Zeitreise zum Jahreswechsel

Ein Jahr geht zu Ende und das möchte ich nutzen, um euch ein kleines Erlebnis zu erzählen.

Es war vor einigen Jahren, als ich einen Freund auf Beta Z311 besuchte. Ein recht ungemütlicher Ort, da eine Art Wurmloch mitten durch ihn hindurchgeht. Das hat zur Folge, dass es dort Löcher gibt, in denen man in der Zeit vor und zurück kann.

«Los!», sagte mein Freund zu mir, «versuch es einmal.»

«Was soll ich mit einer Zeitreise?»

«Na, in die Vergangenheit reisen, oder in die Zukunft.»

«Wozu sollte das nützlich sein? ,Sein Schicksal kenne keiner voraus, so bleibt der Sinn ihm Sorgenfrei!‘ So steht es schon im Havamal. Wenn ich in die Zukunft reiste, könnte mir das diese ganz schön versauern. Und die Vergangenheit? Welche denn? Meine habe ich ja schon durch. Frühere? Das Römische Reich? Die Kelten? Das Mittelalter? Ja, als geschichtlich interessierter Mensch hätte das sicher seinen Reiz, doch was soll ich dort? Ich dürfte nur zusehen und käme nicht weit. Den Proviant müsste ich mitnehmen, denn interagieren und Proviant kaufen käme nicht infrage. Wer weiss, was das auf die Zukunft für eine Auswirkung hätte? Im Übrigen wäre das nur ein Zeitvertreib, denn wissenschaftliche Erkenntnisse liessen sich kaum gewinnen. Also nein danke. Stell dir vor, ich käme in die Zukunft oder die Vergangenheit und dort wäre jemand in Not! Ich dürfte ihm nicht helfen und müsste seiner Not hilflos zusehen.»

«So siehst du das? Ihr Menschen habt eine seltsame Vorstellung vom Universum.»

Und das wars. Ich verzichtete auf eine Zeitreise und zog weiter. Jetzt, da wieder ein Jahr vorbei ist und ich in einem Zustand bin, der kausal von den Ereignissen der vergangenen Monaten beeinflusst ist, wünschte ich mir, ich könnte noch einmal zurückblicken und schauen, was das alles war, was da vorgefallen war, denn je älter ich werde, desto schneller rasen die Tage dahin oder besser gesagt, desto weniger nehme ich die Ereignisse im Verlauf der Zeit wahr. So weiss ich eigentlich nur (oder hoffe es zumindest), dass heute heute ist, und dass ich bin, was ich bin, weil irgendwelche Dinge geschehen sind. Wer werde ich im nächsten Jahr sein? Es ist, glaube ich, sinnlos, darüber nachzudenken, denn wir können uns zwar Dinge vornehmen, aber wir können nicht Einfluss nehmen auf das, was auf uns Einfluss nehmen wird. Letztlich ist es nur die Frage, wie wir mit diesen Einflüssen umgehen, aber am Ende des nächsten Jahres wird geschehen sein, was geschehen sein wird, und wir werden die sein, die wir dann eben sind.

Es ist natürlich zwecklos, euch ein gutes neues Jahr zu wünschen, aber ich weiss, dass es gesellschaftliche Gepflogenheit ist, und Menschen nun mal dem unlogischen Konzept der Hoffnung folgen. Also wünsche ich euch ein gutes neues Jahr!

Lebt lange und in Frieden!