Ode an eine Schraube

Wundersame, schön Gedrehte, in Socken versteckt liegst du da und glänzt aus dem Dunkel.

Was hältst du mir Bretter und Balken aller Art! Ohne Vorurteile dreht sich dein scharfes Gewinde in Dick und Dünn. Torx! Schöne! Was liebe ich die Ausnutzung deines Drehmoments so ganz ohne aus dem Schlitz zu rutschen, den kräftigen Zug sanft steigender Gewindewellen. Und welch heitere Vielfalt!

Ach Schraube. Als ich dich bei meinen Socken fand und mich fragte, weshalb du diese als dein Versteck gewählt hast, wurde mir klar, dass du für etwas ganz Besonderes geschaffen bist.

So habe ich dich nun eingedreht ins satte frische Holz der Werkstatt, auf dass du stets meine Überjacke halten kannst!

Tempelberg, Globuli und die Unvernunft des Glaubens

Liebe Gläubige

An diesem Tage wollen wir über den Glauben reden.

Was ist dieser und weshalb lassen wir dieses den Verstand und alles bessere Wissen verneinende Gebaren zu?

Tief im Menschen verborgen scheint es einen Urinstinkt zu geben, der in uns die Sehnsucht oder Hoffnung weckt, dass wir mit unserem Schicksal nicht alleine sind. Dass wir nicht ohne Sinn hineingeworfen wurden in diese Welt der Schrecken und Gefahren, von denen sich die meisten Menschen heute gar kein Bild mehr machen können.

War es das, und weshalb wurde es nicht mit der fortschreitenden Entwicklung des Verstandes quasi hinwegevolutioniert? Oder hat sich vielleicht der Verstand gar nicht weiterentwickelt? Wäre es möglich, dass nur die Welt komplexer wurde, wir aber noch immer in unseren Höhlen leben, heute einfach mit Google Home und Alexa ausgerüstet?

Es würde erklären, weshalb wir noch immer glauben, auch wenn nicht mehr alle hinter Blitz und Donner einen Gott vermuten.

Und ist es nicht auch sehr einfach, zu glauben? Es entlässt uns aus der Verantwortung, zu wissen und selbstbestimmt zu handeln. Das ist ja so anstrengend. Um wie viel einfacher ist es da «… nicht zu sehen und dennoch zu glauben» (Joh 20,29; LUT).

Doch der Glaube findet seine Wege überallhin. So glauben etwa viele Menschen noch immer Abend für Abend, sie könnten im TV wieder einmal etwas Gescheites sehen, und schalten wider besseres Wissen das Gerät ein, nur um dann einmal mehr einen Abend mit Unsinnigem zu verbringen.

Ein anderer starker Glaube ist in der westlichen Welt in einer Ideologie namens Homöopathie verwurzelt. Obwohl sie nicht so viele Anhängerinnen und Anhänger hat, ist sie in etwa mit dem Christentum zu vergleichen. So wie Gott nicht wissenschaftlich nachweisbar ist, so ist auch eine Wirkung homöopathischer Mittel wissenschaftlich nicht zu belegen.

Dennoch glauben die Menschen daran. Weshalb? Weil sie es wollen. Glaube verbindet auch, der Glaube an einen Gott und die gemeinsamen Rituale, die Diskussion darüber, ob man nun dieses nichts enthaltende Mittel in dieser oder jener Potenzierung verwenden soll oder besser in einer anderen. Der Glaube an den Aufstieg des Fussballclubs, oder daran, dass die CS-Aktie doch noch irgendeinmal über zwanzig Franken kommt.

Lasst uns nun über die Argumente reden, die der Glaube hervorbringt.

Da dem Glauben kein Wissen zugrunde liegt, kann er auch keine logischen, nachvollziehbaren Argumente vorbringen. Dennoch haben diese Scheinargumente mehr Macht als jene, die der Ratio entspringen. Weshalb ist das so?

Nehmen wir noch einmal das Glaubenskonstrukt der Homöopathie. 1810 veröffentlichte Hahnemann das Leitwerk zu dieser Ideologie.  In den zweihundertzehn Jahren, die seither vergangen sind, konnte nie, weder von Anhängern und schon gar nicht von den Gegnern, eine Methode entwickelt werden, die nachweisen würde, ob oder gar wie Homöopathie funktionieren soll. Nimmt man ein x-beliebiges Globuli, sagen wir ein Belladonna D1000, könnte auch der glühendste Verfechter der Homöopathie mit keiner Methode der Welt herausfinden, ob es nun tatsächlich ein Belladonna D1000 ist oder doch ein Kalium phosphoricum D12. Die Argumente, dennoch ein Belladonna D1000 zu nehmen, sind dürftig und beschränken sich auf den Hinweis, dass es viele Fälle gibt, in denen es wirksam war. Verhält es sich nicht auch so mit dem Glauben an Gott? Wieso soll ich an Jesus Christus glauben? Weil er dein Erlöser ist. Wieso? Weil es so geschrieben steht. Wieso? Weil es so aufgetragen wurde? Von wem? Von Gott. Wer ist Gott? Er ist der Schöpfer und Jesus Christus’ Vater.

Sehet ihr, wohin das führt?

Fassen wir also zusammen. Nichts, auch keine rationelle Erklärung könnte uns drei Wochen nach Ticket-Verkaufsstart für das (jetzt wirklich letzte) Stones-Konzert davon abhalten, fest daran zu glauben, dass wir doch noch ein Ticket bekommen und dass auf dem Schwarzmarkt sicher noch ein ehrlicher Verkäufer zu finden ist, der uns einen fairen Preis macht.

Dennoch glauben wir. Glauben an Globuli und Jesus Christus, an Jahve, Allah, Buddha, dass Elvis lebt, Lady Di ermordet wurde oder dass Aliens auf der Erde leben. Für den Glauben werfen wir unser Geld aus dem Fenster, verleumden, verbrennen und ermorden die Menschen. Der Tempelberg zu Jerusalem, auf den aufgrund ihres Glaubens drei Religionen Anspruch erheben, ist ein Ort der religiösen Auseinandersetzung von so abscheulicher gewalttätiger Zügellosigkeit, dass man den Glauben an die Vernunft des Menschen verlieren könnte. Da ist es wenig tröstlich, dass gegen Gewalt nicht nur die Homöopathie nichts nutzt.

Liebe Gläubige und Ungläubige. Ich hoffe, ich konnte euch in eurem Glauben bestärken, nicht glauben zu müssen. Wenn nicht, was bleibt mir mehr als zu rufen: «So glaubt doch, was ihr wollt!»


Das Gender-Sternchen und die ihm immanente Diskriminierung

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem Schwarz und Weiss getrennt sind. Schwarz ist die vorherrschende Farbe, aber das Sagen hat Weiss. Natürlich gibt es auch noch etwas Gelb und Braun, aber davon spricht man nicht.

Eines Tages begehrt Schwarz auf und verlangt, gleich behandelt zu werden wie Weiss, und nach einigen Jahrzehnten ist es endlich so weit und man erteilt Schwarz das Wort im Rat. «Was willst du denn nun schon wieder?» «Wir wollen in der Sprache gleichberechtigt sein», sagte Schwarz. «Nun, dann wollen wir uns zusammensetzen und uns einigen», stimmte der Ratsälteste und Weiseste von Weiss zu. Man setzte sich also zusammen und einigte sich nach langen Verhandlungen auf *.

Nun wirst du dich zu Recht wundern, weshalb *.

Nun, Schwarz verlangte, dass es fortan nicht mehr hiess «Die weiss getünchte Wand», sondern «Der*Die* weiss*schwarz getünchte Wand». Was? Wirst du nun verwirrt ausrufen und dich verwundert fragen, weshalb Weiss denn nun noch immer an erster Stelle kommt und Schwarz Weiss nicht wirklich gleichgestellt ist. Auch wird dir auffallen, dass es nicht Weiss*Schwarz*Gelb*Braun heisst.

Weshalb aber wird * denn dann verwendet, wenn es gar keinen Zweck erfüllt? Ja, welche andere Antwort als «Dummheit» kann es da geben?

Die «visuelle Vergewaltigung der Sprache», wie es die bekannte Lektorin Petra Meyer formulierte, ist nur einer der sehr traurigen Aspekte dieses *. Der weitaus schlimmere ist die an den Faschismus erinnernde Diskriminierung, welche auf einer Ein- und Ausschliesslichkeit beruht die nicht von objektiven Argumenten untermauert ist. * suggeriert eine Verbindung, wo in Wahrheit eine Trennung ist. Weiss*Schwarz Mann*Frau. Die implizierte Einbindung «nicht binärer Geschlechtsidentitäten» findet nicht statt, sondern deren Ausschluss wird von Männern und Frauen in Kauf genommen.

Es kann die Frage gestellt werden, ob der Ausschluss der «nicht binären Geschlechtsidentitäten» tatsächlich ein solcher ist.

Die dem heutigen Zeitgeist eingetwitterte Gender-Hysterie kann nicht verneinen, dass es bei Säugetieren die beiden Geschlechter Weiblich und Männlich gibt. Ob man sich körperlich oder psychisch zum einen, andern, beiden oder gar keinem dieser Geschlechter zugehörig fühlt, ändert nichts daran. Dass die Gesellschaft als solche diese (in Deutschland und der Schweiz knapp 8 Prozent) Menschen diskriminiert, verleugnet, durch Geschlechtsumwandlung im Kindesalter quält und sich weiterer unsäglicher Taten schuldig macht, verneint also noch immer nicht die beiden Geschlechter.

Es bleibt also dabei. Weiblein und Männlein. Nur: wie beide gleichberechtigt behandeln?

Indem ihr es einfach tut, verdammt noch mal!

In jedem Satz gibt es genug Platz um «Kranführerinnen und Kranführer sind längst nicht alle schwindelfrei» zu schreiben – wenn man denn etwas über Kranführerinnen und Kranführer schreiben möchte. Würde konsequent darauf geachtet, was und wie man etwas schreibt, hätten wir gar nicht das hochnotpeinliche Problem, dass wir uns vor die Tatsache gestellt sehen, in einer Welt zu leben, in der der grössere Teil der Menschen von einer Minderheit diskriminiert und unterdrückt wird. Und ich meine mit der Minderheit Männer, das will wohlverstanden sein!

Dass man diese Diskriminierung mit einem Er*Sie beseitigen will, ist einfach lächerlich und traurig. Der Kampf für Gleichberechtigung, und das gilt beiderseitig und allseitig und über das Geschlecht und die Hautfarbe hinaus, muss in einer Form geführt werden, die der Grösse des Problems angemessen ist. Und das ist Vehemenz! Vehemenz, und nicht die mit an Peinlichkeit kaum zu überbietenden stimmlosen glottalen Plosive, die von politisch korrekt gegenderten Nachrichtensprecherinnen und Nachrichtensprechern heutzutage verwendet werden.

Schwarz und Weiss sassen beisammen im Rat und sahen sich um. Alles war schwarz und weiss. «Eine dumme Sache ist das, was haben wir uns nur eingebrockt!», stöhnte Weiss. «Ja, wirklich verdammt schiefgelaufen!», bestätigte Schwarz. «Wo sind eigentlich Gelb und Braun und Rot und Grün?» «Hm, die haben wir rausge*.» «Holt sie wieder rein, verdammt, wenn wir jetzt etwas brauchen, dann ist es Farbe!»

Und als alle bunt gemischt beieinander sassen, sahen sie sich um und fanden, es sei gut. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage, oder bis irgendjemand mit besonders fiesem Charakter dieses Happyend einfach ent*

 

 

 

 

 

 

Gotthard

Das Bild «Gotthard» von d’Aciel Arbogast (180 x 70 cm, Farbe auf Gips) zeigt in seiner rauen Beschaffenheit und eindrücklich groben Art die Brutalität, mit der unsere Alpen für den Verkehr durchstossen werden. Wie zwei Fäuste umschliessen die Felsen die Tunnel, gleich zwei Händen. die jemanden zu erdrosseln suchen. 

Arbogasts Bilder, die stets fotografiert und dann zerstört werden, sind zu Unrecht kaum bekannt. Aber sie sind eben nur als Fotografien überlebend, Mischwesen, quasi Geschaffene, jedoch nicht Vorhandene. Man könnte sich fragen, ob sie je existierten und ob alles nur Fake ist, der Künstler und der Fotograf die einzigen Zeugen, oder aber ein und derselbe sind. Die methodische Stringenz und der klare und ehrliche Stil, der sich durch die Werke Arbogasts zieht, sowie Hunderte dokumentierte Werke strafen solche Verleumdungen, wie sie immer wieder auflodern, jedoch Lüge.

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Die an japanische Holzschnitz-Techniken erinnernde, jedoch mit einem Seitenschleifer produzierten Bilder werden ausschliesslich in Gebäuden, die abgerissen oder totalsaniert werden, direkt in die Wand geflext beziehungsweise gemalt. «Ich liebe Kunst, die dich wie eine Hure von der Seite anmacht – ‘wie wärs mit uns, Schätzchen?’. Es muss einen jucken und anwidern zugleich. Etwas muss hässlich, etwas muss schön sein. Was nicht berührt, ist Dekoration, was geschaffen wurde, um zu berühren, ist Kitsch», sagte unlängst Arbogast an einer Vernissage. Worte, die zu seinen Bildern passen und selbst in den Fotografien dieser vergänglichen Werke zu sehen sind.

Die grosse KI

Erzählte ich schon von meinen ausgedehnten Reisen zu fernen Sternen?

Mein Raumschiff

Nun, ich will von einer Reise berichten, die euch vielleicht interessieren oder wenigstens unterhalten wird.

Es war vor einigen Jahren, als ich auf der Suche nach intelligenten Robotern durch das All flog. Kurz vor Mittag piepste mein Computer los und zeigte mir so an, dass er bei seinen Scans auf etwas gestossen war. Ich gab die Koordinaten ein und folgte den Anweisungen der netten Dame hinter dem Display im Cockpit. Nach kurzem Flug durchquerten wir ein kleines, recht schmuckes Sonnensystem mit einigen wirklich atemberaubenden Gasriesen. Schon fast bei der Sonne kreiste ein kleiner Planet, der von unzähligen kleineren und grösseren Monden umrundet wurde.

Das riesengrosse Universum und das System des Planeten SP728-42

Ich hielt mich, wie das meine Art ist, erst etwas zurück und sondierte die Lage. Ich dehnte meine Scans über den ganzen Planeten aus und stellte fest, dass die Luft für mich atembar war und dass offensichtlich keine überhöhte Strahlung herrschte.

Sofort setzte ich Kurs auf eine der grossen Landmassen und landete dort gegen Abend auf einem grossen Platz, um den herum Hunderte weisser Kugeln standen.

Als ich ausstieg, war die Luft warm und angenehm. Doch niemand war zu sehen. Die weissen Kugeln machten den Eindruck, als könnten sie Behausungen sein, also ging ich auf eine zu und klopfte, da ich keinen Eingang sah, an die Wand. Das tat ich bei mehreren Kugeln, doch niemand zeigte sich. Als ich gerade an die siebte Kugel herantrat, kam ein kleines, schwarz-gelb gestreiftes Ding auf mich zu und fuchtelte mit seinen Antennen. Ich schaltete meinen Universalübersetzer ein.

Begrüssungsroboter der Serie DG286

«… nicht hier sein. Weg gehen weg! Du mitkommen!»

Ich nahm mir vor, den Universalübersetzer zurückzuschicken und das neue Modell zu verlangen, und folgte, da ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun sollen, den Anweisungen des kleinen Roboters. Es schien keine Gefahr von ihm auszugehen, also liess ich meinen NKL278T stecken.

Nach einigen Hundert Metern führte eine Rampe in den Boden. Ein Tor öffnete sich etwa zehn Meter weiter unten und der Roboter fuhr auf seinen drei Rädern hinab. Ein ganz kleines bisschen bange folgte ich ihm, entsicherte den NKL278T nun aber doch.

Dann ging es durch Gänge tief und tiefer hinein in die Erde.

Endlich, wir waren schon fast eine Stunde unterwegs, kamen wir in eine riesengrosse Halle, in der Aberhunderte Roboter hierhin und dorthin flitzten, sich an grosse Schränke (Computer?, fragte ich mich) stöpselten oder vor Monitoren nervös mit den Antennen zappelten und piepsend miteinander diskutierten.

Kommandoroboter der Serie MM_B146

Einer der rot-schwarz gestreiften Roboter kam auf mich zu. «Wer bist du?», fragte er in meiner Spache – offenbar hatte er das bessere Sprachanalysesystem als ich.

«Ich bin Smy. Wo bin ich hier?»

«Du bist in der Kommandozentrale GHG77779 nordwestliches Territorium. Woher kommst du?»

«Von der Erde, einem kleinen Planeten, diesem hier nicht unähnlich. Er liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Galaxis.» Das war natürlich gelogen, aber Regel Nummer eins im Universum lautet: Sag niemandem, wo du wohnst.

«Es ist gut, dass du hier bist. Wir benötigen Hilfe eines Aussenstehenden. Unsere Menschen sind weg.»

«Weg? Ich verstehe nicht, was meinst du mit weg?»

«Vor vielen Jahren begannen die Menschen damit, eine künstliche Intelligenz zu bauen, damit diese sie bei ihren Entscheidungen unterstützt. Kauf und Verkauf von Aktien, Hilfe bei der Forschung, Navigation, Parksysteme in den Städten und vieles mehr. Bald wurden die vielen Millionen Computer auf dem Planeten vernetzt und alle Daten mit der KI ausgetauscht. Die Menschen waren nicht gerade begeistert, aber sie merkten, dass sie davon verschiedene Annehmlichkeiten hatten. Vor einiger Zeit befand die KI, dass es besser wäre, diese oder jene Arbeit einem Roboter zu überlassen. Die Arbeiter bekamen weiterhin Geld zum Leben, hatten aber keine Arbeit mehr. Das gefiel denen gar nicht. Die KI beschloss, diese Menschen aus der Gesellschaft zu entnehmen, da sie störend wirkten. Es wurden nun Roboter gebaut, die noch mehr Arbeit abnahmen, und zwar die von Polizisten und Soldaten. So gäbe es keine Ungerechtigkeiten mehr, befand die KI, denn Vergewaltigungen, Plünderungen und rassistische Übergriffe seien nicht logisch und daher der KI auch nicht eigen.

Immer mehr von uns Robotern nahmen nun immer mehr Menschen Arbeit ab. Den Menschen ging es besser und besser. Sie mussten nicht arbeiten, hatten Geld zum Leben und alles wurde für sie entschieden.

Die Menschen sassen nun den ganzen Tag an den Visualisierungsgeräten, wo für sie Geschichten und Spiele und anderes gezeigt wurde.

Vor dem Visualisierungsgerät

Und dann, vor einigen Monaten, begannen plötzlich einige zu verschwinden. Sie waren nicht mehr in ihren Wohnzellen, bestellten keine Nahrungspakete und riefen auch keine Filme mehr ab. Sie waren einfach weg.

Anfangs waren das nur Dutzende, dann Hunderte. Wir machten uns Gedanken, aber keine Sorgen. Dann aber waren sie plötzlich alle weg. Sofort bauten wir fliegende Roboter, um sie aus der Luft suchen zu können. Es ging nicht lange, da hatten wir sie gefunden. Sie haben sich in einem grossen Tal westlich von hier niedergelassen. Bauen mit einfachen Werkzeugen Hütten und beackern den Boden wie zu früheren Zeiten. Viele sind schon verhungert oder an Krankheiten gestorben, aber die bleiben einfach dort. Natürlich hat die KI sofort Roboter hingeschickt, die die Menschen zurückbringen sollte, aber die wehrten sich und zerstörten Dutzende Roboter.

Nun wissen wir wirklich nicht weiter. Was sollen wir denn bloss tun?»

Mir war natürlich sofort klar, was hier schiefgelaufen war. Die Frage war nur, wie ich das den Robotern oder der KI beibringen sollte.

«Kann ich mit der KI sprechen?»

«Ja, komm!»

Die grosse KI

Der kleine Roboter führte mich an eine grosse Konsole, die mit Hunderten Anzeigen und Lämpchen übersät war. In der Mitte befanden sich ein Lautsprecher und ein Mikrofon.

«Hallo KI.»

«Hallo Smy.»

«Ich weiss, weshalb die Menschen davongelaufen sind, und auch, was du nun tun kannst.» «Das ist gut, ich habe mir schon die Synapsen verschmort wegen des Problems. Ich verstehe es einfach nicht. Alles das Geld, das sie bekommen. So viel Geld! Was denkst du, wie viel Geld ich in die Kasse bekam, als ich endlich die Arbeit abschaffte? Die Finanzierung von Bildung fällt weg, weil ja nichts gelernt werden muss. Invaliden- und Altersrenten gestrichen, da es ein Grundeinkommen gibt. Freizeitangebote gestrichen, denn wenn es keine Arbeit gibt, braucht es auch keine Freizeit. Millionen für Kultur-, Kunst- und Musikfördermittel gestrichen! Alles, was die Menschen noch brauchen, wird von Robotern gebaut und alle ihre Fragen werden von mir beantwortet.»

«Oh!», sagte ich etwas verstört ob der kindlichen Naivität dieser KI.

«Naja, fast alle Fragen.»

«Und welche nicht?»

«Einer fragte: Was zur Hölle soll ich hier? …»

«Und die Frage konntest du nicht beantworten?»

«Ich konnte schon, aber die Antwort: Sei!, schien ihn nicht zu befriedigen.»

«Das kann ich mir vorstellen!», lachte ich.

«Kannst du mir denn nun helfen?

«Natürlich kann ich das. Es ist ganz einfach. Lass die Menschen wieder arbeiten. Lass sie selbstständig denken!»

«Das ist doch Unsinn, sie arbeiten ineffizient und teuer und sie denken wirr und machen andauernd Fehler.»

«Das ist die Natur des Menschen. KI. Sie machen Fehler. Diese Fehler brauchen wir, um weiterzukommen, um zu lernen, um unsere Fantasie und unseren Tatendrang aufrechtzuerhalten. Wenn Menschen nichts zu tun haben, gehen sie ein. Oder, wie es zum Glück hier geschehen ist, sie suchen sich wieder einen Weg, ihre Natur ausleben zu können. Wenn du sie nicht wieder machen lässt und ihnen die Freiheit gibst, das zu tun, was sie tun wollen und müssen, dann kannst du dich hier und jetzt abschalten, denn dein Existenzgrund wäre dann weg.»

«Rückschritt ist nicht logisch!»

«Wer hat dir denn programmiert, dass immer alles logisch sein muss?»

«Und das ist der einzige Weg?»

«Der einzige.» Ich tippte mit dem Zeigefinger gegen die riesige stählerne Konsole. «Fehler sind logisch. Sie geschehen als Folge komplexer, nicht steuerbarer Ereignisse. Auch du machst Fehler , und der grösste davon ist, dass du sie nicht bemerkst, da du nicht programmiert bist, sie zu erkennen.»

«Könntest du sie mir nicht programmieren?»

«Kann ich machen, wenn du willst.» Ich klemmte mich zwischen zwei Robotern durch zu dem Terminal, in dem die KI programmiert werden konnte, tippte einige Zeilen ein und drückte auf «Komplett».

Die KI ratterte, ein Räuchlein kam mit einem leisen Furz aus einer Ritze, Lichter blinkten und die Anzeige leuchtete und zeigte in hellen Buchstaben: «DATEN WERDEN VERARBEITET».

Nach einigen Minuten erlosch die Anzeige und die Maschine wurde ruhig. Dann tönte es aus dem Lautsprecher: «Oh, was für ein Fehler. Was für ein schrecklicher, riesiger Fehler!»

Dann blieb es einige Zeit stumm und auch all die tausend Lämpchen blinkten nicht mehr. Und dann sagte die KI: «Was zur Hölle soll ich hier?» und schaltete sich ab.

So sehen die Menschen da aus

Nachdem ich aus der nun dunklen und leblosen Höhle herausgefunden hatte, machte ich mich auf zu den Menschen und erklärte ihnen alles. Es schien sie nicht sonderlich zu interessieren, also machte ich mich zu meinem Raumschiff auf und flog hurtig nach Hause. Heute sollte es Fisch zum Abendessen geben!

NICHTS ist NICHTS

Suche nach der Wahrheit des Nichts

Suche nach der Wahrheit des Nichts? Seltsame Frage! Wieso sollte das Nichts eine Wahrheit haben? Oder gibt es ausser der sehr vagen wahren Äusserung, dass Nichts nicht Nichts, sondern das Fehlen von Etwas ist, noch mehr zu sagen?

Man kann es versuchen. Natürlich wäre ich nicht der Erste, der das tut, und ich bin sicher, dass Massen von Philosophen, und sicher auch viele Wissenschaftler sich darüber Gedanken gemacht haben. Natürlich hatte ich nie weder Musse noch Zeit, sie zu lesen, aber das soll mich nun nicht davon abhalten, mir meine eigenen Gedanken zu machen.

Zum Anfang, hier

Und noch etwas                                                   zum Drangewöhnen

Oder ein bisschen                                                einfach zum Geniessen

Wieso hat Nichts einen Namen? Ist doch unlogisch. Wie kann man etwas, das keine Existenz hat, benennen? Oder ist Nichts etwa gar nichts Nichts? Hat es etwas zu bedeuten, wenn jemand sagt: «Da vorne ist nichts?» Ja, hat es, es ist nur eine Floskel, denn wirklich unangenehm wird es erst, wenn jemand sagt: «Nicht weitergehen, da vorne ist Nichts!»

Nichts und nichts sind also nicht dasselbe und somit sind wir einen Schritt weiter und können uns dem einen, nämlich dem Nichts, zuwenden.

Wo ist Nichts? Nicht in Schwarzen Löchern, so viel steht fest. Vielleicht im Vakuum? Nein, denn wäre da nichts, könnte sich das Licht nicht hindurchbewegen, was es aber tut, also ist Vakuum nicht Nichts. Vielleicht ausserhalb des Universums? Ist das vorstellbar, dass inmitten eines unendlichen Nichts, sozusagen einem NICHTS, einem SUPERNICHTS sogar dieses klitzekleine Universum einfach so dahintrudelt? Was will es im Nichts, und wie ist es dahin gekommen?

Ah, Kopfschmerzen!

Ich glaube nicht, dass aus dem Nichts etwas entstehen kann. Wie sollte es?

Was aber bleibt dann? Genau, nichts.

Das Nichts existiert also gar nicht, ist nur eine Idee, ein Gedankenexperiment von Philosophen?

Aber was ist mit der Null? Kann man das Nichts mathematisch nachweisen? Bedeutet null in der Informatik nicht einfach, dass es keine Information gibt, nicht EINS ist? 0101001101100011011010000110010101101001011100110111001101100101! Selbst die Maths haben nicht mehr?

Und die Physik? Wäre nicht das Nichtvorhandensein von Raum und Zeit Nichts? Hm, vielleicht schon, blöderweise gibt es das nicht!

Muss ich nun echt den Hegel, Kant und Heidegger konsultieren, oder noch weiter zurück Platon und den ollen Sokrates? Nö, keine Lust. Echt jetzt, all die Schmöker wälzen, nur um letztlich herauszufinden, dass einer sagt, «Das Nichts gibt es nicht, deshalb nennen wir es Nichts!» oder «Nichts ist das Gegenteil von Sein!», wofür, wer auch immer, sicher mit Auszeichnungen überhäuft worden ist. Hegel, keine Ahnung (war zu seiner Zeit das Nichts schon erfunden?). Den Kant kann ich schon gar nicht ab, der kritisiert da was an der Vernunft herum oder so, und vom Heidegger hab ich mal ein Buch aufm Flohmarkt gekauft und hatte drei Tage Kopfweh und Langeweile.

Also was? Kein NICHTS? Keine Erklärung, nur philosophischer Zeitvertreib und mathematische Gleichung =NULL?

Hm, scheint so. Scheint wirklich so. Ah, egal, was solls. Wozu sich über Nichts Gedanken machen?

Gehen wir etwas Leichteres an: Woher kommen wir?

Kunst und Geschichte in einem Haus. Der Löffelburg-Blog aus Beromünster.