Entmuldet

Im Leben vieler kommt der Moment, da sie sich Mulden aufladen. Das ist keine Schande und passiert nun mal. Es gibt sogar Leute, ja ganze Unternehmen, die von den Mulden anderer Leute leben. Wieder andere sind dazu da, bei der Entmuldung zu helfen, wenn der Muldendruck zu gross wird. Und wenn man allen Mut zusammennimmt und hart arbeitet und das Schicksal einem etwas gewogen ist, dann schafft man die Entmuldung auch. Aber Vorsicht! Auch wenn keine Mulden mehr da sind, können die Altlasten dennoch extrem nerven.

S. Meyer, Muldenberater

Mulden aller Länder vereinigt euch!

Zum Auftakt dieses Monats traf ich eine Mulde und sprach mit ihr über das Gerücht eines Muldenstreiks.

 

Hallo Mulde, danke, dass Sie sich meinen Fragen stellen.

Gerne.

Mulde, wie wir sehen können, werden Sie nicht gerade zimperlich behandelt. Woran denken Sie, liegt das?

Hm, schwer zu sagen. Ich denke nicht, dass es nur eine Antwort gibt. Sicher spielt das soziokulturelle Umfeld, in denen hauptsächlich Bauarbeiter aufwachsen, eine entscheidende Rolle. Als Kinder wird diesen angehenden Baufachleuten der Respekt im Umgang mit Mulden nicht beigebracht. Wir fordern schon lange, dass muldische Ethik schon ab der fünften Klasse Einzug in die Schule hält, bisher ging das aber über einen Pilot mit unserer Broschüre «Sind wir nicht alle etwas Mulde» nicht hinaus. Insbesondere die Lehrer haben sich über den zusätzlichen Schulstoff beschwert.

Ein anderes Thema ist sicher auch der grundsätzlich rüde Ton, der sich seit einigen Jahren zunehmend in der Gesellschaft zeigt. So werden Mulden fast täglich angerempelt und mit Dreck beschmissen.

Man hat Gerüchte gehört, wonach es einen gross angelegten Streik der Mulden geben soll. Was halten Sie davon?

Fiat iustitia et pereat mundus!, sagte einst Kaiser Ferdinand der Erste. Im Gegensatz zu meinen Genossinnen und Genossen bin ich hier etwas differenzierter. Ich denke, es träfe die Falschen. Natürlich werden wir hauptsächlich von Bauarbeitern schlecht behandelt. Aber ist es nicht die Gesellschaft, die sie zu dem macht, was sie sind? Wie aber würde ein Muldenstreik die Gesellschaft treffen? Wir müssen die Gesellschaft mit anderen Mitteln für die Probleme der Mulden sensibilisieren. Polemik, Kampf und Zwietracht sind nicht zielführend.

Zum Schluss dieses kurzen Interviews: Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben?

 Ach, ich will hier nicht herumphilosophieren und hochgestochene Ratschläge erteilen. Seid doch einfach nett zueinander, respektiert euch selber, dann wird es von selbst an Respekt für die Mulden nicht mangeln!

Das nehmen wir uns zu Herzen. Besten Dank für das Gespräch!

Sisyphos

Da gibt es einen, SMY genannt,
der war in diese Burg gebannt.
Da schleppt er Abraum endenlos
Wie einst der arme Sisyphos!

 

(Reste der alten Küche im Dachgeschoss nach anschupsen mit meinem Hammer Mjölnir ;-)). Umbauarbeiten, August 2018)

Der letzte Ausbau des Dachgeschosses in zwei kleine Einzimmerwohnungen erfolgte ca. 1957, wohl nach dem Brand des Dachstockes. Danach blieb er, von der Wandfarbe abgesehen, bis heute unverändert.

Sind wir nicht alle etwas Mulde?

Dass wir ständig zugemüllt werden, verbindet uns mit diesen liebenswürdigen, gelben, allesschluckenden Riesen.

Sie liegen ebenso zahm vor unseren Baustellen herum wie wir in unseren Sofas liegen und uns von den Müllhalden der TV-Industrie mit mehr und mehr unnützem Mist zuschütten lassen.

Wir sind also auch ein bisschen Mulde – Der Unterschied ist nur: Im Gegensatz zu den Mulden ist es nicht unsere Bestimmung!

Tun wir etwas dagegen. Schlagen wir zurück und kunsten wir, kulturisieren, ergeistigen wir uns!

 

 

Gedulden mit Mulden

Seit dem Beginn des Umbaus der Löffelburg steht vor dem Haus eine Baumulde. Oh, nicht dass du denkst, es wäre nur eine oder gar immer dieselbe! Nein, nein! Es waren kleine und grosse Mulden. Mulden für Stein und Mulden für Holz und Mulden, in die man werfen konnte, was man wollte.

Dergestalt war die Resignation ob der Dauermuldung dieses gelben Dinges, dass unser Schaufenster mit dem Ausruf «MULDEN SIND DOOF» bemalt wurde.

Doch die Mulde verlangte nach mehr künstlerischer Intervention, und so prangt nun ein monatlich wechselndes Schildchen daran, auf welchem in diesem Monat steht: «Pssst! Nur die Mulde weiss, ob sie träumt oder nicht!»

 

Kunst und Geschichte in einem Haus. Der Löffelburg-Blog aus Beromünster.