine Schublade legen. In die Fund-Liste werde ich eintragen: «Notenblatt-Schnipsel einer Huldigung desjenigen, den die Christen Deus nennen.»

Löffelburgers Ode an seinen Lieblingssaft

Was ist’s, was ewgen Bösen Schergen heischen

Knurrend, grunzend, gellend Kreischen?

Nicht die Macht ist’s, nicht dein Blut,

nicht deine Seel will diese Brut.

Sie will nur diesen malzig Saft,

531, denn der gibt Kraft!

 

Verzweiflung herreschet alleweil

beim Seelenraub und unterm Beil.

Bei jeder noch so schändlich Tat

hat jeder dort sein Bier parat.

Doch über sie herrsch böser Harm

Drum bleibt das Bier für immer warm!

 

So ist es stets im Höllentief

In blutig, sumpfig, schrecklich Mief,

Doch hier auf heilig Münster Boden

Kann man dies Säftlein herzlich loben.

Denn ewig kühl bleibt mir das Bier

Im Schrank wo ich es kühl und frier!

 

©smy2019

Wieso wir nichts vom fünfzigjährigen Krieg wissen

Der fünfzigjährige Krieg und wieso Sie nicht wissen, was das war.

Als ich eines Tages in der Nähe von Basel unterwegs war, verlor ich mein Smartphone.

So was geschieht. Täglich. Nicht in Basel, aber sonst wo auf der Welt. Apfels Reichtum gründet zu einem Drittel auf verlorenen Smartphones.

Es passiert also, doch nicht wie bei mir. Denn ich habe gegen ein Gesetz verstossen.

§ 4 des Gesetzes für temporale Reisen: «§ 4.18: Zeitreisenden ist es bei Strafe untersagt, Gegenstände aus ihrer Zeit in eine andere Zeit mitzuführen. Die Strafe kann je nach Schwere des Vergehens zwischen zehn Peitschenhieben und einer definitiven Terminierung liegen.

§ 4.19: Den Mitgliedern der VTM (Vereinigte Temporale Kommission) wird das Mitnehmen von Kleidungsstücken oder Taschen gestattet, wenn sie aus der Ziel-Zeit stammen und die Zustimmung des Ausschuss für temporale Reisen haben.»

Als ich nach 1653 reiste, um den Beginn des fünfzigjährigen Krieges zu untersuchen, ist mir aus Versehen mein Smartphone in den Rucksack gekommen. Normalerweise kontrolliere ich alles dreimal, doch dieses Mal, das muss ich zugeben, habe ich geschludert. Als ich dann zwischen Basel und Mülhausen unterwegs war, wurde ich von einem Sprengel marodierender Soldaten verfolgt, die wohl hofften, dass bei mir etwas zu holen sei.

Ich lief so schnell ich konnte, und irgendwann stolperte ich über einen halbverrotteten Wagen, der am Wegesrand lag. Die Soldaten kamen näher und obwohl ich spürte, dass es mir den Rucksack von der Schulter gerissen hatte, rannte ich weiter. Das war mein Glück, denn letztlich hatten die Soldaten nur den Rucksack im Auge gehabt.

Als ich wieder in der Zentrale war und den Verlust des Smartphones meldete, wurde ich natürlich sofort suspendiert und unter Arrest gestellt. Ein Blick auf unsere Geschichtsbücher zeigte sofort, dass sie sich drastisch verändert hatte. Der fünfzigjährige Krieg hatte nie stattgefunden. Die Kommission berief eine Untersuchung ein.

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Ergebnisse der Untersuchung gegen Smy anhand der ausgewerteten Handydaten, historischen Aufzeichnungen usw. durch die forensische Abteilung der VTM.

Nach Abschluss aller Untersuchungen kann heute Folgendes festgehalten werden: Auslöser für den fünfzigjährigen Krieg hätte die Vergewaltigung der Bürgermeistertochter Helene Matzbach und die Ermordung selbiger und der gesamten Familie sowie die Plünderung des Ortes Bartenheim am 6. September 1651 durch den Hauptmann Johannes Schwarz und seine Truppe sein sollen. Diese Ereignisse haben jedoch nicht stattgefunden.

Am 2. September 1651 besuchte Agent Smy die Region und verlor bei einer Verfolgungsjagd durch eben diese Truppe marodierender Söldner unter der Führung des Johannes Schwarz seinen Rucksack, in welchem sich illegalerweise, jedoch – wie die Untersuchung ergab – unbeabsichtigt ein iPhone X befand. Das iPhone hatte zu diesem Zeitpunkt einen Akkuladestand von 38 %. Am später von Agent Kal sichergestellten Gerät konnten verschiedene Manipulationen durch Unbefugte festgestellt werden. Es wurde letztlich durch Agent Kal in den Händen einer dubiosen Figur namens Jaques de Nostredame gefunden (siehe Foto). Dieser sass nachts in seinem Turm und war mit dem Gerät beschäftigt.

Was das Ausbleiben des Krieges angeht, so stellte sich heraus, dass Johannes Schwarz nach dem Raub eines Rucksacks (wohl der des Agenten Smy) über einen Schulterriemen stolperte und unglücklich in «die Lanz des Wolfbert Hagen gestürzet sey». Er verblutete noch vor Ort. Seine Soldaten, nun führerlos, machten sich auf den Weg nach Strassburg (anstatt nach Mülhausen), wurden jedoch wenig später aufgegriffen und in Gewahrsam genommen. Auf diesem Weg sei auch der Inhalt des Rucksacks zum Magistraten und später zu diesem Jacques de Nostredame gekommen.

Demnach hat die fahrlässige Mitnahme des Smartphones keinen Einfluss auf das Zeitgeschehen und ist demzufolge nicht strafrechtlich zu ahnden.

Abschliessender Beschluss:

Es wird angeordnet, dass das Gepäck vor Reisen durch Fachpersonal der Kommission geprüft wird.

Dem Agenten Smy sind zur Strafe für die Fahrlässigkeit drei Monatslöhne abzuziehen.

Dieser Jacques de Nostredame, der möglicherweise der Sohn des Michel de Nostredame (genannt Nostredamus) war, ist weiterhin unter strenger Beobachtung zu halten.

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Nun, ich habe aus dieser Geschichte etwas gelernt. Und ich hoffe auch, dass da draussen noch der eine oder andere Rucksackriemen zwischen die Beine von Kriegstreibern kommt. Denn ich selber darf ja nicht nachhelfen …

Aufs Dach gekriegt

Ziegel – trotz der Wortähnlichkeit gibt es keine Verwandtschaft zu den gehörnten Säugetieren, die so gerne überall draufspringen. Wohl aber zu dem lateinischen Wort «tegula» (Dachziegel), von «tegere» für bedecken. Wie auch immer. Sie sind weg! Alle! Nun ja, zumindest die auf dem Dach der Löffelburg. Dafür kam nun 10-cm-Holzfaserplatten und eine Folie drauf. Nächste Woche dann die Lattung, die Konterlattung und danach die neuen geflämmten Biberschwanzziegel, wie von Ortsbildkommission und Denkmalpflege vorgeschrieben.

Derweil, da der Arbeit so viel ist, pausieren die Bauhelme etwas auf der Fensterbank der Dachgaube und sonnen sich im langsam einsetzenden Herbstlicht.

 

Aufrüstung jetzt!

Da wir fast eine Woche lang nichts vor der Burg stehen hatten, fühlten wir uns seltsam leer und eine innere Unruhe befiel uns. So befanden wir alsdann, dass es besser wäre, aufzurüsten und uns gegen solcherlei Leere zu wappnen. Gesagt, getan. Bis spät in den Samstag hinein wurde uns ein Gerüst hingebaut, das sich sehen lassen kann.

Die heutige Vernissage der neuen Gerüstausstellung (die Gerüstausstellung ersetzt bis auf Weiteres die Muldenausstellung, da sich die Mulde aus dem Staub gemacht hat) wurde in Anwesenheit einer streunenden Katze und eines verirrten Sonnenstrahls feierlich mit folgender Tafel eröffnet: «VORSICHT! Dieses Gerüst trägt jede und jeden, egal welcher Herkunft, gleich!»