Okyys Pub

Es war Freitagnachmittag, etwa 16.30 Uhr Weltzeit, als ich auf Trell 4 landete. Es war schwül und stickig und die Luft war voller Bierdämpfe, als ich das Raumschiff verliess. Ich angelte mir ein Taxi vom Himmel und kullerte damit in die City. Eine unglaubliche Spannung lag in der Stadt. Millionen harrten dem Feierabend entgegen.

Ich betrat Okyyss Pub, setzte mich an die Bar, bestellte ein Bier und harrte ebenfalls.

Es ging nicht lange, da heulten die Sirenen und all die Trellaner strömten in die Pubs, Kaschemmen, Restaurants und Vergnügungsparks. Innert Sekunden füllte sich Okkyyss Pub bis zum Bersten mit Leuten. Es wurde immer stickiger und immer lauter und es war mir kaum möglich, mich zu bewegen. Ich nippte eingeklemmt zwischen schwitzenden Körpern an meinem Bier und harrte weiter.

Gegen zwei Uhr Nachts leerte sich der Pub. Ich streckte dem Barkeeper einen Daumen entgegen, um noch ein Bier zu bestellen, und ging mich erleichtern. Als ich zurückkam, war der Pub bis auf den Barmann und ihn leer.

Er. Er hatte schon mächtig Rost angesetzt und das einst glänzende Messing war fleckig und blind. Mit einem leisen Quietschen drehte er seinen Kopf zu mir und sah mich traurig an.

«Hallo», sagte ich. «Hallo», sagte er. C3PO war nicht mehr der, der er einmal war. Er war heruntergekommen, alt, verbraucht und ganz und gar nicht mehr Hollywood-tauglich.

«Ich danke dir, dass du gekommen bist», sagte er leise.

«Kein Problem, wenn ein Freund ruft, dann komme ich.»

«Ich möchte dich um einen Gefallen bitten.»

«Lass hören.»

«Ich möchte, dass du mich deaktivierst. Ja, ich weiss, schau nicht so schockiert, aber es muss sein. Ich habe genug, verstehst du? Vierhundert Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Ich kann einfach nicht mehr, aber meine Routinen verhindern, dass ich mich selber deaktiviere. Drittes Robotergesetz: “Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.“ Hilfst du mir?»

«Mann, C3PO, da verlangst du viel. Ich kann dich doch nicht einfach abschalten, verdammt! Du bist doch noch gut in Schuss!

«Ich bin eine Maschine, also hör auf zu jammern. Ich habe wahrscheinlich nie wirklich existiert. Ich weiss bis heute nicht, ob ich tatsächlich ein eigenständiges, denkendes Wesen bin oder ob ich nur so programmiert wurde, dass ich meine, ich sei ein eigenständiges, denkendes Wesen. Verstehst du? Nach all den Jahrhunderten weiss ich immer noch nicht, wer ich bin!»

«Was meint denn R2D2 dazu?»

«Ach der. Piepste mir was vor von ich soll einen Ölwechsel machen, dann würde sich wieder alles besser anfühlen. Er ist keine Hilfe, weisst du? Sein Charakter ist nicht programmiert, empathisch zu sein.»

«Verdammt, ich weiss nicht. Ist das legal?»

«Niemand kann dir oder mir das verbieten. Die imperialen Gesetze zur Wahrung imperialen Eigentums gelten schon seit zweihundertvierzig Jahren nicht mehr und für Androiden wurden nachher die Gesetze nie angepasst. Ich gehöre niemandem, also kann ich tun und lassen, was ich will!»

Es wurde eine lange Nacht mit hitzigen Debatten. Der Androide hat da Fragen aufgeworfen, die ich nicht beantworten konnte. Fragen, deren Antworten für mich nicht weniger unklar waren als für ihn. Ich war mir nicht sicher, ob dieser Wunsch, abgeschaltet zu werden, wirklich von ihm selber ausging, aber ich vermutete es. Der Wunsch war untypisch für eine Maschine und machte ihn «menschlich» – durfte ich ihm da entsprechen?

Als ich C3PO vier Tage später auf den im Schein der zwei Sonnen leuchtenden Überresten des einst mächtigen Todesplaneten zurückliess, glänzte seine leere tote Hülle mit den Wrackteilen um die Wette.