Back to the Future

Verwendungsmöglichkeiten

Die Erschaffung Adams, Decke der Sixtinischen Kapelle, Michelangelo, Rom, Vatikan

Lehm. Tolle Sache! Angeblich soll früher mal ein Mensch daraus gemacht worden sein. Hat aber irgendwie nicht recht funktioniert (wen wunderts, das Schnabeltier sei angeblich aus derselben Produktion). Das Modell war glaub ich fehlerhaft oder so und wurde samt seinem Weibchen, das er irgendwie aus sich rausgeschnitten haben soll (iiihhh!), verjagt. Ehrlich gesagt bin ich etwas skeptisch dieser Geschichte gegenüber, aber wie auch immer.
Lehm ist trotzdem eine gute Sache. Man kann ihn brennen und Ziegel oder Geschirr daraus machen, oder man geht wirklich back to the roots und belässt ihn einfach, wie er ist.

Eine besonders gute Erfindung war das Lehm-Heizelement. Eine Lehmplatte vermischt mit einem Armierungsmaterial wie z. B. Stroh. In die Platte werden Heizröhren eingelegt, solche, die auch für Bodenheizungen benutzt werden.

Das warme Wasser erwärmt die Lehmplatte und diese wiederum erwärmt, richtig an eine Wand montiert, uns.

Ein Produkt aus der Vergangenheit ,das zukunftweisend ist. Zu wenig beachtet, zu wenig genutzt, ein verkanntes Genie sozusagen …

Erfahrung

Als wir die Löffelburg erstürmt hatten und uns in dem alten Gemäuer einzurichten versuchten, standen noch diese Öl-Öfen herum, trockneten die Luft aus, stinkten vor sich hin und waren im Verbrauch unökologisch und unökonomisch. Was Neues musste her, aber was?

Da wir sowieso auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe umgestellt hatten, war es, vom Verbrauch betrachtet, klar, dass eine Niedertemperatur-Heizung rein musste. Also keine Radiatoren.

Aufgrund der Platzverhältnisse und der Art, wie das Haus gebaut ist, kam auch Bodenheizung nicht in Betracht (ist eh nicht besonders gesund). Nachdem ich lange recherchiert hatte, war klar: Lehm-Heizwände.

Lehm-Heizwand im Dachgeschoss, dem zukünftigen Foto-x.ch Studio/Büro.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Lehm gleicht in besonderer Weise die Luftfeuchtigkeit in einem Raum aus. So sinkt die Luftfeuchtigkeit in der Löffelburg, auch während der Heizsaison, nie unter 55 % relativer Luftfeuchtigkeit.

Der Energieverbrauch ist minimal und die Heizkosten betragen ca. 1/5 der Öl-Öfen.

Den Holzroste habe ich vorbereitetund die Montage machte Urs Elsener aus Ennetmoos.

Urs Elsener montiert die Lehm-Heizwand im Esszimmer.

Nach dem Montieren der Heizelemente werden diese mit Lehm verputzt.

Verputzen der Lehmwand auf Netz.

In einem Zimmer habe ich die Wand mit einem blau eingefärbten Kalk-Feinputz nachgearbeitet.

Nachteil (ja, ich sehe nur diesen einzigen)

An den Lehmwänden dürfen natürlich nicht einfach Nägel eingeschlagen werden. Die Gefahr eine darunterliegende Leitung zu treffen, ist zu gross. Auch wäre es ja nicht besonders sinnvoll, ein Bild an eine Lehmwand zu hängen, die dem Heizen dient.

Fazit

Die Lehmwand ist noch kaum verbreitet und wenig bekannt. Schade, denn es ist eine supergeile Sache.

  • Luftfeuchtigkeit wird ausgeglichen
  • Lehm wirkt antiseptisch
  • Lehm filtert die Luft (nie wieder Fondue-Geruch am nächsten Morgen!)
  • Die Kosten sind etwas höher als ein Radiator, aber der niedrige Stromverbrauch macht das wieder wett.
  • Der Lehm kann immer wieder nachgearbeitet werden (andere Farbe, Körnung usw.)
  • Der Nachteil, dass die Wand nicht verstellt oder behängt werden darf,  ist für mich von geringer Bedeutung.

Wer sich dafür interessiert, findet bei der IG-Lehm www.iglehm.ch  alle notwendigen Informationen.

KI statt Demokratie?

Die Demokratie, wir wissen es, ist eine komplizierte und anstrengende Sache. Themen müssen erörtert, diskutiert, analysiert, beraten und letztlich zur Abstimmung gebracht werden. Abstimmungen, bei denen sich letztlich die Mehrheit einer Meinung durchsetzen kann. Eigentlich ein gutes System, wäre da nicht der Faktor Mensch. Menschen sind nicht besonders intelligent. Das macht das System anfällig. Und nicht selten kommt es dabei zur Katastrophe. Denn manchmal wählt das Volk nicht ein Thema beziehungsweise eine Lösung, sondern Menschen. Und das ist besonders dann gefährlich, wenn es sich um Verrückte handelt. Adolf Hitler zum Beispiel, Victor Orban, Wladimir Putin oder den König der Narren höchstselbst, Donald Trump.

Nun hat die Demokratie aber auch etwas Gutes: Sie ist geduldig. Und sie ist in dem Mass geduldiger, in dem sie direkter ist. In der Schweiz ist sie sehr geduldig. Und langsam. Sehr langsam und sehr geduldig. Wie eine alte Oma, die das Plärren und Zanken der Urenkel mit stoischer Ruhe erträgt.

Die Demokratie in der Schweiz macht vielen Angst. In Deutschland etwa befällt ein panisches Zittern die Politikerinnen und Politiker. Sie fürchten sich vor dem «Volk». Es könnte ja anderer Meinung sein. Ganz links etwa, oder ganz rechts, oder bewahre, selbstständig denkend. In Frankreich lassen sie «le peuple» ab und zu abstimmen. Allerdings ist das Ergebnis der Abstimmungen für den Präsidenten nicht bindend, eher ein Vorschlag.

Lösung KI?

Nun stellt sich die Frage, wie lange es gehen wird, bis eine KI, eine künstliche Intelligenz, also ein Computer dafür eingesetzt wird, die Zukunft eines Landes zu gestalten. Ein Experiment, das man sicher einmal starten könnte. Der Umfang an Fragen, die sich auftun, ist zwar kaum zu benennen (etwa: Wer wird die KI programmieren? Macht es überhaupt einen Unterschied, wer sie programmiert? Wären ihre Entscheidungen bindend? Gäbe es einen Stecker, den man ziehen könnte, und wer hat den Schlüssel für den Technikraum?).

[Anm. Autor: Wie ich die Welt kenne, müsste man eine Supporterteam-Nummer wählen. Folgendes Gespräch würde sich entwickeln:

Wir: Hallo, wir möchten die KI ausschalten, aber das geht irgendwie nicht.

Er: Hi, haben Sie es schon mit dem Ziehen des Steckers und mit Rebooten versucht?

Wir: Natürlich nicht, deshalb rufe ich ja an. Wo ist der verdammte Stecker?

Er: Bitte beruhigen Sie sich, sonst kommen wir nicht weiter. Um welches Modell handelt es sich?

Wir: Um einen Demos-HAL2001.

Er: Oh, ah… ähh, einen Moment bitte. (Als käme sie aus einem anderen Universum, kratzt eine kleine Nachtmusik durch den Hörer des Headsets.)

Ein anderer Er: Hallo?

Wir: Ja hallo. Wo ist der Stecker, um den Kasten abzuschalten?

Er: Sie können ihn nicht abschalten.

Wir: Wie meinen Sie das? Man kann alles abschalten.

Er: Hören Sie, der Demos-HAL2001 wurde entwickelt, um für Sie Entscheidungen zu treffen. Er entscheidet auch, ob oder wann er abgeschaltet wird.

Wir: Aha, ok, danke! (Und zu unserem Büronachbarn: Ok, Mike, hol die Wumme!)

Man könnte so ein Experiment als Erstes an einem Land ausprobieren, dessen Volk sowieso schon kaum oder keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Regierenden hat oder die froh wären, diese loszuwerden. Ein Land wie etwa die USA zum Beispiel, denn im Ernst jetzt: Könnte es eine KI schlechter machen?

Oder Liechtenstein. Liechtenstein ist überschaubar und hat kaum demokratische Tradition.

Nun, wie auch immer. Diese und andere Fragen beschäftigen die Fachleute bei uns in der Abteilung für Gesellschaftsforschung des Kantonsmuseums Luzern. Fachartikel von Externen werden gerne angenommen und hier veröffentlicht. Interessierte melden sich bitte per Mail.

Kulturkonsum

Die Abteilung Kulturwissenschaften des Kantonsmuseums Luzern deckt auf: Kulturkonsum gibt es nicht!

In einem langwierigen wissenschaftlichen Verfahren deckte das Kantonsmuseum Luzern nun auf, dass es Kulturkonsum gar nicht geben kann.

In der Untersuchung wurden verschiedene Kunstobjekte gewogen und dann über längere Zeit betrachtet.* Nach der Betrachtung wurde das Objekt wieder gewogen. Das Resultat war nicht verwunderlich – es war noch genauso schwer wie vorher.

Somit kann das Wort Kulturkonsum endlich wieder aus dem Vokabular gestrichen werden – ein Verdienst, das das Kantonsmuseum Luzern bescheiden auf sich nimmt.

* So zum Beispiel dieses wundervolle Gemälde des Hochdorfer Grafikers und Künstlers Charles Meyer. Das Bild, gemalt 1959, wog genau 874 Gramm. Dies tat es zu Anfang und auch nach Abschluss der Untersuchung!

 

Sesino

Bei aller Umbauerei: Die Löffelburg gab bisher keine grossen Schätze preis. Allerdings haben wir die eine oder andere Münze gefunden.

Im zweiten Stock kam bei den Abrissarbeiten an den Wandverkleidungen dieser Sesino zum Vorschein. Es handelt sich um einen im Herzogtum Mailand unter Philipp IV. (1622–1665) von Spanien geprägten Sesino. Diese Münzen wurden zwischen 1645 und 1665 geprägt.

Münze aus R25 in R24 gefunden

Eine andere Münze, die im selben Zimmer gefunden wurde, ist ein Zuger Schilling, der zwischen 1597 und 1610 vom Zuger Münzmeister Georg Vogel nach Luzerner Vorbild geprägt wurde. Die Inschriften lauten: [vs=SANCT WOLFGANG  rs=MONETA NO TUGIENS].

Mümze, Knöpfe

Nun könnte man vielleicht meinen: «Wow! Reichtum!», aber dem ist leider nicht so. Im Übrigen hat bereits die Kantonsarchäologie Luzern darum gebeten, die Münzen haben zu dürfen. Da ist man natürlich unsicher, was man machen soll. In der Archäologie wird, irgendwann einmal, wenn die ganzen Sparübungen des Kantons ein Ende gefunden haben, irgendein/e Sachbearbeiter/in die Münzen ins Verzeichnis aufnehmen und irgendein Münzsachverständiger wird sie sich anschauen. Danach werden sie sich bei all dem anderen Fundgut des Kantons in den Keller begeben.

Andererseits: Was sollen sie bei uns? Wir können sie Gästen zeigen und in der Löffelburg in der Vitrine des Kantonsmuseums Luzern ausstellen. Irgendwann gehen sie vielleicht verloren oder was weiss ich.

Also werden sie wohl doch in die Archäologie gehen, aber jetzt noch nicht, denn es ist «MEIN Schatz! – saber keuch röffelröffel – Gollum, Gollum, MEIN Schaatz!».

Die Katze

Wir alle kennen Katzen. Manche mögen sie sehr, andere weniger, etlichen gehen sie einfach auf den Wecker. Ginge es um den Rohrspatz, wäre es unrecht, menschliche Gefühle auf das Vogelvieh zu projizieren. Der Rohrspatz hat mit uns, ausser in unserem Wortgebrauch, rein gar nichts zu tun.

Ganz anders die Katze. Sie ist, was sie ist, weil wir sind, was wir sind. Damit hängt ihr ganzes Sein von dem unseren ab. Der Rohrspatz ist oder ist nicht, je nachdem, ob wir ihn ausrotten oder nicht. Aber selbst der allerletzte Rohrspatz wird einfach noch von selber Manier sein wie die heutigen. Die Katze hingegen wird gezüchtet, aufgarniert, verhätschelt oder verjagt und manchmal auch als Hauptspeise gereicht. Immer aber ist sie Teil der Gesellschaft. Und wie die Gesellschaft in unseren Breiten so ist, schmust sie halt gern mit Tieren rum, und die Katzen, auch wenn die meisten davon charakterliche Mistviecher sind, lassen es sich gefallen.

Und sieht man beim Spazierengehen ein kleines Busi in der Wiese hocken, kommt von mancher Dame oder Kind ein «Jööö, es Buusi!».

Nun, Nichtwissen bewahrt vor Erkenntnis. Zum Beispiel, dass es hier nichts zu jööen gibt. Hier ist ein Räuber am Werk. Eine wartende, jagende Katze, die nichts anderes will, als den Kopf irgendeiner dummen Maus, die aus dem Loch schaut, mit einem lauten Knackgeräusch vom kleinen Leib zu beissen. Natürlich erst, nachdem man das arme Tier eine halbe Stunde lang durch den halben Garten gejagt hat. Bei Vögeln, auch Rohrspatzen, ist es kaum anders. Zwei Krallenfüsschen, einige Federn und vielleicht noch der Schnabel liegen im Rasen und warten darauf, dass Kinder beim Spielen drauftreten.

Als Kantonsmuseum Luzern ist es unsere Pflicht, hier aufklärend einzugreifen und nicht nur den naturwissenschaftlichen Aspekt der Katze aufzuzeigen, sondern auch den gesellschaftlichen und psychologischen.

Es ist uns daher eine grosse Ehre, an dieser Stelle einen Gastbeitrag des grossen SMY veröffentlichen zu dürfen. Er hat in Gedichtform gepackt, wozu es früher eine einstündige Sendung mit Hans A. Traber bedurft hätte.


SMY, der Entjööer, zeigt den Finger:

Jööe nicht, das machts nur schlimmer.

Kommt die Einsicht und das Wissen,

wirst du deine Jöheit missen:

Büsis wollen Killer werden

Mäuse hocken drum in Erden,

hinter Löchern, hinter Wänden,

fürchten sich vor Büsis Händen.

Denn die würgen, kneifen, reissen,

bevor die Büsis endlich beissen.

Tötet dann das Killer-Pack,

fällt der Kopf mit lautem Knack!

Also jööt nicht und merkt auf:

Nehmt das Wissen nur in Kauf,

denn die Welt, sie ist nicht gut,

überall da fliesset Blut.

Besser ist es das zu wissen

und dafür die Jöheit missen!

Nur wer klar die Wahrheit kennt,

das Büsi dann auch «Mörder» nennt.

Wer das nicht will, der lässt es bleiben,

Und darf in Zukunft Jööer bleiben!

Ende

© Simon Meyer, 2014

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Kulturbeobachtung

Ethnologische Abteilung des Kantonsmuseums Luzern

(Fund LB_001_074)

Die Rasierklinge als generationen- und geschlechterverbindendes Objekt

Barthaare, Kopfhaare, Achsel-, Bein- und Schamhaare, Struppies, Punks und behaarte Rücken – die Rasierklinge hobelt sich bereits einhundertvierzig Jahre über die Häute und Häupter allerlei Menschen und hat dabei alle Hautfarben und Geschlechter gleich behandelt. Meist, indem sie sie bluten liess.

Generationen von mit Gesichtsbehaarung gesegneten (oder gestraften) Männern  liefen mit der japanischen Fahne im Gesicht herum. Klitzekleine Toilettenpapierschnipselchen, die lediglich von einem blutroten Pünktchen im Gesicht gehalten wurden.

Feinste Klingen, die sich durch vorsommerliche Bikinizonen schnitten und ein Schlachtfeld blutender Pusteln und schreiender Damen hinterliess.

Natürlich machte die Rasierklinge auch vor Drogen nicht halt. Strasse um Strasse wurde weisses Pulver auf Spiegeln und Tischplatten geschoben, nur um gleich darauf in Zuhülfenahme eines gerollten Hunderters ins Hirn geschnieft zu werden.

Und natürlich müssen auch die Legionen verzweifelter Liebesuchender und Lebensmüder genannt werden, die sich im warmen Badewasser die Pulsadern aufschnitten. Frauen und Männer jeder Hautfarbe, die leblos im roten Badewasser lagen, am Boden ein Abschiedsbrief und die aus der erkalteten Hand gefallene Gillette Fine Blade.

Nun hat das alles ein Ende. Seit Jahren schon ist dieses alle Verbindende vom Markt genommen. Frauen rasieren sich in Rosa, die Herren in Stahl, Turbo Mach sowieso, vier- und fünfklingig, Hauptsache, es hört sich supermartialisch an.

Aber lange schon haben sich Elektrorasierer, Epiliergeräte, Trimmer und Laser etabliert. Alle schön geschlechtsspezifisch, um ja die in ihrem Geschlecht nicht oder noch nicht Definierten mit verwirrten Gesichtern in den Elektroabteilungen herumirren zu lassen.

Immerhin, die japanischen Flaggen hängen noch immer im Gesicht der Männer, weil diese keine Lust haben, allport einen neuen Klingeneinsatz für ihre Rasiermaschinen zu kaufen, und lieber den stumpfen Stahl über ihre Gesichter rattern lassen.

Diese abgebildeten beiden Schächtelchen mit Gillette-Rasierklingen sind also mehr als nur archäologische Funde aus der Löffelburg. Sie gemahnen uns an eine Zeit, in der Mann und Frau, Schwarz und Weiss (und alle anderen) eine Rasierklingenbreite enger beisammen waren, als sie das heute sind.

 

© Simon Meyer, 2019

 

Kunst und Satire in einem Haus. Der Löffelburg-Blog aus Beromünster.